Nr. $1- tErfleS Dlatt. Sonntag den 5. Februar 1888.
; Gießener Anzeiger
' Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau: Schulstraße 7.
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wn knwnn1 m8q mit 3n^a[t’ 1 Schlachtmeffer, 1 Taschenmesser, 1 Glacehandschuh, 1 Kinderhandschuh, 1 Jacke.
Gießen, am 4. Februar 18S8. «roßherzagliche, Polizeiamt «ließen.
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Deutscher Keich,tag.
etnschl. der Todtgeborenen
1,814,444 1,302.049
Bern, 3. Februar. Ein heule »on den Zeitungen veröffentlichte« Co«, muniquö de« Bundeirath« besagt: Die Untersuchung über die anarchistischen und socialistischen Umtriebe haben lebte« Jahr begonnen. Veranlaßt durch dar Erscheinen der Flugschrift: „Der rothe Teufel" habe stch dieselbe später auch auf die Organisation der deutschen Socialisten in der Schweiz, sowie aus ver- schiedene socialisttsche und anarchistische Versammlungen ausgedehnt. Alsdann sei die Verhaftung Ehrenberg'«, Schröder'« und Haupt gefolgt, so daß der Bun. de«rath erst am 27. Januar in der Lag- gewesen sei, Entschließungen zu soffen. Schon im Verlaufe ver ersten Untersuchung habe da« Justiz- und Polizei« Departement die Osficin de« „Socialdemokraten", au« welcher der „Rothe Teufel" hervorgegangen, zur Mäßigung de« Toner in ihren Veröffentlichungcn angehalten. Der Bunde«rath habe die Warnung bestätigt und verschärft.
Knglavd.
London, 3. Februar. Thoma« Callan und Michael Harkin«, welche angeklagt st»d, sich behufs Herbeiführung von Dynamit-Explosionen verschworen zu haben, sind heute zu je 15 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt worden.
in Deutschland. . . 372,318
Aerttschland.
Berlin, 2. Februar. Das Statistische Amt Veröffentlicht eine Nachweisung über die im Lause des Jahres 1886 im deutschen Reich erfolgten Ehe- schließung-n, Geburten und Sterbefälle und theilt hierbei zum Vergleich die Hauptdatcn über die Bewegung der französtschen Bevölkerung mit« Wir entnehmen diesen Zusammenstellungen, daß im Jahre 188Metragen hat die Zahl ber Eheschließungen Geborenen Gestorbenen
.... Berlin, 3 Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht soeben das deutsch- o terreichtsche Bundniß vom 7. October 1879 mit folgender Einleitung: „Die Regierungen Deutschlands und Oesterreichs haben sich zur Veröffentlichung ihres am 7. October 1879 abgeschlossenen Bündnisses entschlossen, um den Zweifeln ein Ende zu machen, welche an den rein defensiven Intentionen desselben gehegt und zu verschiedenen Zwecken verwerthet werden. Beide sind vom Bestreben geleitet, den Frieden zu erhalten und Storungen desselben abzuwehren, und sind überzeugt, daß die Be- ^untgabe des Inhalts jeden Zweifel hierüber ausschließcn wird, und haben deßhalb beschlossen, denselben zu veröffentlichen." Der Text lautet: In Erwägung, daß Ihre Maiestaten der deutsche Kaiser, König von Preußen und der Kaiser von Oesterreich ^onrg von Ungarn, es als ihre unabwetsliche Monarchenpsttcht erachten müssen, für Lie Sicherheit ihrer Reiche und die Ruhe ihrer Völker unter allen Umständen Sorge zu tragen; m Erwägung, daß die beiden Monarchen ähnlich wie in dem früher bestandenen Bundesverhältnisse durch festes Zusammenhalten beider Reiche im Stande ' sein werden, diese Pflicht leichter und wirksamer zu erfüllen; in Erwägung schließlich Laß ein inniges Zusammengehen von Deutschland und Oesterreich Ungarn Niemanden bedrohen kann, wohl aber geeignet ist, den durch die Berliner Stipulationen ae-
Europäischen Frieden zu consolidircn, haben ihre Majestäten der Kaiser von Deutschland und Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn, indem sie einander feier- £? DeSrA$en' daß sie ihrem rein defensiven Abkommen eine aggressive Tendenz nach keiner Richtung jemals beilegen wollen, einen Bund des Friedens und der aeaen- seitlgen Verthetdtgung zu knüpfen beschlossen. Zu diesem Zwecke haben Allerhöchstdie- ! eiben zu ihren Bevollmächtigten ernannt: Se. Majestät der deutsche Kaiser Allerhöchst- chren uußerordttltlichen und bevollmächtigten Botschafter Generallieutenant Prinzen Heinrich.JH. tfieufe :c. rc., Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn, Allerhochstthren wirklichen Geh. Rath Minister des kaiserlichen Hauses und des Aeußeren FUdmarschalllieutenant Julius Grafen Andrassy v. Esikszent-Kiralv und Kraszna-Horka rc. rc., welche sich zu Wien am heutigen Tage vereinigt haben und nach Austausch ihrer gut und genügend befundenen -Vollmachten übereingeksmmen
° e.1*« sollte wider Verhoffen und gegen den aufrichtigen Wunsch
der beiden hohen Kontrahenten eines der beiden Reiche von Seiten Rußlands an- gegriffen werden, so sind die hohen Contrahenten oelpflichtct, einander mit ber ae- lammten Kriegsmacht ihrer Reiche beizustehen und demgemäß den Frieden nur ae meinsam und übereinstimmend zu schließen. Art. 2. Würde einer der hohen contra-' beenden Theile von einer anderen Macht angegriffen werden, so verpflichtet fick hiermit der andere hohe Kontrahent, dem Angreifer gegen seinen hohen Verbündeten nirht »ur nicht beizustehen, sondern mindestens eine wohlwollendeneutra^ bm hohen Vtitkonttahenten zu beobachten. Wenn jedoch in solchem Falle die nn" D?n @citc Rußlands, sei es in Form einer activen Cooperation sei « ?UT^ militärische Maßnahmen, welche den Angegriffenen bedrohen' unterstützt Werden sollte so tritt die im Art. 1 dieses Vertrages stipulirte Verpflichtung des gegenseitigen Beistandes mit valler Heeresmacht auch in diesem Falle sofort in Kraft wü> die Kriegführung der beiden hohen Contrahenten wird auch «
bjs rum gemeinsamen Friedensschluß. Art. 3. Dieser Vertrag soll in Gemäß- h«ert seines friedlichen Charakters, und, um jede Mißdeutung auszuschließen von beiden Contrahenten geheim gehalten und einer dritten Macht nur im Einverständnisse
C Unj? nach Maßgabe specieller Einigung mitgetheilt werden. Beide hohen Contrahenten geben sich nach den bei der Begegnung in Alexandrowo ausgesprochenen ^^l^er der Hoffnung hin, daß die Rüstungen Rußlands sich als bedrohlich für sie in Wirklichkeit nicht erweisen werden, und haben aus diesem Grunde zu einer Mitthetlung für jetzt keinen Anlaß. Sollte sich aber diese Hoffnung «tder Erwarten als eine irrthümliche erweisen, so würden die beiden hohen Contra? h«iten es als eine Pflicht der Loyalität erkennen, den Kaiser Alexander mindestens omtraulich diruber zu verständigen, daß sie einen Angriff auf einen von ihnen als Äc" beide gerichtet betrachten müßten. Urkupd dessen haben die Bevollmächtigten dSesen Vertrag eigenhändig unterschrieben und ihre Wappen beigedrückt. Geschehen ru Wien, am 7. October 1879. Prinz Neuß. Andrassy. ^enyeyen zu |
28. Sitzung vom 3. Februar 1838.
Antrags auf Einführung der fünfjährigen Legislaturperiode an Stelle der dreijährigen wird fortgesetzt.
fe! die 3jährige Periode gewesm. Die Krone
dieselbe s Z selbst beantragt und die Rationalliberalen hätten damals in ihrer Stoßen Mehrheit selbst dafür gestimmt. Wenn die Fortschrittspartei für die Verfasfung nicht gestimmt habe, so sei dies geschehen, weil bei größerer' Entschiedenheit des Reichstages die Regierung noch weitergehende Concessionen in freiheitlicher Richtung gemacht haben wurde. Der Reichstag habe seit jener Zeit immer mehr von seinen Rechten ab- 6/geben, so daß man sich fragen müsse, ob heute nicht der Reichstag dem Reichskanzler, statt der Reichskanzler dem Reichstage verantwortlich sei. Besäße der Reichstag die ihm zurommenden verfassungsmäßigen Rechte, so würde die 5jährtge Legislaturperiode vielleicht nicht so bedenklich^ sein. Abg. v. Bennigsen habe auf verschiedene andere Länder, welche längere als 3jährige Perioden haben, hingewiesen; dort nehme aber das Parlament auch eine ganz andere Stellung ein, als bei uns. Und ließen sich denn aus dm Erfahrungen Grunde für eine Verlängerung der Legislaturperiode anführen / Graf Behr habe auf die Opfer an Zeit und Geld hingewiesen. Das seien gar keine Sr.r ; Dynastteen kosteten auch Geld. Man spreche von Wahlmüdigkeit. Das ^^^/^uermude und Tausende seien so militärmüde, daß sie lieber auSwanderten.
Von Wahlmudigkeit in solchem Maße babe er noch nichts gehört. Es schade gar nichts wenn politische Fragen von Zeit zu Zeit öffentlich erörtert würden, mic dies bei den Wahlen gescheh^ v. Bennigsen habe auf die Erbitterung der Parteien und Wahlkämpfe hingewiefen. Was erzeuge diese Erbitterung? Die Art und Weise der Conservativen und Nationalliberalen, ihre Gegner gewissermaßen in die Reichsacht zu thun, ihnen die nationale Gesinnung abzusprechen. Besonders schlimm sei es in dieser Beziehung in Sachsen. Viel habe zu der Erbitteruug auch die Einmischung der Beamten beigetragen. Dre Oberprasidenten und Regierungspräsidenten seien die Oberagenten und die Land- rat?£?k Konten der Wahlmache. Die Rattonalliberalen hätten kein Wort gegen die amtlichen Wahlagitationen; es säge eben Niemand gern an dem Ast, auf dem man selbst sitze. Herr 0. Bennigsen wolle das allgemeine Wahlrecht erhalten; das könne er Archen, wenn er die Wahlbeeinflussungcn seiner Freunde verhindere. Die schlimmsten Wahlbeemflussuugen gingen von den Nationalliberaleu aus. Gute Gesetze gingen aus einem regen politischen Leben hervor, nicht aus der Verflachung politischer Gegensätze die zu einer parlamentarischen Bureaukratie führe. Wenn die freisinnige Partei gegen die Septennatsoorlage stimmte, jetzt aber für die Wehrvorlage stimmt, so geschieht dies keineswegs, wie Herr 0. Bennigsen annehme, weil sie sich eines Besseren überzeugt habe- das Septennatsgesetz und die neue Wehrvorlage hätten nichts mit einander gemein. Die Freisinnigen stimmen heute wie früher gegen das Septennat. Moltke habe selbst
?nnk b« knur b/i"glich der Zeitdauer die Meinungen auseinander gingen. Wenn dies der Fall, dann Jet die Auflö'ung des Reichstags verwerflich gewesen. Die Sep- tenuatsoorlage sei nicht hervorgegangen aus dem Mißtrauen gegen Frankreich und hi-°u? dem Mißtrauen gegen das eigene deutsche Volk. Anstatt an Inn,» h* hatte Herr v. Bennigsen an die Auflösung von 1878 erinnern
c? e bic Nationalliberalen mitbetraf. Man sehe die Dinge anders an, wenn man nicht Hammer, sondern Ambos sei. Nach Bennigsens Darstellung hätte s. Z. der Frei-
C o gefeiert, die Orgien des Schutzzolls bervorgerufen hätten. In der Thal lct Ueberproduction in der Eisenindustrie dadurch bervorgerufen worden, daß
nicht rechtzeitig genug aufgehoben worden sei. Dann sei der Eisenzoll plötzlich unter Berufung auf die Nothlaae der Landwirthschaft aufgehoben worden und zwar gerade in der Zeit des wirthschaftuchen Niederganges. Der Reichskanzler sei es §J?.rßi.en des Freihandels gefeiert habe. Schließlich seien die^chutz- zölle aus politischen Rücksichten wieder eingeführt worden; es wurden damit gleichzeitig die Ftnanzolle durchgedrückt und politische Parteien auseinandergesprengt. Wenn die nationalltberale Partei die Conservativen unterstütze wie bisher, dann werden sich alle ? fkV0 a°n?r£n Pläne der Letzteren bald verwirklichm, dann werden die Conservativen oald so stark sein, um der Nationalliberalen ferner nicht mehr zu bedürfen. Personen feien vergänglich, man dürfe daher auf dieselben nicht die innere Politik bauen: umso weniger sollte man an den Institutionen rütteln. Es gebe kein Volk in Europa, besten Lax Verpflichtungen f* erhöht worben sind in den letzten 10 Jahren, wie die deutschen- deshalb dürfe man die wenigen Rechte deS deutschen Volkes nicht noch scvmalern. (Beifall links.)
c CTnAb(?‘?Jn?rer <®oc-): Durch die Annahme des Antrags werde für seine Freunde der Werth des allgemeinen Wahlrechts illusorisch, da kurzfristige Wahlperioden das
„ Frankreich . . . 283,193 956,363 903,803
Währenv lonach in Deutschland der Ueberschuß der Geborenen über die Gestor- denen sich aus 512,395 belief, erreichte derselbe in Frankreich nur 52 560. »uch relativ war Die natürliche Bevölkerungrzunahme in Frankreich erheblich schwächer al« im deutschen Reich Berechnet man nämlich da« Verhältnlj dieser und der übrigen Zahlen zur mittleren Bevölkerung de« bezeichneten Jahre», die sich jür da, deutsche Reich aus *7,103.000, für Frankreich aus 38,219,000 Ein« wahner stellt, fo kamen auf 1000 Einwohner
Eheschließungen Geborene Gestorbene Geburtrüberschub
in Deutschland 7 9 38,5 27 6 10 9
n Frankreich 7,4 25,0 23,6 1,4
Die überseeische Au«Wanderung au« dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug im Monat December 1886 2465 und im ganzen Jahre 1887 99,712 Personen. Im gleichen Zeitraum der Vorjahre sind: 1886 2894 bezw. 79,875 und 1885 2318 bezw. 107,238 Deutsche über obengenannte Häsen nach überseeischen Ländern auigewandert-


