Der undankbaren Aufgabe, Partnerin eines Sarasate zu sein, hatte sich Madame Berthe Marx unterzogen. Dte Künstlerin wird selber wissen, daß das Interesse Les Publikums dem Stern des Abends gehört. Indessen war, was sie uns bot, nicht ersten Ranges.
Der Barcarolle von Chopin fehlte die Poesie, und die Toccata hielt am Schluß nicht, was der markig vorgetragene Anfang versprach. Am besten gefiel uns das Spiel in der Liszt'schen, freilich sehr dürftigen Composition. Das Mendels- sohn'scke Concert begleitete sie nicht mit der nölhigen Hingebung. Es ist aber auch ein musikalischer Unfug, daß eine Begleitung, die so wie diese dem Orchester aus der Seele geschrieben ist, auf dem Clavier durch die Concertsäle geschleppt wird. G. Kr.
Gietzerr, 3. December. (Theaters Die „Posse mit Gesang" hat, ganz unserer Erwartung entsprechend, heute mindestens ebensovtele Zuschauer angetockt, wie das „Volksstück mit Gesang" am Todtensonntag, also nicht wenige, und diesen imponierte „des Lebens Mai", ein trotz seines duftigen Titels hinlänglich derbes Stück, sichtlich. An Kalauern ist das Machwerk überreich z. B. daß „Mooses" von Moos, „Moos" dagegen von Moses komme, mag ja an sich noch so richtig sein, ist aber immerhin ein Kalauer zweifelhaften Ranges. Die Mehrzahl dieser harmlosen „Witze" fällt übrigens über dte Redensart „Sitzenbleiben" oder „Sitzen" lassen her.
Heber die Aufführung läßt sich viel gutes sagen. Herr Reineres spielte den Lüderitz mit unvergleichlicher Komik. Namentlich das „entschieden schneidige" Vorgehen des schwiegersohnsüchtigen alten Herrn gegenüber dem betrunkenen Seifensieder verfehlte seine Wirkung nicht. Ebenso war seine tödtliche Angst vor den Angriffen der schwtegerm utt e rsüchtigen Tanzlehrerin Duval rührend. Neben Lüderitz nahm dte Rolle seiner Tochter Adele einiges Interesse in Anspruch, gespielt, und zwar recht hübsch gespielt von Frl. Egkert. Die Dame sang auch heute recht nett; nur möchten wir bemerken, daß das „ch" in „schmeichelnd" wie überall, als „ch" ausgesprochen, und demgemäß natürlich auch gesungen wird. Nur das „g" wird unter gewissen Voraussetzungen wie ein weiches „k" gesprochen. Der nämliche Fehler ist uns schon früher einmal beim nämlichen Wort aufgefallen. Daß Frl. Egkert das Wort Kindesliebe durch einen tiefen Athemzug entzwetschnitt, schrieben wir dem „kleinen Spitz" zu gute, den sie jedoch entschieden übertrieben darstellle. Der gleiche Vorwurf trifft auch Herrn Lowe (Nöhlich); dieser hat einen Betrunkenen rein als solchen vorzüglich dargestellt, aber der Zusammenhang erfordert hier einen minder hohen Grad der Trunkenheit. Herr Krertz (Fritz) war gut; warum unterließ er jedoch am Schlüsse die obligate Umarmung der „Krieger"? Frl. Müller spielte die Lene recht sympathisch, nur sah sie gegenüber ihrer Nichte etwas zu jugendlich aus — oder etwa diese zu alt? Süß- milch war bei Herrn Pieper in bewährten Händen. Seine Gestikulationen mit dem Spazierslock waren allerliebst. Herr Taußig (Kleer) gab das gebrochene Deutsch sehr gut wieder, im Vergleich mit anderen (zu fließend gesprochenen) Stellen, sogar zu gut. Was das sehr komische Spiel des Frl. Hell mut anlangt, so konnte man heute ihr Pathos der „früheren großen Tragödie" zu gute halten, und unter diesem Gesichtspunkte war es ungemein wirksam.
zu - «fffeemüWe Lenes zeichnete sich vor anderen ihrer Art vortheilhaft durch Geräuschlosigkeit aus, jedenfalls eine neue für nervenschwache Dienstboten berechnete Verbesserung. Zu einer Wiederholung des Stückes möchten wir der ^Direktion, ganz abgesehen vom Inhalt, schon um deswillen nicht rathen, weil sie zu kostspielig ist, — wenigstens im Punkte der Cylinderhüte. Th. M—n.
Gießen, 3. December. (Neues Theater.) Am Dienstag, den 4. d. M. steht uns wiederum eine Ausführung einer Novität bevor und zwar wird der Schwank von Malachow und Elsner aegeden, „Wenn man im Dunkeln küßt." Wir sind unserer rührigen Direktion aufrichtig Dank schuldig, daß sie uns mit den besseren und besten m l der Lustspielliteratur bekannt macht, und wollen wünschen, daß auch unser Publicum durch zahlreichen Besuch dieses Streben anerkennt. Obiges Stück können nilt bestem Gewissen empfehlen, um so mehr, da die Besetzung eine vorzügliche ist.
Vermischtes.
„ Jetzt.) In unseren Tagen, wo die Studenten sich Clnbhäuser
bauen und die Horsäle alle Bequemlichkeit bieten, muß eine Verordnung höchst seltsam ^"bren, die einstmals an der Pariser Universität erlassen wurde. Im 'Jahre 1366 ? & bte Kardinale Jean de St. Marc und Gilles Aicolm de Montagu,
Studirenden nach alter Gewohnheit auf dem mit Stroh bestreuten Boden, mcht ober auf S uhlen oder Banken sitzen sollten. Da in jener Zeit oft über 12,000 !?Uf ^eser einzigen Universität gezählt wurden, brauchte man eine große in'Ät Lehrraume zu bestreuen. Und daher kam es, daß die Straße,
in der die meisten Horsäle lagen, die Strohstraße genannt wurde. — Wie viel Stroh be§ (Strafee tagtäglich gedroschen wurde, hat sich der Berechnung
2ras, unerreicht beste Mittel gegen Heiserkeit,
t )tnb "un die Sodener Mineral-Pastillen überall voll-
oUttg anerkannt. Nicht allein in unseren deutschen Gauen, sondern, was um so J?1 2t^Ianbe sind dieselben als solche ausgenommen, und die die vornehmsten Aerzte rühmen die mit ihnen erzielten TsLüh0 Stuft;, Hals- und Lungenleiden. Kein anderes Präparat erreicht ihre ^ae & lvohlthatige Beruhigung, ihre belebende und ausheilende Kraft.
ot?'O0-fiien cu5b Mineralwasser - Handlungen haben dieselben per Schachtel ä 85 H vorrathig, doch prüfe man sorgfältig, ob die Schachteln dte ovalen imbihnSnrtrfnMrVh1 Ä bem Facsimile PH. Herrn. Fay tragen, denn zur Täuschung ÄÄÄ Ä™’" tm,Wn Wcn Sodener Mineral-Pastlllen
Eine Wanderung durch die Gießener Weihnschls- Ausstellungen.
(Fortsetzung aus Nummer 283.)
u. Gchreibmaterialien-Handlungnebst Geschäftsbücher-
Lager des Herrn Ph. Ludektng, die Schreiber Dieses bet Beaehuna des Snfh.räCti,er Ersehen „links liegen ließ", birgt, nach der Ausstattung des Schau- 21USn,a61 "üd"ch°r ©eaenftänbe, bi- als
S £ Sä »»ää uÄer-r MeMer bezweifeln fein wirb, „ns einmal in den Ausstellungen
aeübt Ifen?el"' H°rn und sonstigen Materialien, aus denen kunssi '
Smfeben SÄ iÄ ^ J111 unb *u drehen, zu sticheln rind zu schnitzen wis en
T-li U rht, sobald er nur einigermaßen in die Wünsche unserer trauen' äS iÄ"b »wsss s äätä gtt ässtää säht -
ä&t&'ÄÄÄiÄÄatfS* i ÄSJSXS ft’!
nachtswoche Herzensbündnisse geschlossen rcsp. Verlobungenaefet-r?
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nachtsangebinde ihr Herz spendiren, dafür zu sorgen, daß dieses Geschenk auch von einem äußeren Zeichen der Liebe begleitet sei. Dazu eignet sich nun aber nichts Besseres, als ein goldenes Ringelein (böse Menschen behaupten zwar, ein goldener Reis sei das erste Glied zu Hymens Rosenkette); darum flugs zum Goldschmied, der seine Werkstatt bei C. Bruck am Kreuz, I. Noll am Seltersweg, E. Loos in der Sonnenstraße, H. Huhn tu der Schulstraße, Chr. Leo am Seltersweg, W. Böger am Seltersweg, H. Zimmer am Kreuz ausgeschlagen hat. Alles Ränkeschmieden von Tanten und Schwteger- muttern 12 epe hort auf, sobald der angehende Schwiegersohn Ernst macht, vom Ringeschmieden zu sprechen — und eine Jungfrau in den Zwanzigern, die ein so unscheinbares Ringelein am Weihnachtsfeste ausschlägt, ist drs heute noch nicht entdeckt worden. Aber nicht nur Ringe schmieden unsere eben bezeichneten Mitbürger, nein, 0k versteh en auch andere Sachen herzustellen, die auf Bräute, Geschwister, Cousinchen und Töchterchen gerade so anziehend wirken, wie auf — Stlberdiebe. Da diese letztere Spätes aber im Allgemeinen höchst selten zu sein scheint (nur Frankfurt a. M., wo '?ouch die Vorbedingungen zum Gedeihen derselben bessere sind als bei uns, besitzt davon noch ein Prachtexemplar), so glaube ich den zahlreichen mit Bräuten, Cousinen und Töchtern versehenen und gewöhnlich vor Weihnachten in hohem Ansehen stehenden langen und alten Herren und Vätern verrathen zu können, daß fie'obne wUrC5- k°r b™ ^un.ft bcr Silberdiebe getrost goldene und silberne Ketten, Löffel, ^*bai“on8' logar Uhren aller Art, bei großer Auswahl und zu den verschiedensten Preisen kaufen können. Zeit bedeutet Geld! Ein guter Zeitmesser oder Chronometer rote der Deutsche sagt, aber kostet Geld - und wer wüßte wohl eine geeignetere Zett zum Geld ausgeben, als gerade die Weihnachtszeit — darum hinein n die Laden der Gold- und Silberschmiede und der Uhrmacher, unter weich' le^tnen ncub Martin Vogt, Wallthorftraße, Fr. Zimmermann, Seltersweg, am Archenplatz genannt sein mögen. Bei ihnen wird die Auswahl an Kostbarkeiten vollkommen befriedigen.
Nicht minder herzerquickend, ja für viele geschenkebedürftige Frauen und JrMg- ttaum zwischen 5 unb 90 Jahren unentbehrlich, präsentiren sich unsere Putzgeschäfte. Madame Mode ist jahraus jahrein so thätig in der Anfertigung ihrer Artikel, daß es udon lange ketnen Eheherrn mehr gtebt, der auch nur im Entferntesten daran glaubt, baftfte eines Tages zu Gunsten seiner Börse ihee Thätigkett auch nur einschränken, b4ePn l!L^c?In Ob nun gerade ein DamenHut ein besonders geeignetes Weihnachtsgeschenk ist, können wir nicht beurteilen; daß er aber, namentlich roenn er „urvdern" ist, das begehrenswertheste Toilettenstück unserer Damenwelt der it, Gegenwart und Zukunft unb nebenbei oft ein wichtiger Bestanbtheil des hausttchen Friedens i,t stehl bombenfest. Und in welch' herrlicher, allerliebster, unvergleichlich retzenber unb kostbarer Fa?on weiß ber Hut sich in ben Schaufenstern ju jcigen. CS gtebt runbe, ovale unb auch eckige, hohe unb niedrige, spitze unb breite Hute; eS gtebt aber auch welche, bie gar feine Form haben und - das sind die b.nn^ ^.\-AOÄe d)t QerabcC bezüglich der Form sehr oft die gewagtesten „Behaup- tungen ausgestellt resp. aufgesetzt werden, so muß doch constatirt werden, daß glück- lich-rw-ile Ein gut Theil unserer Damen und MSdch-n sich noch gefchmockooll zu kleiden weiß, unb baß auch bem guten Geschmack Rechnung getragen wird, kann man beob- Fernen 21- Sangmann, Pauli, Geschwister Holderg, / . E°h5-nd, L. Vertraud, Hof-Wenzel, und Köhler
nl*‘ "ur.Hute, auch BLudcr, Schleifen, Federn, Spitzen, Blumen, Besötze u. s w. in den heirlichsten Farben und in gediegenster Arbeit sind ausgestellt und laden zum Kaufe ein. An Trägerinnen von all' dielen m i°dlen, wie an dankbaren Blicken der damit
Beschenkten. Wenn das liebe Christktndchen alle die mehr oder minder laut gewordenen rrn'™ unJcrcr Trauen und Töchter sorgfältig regiftrirt hat, so kann es auch auf er^";?$anbei"l!nß zu ben Weihnachts-Einkäufen nicht an unseren Putz- unb Mobe- gcschaften vorubergehen.
Kirchlilhk Aii;rigkn dcr evangelischen Gemeinde.
schule ®iBsmoffUean: rT01™8 bT 3‘ D-c--nber, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinder- vr Naumann * P' Turmbau zu Babel, Stolz und Verwirrung. Pfarrer
* ’ w Ul U II Ile
hnrh rÄ^ual das Gebiet der Mode betreten haben, so können wir dasselbe
nieder verlassen, ohne unserer Manufacturwaaren- unb Con- ^^Hseschafte zu gedenken, dte, so viel wenigstens aus dem Jnseratentheil des „Anzeigers ersichtlich, ebenfalls verkaufen, wo nicht gar ausoerkaufen wollen. Groß ist die Zahl der Schaufenster, an welchen sich die Lüstres, Mozambiques, Moires, dte verschtedenarttgsten Setdenstoffe, Cachemires, Diagonales, Ripse, Köper rc. ?c. in fo üiden Mustern, Farben, Qualitäten und Breiten dem Auge des Beschauers bar; b ekC1^"^r tQU? tcb Auswahl in Cattunen, Druckzeugen, Schürzen, Bändern und wuchern, die geschäftige Hände dem Käufer vorlegen. Unb nun erst die fertigen Sachen, die fronen JCmter; und Regenmäntel, Tricottaillen, Pellerinen und wer weiß was sonst noch Alles was zu des — Weibes Ausstattung gehört. In ber That fordern b b ^U^lagen der Modewaarenhandlungkn zur Bewunderung von Selten ^),^"'Ubuwelt heraus. -vZUnge und einmal jung gewesene Damen finden auch hier ein Feld, auf welchem sich bte Wunsche säen lassen, bie hoffentlich alle erfüllt werben wer>n bas Hebe Weihnachtsfest nickt in ben Verbacht kommen soll, baß es eigentlich frnnflCpn^n,e^ verfehlt. Sinb nur Damen ba und erörtern die wichtigsten „Staats- fr?rrntn ^Eibt es gewöhnlich auch bei diesen Fragen. Tritt aber ein
in1"9 ^u/r Frau oder auch seiner erwachsenen Töchter an so ein Schau- !^U'ter beran, so genugtschon em Halbwegs vernehmliches „Ach, wie schön!" unb ein um ihn zu überzeugen, baß selbst in einem georbneten Staatswesen ^aprtel „Außerorbentliche Ausgaben" nicht im Bubget fehlen barf. Ja, Ausrufe Rippenstöße unb bittenbe Augen reben eine Sprache mittelst mrsiändi!i?n ^^^Eeßener Bürger mit jeber Kamerunerin ohne Dolmetscher verständigen kann, eine Sprache, gegen welche unser Volapük eine Quälerei ist. Wer J?CÖe m Zweifel barüber ist, welche Stoffsorte ober welcher Damen-
mantcl am besten zur Gestalt ober zu bem Gesicht ber zu Beschenkenben paßt ober ^7aaenben^^VHMÄ“Öf“n^^^J0 ?' rber ben Preis bieses ober jenes „in dieses Fach D C o bn «ünscht, wende sich vertrauensvoll an folgende Firmen: W. Attig,
L Em'rsheim Nachf, A. Docter, Aug. Montanus, Meyerhofs
L Goslar, I. Pfeffer, (Sehr. Stamm, H. Katz, W. Katz unb I. Schmücker Mäbcken"^ANps^ fertige Sachen führen, währenb unsere Frauen und
al- ä
Auausia^n Brandenburg schenkte der Kaiserin Victoria
^rpuhp 4?lbuttJfK0c ueultch eine Schürze, bie ihr besbalb besondere
fe i/ • der Kaiser sich eine tüchtige Hausfrau nur mit Schürze denken t nhn^*ÄUr ^^jenigen also, welcke dem Beispiele der Brandenburger Damen folaen g chä^i?/ck beson^?.^^^' fd uebm den bereits genannten Mauufacturwaaren- emnfnMpn h^onders die Lachmann'sche Schurzenfabrik in der Bismarckstraße emp'ol)Lev-(Fortsetzung folgt.)
@erfte ?3n8Bo yL „(Fruchipreise). Weizen M 19,10, Korn M. 16,20,
®”rtoff^ ** 17'°°' S°m°n 18,00, Wicken JL 13,00,
Wnfrn^Ra9Hfürt' 1 ®“em6er; Erbsen ganze pr. Psd. 12-18 H, do. geschalte U-18L, Gefckui^Üi^1^'<!."°m»E°hn-n 16-18 L, Kartoffeln 100 Ko. M 0,00-0,00, do. per S’ Sr^?-Zutter per Pfd. M. 1,10-1,20, Eier das Stück 6-7 4, Blemen- ^-„W'rsing per Stück 10-12 H, Zwiebeln per Psd. 7-U
Welßkiaut per Stück 8—20 Rotherüben per Portion 20—30
Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases.
Noocmber 1888: 18</z vorschriftsmäßige Kerzen.
- __ Buchner.


