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Gingesandt.

Gießen, 7. (September.

Es ist hoch erfreulich zu sehen, mit welchem Eifer fast fämmtliche Mitglieder des hiesigen Radfahroereins an den Vorbereitungen zu dem nächsten Sonntag statlfindenden ersten großen Radfahrfeft mitwirken. Die Hebungen und Proben im Quadrille- und Kunstfahren, welche wir Gelegenheit hatten einige Abende in Stein's Garten zu beobachten, ferner die in Aussicht gestellten außerordentlich komischen Aufführungen zu Rad, nicht am wenigsten aber die vier verschiedenen Nennen, versprechen einen an Abwechselung und Unterhaltung noch selten erlebten Tag. Die Preise sind, wie wir hörten, seit gestern bei Herrn Blödner, Seltersweg, ausgestellt.

Möge der Himmel dem Verein am Sonntag ein recht freundliches Gesicht zeigen, dann wird der wohlverdiente Erfolg auch nicht fehlen.

Ein Freund des Vereins.

Literarische-.

Im Verlag des Süddeutschen Verlags-Instituts in Stuttgart erschien soeben:

Erzherzog Karls Liebe und Der Kampf um den Niederwald.

Roman von C. By r. Eleg. geb. 10 JL, broch. 8 «//£

In der Gegenwart hat der durch Freytag, Scheffel, Ebers, Jordan rc. mit- begründete halbwissenschaftliche Roman, dessen Technik der Verfasser im zweiten Bande seiner bahnbrechendenDeutschen Poetik" eingehend klarzulegen wußte, auch jene ernsten Männer für den Roman gewonnen, welche sich früher ablehnend dagegen verhielten. Infolge davon hat der Verfasser die künstlerischen Anforderungen an den vorliegenden Roman noch gesteigert. Er erstrebte in volksthümlicher Weise die zielbewußte Hervorkehrung einer großen leitenden Idee; ja, er suchte zum Theil durch Sym- bolisirung dieser Idee seinem Romane die volle sittliche Signatur der Zeit auf­zudrücken.

Aus dem Chaos der Ziele geheimer, wie offener Gegner seines Helden, aus der Energie und Beharrlichkeit des fremden Willens, aus der Elkenntniß des Kampfpreises und aus der Raffinirlheit der Maßnahmen, endlich aber aus der philosophischen Ab­wägung des Geistes aller Verhältnisse wuchsen jene Romansiguren hervor, welche des Verfassers längeres Verweilen in Rom, namentlich aber im Rheingau schuf, wo noch die Spuren der Träger seiner Idee anzutreffen sind.

Der Roman entrollt ein jahrelangen ernsten Studien und Betrachtungen entretfteslebensvolles System der Philosophie; er liefert authentische, höchst interessante Mittheilungen über das Freimaurerthum; er legt die Aufgaben der positiven Frei­denker bloß, wie er u. a. auch die Anregung der Errichtung eines Weltfriedensareopags der spannenden Handlung verwebt.

Wenn dieser Roman schon in der ursächlichen Verschlingung der Begebenheiten und in der Gestaltung seiner eigenartigen epischen Charactere hinter keinem Romane der Neuzeit zurückstehen dürfte, so hat der Verfasser besonders in Veranschaulichung der geistigen Beziehungen, wie in Verwebung des philosophischen Raisonnements seinen eigenartigen Weg eingeschlagen, der den Leser in die hehren Gefilde künstlerischen Genusses und geschichtsphilosophischer Belehrung zu führen vermag.

Zudem ist dieses Werk ein nationaler Roman im edelsten Sinne, der in allen vaterländischen Gauen als ein Beitrag zur Pflege deutschen Geistes erkannt werden wird.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

(Birnen auf einfache Art zu dörren.) Die gedörrten Birnen, welche man gewöhnlich zu kaufen bekommt, sind meistens so hart und mit der Schale gedörrt, daß es wirklich kein Genuß ist, dieselben zu essen: deshalb glauben wir allen Hausfrauen einen Dienst zu erweisen, wenn wir hier ein einfaches Verfahren zur Herstellung von gedörrten Birnen mittheilen. Jede Hausfrau kann die Herstellungsmethode zum Trocknen der Birnen selbst ausführen, da dieselbe sehr leicht ist; dieselbe ist zwar nicht neu, aber sehr gut und verdient in den Haushaltungen alle Beachtung. Das Verfahren selbst ist -folgendes: Die reifen Birnen schäle man gut und vorsichtig, werfe aber die Schalen nicht fort. Die geschälten Birnen bringe man sodann in einen, die gewöhnliche Temperatur des Brodbackens zeigenden Backofen und zwar, wenn die Früchte wenig

ober gar nicht safthaltig sind, auf Hürden; enthalten sie jedoch viel Saft, so muß man sie auf flachen Schüsseln ausbretten. Der ausfließende L>aft ist sorgfältig zu sammeln, stimmt man dann nach einiger Zeit die Früchte aus dem Backofen heraus, so sind sie mit den Fingern soviel als möglich platt zu drücken, doch dürfen sie dabei weder zerquetscht, noch der Stiel abgerissen werden. Hierauf müssen die Birnen wieder in den Backofen geschoben und sodann beim Herausziehen von Neuem auf die angegebene Weise platt gedrückt werden. Das vorstehende Verfahren ist, wenn nöthig, drei- auch viermal zu wiederholen. Während dieser Zeit müssen die aufgehobenen Schalen in Wasser, welchem man dem eventuell gesammelten Saft zusetzt, gekocht werden und zwar so lange, bis sich eine Art von Syrup gebildet hat. In diesem letzteren sind die Birnen, bevor sie zum letzten Mal in den Backofen kommen, einzutauchen. Man erzielt durch dieses fast ganz kostenlose unb wenig umständliche Verfahren ein Eonfect von ganz wundervoller Qualität. Die Birnen erhalten das tiefe Schwarz der feinen gedörrten Pflaumen; sie werden so honigartig, daß sie beinahe zwischen den Zähnen zergehen, unb äußerlich bekommen sie einen Glanz wie bie feinsten in Zucker bereiteten Fruchtconfituren. Alle Sorten Birnen, sowohl Herbst- wie Winterfrüchte, ftnb gleich­mäßig gut verwendbar, nur müssen sie vollständig ausgereist sein. Man kann das so zubereitete Eonfect, wenn man will, in flache Holzschachteln so einpacken unb ein Jahr ober noch länger aufbewahren.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.

Gottesbien st.

Samstag, den 8. September:

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dr. Naumann.

15. Sonntag nach Trinitatis, den 9. September: Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 21/2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Kinderkirche fallt aus.

Am Sonntag den 16. September, findet die kirchliche Feier des Geburts­tages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs statt.

Die PfarrgeschLfte in der Woche vom 9. bis 15. September besorgt Pfarrer Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 7 Uhr Frühmesse; um ^lO Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags um 2 Uhr Andacht.

Mittwoch: Um 8 Uhr Hochamt mit Te Deum zur Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs.

Wärwegrade der Lahn und der Luft,

nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.

Luft 15, Wasser 14 Gr.

Gießen, den 7. September 1888. Rübsamen.

Telegraphischer Eoursbericht

der Berliner Börse vom 7. September 1888.

Oesterr. Creditactten

166.50

Disconto-Com.-Antheile

229.90

Oesterr. Staatsbakm-Actien

108.50

Lombarden

47 20

1880 40/0 Russen Oblig.

84 25

4% Ungar. Goldrente

84 50

40/0 unif. Egypter Oblig.

86 00

5% Gemischte Russen

97 85

Tendenz: ruhig.

Allgemeiner Anzeiger.

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