Lokales.
Gießen, 5. Januar. (Theater.) Unsere Theater-Gesellschaft wird einer Einladung nach Friedberg Folge leisten und daselbst Ende dieses Monats mehrere Vorstellungen veranstalten.
Vermischte s.
Stuttgart, 2. Januar. Der um 1 Uhr 40 Min. von hier abgehende Paris- Wiener Eourierzug 9k. 15, aus 11 Wagen bestehend, hatte heute Nachmittag 2 Uhr das Unglück, bet seiner Einfahrt auf der Station Eßlingen infolge Bruchs einer Weichenzunge beim Uebergang in ein anderes Geleise zu entgleisen. Die Maschine und die beiden nächstfolgenden Gepäckwagen gelangten noch in das richtige Geleise hinüber, die nächstfolgenden Wagen jedoch wurden aus den Schienen geworfen und zwei Personenwagen umgestürzt. Hierbei erlitt der Zugmeister Laub einen Schädelbruch, welcher nach kurzer Besinnungslosigkeit seinen Tod herbeiführte. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit 4 halberwachsenen Kindern. Außer ihm erlitt nur noch ein Passagier unbedeutende Quetschwunden an Kopf und Arm. Die Passagiere wurden mittelst eines sofort gebildeten Ersatzzuges, die Post mit dem nächsten Postzuge unversehrt weiterbefördert. Als ein großes Glück ist es anzusehen, daß der Eourierzug bei seiner Einfahrt in den Bahnhof langsamer fuhr und der Locomotivführer, die Gefahr Erkennend, noch rechtzeitig Gegendampf geben konnte. Hierbei bewährte sich die seit einigen Jahren hier eingeführte amerikanische Westinghouse-Dampfbremse, welche sofort alle Wagen bremst, vortrefflich, denn sonst wären die Wagen aufeinander oder inetnandergeschoben worden und das Unglück wäre unermeßlich geworden. Der Schaden an zerstörten Schienen und Material ist nicht unbedeutend. Auf dem verunglückten Zug befanden sich viele aus dem Feiertagsurlaube zurückkehrende Soldaten, Offiziere, bayrische Artillerie-Einjährige aus der Pfalz, welche theilwetse durch die Fensteröffnungen der umgestürzten Wagen sich zu retten genöthtgt waren.
— sBestrafter Chauvinismus.) Einem Eas^-Besitzer in Bergerac (Departement Dordogne) ist vor einigen Tagen sein Chauvinismus übel bekommen. Das dortige Localblattchen, das gegen 4 Uhr Nachmittags ausgegeben wird, brachte an dem Tage, als Fürst Bismarck an leichten Kolikschmerzen erkrankte, eine Pariser Depesche, nach welcher der deutsche Reichskanzler gestorben sein sollte. Der Etgenthümer des größten Eafä's im Ort scheint ein besonders eifriger Patriot oder ein persönlicher
— Der preußische Landtag ist durch königliche Verordnung vom 2. Januar auf den 14. Januar etnberufen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." kann die Berliner Mtttheilung eines süddeutschen Blattes, daß in gewissen Kreisen die Absicht bestanden, für den Fall eines plötzlichen Avlebens des Kaisers und der Verhinderung des in San Remo weilenden Kronprinzen eine Regentschaft einzusetzen, daß der Kronprinz aber den dcsfallsigen Vorschlägen seine Genehmigung versagt und daß an dieser Entschließung des Kronprinzen ein badischer Staatsmann hervorragend betheiligt sei, als ein Gewebe von Lügen bezeichnen, dem jede Unterlage fehle.
— Staatssecretär Graf Bismarck ist zum Besuche seines Bruders nach Hanau gereist, von wo er erst am 5. Januar zurückkehrt.
Breslau, 3. Januar. Der „Schles. Ztg." zufolge ist auf der Bahnstrecke Görlitz Dresden der Verkehr in Folge Schneeverwehungen gänzlich unterbrochen.
Chemnitz, 3. Januar. Der heftige Wind, der gestern und in der vergangenen Nacht herrschte, hat auf einer größeren Anzahl von Strecken der sächsischen Staatsbahn, namentlich aus den Strecken 9Nartenberg-Reitzenhain, Bischofswerda-Görlitz, Arnsdorf- Kamenz, Radeburg-Radebeul, Hainichen - Frankenberg und mehreren anderen starke Schneeverwehungen zur Folge gehabt; die gedachten Bahnstrecken wurden erst heute Mrttag wieder fahrbar. Ein gestern Abend von Ehemnitz nach Dresden abgegangener Güterzug steckt bei Frankenstein mit zwei Maschinen im Schnee.
Wie«, 3. Januar. In der Porzellanfabrik von Wallis in der Kärntnerstraße brach Vormittags eine Feuersbrunst aus, die einen großen Thetl des kostbaren Waaren- lagers vernichtete und erst gegen Mittag gelöscht wurde. Der Schaden wird auf 100,000 Fl. geschätzt.
Wien, 3. Januar. Das „Fremdenblatt" bespricht die Neuiahrsrede^Ttszas und sagt: Oesterreich Ungarn werde nie einen Krieg prooociren, alle seine Stämme wollten nichts als den Frieden, gepaart mit der Sicherhert seiner Dauer und der Integrität des Ansehens und der Interessen der, Monarchie.
Rom, 3. Januar. Der Papst erhielt anläßlich semes Jubiläums ein Telegramm des Kaisers von Rußland aus Gatschina vom 31. December, welches nach einer warmen Beglückwünschung sagt, daß der Kaiser, beseelt von dem Wunsche, die religiösen Interessen feiner römisch-katholischen Unterthanen zu sichern, nicht daran zweifle, daß die hohe Weisheit des Papstes, von welcher derselbe so viele Beweise gegeben habe, dem Kaiier gestatten werde, die Bedürfnisse der römischen Kirche mit den Fundamenial- Grundsätzen seines Reiches zu versöhnen.
Petersburg, 3. Januar. DaS „Journal de St. Pötersbourg" sagt, die Veröffentlichung der gefälschten Aktenstücke durch den „Retchsanzeiger" dringe endlich Licht in den Zwischenfall, welcher die öffentliche Meinung Europas vorübergehend beunruhigt habe. Dian könne sich nur beglückwünschen, denn nur die Wahrheit sei im Stande, Mißtrauen zu beseitigen, welches durch Zweifel entstanden und durch Dunkel aufrechterhalten worden sei. Der Zwischenfall sei abgethan. Für die Verleumdungen, welche eine Störung der internationalen Beziehungen bezweckten, gebe es einen Nahrungsstoff weniger; jedenfalls könne man nicht genug die Gradhett anerkennen, welche gegen da6 Mißtrauen vorgegangen sei und die Loyalität, welche sich die Aufklärung habe angelegen sein lassen.
Sofia, 3. Januar. Ein Erlaß des Prinzen Ferdinand an den Ministerpräsidenten spricht sich anerkennend über die Haltung der Kammer gegenüber dem Throne und der Regierung aus. Der Prinz hofft, die bis jetzt getroffenen Maßnahmen würden es dem Daterlande ermöglichen, die vorhandenen Schwierigkeiten zu bekämpfen. Man müsse eine ruhigere, für die Entwickelung des Landes günstigere Periode abwarten.
Newyork, 3. Januar. Die Grubenarbeiter in der ganzen Anthracit-Region von Penuiyloanten, ausgenommen diejenigen im Wyoming-Thal, haben die ange- kündigte Lohnreduktion zurückgewiesen und drohen, die Arbeit für sechs Monate em- zustellen.
Feind des Fürsten BiSmarck zu sein. Auf die Nachricht jener Zeitung hin veranstaltete er eine festliche Beleuchtung seines Locals und brachte außen ein Transparent an, welches der Bevölkerung die Thatsache des Verscheidens von „Frankreichs großem Feinde" mittheilte und hieran die Anzeige knüpfte, daß an diesem Abend jeder Besucher deS Easö's freigehalten werden solle. Natürlich füllten sich die Räume im Nu mit Gästen, welche unermüdlich Schnäpse, Punsch, Bier und Wein genossen — es muß festgestellt werden, daß der harmlosere Kaffee sich weit geringerer Beliebtheit erfreute — und mit lärmender Begeisterung das Vaterland und ,einen besonders treuen Sohn, den Esff6- besitzer, hochleben ließen. Das fröhliche Bechern dauerte bis gegen 11 Uhr. Sämmt- ltche Vorrälhe des Eafö's waren fast zur Neige gegangen und die Gäste zeigten noch keine Spur von Ermüdung. Da erschien ein Präfekturbeamter und forderte den Eaf6- besitzer auf, das Transparent zu entfernen, da — abgesehen von der Unstatthaftigkeit des Vorganges — Fürst Bismarck nicht im Mindesten daran denke, das Zeitliche zu segnen. Man kann sich vorstellcn, wie diese amtliche Verständigung auf den Patrioten wirkte. Er jagte grimmig seine Gäste hinaus und sperrte fein Eafö sofort zu, nicht ohne den Reichskanzler zu verfluchen, der ihm einen persönlichen Schaden von nahezu 1000 Frcs. zugefügt hatte.
— Die Rußbelästigung bildet schon seit einer langen Reihe von Jahren ein vielbesprochenes Thema, und es hat nicht an Versuchen gefehlt, dieser Ealamitäl abzuhelfen. In der Thal ist man hierbei auch zu ausgezeichneten Erfolgen gelangt, dieselben haben sich jedoch fast nur bei Feuerungsanlagen zu gewerblichen Zwecken praktisch verwerthen lassen, und der Rußbelästigung durch Stuben- und Küchenöfen hat man nicht beikommen können. Aber auch in dieser Richtung sind die Versuche fortgesetzt worden. Unter Anderem hat sich, wie die „Dr. N." mittheilen, Herr Albert Tippner in Dresden, Tannenstraße 6, mit der Lösung dieser bedeutungsvollen Aufgabe befaßt und ist demselben in der Thal deren Lösung in einem Grade gelungen, daß dieselbe die größte Achtung verdient. Zwei Vorzüge zeichnen die Tippner'sche Einrichtung in erster Linie aus: einmal die große Einfachheit, so daß sie sich ohne Schwierigkeit an jedem Ofen anbringen läßt, das andere Mal die Wohlfeilheit (5 bis 10 «X), so daß die Erfindung (dieselbe ist gesetzlich geschützt) den weiteren Kreisen zu Gute kommt. Die Einrichtung besteht in Folgendem: Während in den Oesen die Feuerung jetzt nach oben durch eine einfache Platte abgeschlossen wird, in welche hinten der Zug mündet, besteht die Feuerungsdecke bei der Ttppner'schen Anlage in einer Platte, welche im mittleren Drittheil ihrer Länge mit runden oder länglichen Löchern versehen ist. Don dieser Platte, der darüber befindlichen Herdplatte und den Seitenwänden des Ofens wird nun ein Eanal gebildet, in welchen aller von der Feuerung aufsteigender Rauch eintreten muß und aus welchem er nur durch den hinten befindlichen Zug ab- ziehen kann. Indem aber der von dem Rauch fortgetragene Ruß das Hintere Drittel des Eanals pasfirt, hat er die dauernd zum Glühen gebrachte Deckplatte der Feuerung zu passiren und verbrennt total. Bei den auch von amtlicher Seite oorgenommenen Prüfungen hat sich die Tippner'sche Einrichtung vorzüglich bewährt und so ist ihre Anbringung auch seitens des dortigen Rathes genehmigt worden. Außer den erwähnten Vorzügen zeigt diese Rußoerbrennungsanlage aber auch noch den, daß mtt ihr eine nicht unwesentliche Ersparntß an Feuerungsmatertal (wie versichert wird bis zu 40 pEt.) verbunden ist.
Ein traulich Häuschen schmuck und fein, Darum ein Gärtchen, wenn auch klein, Ein herzig Weib und Kinderfreud, Ist das wvhl nicht Zufriedenheit.
Dieser Gedanke beschlich uns beim Durchsehen des uns soeben zugegangenen neuen prächtig illustrirten Generalkataloges *) des Herrn F. C. Heinemann, Samenhandlung, Kunst« und HandelsgLrtnerei in Erfurt. Was ist da sowohl in der Gemüse-, wie in der Blumen-, sowie in der Pflanzenbranche des Guten, Schönen und Interessanten dem Liebhaber nicht alles geboten, um seine Tafel zu würzen und sein Auge zu erfreuen. Auch der strebsame Landwirth findet in diesem reichhaltigen Hefte vieles und namentlich manches Neue, was dem Ertrage seines Bodens förderlich ist. Wenn man einiges Veiständniß für Gartenkultur und verwandte Fächer hat, so findet man beim Durchsetzen dieses Katalogs ferner heraus, daß der Schwerpunkt seitens des Herrn Herausgebers auf die Bedürfnisse der Prioat- kundschaft gelegt ist, denn bei aller Reichhaltigkeit findet sich da nichts Ueberflüssiges, sondern nur sorgsam gewählte und bewährte Artiiel. Als dankenswerthe Zugabe enthält derselbe zahlreiche Culturanleitungen, so daß wir den Katalog, welcher von Herrn F. C. Heinemann gratis und franco zu beziehen ist, nach jeder Richtung hin auf'S Angelegentlichste empfehlen können.
*) Heber alle feineren Bindearbeiten in lebenden und getrockneten Blumen ist ein Specialkatalog erschienen; derselbe enthält ferner Eotillon-Touren in größter Auswahl, Blumentische und Blumentopfständer neuester Fa^on, Palmenständer, Schmucktische mit und ohne Springbrunnen, EonsolS für Blumen, Topftcager, Goldfischgläser, Rohr-Jardiu.Lren, Vasen re.
Temperatur in Gießen.
December 1887.
Niederste.......— 16,0 °E.
Mittlere.......— 0,30 ,
Mittel früherer Jahre.....— 0,15 „
Höchste........+ 9,0 „
Niederschlag an 23 Tagen .... 3,24 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 17 Tagen 2,05 „ „
Kirchliche Anzeigen der evangrl. Gemeinde.
Donnerstag, den 5 Januar, Abends 8 Uhr: Misfionsstunde; Pfarrer Schlosser. Thema: In Schnee und Eis; Missionsbilder aus dem hohen Norden.
«geöenftet Der hungernden Böget!
A f igemeine
Wir fühlen uns gedrungen, Allen denen, die bei dem gestrigen Brand in der Kleinkinderfchule uns hilfreiche Hand geboten haben, auf's herzlichste zu danken.
Insbesondere danken wir den getreuen Nachbarn und anderen guten Freunden aus der Stadt, die auch schon vor dem Eingreifen der Feuerwehr uns thatkrästqen Beistand leisteten. Ebenso danken wir der Feuerwehr selbst, die, nachdem sie am Platz erschienen war, natürlich nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht hatte, in ihrer geordneten Weise allein alle weitere Arbeit zu thun, und die so tüchtig ihre Aufgabe löste, daß das Feuer bald gelöscht und unser Haus vor dem Aergsten bewahrt wurde.
Gießen, den 3. Januar 1888.
Im Namen des Vorstandes und der Schwestern der Kleinkinder- Bewahranstalt, sowie der Frau Cantor Schwabe:
__Dr. Naumann, Pfarrer. ____________ • 15ts Ein junger Bursche als Aus- , Grosses langer in
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