Ausgabe 
8.11.1888 Erstes Blatt
 
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welch' bltt'r s Geschick ihrer harrte. Denn wahrend sie bei den Eltern um den Segen flehte, war ihr Herzallerliebster mit ihrer Mutter, einer noch sehr lebenslustigen, wohl- conservirten Dame durchgebrannt. Auf dem Tische lag ein Couvert mit der Summe von zehntausend Mark in Banknoten und ein mit Bleistift geschriebener Zettel worin ihr der getreue Bräutigam eröffnete, daß er sie nicht ehelichen könne, weil er ohne seine Schwiegermutter nicht zu leben vermöge. Wohin sich das zärtliche Värcken ae- wendet, hat bis jetzt noch nicht ermittelt werden können. 0

'ne erschütternde Tragödie hat sich der Frkf. Ztg. zufolge in der Fa­milie bi - Musikdirektors Engelmann in Meerane (L-achsen) dieser Tage abgespielt. Die jugendtt^e Gattin des bedauernswerthen Mannes wurde über den Verlust eines ver­storbenen Kindes plötzlich wahnsinnig und durchichnitt in diesem Zustande ihrem zweiten Kinde den Hals. Sie richtete dann die Waffe gegen sich selbst und brachte sich mehrere liefe Stichwunden am Halse bei, wurde jedoch durch das zuiLllige Eintreten einer Verwandten gerettet. Dem Vater wurde die schreckliche Nachricht inmitten einer frohen Hochzeitsgesellschast überbracht.

Weinheim, 5. November. Die Raffinirtheit gewisser Händler und die Unbe- holsenheit mancher Landleute erfährt durch nachstehende Thatsache eine drastische Jllustra- tton. Anfangs 1885 verkaufte der Händler S. dem Landwirth I. zu O. eine trächtige Kuh um 270 Ma k. Der Käufer sollte die Kuh behalten, bis sie zu Dreien stehe und sollte überdies bis dorthin die Kaufsumme verzinsen. Nach 3 Jahren sollten die Thiere verkauft und der Mehrerlös nach Abzug der Zinsen und des Kaufpreises zwischen beiden Parteien getheilt werden. Aus dem kürzlich faktisch erfolgten Verkaufe der alten Kuh, einer hochträchtigen Kalbin und eines Rindes wurden 700 Mark erlöst. Für Zinsen und Kaufpreis gingen 290 Mark ab und der glückliche Landwirth erhielt die Hälfte des verbleibenden Restes mit 205 Mk. Dafür hatte er drei Jahre lang drei Stuck Vieh gefüttert und nur die alte Kuh zur Arbeit benutzen können. Der Handels­mann dagegen gewann außer seinen Zinsen noch 205 Mk., worauf keinerlei Auslagen ruhten. Durch Entlehnen der Kaufsumme aus einer Darlehenskasse hätte sich der übervortheilte Bauer den ganzen Nutzen sickern können. Man sieht jedoch, daß einer­seits der Unverstand und andererseits der Wucher in feinerer Form immer noch blüht. . . Ein Engländer mit einem Glasauge kam nach Ostindien unb$müthete die dort übliche starke Dienerschaft, darunter auch einen, dessen Aufgabe cs war, den Herrn wahrend der Nacht zu fächeln. Begreiflicherweise verrichteten Diener dieser Art ihr Amt nichts weniger als gewissenhaft und hören mit der Arbeit auf, sobald sie ihren Herrn fest eingeschlafen sehen. Der neue Ankömmling wußte dies und war daher nicht wenig belustigt, als er eines Morgens zufällig die Unterredung mehrerer Diener belauschte, die sich gegenseitig Mittheilungen über ihre Nachtruhe machten. Der seintge bnnerkte kopfschüttelnd zu den andern, die der Nacht ohne Scheu ihr Recht gaben' "Das geht bet mir nicht. Mein Herr ist zu schlau. Wenn er schlafen geht, fo nimmt er ein Auge heraus und legt es auf einen Tisch, um mich zu beobachten; das schläft dre ganze Nacht nicht und ich muß ununterbrochen fächeln, bis am Morgen auch das andere Auge aufwacht."

Literarisches.

^Land-Kalender für das Grotzherzogthum Hessen. Auf das Jahr der gnadenreichen Geburt Jesu Christi 1889." Darmstadt, Vellag der Großherzoglichen Jnoaliden-Anstalt. 00

Wie kein zweiter hat sich der Land-Kalender seit unvordenklichen Zeiten der- selbe erscheint nunmehr in feinem 179. Jahrgange - in unserem Großherzogthum heimisch zu machen gewußt. Das liegt nicht nur an seiner außerordentlichen Reich­haltigkeit, die Alles umfaßt, was lediglich von einem Kalender verlangt werden kann sondern und vorzugsweise an der religiös-sittlichen Tendenz, die seinen belletristischen Inhalt durchzieht und die ihn in jedem christlichen Haufe schon lange zu einem lieben Freunde gemacht hat, dessen Erscheinen alljährlich mit neuer Freude begrüßt wird. Auch oiesmal ist die Titelseite des Kalenders mit dem Bildnisse Sr. Königl Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. geschmückt. Die Innenseiten enthalten die Genealogie des G otzh. Hessischen Hauses, sowie die Tafel der früheren Regenten der Großh Linie des Gesammthauses Hessen, ferner den Kalender der Juden, die Erscheinung der Planeten, Jnteressen-Rechnung rc. Dann bilden den eigentlichen Inhalt des Kalenders

Laudwtrthschaftliche Nachrichten

__ (Nachdruck verboten.)

Kurchlustung der Erde in den mtftbeeten.J Von großem Vortheil für das Ä. in den Mistbeeten würde es fetn, wenn die Erde, bevor sie in

d e Mistbeete kommt recht reichlich durchlüftet würde, da dieselbe, wenn die Fenster °a .in llwhlthätiger Weise beeinflußt wird, wie di-

Gartenerde, es muß hier also darnach gestrebt werden, dasselbe vorher zu thun und ist hT TS Cram "br^n geeignete Zeit. Zu diefem Zweck wird die Erde im Herbst sobald als moglrch auf meterhohe Hausen gebracht, darauf wird sie tüchtig durck- worfen oder geschaufelt und dann mit vergorenem Abtrittsdünger übergossen. Bei Schneefall muß man darauf achten, daß der Schnee von dem Haufen sorg- ,enh Cr q Zweck des Durchlüftens nicht erreicht wird, weil der

Schnee der Luft den Zutritt verwehrt. Sobald der Frost bann 10 Zentimeter tief in ben Haufen e ngedrungen ist, wird die Frostdecke mittelst Rodehaue abgenommen und n ^oßen L-tucken aufgeschichtet. Wenn sich dann eine neue Frostdecke gebildet hat dieselbe wieder entfernt und geschieht dies so lange, bis der ganze Haufen in' daliegt. Auf diese Werse erhält man eine ganz vorzügliche, lockere Erde, welche zur Aufnahme der Pflanzen weit mehr geeignet ist, als die nicht so behandelte und kann man dies auch an dem kräftigeren Gedeihen der Pflanzen sehen.

lDas Lanolin als Leder- und Huffett.j Praktische Mittel können nicht ost genug empfohlen werden und wir wollen hier deshalb nochmals ein Mittel anfübren das allerdings schon genügenden Ruf erlangt zu haben scheint, dennoch wohl noch nicht allen bekannt ist. Es ist dies das Lanolin, ein Fett, welches aus der Wolle der Schafe gewonnen wird. Seine vorzüglichen Eigenschaften für die Weichhaltung von Leder­werk, besonders aber auch für hornige Massen, wie die Hufe der Pferde, verdankt es seiner außerordentlich großen Fähigkeit, sich mit Wasser zu verbinden, in welcher es alle anderen Fette weit übertrifft. Ebenso ist dieses Fett auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil es viel weniger leicht ranzig wird als andere thierische Fette. So vereinigt es tn sich alle Eigenschaften, die es geeignet erscheinen lassen, als ein besonders gutes Conservirungsmittel für die Hufe dec Pferde und auch für das Lederwerk zu gelten.

solcher für Evangelische und für Katholische, die Feiertaae beider a

V-rzcichniß der Messen und Märkte nach amtlichen Mitthcilungen, ^ü? jeden Monas eine» Kalender für die jeroetlig vorzunehmenden landwirthschaftlichen Arbeiten soaen^ Bauernregeln u s. w Die RubrikZur Unterhaltung und Belehrung des Bürgers und Landmanns" wird mit dem, mit einer hübschen Titelvignette gerierten nerb^Ä^ Spruch eingeleitet:Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden Menschen ein Wohlgefallen!" Es folgt ein so reckt aus dem Leben gegriffener Stoffs die Pferde durchgehen!" dessen Nutzanwendung aus die mannia-

Atigste Weise variirt wird; dann in bunter Reihenfolge historische und andere & ChMna^<° Cn 2C,;Rüsselsheim" von Ernst Wörner, eine historische h/L65 ? -nSe Itit ^er Geschichte des hessischen Fürstenhauses und des hessischen Staates verknüpften Ortes, nebst einem Bilde desselben nach Merian aus der Hülste des 17. Jahrhunderts; dannAlte Geschichte", nach einem altdeuttcken Ä5??Silcher", ein Gedenkblatt für 1889 von H. A Köstlin-

Obstbaumpflege";Worms vor 200Jahren"- derLandwirthschaft und für die Landwirthschaft";Die Eheschließung"- Ein Heilmittel";Liebig's Fleischextract"; die alljährlich wtedettehrende Schilderung der Weltbegebenheiten für das verflossene Jahr, begleitet von den Bild- ö er$ Wilhelm I., des Kaisers Friedrich III. nebst hoher Frau Gemahlin und des Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin Augusta Victoria. Bei all dieser 25%f09)Qlt ßfett f°ftd bCV ^^'Kalender nur 20 Pfg. (mit Schreibpapier durchschossm

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Allgemeiner Anzeiger.

In der Wagenreparaturhalle auf Bahnhof Gießen soll eine Zwischen­decke hergestellt werden. Zur Ver­gebung der Arbeiten ist Termin auf Montag den 12. November, Vormittags 11% Uhr, im unterzeichneten Eisenbahn-Bau-Jn- spections-Bureau anberaumt. Ange­botsformulare sind von da gegen freie Einsendung von 0,50 zu beziehen. Königliche Eisenbahn-Bau-Jnspection.

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Die Gemeinde Großen-Linden kaust Hafer und Stroh.

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Großen-Linden, am 3. Novbr. 1888. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden.

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