ziehung von einigen Zeugen nahm man ihr dort verschiedene Armbänder, Ringe, Ohrringe, Brachen, Nadeln, Banknoten, Gold- und Silbergeld ab. Das Mädchen war die Gouvernante der Kinder einer zur Zeit in Wiesbaden weilenden Dame, und hatte sie die letztere um alle die Dinge bestohlen. Ein Zufall führte zur sofortigen Entdeckung. Von einer Verhaftung wurde, indem man Gnade für Recht ergehen ließ, abgesehen.
Frankfurt, 2. Juli. Der- zoologische Garten war gestern der Zufluchtsort aller derer, welche Zerstreuung suchten, nur wenige Sportfreunde hatten sich zum Palmengarten hinausbegeben, wo gestern Nachmittag ein Velocipedfest des hiesigen Bicycle-Cubs stattfand. Im zoologischen Garten war Vormittags 20-Pfg.-Tag, dabei Bethsy's, des Ele- phanten, Jubiläum. Letzterer präsentirte sich bekränzt den Besuchern und erhielt als besondere Anerkennung dafür, daß er 25 Jahre wacker georgelt und geflötet eine gewaltige Bretzel, die er mit verblüffender Geschwindigkeit verzehrt hatte. Vormittags besuchten circa 4000 Personen den Garten und Nachmittags war der Besuch nicht viel schwächer. Carl Securius, der bekannte Aeronaut stieg nämlich um 6 Uhr mit seinem Luftballon auf und obgleich dieses Schauspiel hier schon hundertmal gesehen wurde, übt es immer wieder große Anziehungskraft aus. Die Ballonfahrt machte Lieutenant Graf Götzen als Passagier mit. Die Fahrt dauerte IV2 Stunden, wobei eine Höhe von 4700 Fuß erreicht wurde. Hinter Aschaffenburg landeten die kühnen Luftschiffer nicht ohne große Schwierigkeiten infolge des heftigen Windes. — Das Velocipedfest im Palmengarten war mehr, ein Schau- als Wett-Fahr-Fest. Die wenigen Rennen boten nur geringes Interesse, dagegen wandte sich die ganze Aufmerksamkeit des Publikums der humoristischen Nummer, Hampelmanns Ausflug mit seiner ganzen Familie nach dem Palmengarten, zu. Hampelmann ist nämlich eine typisch gewordene Figur für einen Altfrankfurter; man kann sich daher vorstellen, wie lebhaft derartige Darstellungen hier begrüßt werden. Und in der That: das Bild, das die Bicycler gestern lieferten war originell und komisch, namentlich aber Hampelmanns Gattin Scttche mit dem Hund „Neroche" auf dem Dreirad, seine Schwiegermutter, ebenfalls auf dem Dreirad und sein Dienstmädchen, welches per Dreirad die beiden Buben fortschaffte. Eine wahrhaft köstliche Figur war der in Hampelmanns Gefolge befindliche Sachsenhäuser Aepfelweingeschworene Kitzehipper, dessen Ausrüstung ebenso naturgetreu war wie sein Name belustigend ist. — Auch von anderen Ereignissen ist Montags immer zu melden, so namentlich von Schlägereien, Diebstählen und dergl. Freitag wurden zwei Mansarden-Einbrüche verübt, in der folgenden Nacht wurde in ein Geschäft in der Schnurgasse eingestiegen und die Ladenkasse geplündert. Die Diebe fanden freilich nur ca. 10 JA
Leipzig, 2. Juli. Im Prozesse Schaum hat das Reichsgericht sowohl die Revision der Staatsanwaltschaft als diejenige des Angeklagten zurückgewtesen.
— lieber den Brand der schwedischen Städte Sundsvall und Umea liegen folgende Nachrichten vor. In Sundsvall brach das Feuer am 25. Juni Mittags aus. Fast die ganze Stadt, die meistens aus Holzhäusern bestand, ist niedergebrannt. Verschont blieben nur die Stadttheile Norremalm und Steenhammaren. Von öffentlichen Gebäuden blieb nur ein Schulhaus stehen. Durch das Feuer sind auch die Wälder zwischen Sundsvall und Svartoik in Brand gerathen. Die allgemeine städtische Brand- kasse ist mit 7 Millionen Kronen betheiligt. Die 1650 erbaute Stadt zählte ungefähr 10,000 Einwohner, welche hauptsächlich Holzhandel, Fischerei und Schiffbauerer betrieben. Ueber den Brand von Umea wird gemeldet, daß auch diese Stadt durch ein in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni entstandenes Feuer fast ganz zerstört ist. Das Regierungsgebäude, Rathhaus u. s. w. liegen in Asche; es herrscht Mangel an Lebensmitteln. Dem Feuer war längere Dürre vorhergegangen. — Aus Gotenburg wird ferner berichtet, daß am 26. Juni in Lilla Eddet 60 Häuser abgebrannt sind.
Landwirthschaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— lieber die Schädlichkeit des Abblattens der Runkelrüben vor der vollständigen Reife entnehmen wir einer bei E. Strauß in Bonn erschienenen Broschüre: „Keine Futternoth mehr", folgende Notiz: Professor Wolff baute in Möckern bei Leipzig
gewöhnliche Futterrunkeln, die er zur Hälfte vor der Ernte zweimal blatten ließ; die andere Hälfte blieb unberührt. Die abgeblatteten ergaben pro Hectar 48,246 Kilo Knollen, die nicht abgeblatteten 60,903 Kilo. Die Untersuchung ergab noch weitere Unterschiede. Es enthielten an:
die abgeblatteten die nicht abgeblatteten
Holzfaser .... 0,936 1,004
Asche..... 0,943 1,125
Zucker .... 4,594 5,365
Protcinstoffen . . . 9,772 1'000
Anderen Nährstoffen . . 3,201 4 024.
Wasser .... 89,564 87*482
100,000 100,000
Darnach hatten 214,5 Kilo ungeblattete Rüben ebensoviel Werth als 249 Kilo der geblatteten. Die 60,903 Kilo nicht geblatteter Rüben enthielten also so viel Nährstoffe als 70,800 Kilo geblatteter Rüben, und da von den geblatteten auf gleicher Fläche nur 48,246 Kilo geerntet wurden, so ist klar, daß das Abblatten den Werth der Ernte um nahezu ein Drittel (70 gegen 48) vermindert hat. Hier überschätzt also der Landwtrth den Werth der Blätter und unterschätzt noch mehr ihre Nothwendigkcit für die Ernährung der verdickten Wurzeln, um derentwillen er die Pflanze nur anbaut. Um mit vieler Mühe 125—150 Metercentner Blätter pro Hectar mit einem Werthe von vielleicht 64 JA zu gewinnen, die ja doch nicht verloren gehen würden, bereitet man sich einen Verlust von etwa 200 JA pro Hectar!
Handel nnv Verkehr.
Gießen, 3. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund •* 0.95—1.00, Hühnereier pr. St. 5 2 Stück 9 H, Enteneier 5—6 Gänseeier
St. 0—00 ^1, Kake vr. St. 4-7 Kasematte per St- 3 H, Erbsen per Liter 17 Linsen per Liter 28 H, Tauben per Paar JA 0.70—0.80, Hühner per Stück JA l.uO bis 140, Hahnen per Stück JA 0.80—1.70, Enten per Stück JA 1 80—2 20, Ochsenfleisch per Pfund 56—54 Kuh- und Rindfleisch 45—50 Schweinefleisch 50—60 Hammelfleisch 54—84 Kalbfleisch 40—46 H, Kartoffeln per 100 Kilo JA 4 20—5.00, Zwiebeln per Gentner JA 9 00—12.00, Milch per Liter 12-18 H, Weißkraut Stück 00-00 H, Kirschen per Pfund JA 0,12—0,18.
Frankfurt, 2. Juli. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer JA 18,00—18,25 fremder JA 18,00—19,00, Roggen eff. hief. JA 14,75—00,00, fremder JA 00,00—00,00 Gerste effectiv hiesige und Wetterauer JA 15,00—16,50, fremde JA 00,00—00,00, Hafer eff. hies. JA 14,25—14,75, fremder JA 00,00—00,00.
Frankfurt. 2. Juli. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren 490 Ochsen, ca. 17 Bullen, ca. 566 Kühe und Rinder, ca. 325 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JA 57—59, 2. Qual. JA 50—52, Kühe und Rinder J. Qual. JA 50—52, 2. Qual. JA 40—46 per 100 Pfund Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 52—57 H, 2. Qual. 45—48 $ per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
Am nächsten Sonntag, den 8. Jult, wird statt des Nachmittagsgottesdienstes» der ausfällt, ausnahmsweise ein Gottesdienst Vormittags 8 Uhr gehalten werden.
Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 14, Wasser 13Vz Gr.
Gießen, den 3. Jult 1888. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Ieikgeöotenes.
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Evangel. Gemeindevertretung.
Die Mitglieder der Gemeindevertretung der evangelische« Gemeinde Gießen werden, vorbehältlich der den einzelnen Herren noch besonders zugehenden Einladung, hierdurch eingeladen zu einer Sitzung, die am Freitag, den 6. Juli d. I., Nachmittags 3 Uhr, in der Stadtkirche stattfinden soll mit folgender Tagesordnung:
1) Verpflichtung der neugewählten Gemeindevertreter.
2) Grgänzungswahl für den Kirchen Vorstand. Im laufenden Jahr haben nach Ablauf ihrer Dienstzeit aus dem Kirchenvorstand auszutreten die 6 Herren: Rentner Ludw. Bücking', Rentner Balth. Lenz, Goldarbeiter Jul. Roll, Bauunternehmer Anton Petri, Professor Dr. Thaer, Bankvorstand G. Wort' mann. Sechs Kirchenvorsteher sind also neu zu wählen. Die Austretenden sind wieder wählbar. Unter Hinweis auf die §§ 13, 18 und 38 des Kirchenverfassungs-Edikts wird bemerkt, daß wählbar in den Kirchenvorstand nur solche stimmberechtigte Männer unserer Gemeinde von bewährtem kirchlichen Sinn und ehrbarem Lebenswandel sind, welche das 30. Lebensjahr überschritten haben.
Gießen, den 3. Juli 1888.
Der Vorsitzende des Kirchenvorstardes:
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