Ausgabe 
5.5.1888
 
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Nr. 1OS Samstag den 5. Mai 1888.

Amts- und Anzeigkblatt für den Kreis Gießen.

Dnreaur Schulftraße 7.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeit.

Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. M., enthält:

(Nr. 1799.) Internationaler Vertrag zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel. Vom 14. März 1884.

(Nr. 1800.) Gesetz zur Ausführung des internationalen Vertrages zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel vom 14. März 1884. Vom 21. November 1887.

Gießen, am 3. Mai 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

________________________________Dr, Boekmann._________________________________________________

Betreffend: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfafsungseides. Gießen, am 2. Mai 1888.

Das Großherzogltche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzogltchen Bürgermeistereien des KreiseS.

Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungseides der neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden:

1) Mittwoch den 9. Mai L I«, Mittags 1 Uhr, in dem Rathhause zu Lich, für die in den Amtsgerichtsbezirken L i ch und Butzbach liegenden Gemeinden;

2) DienStag den IS. Mai L I., Mittags 12 Uhr, in dem Rath Haufe zu Gießen, für die in dem Amtsgerichtsbezirke Gießen liegenden Gemeinden;

3) Mittwoch den 16. Mai l. I., Mittags 1 Uhr, in dem Rathhause zu Grünberg, für die in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg liegenden Gemeinden;

4) Mittwoch den 23 Mai I. I., Mittags l1/» Uhr, in dem Rathhause zu Hungen, für die in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden.

Wir beauftragen Sie hierdurch die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.

Halten sich dergleichen Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.

' Dr. Boekmann.____

Betreffend: Die Ausführung des Reichsmilitärgesetzes. Gießen, den 30. April 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an di« Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Areifes.

Nachstehende Bekanntmachung Großherzoglichen Landwehr-Bezirks-Commandos Gießen wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasten.

Dr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Diejenigen Mannschaften des Beurlaubtenstandes wozu auch die Ersatz. Reservisten gehören welche sich noch nicht im Besitz der veränderten beziehungsweise neuen Militär-Papiere namentlich nicht der neuen Bestimmungen befinden, werden hierdurch ausgefordert, bei Meidung der im § 67 des Reichs-Militär-Gesetzes angedrohten Strafen unverzüglich ihre Papiere behufs Abänderung beziehungsweise Austausch an den zuständigen Bezirksfeldwebel abzugeben beziehungsweise einzusenden.

Caspary,

Oberstlieutenant und Kommandeur des Landwehr-Bataillons-Bezirks Gießen.

Politische Wochenschau.

Gießen, 4. Mai.

Die erneute Verschlimmerung, welche sich Anfang der Woche im Befinden deS Kaisers bemerklich machte, ist glücklicher Weise nicht von Dauer gewesen und lauten gegenwärtig die Nachrichten über den Zustand des hohen Kranken wieder beruhigender. Der abermalige Zwischenfall bekundet indessen auf's Neue, den unberechenbaren, wechselnden Charakter des Leidens des Kaisers und wenngleich auch jetzt kein Grund zu unmittelbarer Besorgniß vorliegt, so erhellt doch aus den wechselnden Krankhetts- btldern daß sich am Ernst der Gesammtlage und der Gefahr des Grundübels leider nichts geändert hat. Angesichts dieses Standes der Dinge muß man auch die immer wiederkehrenden Meldungen von der angeblich bevorstehenden Uebersiedelung des Kaisers nach Schloß Friedrtchskron bei Potsdam auf sich beruhen lassen und wird es schon als viel erreicht zu gelten haben, wenn der kranke Monarch im Schloßparke zu Charlottenburg wieder frische Luft schöpfen darf. Am Donnerstag Morgen erwies sich das Allgemeinbefinden des Kaisers bei sehr niedrigem Fieberzustande als verhältniß- mä6ig befriebigenb, in Folg- besten bie Kaiserin ihren projeclirkn Reiseausflug in Me von ben Ueberschwemmungen betroffenen Elbnieberungen 'n,wischen unternommen hat.

Hinsichtlich bes am Dienstag vorgenommenen abermaligen Wechsels ber Eanule beim Kaiser wirb aus ber Umgebung bes Monarchen geschrieben, baß ein solcher Wechsel schon seit einiger Zeit aller brei bis vier Tage vorgenommen werbe, ohne im Allgemeinen für ben hohen Patienten beschwerlich ober gefährlich zu fein.

Das »renftiffte Abgeordnetenhaus hat in biefer Woche mit feinen Arbeiten tüchtsi, aufgeräumt. Es mürben von ihm bie Eifenbahn-Vorlage, bie Nothstanbsvor- laae bie Vorlage über bie Weichsel- und Nogat-Regulirung unb bie Kreis- unb P?ovinzial°rbnung für Schleswig-Holstein befiniiiv angenommen unb baneben noch verschiedene Anträge - Antrag Branbenburg unb Genosten, welcher will, baß an ben technischen Unterrichtsanstalten feber Art unb aus ben Lehrerfeminarien über bie ersten Hilfeleistungen bei plötzlichen Ungläckssälleu in geeigneter Weife Anleitung unb ®e= kbruna eriheilt werbe, Antrag Rickert-Winbthorst, betr. bie »Übung bei Urwahlbezirke unb Antrag Berling, betr. Wittwen- unb Waifenkaffen ber Elementarlehrer erlebigt. Die Verhanblungen über biefe Gegenstänbe waren zumeist recht lebhafter 'Natur, namentlich gestaltete sich die am Schluß ber Mittwochssitzung stattgesunbene Diseussion über ben genannten Antrag-Rickert-Winbthorst burch bie Art unb Weise, wie Minister v Sputtfamer in biefelbe eingriff, sehr erregt unb wirb in parlamentarischen Greifen

das Auftreten des Ministers gegen den Antrag lebhaft erörtert. Zur Stunde dürfte sich das Abgeordnetenhaus vertagt haben, um in 14 Tagen zur definitiven Beschluß­fassung über das Volksschullastengesetz nochmals zusammenzutreten. Inzwischen ist auch das Herrenhaus aus seiner Ruhepause wieder hervorgetreten und genehmigte es am Mittwoch unverändert die Nothstandsvorlage und den Gesehenttvurf über die Ver­längerung der Legislaturperioden, sowie am Donnerstag den Gesetzentwurf, betr. die Verleihung der Corporationsrechte an geistliche Ordensniederlassungen und Congregationen und erledigte an beiden Tagen außerdem noch eine Reihe kleinerer Vorlagen.

Das neue holländische Ministerium Mackay hat dieser Tage in der nieder­ländischen Volksvertretung mit einem politischen Programm debüttrt. Als dessen Hauptpunkte erscheinen die Betonung des confessionellen Unterrichts der Volks­schule, Ankündigung neuer Gesetzentwürfe im Interesse der Landesvertheidigung, Erhöhung der Eingangszölle für gewisse Maaren und Signalisirung neuer Steuern. Ob das Cabinet Mackai mit der liberalen Mehrheit der ersten Kammer bet einem solchen Programm lange auskommen wird, erscheint recht siaglich.

Die energischen Erklärungen, mit denen der österreichische Unterrichts­minister v. Gautsch bei der Cultusdebatte im Abgeordnetenhaus den slaotsch- nationalistischen Ansprüchen wie auch den hinter dem Schulantrage Liechtenstein sich verbergenden clericalen Bestrebungen entgegengetreten ist, haben die Prophezethungen, daß sich Herr o. Gautsch von den Czechen und Clericalen schließlich doch noch tn's Schlepptau nehmen lassen werde, desavouirt. Begreiflicher Weise hat diese Haltung des Unterrichtsministers auf der Rechten einen schlechten Eindruck heroorgerufen, der sich in den Angriffen der clericalen und czechischen Preßorgane auf Herrn v. Gautsch genugsam widerspiegelt. Wenn trotzdem die Rechte mit Ausnahme der Jungczechen und einiger Altczechen am Mittwoch den .TitelCentralleitung des Unterrichts­ministeriums" bewilligte, dessen Ablehnung vermuthlich zur Demission des Herrn v. Gautsch geführt haben würde, so scheinen die Herren von der Rechten hierbei erwogen zu haben, daß eine Ministerkrisis unter den jetzigen Umständen für den Bestand des eisernen Ringes" der Mehrheit ^bedenkliche Folgen haben könnte, zumal sich der Ministerpräsident Graf Taaffe mit seinem Collegen im Unterrichtsministerium für solidarisch erklärt haben soll. Jedenfalls wird es aber Herrn v. Gautsch seitens der Czechen und Clericalen nicht verziehen werden, daß er es wagte, ihren Ansprüchen in mannhafter Weise entgegenzutreten.

In der italienischen Deputirtenkammer hat sich mit der in dieser Woche stattgefundenen Afrika de batte wieder einmal eine große parlamentarische Haupt- und