Nr. 183 Mittwoch den 8. August 1888.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. ' Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Bureaur Schulstraße 7.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Organisation der Hauptsteueramts-, der Steuercontroleur- und Aufsichtsbezirke, sowie der Hebestellen für Reichssteuern, zusammengesetzt'sind öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Hebebezirke für Reichssteuern innerhalb des Kreises Gießen folgendermaßen
Namen der Steueraufsichtsbezirke.
Namen der Hebestellen.
Bestandtheile der Steueraufsichts- und Hebebezirke; Namen der Gemarkungen.
Hauptsteueramtsbezirk Gießen.
a) SLeuercontroleurbezirk Gießen.
1) Gießen.
Hauptsteueramt Gießen.
Albach, Mendorf a. d. Lahn, Mendorf a d. Lumda, Allertshausen, Alten-Vuseck Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Daubringen, Friedelhausen (Hof), Garbenteich, Gießen, Großen-Buseck, Großen-Linden, Hausen, Heibertshausen (Hof), Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Lindenstruth, Lollar Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Schiffenberg' Staufenberg, Steinbach, Treis a. d. Lumda, Trohe, Watzenborn mit Steinbera,' Wieseck, Winnerod.
2) Grün berg.
Ortseinnehmerei Grünberg.
b) SLeuercontroleurbezirk Nidda.
3) Hungen.
Ortseinnehmerei Lich.
4) Lich.
Ortseinnehmerei Lich.
Gießen, den 3. August 1888.
Appenborn (Hof), Beltershain, Ettingshausen, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Hattenrod, Keffelbach, Lauter, Londorf, Lumda (Groß- und Klein-Lumda), Münster, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, sowie Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen (Hof), Weickartshain, Weitershain.
Albach «.Hof), Arnsburg, Bergheim (Feldgemarkung), Bettenhausen, Birklar, Dorf- Güll, Eberstadt, Grüningen, Hof-Güll, Holzheim, Kolnhausen (Hof), Langsdorf, Lich, Meilbach (Waldgemarkung), Mühlsachsen (Hof), Muschenheim, Rieder-Bessingen, Nonnenroth, Ober-Bessingen, Röthges.
Bellersheim, Graß (Hof), Hungen, Inheiden, Langd, Obbornhofen, Rodheim a. d. Horloff, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Jost.
Politische Rundschau.
Gießen, 7. August.
Ueber den Tag der Taufe des.jüngstgeborenen kaiserlichen Prinzen verlautet noch nichts Sicheres, doch wird man wohl in den nächsten Tagen einer bezüglichen officiellen Bekanntgebung entgegen sehen dürfen. Unter den fürstlichen Taufzeugen wird sich auch König Oskar von Schweden befinden, den bekanntlich Kaiser Wilhelm während seines Stockholmer Aufenthaltes bat, eine Pathenstelle bet dem jüngsten Sprossen des Kaiserhauses zu übernehmen. Der schwedische Herrscher wird aus diesem Anlasse gegen den 20. August am Berliner Hofe erwartet.
Am Samstag Vormittag sand eine Sitzung des preußischen Staatsmini- steeiums statt, voraussichtlich die letzte für geraume Zeit, da in den nächsten Wochen die Mehrzahl der Mitglieder des Staatsmtnisteriums von Berlin abwesend sein wird. In der erwähnten Sitzung hat es sich jedenfalls auch mit um die letzten, auf die preußischen Landtagswahlen bezüglichen Entschließungen gehandelt.
In Elsaß-Lothringen haben am 4. und 5. August die Ergänzungswahlen zu den Kreis- und Bezirkstagen stattgefunden, von denen die Nachwahl eines Mitgliedes zum lothringischen Bezirkstage für den Eanton Metz III am meisten Interesse erregte. Das Mandat hatte^ bislang der bekannte protestlerische Reichstagsabgeordnete für den Stadtkreis Metz, -^hierarzt Antoine, innegehabt, durch dessen Ausweisung aus den Reichslanden eine Neuwahl für die Vertretung des dritten Eantons der Stadt Metz im Bezirkstage nothwendig geworden war. Da in der Wählerschaft des genannten Eantons die einheimischen Elemente gegenüber den eingewanderten Altdeutschen erheblich überwiegen, so kann cs nicht gerade überraschen, daß der Candidat der Einheimischen Lanique, mit einer Mehrheit von 132 Stimmen gegenüber dem Eandtdaten der Altdeutschen, Ctsenbahn-Betriebs-Dtrector Kecker, gewählt wurde. Wahrscheinlich wäre indessen der einheimische Eandidat doch unterlegen, wenn sich nicht innerhalb der altdeutschen Wählerschaft zwei Strömungen bekämpft hätten, welche schließlich ein Eintreten aller eingewanderten Wähler für Kecker unmöglich machten. Ob indessen die Protestpartei Ursache hat, die Wahl Lantques als einen neuen „Erfolg" der von ihr vertretenen Politik zu preisen, möchte doch zu bezweifeln sein, denn der nunmehrige Nachfolger Antoine's im lothringischen Bezirkstage gilt keineswegs als ein verbissener Französ- ltng, sondern als ein politisch gemäßigter Mann, für den vielleicht auch die Altdeutschen hätten stimmen können.
Aus den überschwemmten Gebieten im östlichen Deutschland lauten die Nachrichten einerseits aus der Elbinger und Königsberger Gegend, anderseits aus verschiedenen Theilen Schlesiens, z. B. aus dem Boberthale, besonders betrübend. In letzterem Haden die Fluthen außerordentliche Verheerungen angerichtet, hauptsächlich an Häusern und auf den Getreidefluren, Menschenleben sind glücklicher Weise nicht verloren gegangen. Die Bahnstrecken Lauban-Gretffenberg, Liebentheil-Löwenberg und Greiffenberg-Friedeberg waren infolge der Beschädigungen, welche sie durch das Hochwasser erlitten haben, bis Dienstag noch gesperrt.
Ueber die säst einstündige Audienz welche Kaiser Wilhelm während seines Besuches in Kopenhagen dem dänischen Ministerpräsidenten Estrup ertheilte, weiß eine Kopenhagener Coriespondenz der „Köln. Ztg." Folgendes mitzuthetlen i Es sei In der Audienz eine Uebereinsttmmung der beiderseitigen Anschauungen dahin hervor- getreten, daß auf der allgemeinen Frtedensgrundlage, die Deutschland gewähre, jeder Staat sich vollauf den soctalpolitischen Fragen zuwenden könne. Die Socialdemokratie sei als der internationale Feind erachtet worden, wie der Kopenhagener Socialtsten-
proceß beweise. Der Schwerpunkt des Kaiserbesuches, fügt der Correspondent hinzu, liege in dem Zurücktreten der Ziele, welche die dänische Mtlttärpartei verfolge, vor dem Ernste der inneren Fragen. — Selbstverständlich sind diese Mttthetlungen der genannten Quelle vorerst nur mit Zurückhaltung aufzunehmen.
König Milan von Serbien weilt mit seinem Sohne, dem Kronprinzen Alexander, seit Samstag in der österreichischen Hauptstadt. Am Sonntag Vormittag hatte der König mit dem Minister des Auswärtigen, Grafen Kolnoky, eine Unterredung welche anderthalb Stunden dauerte und die vermuthlich die österreichisch-serbischen Beziehungen gegenüber den mancherlei Umtrieben, welche in Serbien gegen Oesterreich im Gange sind, nur noch fester und freundlicher gestaltet haben wird, als dies schon bislang der Fall war. Von Wien beabsichtigt der serbische Herrscher, sich mit seinem L>ohne in das bayerische Hochland zu begeben.
Boulanger verzweifelt trotz des Mißgeschickes, welches seine Sache seit einiger Zeit aufweist, noch nicht an sich selber. Er hat sowohl für die Deputirtennachwahl ini Departement Charente infärteur als auch für diejenige im Somme-Departement seine Candidatur bestimmt angemeldet und bereits die Agitation begonnen. Am Sonntag unternahm der Ex-General eine Recognoscirungsfahrt nach Saintes in der untern Charente, von welcher er am Dienstag nach Paris zurückkehrte, um die an ihn abgesandten Delegirten des Somme-Departements zu empfangen. Sollten auch die Ersatzwahlen in diesen beiden Departements zu Ungunsten Boulanger's ausfallen, dann dürfte es mit der boulangisttschen Bewegung allerdings gründlich aus fein.
Die jüngste Mementarkatastrophe in Italien, der vulkanische Ausbruch auf der Insel Vulcano, hat zwar keine Menschenleben gekostet, aber erheblichen materiellen Schaden angerichtet. Die sämmtlichen Bewohner der Insel mußten dieselbe aus behördliche Anordnung verlassen, da der vulkanische Ausbruch noch fortdauert. — Die Insel Fulcano (Hiera), zur Gruppe der an der Nordostküste Siciliens vorgelagerten Liparischen Inseln gehörig, ist etwa 40 Quadratkilometer groß mit wenigen Hundert Einwohnern und vorzüglich angebaut, namentlich mit Wein. Das kleine Eiland wird von einem immer thätigen Vulkan, welcher der Insel jedenfalls den Namen gegeben hat, beherrscht und sein jetziger Ausbruch droht die fruchtbare Insel zur Einöde zu machen.
Deutschland.
Darmstadt, 4. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 22 enthalt:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Ein- theilung der Stadtgemetnde Darmstadt in zwei Ortsgerichtsbezirke betreffend.
Nachdem Seine Königliche Hoheit der Großherzog im Anschluß an die Allerhöchst genehmigte Vereinigung der Landgemeinde Bessungen mit der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt zu genehmigen geruht haben, daß die Ortsgerichte Darmstadt und Bessungen in ihrer dermaligen Abgrenzung fortbestehen und vom 1. Januar k. I. ersteres die Bezeichnung „Ortsgericht Darmstadt I", letzteres die Bezeichnung „OrtS- gericht Darmstadt II (Bessungen)" führen sollen, so wird dies hiermit zur öfienlltchen Kenntniß gebracht."
lr 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Ein- theilung der stadtgemetnde Darmstadt in zwei Standesamtsbeztrke betreffend.
. . ., Nachdem Seine Königliche Hoheit der Großherzog zu genehmigen geruht haben, dag die Landgemeinde Bessungen und die Haupt- und Residenzstadt Darmstadt mit einander vereinigt, die in diesen Gemeinden zur Zett bestehenden besonderen Ortsgerichte aber unter neuen Bezeichnungen, jedoch in den seitherigen Grenzen, aufrecht erhalten werden, wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß acblaäU^dn^-nmü-dlL-Snuü^L^-


