Vermischte-.
△ Mainz, 6. März. Wie aus Darmstadt berichtet wird, wurde gestern früh im Waloe bei Griesheim von Arbeitern ein wohlgckleideter, sich in Besitz von Geld und Werthobjecten befindlicher junger Mann mit durchschossener Schläfe tobt aufgefunden. Der Lebensmüde stammt von hier und ist der nahezu 27 ^ahre alte Sohn des hiesigen Notars Dr. Jungk. Derselbe ist Gerichtsaccefsist und wollte sich dem gestern in Darmstadt begonnenen juristischen Staatsexamen unterziehen. Wie es scheint hat den jungen Mann, der Reserveoffizier und von sehr lebensfrohem Charakter war,' eine schwer sagbare Angst vor dem Examen zu dem Schritt getrieben
Aus Rheinhessen, 6. Marz Eine am Sonntag in Bingen stattgehabte Versammlung der Branntwetnbrenneretbesitzer aus dem dortigen Kreise hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, an das Großh. Finanzministerium eine Petition zu richten, daß Veranlassung genommen werde, die ungleichmäßige Besteuerung im Verhältniß zu den preußischen Branntweinbrennern zu beseitigen. In Folge einer anderen Eindellung der Kefielfullung lst die von den Hessischen Branntweinbrennern zu entrichtende Steuer genau ein Fünftel hoher als bei ihren benachbarten preußischen Eollegen, so daß Letuere naturgemäß leicht concurriren können.
,, Zern, 3. März. Von allen Seiten berichtet man heute über Verwüstungen, welche die Lawinen angerichtet haben. Seit Jahrzehnten war dies in so hohem Grad nicht der Fall. So telegraphirte man von Bligi In Ernen wurde durch eine Lawine ttne Stallung mit 10 Schafen fortgerissen und nur mit knapper Roth konnte sich der Diehhuter retten. Desgleichen wurde in der Nähe von Brig am Briger Berg eine Stallung mit Schafen gänzlich verschüttet. Berisal und das Schirmhaus auf der Höhe des "Slmplon stehen in großer Gefahr, mit ihren Bewohnern vernichtet zu werden. In Grengiolo wurden 11 Ställe mit Vieh, 2 Wohnhäuser mit ihren Bewohnern,
Frauenspersonen das Leben verloren, in die Tiefe gerissen. Von mÄ“ " dem unteren Disperthal trafen noch gar keine Nachrichten ein weil aller Verkchr unterbrochen ist. Zwischen Naters und Mörell sind gewaltige Felsstücke tt/^^rsesturzt, roehfce den Verkehr gleichfalls unmöglich machen. Im Simplondorf liegt der Schnee 3 Meter hoch, in der Ebene von Ossola 2 Meter, bei Brig 40 Em., roeniper hoch im mittleren Eantonstheile. Vorgestern hat das Schneewetter aufgehört, aber der Barometer will noch immer nicht steigen. Auch am Mont-Eenis fanden große Lawinenstürze statt. Noch weitere Hiobsposten stehen in sicherer Aussicht. .
Literarische-.
,, No" der Verlagshandlung I. I. Weber in Leipzig erhielten wir eine weitere (die 2.) Lieferung des 10. Bandes von .Meisterwerke der Holzschneide- s’T1 *„ "cX ,7?e?er'sche Verlag, schon allein durch Herausgabe der „Jllustrirten Zeitung rühmlichst bekannt, bietet in diesen Lieferungen für wenig Geld wahrhaft großartige Schöpfungen der Holzschneidekunst. Die Technik des Schnittes und Druckes ist eine ungemein vollkommene und befriedigt in gleichem Maße den Fachmann wie auch den kunstsinnigen Laien. Die Lieferungen des Werkes sind zu dem billigen Preis von je 1 JL durch jede Buchhandlung zu beziehen.
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Im Humen des Großherpgs!
In der Privatklagesache des Postschaffners Heinrich Volpert von Gießen, Privatklägers, gegen
den Hausburschen Conrad Peil daselbst, Angeklagten,
wegen Beleidigung, hat das Großherzogliche Schöffengericht zu Gießen in seiner Sitzung vom 3. Februar 1888, an welcher Theil genommen haben:
1. Amtsrichter Dr. Schäfer als Vorsitzender,
2. Georg Weller, Wirth in Wieseck, 2. Philipp Klein, Metzger in Allen- dors a. d. Lda.
als Schöffen, Ger-Acc. Wolff
als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt:
Der Angeklagte Conrad Peil wird des Vergehens der Beleidigung im Sinne der §§ 185, 200 St.G.B.'s für schuldig erkannt und in eine Geldstrafe von 15 Mark, im Uneinbringlichkeitssalle in eine Gefängnißstrafe von drei Tagen verurtheilt. Dem Privatkläger wird die Befugniß zugesprochen, den entscheidenden Theil des Urtheils innerhalb vier Wochen nach Zustellung einer Abschrift des Urtheils auf Kosten des Angeklagten einmal im „Gießener Anzeiger" zu veröffentlichen.
Die Kosten, einschließlich der dem Privatkläger entstandenen nothwendigen Auslagen fallen dem Angeklagten zur Last.
Zur Beglaubigung dieses Auszugs: Dr. Dittmar, 1925 Rechtsanwalt.
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Allgemeiner Anzeiger.
Die verehrlichen Mitglieder der Mathildenstiftung werden zu der aus Mittwoch, den in. l. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf dem Bureau des Unterzeichneten stattfindenden Hauptversammlung ganz ergebens! eingeladen.
Tagesordnung:
1) Prüfung der Rechnung für 1887,
2) Feststellung des Voranschlags für 1888,
3) Ergänzungswahl des Vorstandes.
Gießen, am 6. März 1888.
Der Vorstand der Mathildenstiftung für Oberhessen. _______ Dr. Boekmann.
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