Nr. 182 Dienstag den 7. August 1^8.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
vureaur Schulstraße 7.
, Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. ' Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MorrtagS<
Sciffrennen.
Start Nr. 2.
Wetzlarer Rrrderclrrb.
Boot: nicht genannt.
C. Martell.
Die diplomatische Auseinandersetzung zwischen Italien und Frankreich wegen der Massauah-Frage nimmt ihren Fortgang. Jetzt ist den Mächten die französische Antwort auf die jüngsten italienischen Noten zugegongen und wird in jener ausgeführt daß das ganze Verhalten der Italiener in Massauah bislang einer factischen Besitzergreifung des Gebiets durch Italien nicht gleich gekommen sei und daß deshalb auch dre Kapitulationen noch zu Recht bestanden hätten. Darüber, ob nun Frankreich nach der erfolgten officiösen Annexion des Massauah-Gebietes durch Italien sich zur Nachgiebigkeit in der Steuerfrage bereilfinden lassen werde, wie es inzwischen die griechische Regierung gethan hat, findet sich in der französischen Antwort noch keine Andeutung. Auch eine Unterredung zwischen dem französischen Geschäftsträger in Rom und dem Ministerpräsidenten Erispi ist ergebnislos verlaufen.
Start Nr. 1.
Gießener Ruder Gesellschaft.
Boot: Namenlos.
,K. Krailing.
, Rom, 5. August. Die „Agenzia Stefani" bestätigt, daß Italien das Protektorat über Zula übernommen hat und daß zum Zeichen dessen der italienische Ober- Kommandant in Massauah am vorigen Donnerstag in Zula die italienische Flagge habe hissen lassen. Die Bevölkerung von Zula habe seit zwei Jahren wiederholt und um das italienische Protektorat ersucht; der Naib habe Namens der ganzen Ib?Erung an einem «der letzten Tage das fragliche Gesuch in einem besonderen Schriftstück formulirt und dasselbe dem italienischen Ober-Kommandanten überreicht.
Start Nr. 1.
Gießener Ruder-Gesellschaft.
Boot: Brittania.
1. Wm. Busch,
2. L. Keil,
3. A. Koenigs, Schlag: K. Krailing, Steuer: A. Balser.
Politische Rundschau.
Gießen, 6. August.
Kaiser Wilhelm gönnt sich auch nach der Rückkehr von seiner anstrengenden nordischen Reise keine Erholungspause, sondern widmet sich fortgesetzt regster Arbeit. Täglich weiß der sogenannte Hofbericht von zahlreichen Vorträgen und Meldungen zu berichten, die der jugendliche Monarch entgegennimmt, während er zugleich für die gegenwärtigen Hebungen der Berliner Garnison ein besonderes Interesse bekundet. Dieselben werden unter persönlicher Leitung des Kaisers in dieser Woche einen größeren Umfang annehmen, während mit dem 15. August das große Exerciren der Berliner Truppen im Regiments- und Brigade-Verband beginnt.
Es ist in letzter Zeit vielfach die Rede von einer Reife der Königin Victoria Von England nach Baden-Baden und einer Begegnung, welche sie daselbst mit Kaiser Wilhelm haben werde, die Rede gewesen. Das „Reuter'sche Bureau" in London erklärt sich jetzt zu der Mittheilung ermächtigt, daß das Gerücht von einer im Herbst bevorstehenden Reise der Königin Victoria nach Baden-Baden völlig unbegründet sei.
lieber die norwegische Reise des sächsische« KänigSpaareS wird aus Khri- stiania berichtet, daß die Majestäten am Nachmittag des 2. August in Drontheim eintrafen und u. A. die großartige Ruine der gothischen Domkirche besichtigten. Von Drontheim aus sollte die Weiterreise nach dem Rordcap mittelst besonderen Dampfers erfolgen.
Das seinerzeit so viel Staub aufwirbelnde Battenberg'sche Eheproject macht plötzlich wieder seinen Rundgangdurch die europäische Tagespresse. In der Pariser „Nouvelle Revue", deren Herausgeberin die bekannte Deutschenhasserin Madame Adam ist, wird der angeblich geheimgehaltene Bericht des Fürsten Bismarck an den Kaiser Friedrich veröffentlicht, den der Kanzler über das Heirathsproject der Prinzessin Victoria mit dem Prinzen Alexander von Battenberg erstattet haben soll. Dieser angebliche Bericht ist ein umfangreiches Schriftstück, in welchem der Reichskanzler nochmals die schon bekannten Gründe entwickelt, welche gegen die Verwirklichung des Projectes sprechen und in den politischen Rücksichtnahmen Deutschlands auf Rußland, speciell aber auf die persönlichen Gefühle des Klaren, gipfeln. Da das Schriftstück fast in jeder Zeile die Ehrlichkeit und die Ehrenhaftigkeit der deutschen Politik Rußland gegenüber anscheinend zum Ausdruck bringt, so könnte man sich wundern, daß seine „Veröffentlichung" gerade von französischer Sette erfolgt. Indessen enthält der „Bericht" doch verschiedene Stellen, wie denjenigen Passus, welcher erklärt, die letzten Lebensmonate Kaiser Wilhelms I. seien durch das tadelnswerthe persönliche Verhalten des Klaren getrübt worden, welche erneute Verstimmung in Petersburg gegen Deutschland Hervorrufen müßten — wenn . eben der „Bericht" e ch t wäre! Aber allem Anscheine nach hat man es in dem von | der „Nouoelle Revue" veröffentlichten Actenstücke nur mit einer Fälschung zu thun, i worauf schon die angedeuteten, mit undiplomatischer Rücksichtslosigkeit abgefaßten Stellen hindeuten. Vermuthlich soll die Fälschung den Zweck verfolgen, Rußland und Deutschland von Neuem mit einander zu verhetzen, natürlich zu Gunsten der Wiederaufwärmung des schemenhaften russisch-französischen „Allianzverhältnisses". Und durch solche lächerlichen Mittelchen glaubt man an der Seine, die Erfolge des Besuches Kaiser Wilhelms II. beim Ezaren illusorisch machen zu können?!
Zehn Jahre sind nunmehr verflossen, daß der habsburgische Doppelaar seine Schwingen über Bosnien und die Herzegowina breitet und in der österreichischen Preise hat es denn auch nicht an Betrachtungen über die zehnjährige Herrschaft Oesierreich-UngarnS in den occupirten Provinzen gefehlt. Uebereinfhmmenb sind diese I Preßurtheile hierbei zu dem Schlüsse gelangt, daß das Kulturwerk Oesterreichs in seinen neuen Provinzen entschiedene Fortschritte gemacht habe und daß man gegenwärtig die I österreichische Herrschaft in Bosnien und der Herzegowina als befestigt und gesichert betrachten könne. Besonders rühmend wurde hierbei auch der Verdienste des Ministers für die occupirten Provinzen, Reichsfinanzministers v. Kallay, gedacht und auch an allerhöchster Stelle hat Baron Kallay ungeteiltes Lob für seine Verwaltung gefunden. Dasselbe ist in einem etwas verspäteten zur Veröffentlichung gelangten Handschreiben beS Kaisers Franz Josef an Kallay enthalten, in welchem der Kaiser unter Hinweis ! auf die Reiseberichte beS Kronprinzen Rudolf aus den occupirten Landestheilen seine lebhafte Genugtuung über die friedliche geistige' wie materielle Entwickelung jener Gebiete bekundet. Das Schreiben drückt sowohl Herrn o. Kallay als auch den mitwirkenden Eivil- und Militärbehörden den Dank des Kaisers aus und erwähnt schließlich auch der freundlichen Aufnahme des Kronprinzen durch die bosnische und herzegowinische | Bevölkerung. |
Lokales.
Gießen, 6. August. Die Nennung der Mannschaft und Startverloosung zu der. am nächsten Sonntag stattfindenden localen Regatta hat nach uns soeben gewordener M'.tthetlung folgendes Resultat ergeben:
Viererrennen.
Telegraphische Depeschen.
Wolfs'S telegr. Correspondenz- Bureau.
... i Metz, 5. August. Bei der heutigen Wahl eines Mitgliedes zum Bezirkstage fur ™^anton Metz 3 wurde der Kandidat der Einheimischen, Lanique, mit 1079 von 2062 abgegebenen Stimmen gewählt. Der Kandidat der Altdeutschen, Eisenbahn- Betriebsdirektor Kecker, erhielt 947 Stimmen.
rot Ar König von Serbien empfing heute Vormittag den
Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, in anbertbalbftünbiger Audienz Im Laufe des Tages gab unter anderen auch der russische Botschafter, Fürst Lobanow, feine Karte in dem Absteigequartier des Königs ab.
™ ^August. Der Bober Hot in der vergangenen Nacht den höchsten
Wasserstand mit 4 Meter Hohe erreicht und beginnt jetzt zu fallen. Gegenwärtiger ötano o,60 Meter.
Paris , 5. August. Boulanger hat nunmehr seine Kandidatur für die im Departement Eharente-Jnserieure und im Departement der Somme erledigten Depu- tirtensitze bestimmt aufgestellt. Derselbe reift heute Abend nach Saintes, kehrt aber Dienstag hierher zurück, um die an ihn abgefanbten Delegirten der Somme zu empfangen.
Start Nr. 2.
Wetzlarer Ruderclub.
Boot: Freda.
1- K. Martell,
2. H. Seibert,
3. Th. Bergmann, Schlag: H. Bicker, Steuer: I. Seibert.
zu haben, denn der Gouverneur von Monastir erhielt von der Pforte Befehl die officiellen Beziehungen zum griechischen Consul wieder auszunehmen. Anderseits ist'au» der Gouverneur von Larissa (Griechenland) von seiner Regierung beauftragt worden seine abgebrochenen amtlichen Beziehungen zu dem dortigen türkischen Consul wieder aufzunehmen.
Deutschland.
Darmstadt, 4. August. lMilitärdienstnachrlchten.j v. Kunowski, Oberst, .beauftragt nut der Führung der 50. Infanterie-Brigade (2. Großh. Hessischen), unter
I hJ.ne5?U!lö JUnm ®ommanbeur dieser Brigade, v. Kolomb, Oberst, Kommandeur b 25ffUriniUerir'arrybu (Großherzoglich Hessischen) — zu Generalmajors befördert.
I 2 11 br St« iSaLh. k.» ... ^Mpfing am Samstag um
Ades egyptiswen Khedioe im Beisein des türkischen Botschafters. Hieran schloß sich ein größeres Diner, woran der Hausminister die Minister Bronsart o. Schellendorf, v. Scholz, v. Lucius, Herrfurth, v Bötticher Graf Herbst B .smarck der Botschafter Graf Münster, die Generale v. Pape, v Alen theilnahrnen?' crfcn' foa,ic bcr Gmeralconful in Alexandrien, v. Brauer,
~ Wie verlautet, werde Se. Majestät der Kaiser vor den großen Manövern größere Kavalleriemassen sichren, die Garde - Kavallerie - Division und eine aus dm KavaHeriebr gaben des 3. Armeekorps mit Zuziehung zweier anderer Kavallerieregimmt^ (Mrtrh,mCrc0C tC Kavallerie-Division. Mil diesen Truppen und dem übrigen gestimmten ^führen$* e" Kriegsmanöver gegen einen marfirten Feind
Berlin, 4. August. Der „Reichs-Anzeiger" erfährt, die französische Rolls verroaltung lajfe fortan nur Ursprungszeugnisse zu, wenn folche von einem französischen ZAul oder Konsularbeamten beglaubigt feien. Die Kertififate sind beim Eingang in Frankreich mit Stempeln zu 0.60, 1.20 und 2.40 Francs, je nach der Größe beS benufcten Formats zu versehen und ist für jebe einzelne Senbung ein befonbereS Kerti- M eArderlich Ursprungszeuanifse werden verlangt für Wein, Seide, Floretseibe Vieh, Olivenöl, Tafelobst, Emaille, Geflügel, Wildpret, frisches und gesalzenes ftleifd/ Butter, Strohhüte, flüchtige Oele und Essenzen. $
"Kölnische Zeitung" schreibt offieiös, das Actenftück der eoue sei apokryph, kein Satz stimme, die Einleitung betreffs der Rücksprache Bismarcks mit der Kaiserin widerspreche den Thatsachen. Richtig sei nur der On-?^e Gedankengang. Möglich sei, daß ein flüchtiger Einblick in das Actenftück habe. Die FalAer, welche Deutschland einen Hieb versetzen wollten, c e?T ^aen großen Dienst, denn heute bekämpfe Niemand mehr den Fürsten W.ener Kaisertochter mit einem unbedeutenden und unebenburtigen Prinzen mißbilligte.
. Koblenz, 4 August Die mit der Feier des Geburtstags der Kaiserin Augusta in Verbindung gebrachten Gerüchte von hohen Besuchen, welche bieferbalb in Baden- wÄJh Ä werden entbehren schon insofern jeder Begründung, als die Kaiserin Augusta den 30. September in stiller Zurückgezogenheit zuzubringen und nicht, wie früher, in Baden-Baden zu verleben gedenkt.
, >. ®,6tn6' 4- August. In Folge des anhaltenden heftigen Regens ist abermals Überschwemmung eing-tret-n; eine große Anzahl von Straßen steht unter Wasser -er Eiseribabndamm nach Gulbenboden ist gefährdet, di- Ernte ist theilweise vernichtet
"vnigsberg, 4. August. Die königliche Bahnverwaltung macht bekannt, daß die Strecke Königsberg-Elbing in Folge Ueberschwemmung unterbrochen ist. — Das gestrige Unwetter hat die Getreideernte der hiesigen Umgegend fast vernichtet.
Oesterreich.
Prag, 4. August. Aus zahlreichen Orten treffen Berichte über die durch den anhaltenden Regen herbetgesuhrten Wasserschäden ein. Hier steigt das Wasser fortdauernd. Kuchelbad und Modran sind überschwemmt.
Der langwierige türkisch.griechisch« Conflict wegen des griechischen Konsuls Panurias m Monastir gilt jetzt als definitiv bese.tigt. Der Consul war antitürkischer , naDE Umtriebe beschuldigt, doch scheint sich die Unwahrheit dieser Beschuldigung h-rausg-stellt dingend ui nnhpn. h?nn hpr (Äniinprnpnr nn» _____ v m , . „ P _


