Ausgabe 
4.9.1888
 
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Lokales

Deutschland.

Darmstadt, 1. September. Seine Königliche Hoheit der Grobber.oo baben Allergnädigst geruh,, dem berittenen Wachtmeister Käß vom Großb. Gensdarmerie" Corps das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthiaen ,u verleihen. 7 ö 0

Darmstadt, I. September Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde ertheilt durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der JuMz v°m 29. August l. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Alsfe d 1) Georg Dietrich Hoos, 2) Heinrich Stroh II, 3) Werner Weber 4) Äöbler, 5) Heinrich Kober II, 6) Conrad Waldeck/ 7) Wilhelm Buchhamme/ 8) Ernst Planz I. und 9) Carl Schopbach. ' 9 -ouqyammer,

«"»»' L September Se. Majestät der Kaiser ernannte das erste Garde- FeldarttUerie-Regiment zum Leibregiment und die erste Batterie desselben zur Leib- batterie. Die heutige Parade wurde von Seiner Majestät dem Kaiser selbst com- mandirt. Allerhöchstderselbe sührte das Garde^Corps bei beiden Parademärschen an dem König von Sachsen und an dem König von Schweden vorüber.

- Nach Beendigung der Parade ritt Se. Majestät der Kaiser an der Svtde der Fahnencompagnie des ersten Garde-Regiments zu Fuß nach dem hiesigen Schlosse Das geradezu ^bensgesahrltch zusammengedrängte Publikum brach auf bem ganzen Shn. ""beschreiblichen Jubel aus. Musterhafte Ordnung war jedoch überall zu , . A; September. Im Weißen Saale des Königlichen Schlosses sand

ner,Au ^60 Gedecken statt, woran außer Sr. Majestät dem Kaiser noch die Könige von Schweden und Sachsen, sowie die übriaen i H hier dürftlichkeiten nebst Gefolge und die zum Ehrendienst commandirten Militärs die Staats- begangen. äcban,der rourbc beteitä heute in den Schulen durch festliche Akte

Haus bedeutungsvollen Tage beschlossen, den beikommenden Auszug aus diesen Auf­zeichnungen bekannt zu geben, als ein Denkmal zur Ehre des Entschlafenen, als ein Vorbild für Mein Haus und für Mein Volk." Der bedeutungsvolle Tag, dessen die Kaiserliche Kundgebung Erwähnung thut, ist der 31. August, der Tauftag oes jüngsten Sprossen des Kaiserhauses, und der 31. August hat somit durch die Publikation der Aufzeichnungen des verewigten großen Heldenkaisers noch eine ganz specielle Weihe erhalten. Die Aufzeichnungen selbst datiren aus Koblenz (10. April 1857) und Berlin (31. December 1866, 31. December 1871 und 31. December 1878). Die erste Auf­zeichnung ist ein in wehmüthiger Stimmung geschriebener Abschiedsgruß an die in Berlin zurückgebliebene Familie des damaligen Prinzen von Preußen, die zweite ist noch unter dem Eindruck des für Preußen und Deutschland so bedeutungsvollen Jahres geschrieben und enthält zugleich einen Rückblick auf die schweren Kämpfe, die König Wilhelm in den Jahren 18611866 im innerpolitischen Leben Preußens zu bestehen hatte, die dritte Aufzeichnung verdankt ihr Entstehen den Großthaten aus den Jahren 1870/71 und die letzte Auszeichnung läßt die Erschütterung durchblicken, in welche den Kaiser die schmach­vollen Attentate vom 11. Mat und vom 2. Juni 1878 versetzt hatten. Aus allen diesen Aufzeichnungen leuchtet der herrliche Sinn und der erhabene Geist Kaiser Wilhelm I. hervor und sie werden in ganz Deutschland darum mit tiefster Theilnahme aus­genommen werden.

Die Herbstparad- des Garde-Corps verlief in außerordentlich glanzvoller Weise; sie bildete die Einleitung zu den Brigade- und Dioisionsübungen des Garde­corps. Am 8. September hat das 3. (Brandenburgische) Armeecorps seine Kaiser­parade auf dem Tempelhofer Feld und am 17., 18. und 19. d. M. finden die Manöver der beiden Armeecorps gegen einander die diesjährigen Kaiser-Manöver in der Gegend von Müncheberg statt.

Das große Tagesereigniß in der inneren Politik bildet noch immer die Er­nennung Rudolf v. Bennigsens zum Oberpräfidenlen der Provinz Hannover. Auf allen Seiten erblickt man in dem Vorgang zunächst eine gewisse Stellungnahme der Regierung gegenüber den hochconseroativen Bestrebungen und demgemäß eine Be­tonung des künftig sich mehr den gemäßigt-liberalen Anschauungen nähernden Stand­punktes der preußischen Regterungspolttik; ob jedoch an die Berufung Bennigsen's auf den obersten Posten der Provinz Hannover sich noch weitere wichtige Veränderungen knüpfen werden, bleibt abzuwarten. Durch die Beförderung des Herrn o. Bennigsen ist auch dessen Reichstagsmandat erloschen, welches er seit dem 21. Februar 1887 für Stade-Bremerhöoe- Lehe besitzt; es wird jedoch bestimmt versichert, v. Bennigsen werde von Neuem candidiren und nach erfolgter Wiederwahl seine parlamentarische Thätigkeit als Führer der Nationalliberalen fortsetzen.

Die nationale Feier deS Ledantages ist auch in diesem Jahre allenthalben in den deutschen Gauen begangen worden und zwar an vielen Orten sehr glanzvoll. Fast überall hat man hierbei an dem 2. September als dem richtigen Festtage feft- gehalten, und wenn man als solchen in einzelnen Orten, z. B. in München, den 1. September beging, so kann dies nur als Ausnahme von der allgemeinen Regel be­trachtet werden.

Ter Prinz-Reg-nt Luitpold von Bayern gedenkt seine schon einmal ver­schobene Reise nach der Pfalz am 17. September anzutreten und wird sein Besuch im linksrheinischen Bayern bis zum 28. September währen.

Der Kaiser von Oesterreich stattete am Samstag der Kaiserin von Rußland den schon angekündigten Besuch in Gmünden, derResidenz" des Herzogs von Cumber­land, ab. Derselbe erweist sich als ein reiner Höflichkeitsact, und gebietet schon die höfische Etiquette, daß der österreichische Kaiser die Czarewna bei ihrem Aufenthalt auf österreichischem Boden begrüßt.

Die französischen Flottenübungen in den Gewässern von Toulon sind nicht ohne einen ernstlichen Unfall adgegangen. In der Nacht zum 31. August geriethen zwei Torpedoboote an einander und erlitten beide hierbei schwere Beschädigungen, doch ist Niemand verletzt worden. Der Ministerpräsident Floquet und der Marineminister Krantz, welche dem größten Theil der Manöver beigewohnt hatten, kehrten von den­selben am Samstag zurück.

Floauet und Krantz wohnten am Freitag einem Festessen in Hyöres bei, auf welchem Beide friedliche Reden hielten. Floquet sagte hierbei, die französische Marine brauche auswärtige Feinde, falls sie solche habe, nicht zu fürchten. Die Republik fürchte ebensowenig innere Feinde, weder die offene Reaction noch usurpatortsche Bestrebungen. Die Regierung werde auf der gezeichneten Linie vorwärts gehen, unbekümmert um Diejenigen, welche die monarchistische Restauration oder die Zufallsdictatur herbei- führen möchten.

Der Sultan von Marokko hatte gegen mehrere Nomadenstämme im Süden seines Landes einen Rachezug unternommen, da von Angehörigen dieser Stämme ein Lieblingsneffe des Sultans nebst 200 marokkanischen Reitern niedergemetzelt worden war. Den betr. Stämmen war es gelungen, sich in einer günstigen Position im süd­lichen Atlasgebirge festzusetzen und hier den Angriffen des marokkanischen Heeres zu trotzen. Nunmehr haben aber die Angriffe desselben doch die Kette der Vertheidigung durchbrochen, infolge dessen sich die rebellischen Stämme wieder unterwarfen; über die­selben wird jedenfalls ein fürchterliches Strafgericht ergehen.

ZempelÄ'lbe' Z'm bei°pracht°ollem Leoben h"'

Ka's-r, welcher große Generalsuniform trug und mit den übAn Fürstlichkeiten tn de/ > ft

Telegraphische Kepeschen.

Wolff'S telegr. Corresponöenr. Bnrea«.

ftüh 8 Äad§babmabr8ere®ttat'minifkr ist mit Gemahlin heute

, -r?srlin, 2..September. Der König von Sachsen ist soeben, 10 Uhr 35 Min unb Lr aizba^nach'PoisbE Ä5n<9 biS »« *of bas Geleit

. , ?' September. Anläßlich der Sedanfeier ertönten heute früh um 6 Ubr

jn den Straßen der Stadt Weckrufe durch vier Militärmusikcorps Um 6v" Uhr er- 6 der Gedenktafel an der Friedenseiche im Gosenthale unter Gesana

?" Welche sich eine Ansprache des Diakons Schluch schloß. In ^mmtlrchen Archen der Stadt wurden Festgottesdienste abgehalten, an welchen die ©ptfcen aller ^Behor^en theilnahmen. In den Vormittagsstunden von 10V, bis 12 Uhr öffentlichen Platzen Musikaufführungen statt. Gegen 2 Uhr bewegte sich der j.ammt(i$e Vereine und Korporationen theilnahmen, vom Augustus- platze nach dem Markt, wo am Kriegerdenkmale seitens des Hauptfestausschusses sowie durch Corpm?atlonen und Vereine Kränze niedergelegt wurden, und von hier durch die 5^8 ÄnhaCn ^wchenmassen dicht besetzten Straßen nach dem neuen Schützenhause. Reichst? geschmückt^" öffentlichen Platze festlich beleuchtet. Die Stadt ist aufs

<Tsif> j* ®Ämber* De* Sedantag wurde hier aufs Festlichste begangen.

^ogen geschmückt. Mittags fand auf dem Altmarkt vor §em geschmückten Germaniadenkmal eine Musikaufführung statt. Am Nack- mittag bewegte sich ein Festzug, an dem sammtliche Vereine, Korporationen und Schulen DOm a? dem königlichen Schlosse vorüber nach dem

großen Gehege, woselbst der Landtagsabgeordnete Dr. Mehnert eine Ansprache hielt.

aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers veranstaltete Festschteben beaann heute Vormittag mit einem Feftzuge, an welchem fick w ÄnJ^Cn ausländischen Schützen mit Ihren Musittapeckn und Fahnen der ^or Deputationen des Gemeinderaths und des Kentralcomit^s betheiligten. Der Zug bewegte sich vom Rathhause über den Ring in die Hofbura woselbst der Kronprinz Rudolf in Vertretung des Kaisers die Huldigung des Schützend ^sten t ^^^m Festbanket im Prater, bei dem der Bürgermeister d"n

schießstätte^ kaiserliche Haus ausbrachte, folgte das Schießen auf der Milttär-

~ 2. September. Der König von Serbien hat heute früb aeaen 7 ll&r

mirh^nnA^lhhrtdn .übcr Adelsberg, wo derselbe die Grotten besichtigen

wird, nach Abbazia, um daselbst einen mehrwöchentttchen Aufenthalt zu nehmen.^ 8

Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments zu Pferde gestiegen war ani hem MataS, selbe, rechts neben ihm ber König von Schwebem neben diesem berVnnin nnn SÄT hinter dem Kaiser Prinz Heinrich, ber Kronprinz von Griechenlanb, Prinz Albr/cht mit bem Feldmarschallstab in ber Hand, die Übrigen Fürstlichkeiten, die fremden Mitt- ^wachtlgtttl und ein glanzendes Gefolge, sowie der Kronprinz und Prinz Eitel

Scr er Tttf, wahrend bas Musikcorps den Präsentirmarsch fvielte im schritt die Front ber in zwei Treffen aufgestellten Truppen entlang 7nd li^ L baraus zweimal im Parademarsch befiltren. Die Mitalieber ber fremh^n Lasten wohnten ber Parabe zu Wagen bei. Der südwestliche Theil b ^ ParN?es war von bicbten Zuschauermassen bebeckt. Die militärische Luftschiffer-Abtheiluna nabm D?r Ä P^°defelde befindlichen Ballon 7aptif aus^ Beoba^

Der Kaiser mit seinen hohen Gasten wurde auf dem Hinwege und dem Herwege von DmSX'1' " bi£b,ten aJi0,|cn Me Strogen (Sumte, mit stürmstchen

N^Eptember. Die Sedanfeier ber nationalliberalen Vereine der ^l?^i,,-.dndens Hessens und Nassaus verläuft bei dem prächtigsten Wetter in ber er­hebendsten Weise. Aus dem Festplatz auf ber Ludwigshöhe, schönen Kastanien- baumen, sind ca. 400 Personen, darunter die heroo?ragendftm^ Füh?« Lr liberaleii Parier in ^urdeulschland, versammelt. Oberamtsrichter Kubv lEdenkoben> nb warme Begrüßungsrebe. Oberbürgermeister Dr. Miquel, stürmisch begrüß?' hielt bie Festrebe über ble Errungenschaften und die Aufgaben des Reichs und schloü mit einem Hoch auf den Kaiser. Folgendes Telegramm wurde an den Ka^ser abge-

(Don ^tern des Mains und Neckars um ihre Führer Dr Miquel nm snr amn<!1clte hatsche Männer, zur Feier des großen Tages von Sedan

fiobpnff*rnMCr ^"a^bremt, bringen dem Deutschen Kaiser ein tausendfältiges Hoch, fest entschlossen, das Wort Ew. Majestät, des erhabenen ftTihrera hpr

lMs den Fürsten Bismarck und den Feldmarschall Grafen v. Kolkte, Prof. Schmelzer (Mannheim) auf das Vaterland Director Kovv (Mannherm) auf die Armee und Anwalt Siben (Landau) auf btn

Buhst gleichfalls stürmisch begrüßt, fderte bk ^odalrefÖrm ünb bii Se Arbeit.' Die Stimmung der Festoersammlung ist eine außerordentlich gehobene __

i?hin?Uh?rCr^Cl,tCr Dr* 3^iSixel die Versammlung um 4 Uhr 30 Min. nach Ver-

September. Zur Feier des Sedantages hattm die öffenttichen Gebäude, sowie eine große Zahl von Privatgebäuden Flaggenschmuck angelegt.

^c^cmB.crz erhebender Weise wurde gestern von ©eiten des

Jaa^Sp? ÄtrDCreLnl ber<y®iC^antra0 gefeiert. Unter Voranmarsch eines Musikchors zog der Verein nach dem Friedhöfe, um dort an den Gräbern ber im Jahre 1870/71 ernsten Pflicht gerecht zu werden. Eine große Menge Theilnehmender eingefunden. Nach Abspielung eines Ehorals ergriff darauf ber ^or^enbe ^ KriegerVereins, Hen Postsecretär Meyer, das Wort. In von Herzen imhT^annrf^6 b c lobten, die auf ber hiesigen Ruhestätte gebettet liegen, von achter, patriotischer Begeisterung getragen, verfehlten an biet er njeibeDOÜen ©tätte jbre Wirkung auf bie Zuhörer nicht. Heute an bleiern Tage dem Sebantage führte ber Redner aus, ziehen wir alljährlich hierh-r um bie Graber der Opfer jenes gewaltigen Krieges zu schmücken, weil unser edler Kaiser ihn zum Gebenktage bestimmt hat, an bem überall in Deutschlanbs Gauen das Andenken an jene große Thaten gefeiert werden soll- Heute nun stehen wir in boppe ter Trauer vor diesem Denkmal, unser Kaiser Wilhelm, der Siegreiche ber un§ so glorreich geführt hat, ist nicht mehr; nach einem Leben voller Ruhm unb Ehre rn 8 ten Sterblichen zu Theil geworden ist, ist er in diesem Jahre

A?.dbm Leben geschieden. Auch fein großer Sohn, »unser Fritz", schläft den ewigen Schlaf in der Friedenskirche zu Potsdam, und wenn wir uns hier auf dem Fr?ed- erblicken wir das Grab manches Mitkämpfers in jenem Kriege, einer janf nach dem anderen im Tode hin, und auch der noch Ueberlebenden Haar und Bart