Für die Langweiligkeit des Stückes bot die sehr gute Aufführung wenigstens einigermaßen Ersatz. Vor allem verdient das Spiel des Beneficianten rückhaltlosestes Lob, zumal wenn man in Betracht zieht, in welch gedrückter Stimmung er gewesen sein mag. Geradezu vorzüglich war sein Spiel im letzten Acte, namentlich, wenn fortwährend von dem unseligen Britschke die Rede ist, und zwar in den schmeichelhaftesten Ausdrücken. Frl. Hell mut (Isabella) gelang am besten die Darstellung der nervösen Hast, al« sie im ersten Akte die Droschke kaum erwarten kann Im zweiten Akte gefiel uns die Dame weniger. Der Melecto des Herrn Kreiß war ebenfalls eine gute Leistung Auch er spielte zum Schluffe am besten; vornehmlich, wie er an Leib und Seele geknickt auf dem Stuhle lag und wie ihn dann sein Vater emporrüttelte, war er eine Katzenjammergestalt comwe il faut. Frau Reiners (Valeska) spielte hübsch. Herr Löwe (Dr. Buller) schien hin und wieder den Wortlaut nicht ganz im Kopfe zu haben, wenigstens sprach er einigemale unsicher und in etwas gewagten Construktionen. Aber sein Spiel befriedigte uns heute sehr. Die Herren Pieper und Sterna u können wir gleichfalls nur mit Auszeichnung nennen; besonders gut war die Heiserkeit und das zügellose Ungestüm Knarre's. Unter den Darstellern der Nebenrollen möchten wir Herrn Hentschel hervorheden, der, für Herrn Reiners eingesprungen, sich nicht ohne Erfolg bemühte, seiner Aufgabe (Findig) gerecht zu werden.
Daß Czernn auch Uebungsstücke für die Zither geschrieben, erfuhren wir erst gelegentlich Meleci.'s Unterricht bei Frl. Lüttchen. Sollte Pohl sich da nicht am Ende verschrieben und statt Zither- Klavierstunde gemeint haben?
Wir hoffen, daß Herr Taußig für den entgangenen materiellen Gewinn in seinem künstlerischen Erfolge und in dem Beifall, mit dem die kleine Schaar der Zuschauer nicht kargte, wenigstens einigen Trost findet. Th. M—n.
— (Neues Theater.) Auf die Freitag den 7. d. M. stattfindende Wiederholung von „Schmerle's Geheimnitz" machen wir um so lieber aufmerksam, da das Stück bei seiner Aufführung einen durchschlagenden Erfolg erzielte, Dank dem vortrefflichen Spiel der darin beschäftigten Mitglieder; namentlich aber galt der Erfolg dem unübertreiflichen Schmerle des Herrn Director Reiners. Wer sich einen vergnügten Abend verschaffen will, um die Sorgen des alltäglichen Lebens auf einige Stunden zu vergessen, der versäume nicht, am Freitag das Theater zu besuchen.
Vermischtes.
Darmstadt, 6. December. Herr Geh^imrath Fink hat an den Vorstand des hiesigen Localgewerboereins ein Schreiben gerichtet und Abschrift desselben den Vorständen 'ämmtlicher Localgewerboereine des Landes zugehen lassen folgenden Wortlauts: „Die jüngste Nummk der „Darmst. Ztg." (Nr. 325), ebenso der „Neuen Hess. Volksbl." (Nr. 284), (veröffentlich! auch im „Gießener Anzeiger"), orachten eine dtoliz,- wonach der Vorstand des hiesigen Localgewerboereins anregen will, daß mir demnächst eine von den Vorständen sämmtlicher Localgewerboereine des Landes unterzeichnete Anerkenuungs- und Dankadresse in künstlerischer Ausstattung überreicht werben soll. Ist die Zeitungsnotiz richtig, so bitte ich ernstlich, das Project aufzugeben. So dankbar ich auch die gute Absicht anerkenne, so dringend mahne ich ab. Ich wünsche nicht, daß Kassen von Localgewerbvereinen ober Prioatmittel in Angriff genommen werden zur Herstellung einer Adresse in künstlerischer Ausstattung für mich. Es bedarf auch keiner Adressen, um uns gegenseitiger Werthschätzung zu versichern. Der Anerkennung meiner dienstlichen Wirksamkeit bei dem Landesgewerbverein haben Seine Konigl. Hoheit der Großherzog Allergnädigst geruht, huldvollsten Ausdruck zu verleihen. Die näheren Beziehungen, in welche ich, während einer 46jährigen amtlichen Thätig- keit bet dem Landesgewerbverein, zu den Vorständen von Localgewerbvereinen und Vereinsmitgliedern getreten bin, sind gegenseitig. Ich habe denselben meinerseits zu oanien für bereit Mitwirkung in opferwilliger, ernster Arbeit zur Förderung unserer g^netnsamen Aufgaben. Den gegenseitigen Gefühlen der Werthschätzung und Hoch- achtung durch Adressen Ausdruck zu geben, erachte ich nicht für nothwendig. Was ich wünsche, ist: Für mich, stilles scheiden aus meiner seitherigen amtlichen Stellung bei bem Landesgewerbverein; für die Vereinsmitglieder, lebendiges Bewußtsein, daß die Organisation unseres Vereinswesens ausreichend die Mittel bietet, den gestellten Aufgaben zu entsprechen, daß hierzu aber die eifrige Mitwirkung aller Mitglieder in An- spruch genommen wird, ohne welche weder der Präsident noch der GenerasiSecrelär des V.retns Ersprießliches zu leisten vermögen."
".Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht folgende sensationelle Prioatbepesche j?cin mSncr"e^ baß ihm solche aus Rom zugegangen fei: Erzherzog Earl Ludwig U ton Wiener Corresponbenten der „Tribuna" angeblich die Mittheilrmg gemacht, Fürst Ltechtenstein habe dem Papste, falls dieser Rom verlassen wolle, fein Fürstentum Liechtenstein als Residenz angtboten. Für diesen Fall wolle Fürst Liechtenstein tätigen und eine Kirche für den Papst erbauen; ferner habe gurjt Liechtenstein dem Papste sein ganzes Fürstenthum und eine Summe von zehn Millionen Gulden testamentarisch vermacht, damit die Päpste, falls sie jemals Rom verlassen sollten, einen Wohnsitz haben. 1
eJ n e 0 Postillons.) Aus dem Fahrpostamte in der
7?^anienburgerstraße in Berlin hat am Sckimtag ein Postillon auf sehr eigenthüm- Äe 'einem Leben ein gewaltsames Ende bereitet. Derselbe sollte seine vor schrists- matztge Ausfahrt mit dem ihm zugewtesenen Postwagen unternehmen und hatte dem- s».'?.,'! ÄfknC $fe'^bereits _einBefpannt. Nachdem dies geschehen, nahm er den Reser bestrick, den er bei sich zu fuhren pflegte, befestigte diesen mit einer kunstgerecht geknup'.en Schlinge an einen in der Nähe des Wagens befindlichen Haken, bestieg sodann den Bock, legte sich die Schlinge um den Hals und sprang schließlich vom mnfTh ^ll^^ Wucht des Sprunges war so gewaltig, daß der Postillon was er tn der ihm UM dem Halse liegenden Schlinge das ^2Lebensmüde wurde zwar sofort von hinzugeeilten Personen ab- geschnittni, er hatte seinen selbstmörderischen Zweck aber völlig erreicht, er war bereits
Eine Wanderung durch die Gießener Weihnachts- Ausstellungen.
(Fortsetzung aus Nummer 286.)
als ?er mag sich darüber streiten lassen, ob dieselben
Weihnachtsgeschenke, "ach dem Sinne unserer Kinder wenigstens, gelten können da
ÄU de" sonst begehrten Bekleidungsgegenständen unbedingt nöthig sind so darf ?nnprU0Cn^r namentlich solcher Familienväter auf unsere Schuh- und S iesel- CrbnunÄn Är" °°w.ssermaßeu auch auf „beinliche"
©tiefel Schube ober r >' .n^^un wir nicht reiten können? Ein Paar gute
habens j-d-r,-i. Ä'L-gir® off durchg°g°n^em w°ll-n'°°!r" Ächm'lu
««««Sine und .»adriken 4“ SftÄg Suchst
. Wilh. Reiber am Seltersweg, Ernst Lotz in der Marktstraße, Earl Stückrath in : der Ederftraße und, soweit noch Polstermöbel in Betracht kommen, in Wilhelm j Friedel in der Bahnhofstraße, Wilhelm Kutzschrad in der Kaplansgasse,.
Conr. Leisler in der Neustadt am hervorragendsten vertreten sind. In erfreulicher Weise ist seit Jahren die hiesige Möbelbranche bemüht, dem Publikum zu zeigen, daß 8 sie leistungsfähig in dauerhafter, solider, künstlerischer und stilgerechter Beziehung in i der Herstellung ihrer Erzeugnisse ist, und darf man deshalb auch wohl annehmen, daß das mehr und mehr sich geltend machende Bestreben des Publikums nach geschmackvoller Ausstattung der Wohnräume mit auf Rechnung unterer Industriellen zu setzen ist, die etwas Ordentliches zu bieten verstehen. Tische, Stühle, Eornrnoden, Schränke Schreibtische, Secretaire, Buffets, Sophas, Chaiselongues, Bücherschränke, Nähtische, Klappsessel, kurz Alles, was zur wohnlichen Einrichtung eines trauten Heims gehört, präfentiren sich dem Auge des Beschauers in mitunter so wundervoller Arbeit, daß das Verlangen nach diesem oder jenem Stücke wahrhaftig keinem Menschenkinde, das noch nicht allen Glauben an das Christkind verloren hat, zu verargen ist. Nicht minder, wie z. B. beim Betrachten der Ausstattungsartikel, liegt hier der Gedanke an die Gründung eines Hausstandes nahe. Wie manche junge, dem Hafen der Ehe zusteuernde Tochter sieht sich beim Betrachten all' btejer Möbel im Geiste schon in ihrer Häuslichkeit, mit Wischtuch und Abstäuber in der Hand, einherschreiten, wie mancher junge Mann liebäugelt mit einem hübschen Schreibtisch ober Bücherschrank in dem festen Vorsatz, recht viel zu schreiben und recht viel zu lesen, wenn das vor ihm stehende Möbel erst sein eigen ist, während hübsche Sophas und bequeme Sessel bekanntlich dazu dienen sollen, Kaffee- und Thee-Kränzchen zu verlängern. Daß mit den oben angeführten Möbelstücken noch lange nicht Alles aufgezählt ist, daß im Gegentheil die Lager unserer Möbel-Industriellen noch viele andere zu Geschenken geeignete Gegenstände bergen, ist wohl selbstverständlich. Auch hier heißt es: selbst hingehen, sehen und kaufen! Für alle Stände und Bedürfnisse ist gesorgt; es findet sowohl der kleine Beamte und Handwerker Das, was er seinen Verhältnissen und seinen Mitteln nach sich verschaffen will, wie auch Derjenige, dessen Geldbeutel eine Schwenninger-Cur vertragen kann.
Eine zweite Art der sich mit dem Verkauf von Haushalt artikeln befassenden Geschäfte besitzt Gießen in seinen EisenWaaren-Handlungen. Es soll bet dem Hinweis aus diese nicht gerade gesagt sein, daß unter dem Weihnachtsbaum unbedingt Kohlenschippen, Spitzhacken, Mistgabeln, Sensen, Kuhketten, gußeiserne Säulen ober Eisenbahnschienen liegen müssen, nein, unsere Eisenwaarenhandlungen haben auch dafür gesorgt, daß der Weihnachtsmann bei ihnen Einkäufe besorgen kann. Es sei auch dahin gestellt, ob es etwa schicklich ist, daß der Mann der Frau oder die Frau dem Mann einen schonen Kochherd oder Simmerofen schenkt, ob die Braut dem Bräutigam oder umgekehrt einen Vogelkäfig ober eine Kaffeemühle verehrt, daß aber Bügeleisen, Schirmständer, Messerkörbe, Ofenschirme, Haushaltungswaagen und noch viele, vie^e andere polirte, lackirte, verzinnte, vernickelte, verkupferte und emalUirte Sachen recht annehmbare Geschenke bilden, darf wohl angenommen werden. Auch Schlitt schuhe die ja gewiß ein von der Jugend beiderlei Geschlechts gern gesehenes Geschenk sind, sollten vorsorglich schon zu Weihnachten gekauft werben, damit die jetzt so in Mode gekommenen April- und Mai-Fröste nicht ganz unbenutzt vorübergehen. Alle in den Eisenwaarenhandlungen von Emil Pistor in der Marktstraße, Brüder Schmidt am Selters weg, Carl Hensel am Wallthor und Jac. Kröll am Seltersweg ausgestellten Sachen sind natürlich auch in den verschiedensten Ausstattungen und zu allen Preisen zu haben, so daß sie sich, trotz ihrer Schwere und Festigkeit, doch ganz gut allen Porte- monnatedlmfängen anpassen lassen.
a Praktische Weihnachts-Geschenke an Tranchier-, Tafel- und Dessert-Bestecken, Taschenmessern, Scheeren und Nähzeug Kasten bieten auch die Auslagen der Messerschmiede A. Reinig am Seltersweg und Gg. Schwan in der Marktstraße dar.
. Wenn wir hierbei gleichzeitig auch die Holzwaareir-Handlungen erwähnen, me in den Firmen L. Lony In der Bahnhofstiaße, L. Kohlermann tn der Bleich- ftrafee, W. Kohlermann in der Neustadt und M. Weißbäcker am Settersweg vertreten sind, so sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch diese allerlei Sachen besitzen, die sich zu Geschenken eignen, ohne daß der Geber zu befürchten hat, als im höchsten Grade „hölzern" verschrieen zu werden.
Unsere Porzellan- «nd GlaSWaaren-Handlnngen bieten täglich neue, zu Weihnachtsgeschenken ganz besonders passende Sachen: Thee-, Kaffee- und Brerservice Blumenoasen, Blumentöpfe, Fruchtschalen, Humpen, Stammgläser und Figuren Die reizendsten Phantasiesächelchen in Alabaster, Steingut, Porzellan u. s. w. sind' neben ben vielen zum Haushalt gehörigen und besonders nothwendigen Dingen ausgestellt und durften dem Weihnachtstisch ganz besonders zur Zierde gereichen. Der Aufschwung den das Kunftqewerbe in den letzten Jahren genommen, zeigt sich ganz besonders auch an den Erzeugnissen der Thon-, Steingut-, Glas-, Porzellan- und Ciystallwaaren-Jndustrie und wenn man berücksichtigt^ daß man für verhältmßmäßig wenig Geld sich Gegenstände verschaffen kann, die den Schmuck unserer Wohnungen zu vervollständigen geeignet finb, so ist es natürlich, daß solche Gegenstände auch als Weihnachtsgeschenke sehr willkommen sind. Mettenheimer L Schultheis am Kreuzplatz, Gg PH ,FUl- mann in der Marktstraße, M. Semmler am Wallthor, L. Frohnhäuser aus der Mausburg und C. D. Ftllmann am Kirchenplatz sind wohl die hauptsächlichsten Vertreter der Porzellan- und Glaswaaren-Branche, wobei indeß auch Men er's Waaren- baus und unsere Dippehändler" nicht außer Acht gilvssen werden sollen, denen das Verdienst gebührt, neben anbeYen hübichen Sachen namentlich auch die Beschaffung des zur Ergänzung von Puppenküchen nötigen Geschirrs za ermöglichen.
(Fortsetzung folgt.)
Literarische-.
... - Dreißig Jahr« preußisch deutscher Geschichte (1858-1888) in aml-
XS bcr3' iKirfCrWn «uch»°ndlung.
•a: .Das Buch enthält eine Sammlung von 184 Dokumenten, wie sie ähnlich nicht exlstirt, obwohl wichtigere Dokumente zur neuesten deutschen Geschichte nicht gedacht werden können. Es bringt sämmtliche Thronreden seit 1858, die wichtigsten Armee-
*tr«u* w. Eine werthvolle Ergänzung für jedes zeitgeschichtliche Werk, eignet sich das Buch für Jeden, welcher der Geschichte des deutschen ^^^bes em lebendiges Interesse entgegenbringt und das Bedüifniß fühlt, aus den Quellen selbst sich^Belehrung zu verschaffen. Einen verbindenden Text zu geben, hat ber Serfaffer absichtlich vermieben; tn ihrer Unmittelbarfeit erzählen die Siücke selbst lauter, überzeugender, als es das Wort des Historikers vermag, von dem Ringen und ^°ffnunöen "Nb Erfolgen, von Fceuden und Leiden der vergangenen uieißig ^japre.
Gotiksdiküst der israelitischen Religionsgelellschast.
$rebio?rbe30fVrrnb Vormittag 8»' Ubr, Samstag Vormittag
Nachmittag SamDg“b6ab" »ulba Mr, Samstag
SW«l.«ük vreiswcrthes, praktisches Weihnachtsgeschenk empfehle ich: s?w°?Mk 2280 (g°nz Seide) Mk 16 80 per Rode,
nnrh!r r' 42'~• 47-50 nabelfertig Es ist nicht nothwendig,
vorher Muster kommen zu lassen; ich tausch- nach bem Fest um, was nicht conoeniet. Briefe fnf !„ vu <ttA sarbigen unb weißen Setbenstoffcn umgehend.
Hoflief) Zürich^ ^°l ° Seibensabrrk-Dchöt « Henneberg (ft. und K.
HanDcr Verkehr.
Wehend 16 5<)' kFruchtmarktl. Rother Weizen 16.5b, weißer
Kartoffeln 0 00 12’65, ®crfte ** 9?20- H«f-r M. 6.65, Erbsen 00.00,
Pinfpn i?R1I9R <=' ®c“m6er- Erbsen ganz- pr. Psb. 12—18 bo. geschälte 14-18^s,
Gesch-ib^lO^I^'^S »Eo-nen■ 16—18 Kartoffeln 100 Ko 0,00-0,00, b°. per
kohl p r Stück■* W??1'30’ Ei°r bas Stück 6-7 4, Blum-n- W-lßkraut per Stück 810-15 Zwiebeln per Pfb. 7-9 ^eiBtraur per Stück 8—20 Rotherüben per Portion 26—30


