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In der heutigen Versammlung der medicinischen Gesellschaft erklärte Pro- sesior v. Bergmann unter Bezugnahme auf die Behauptung desBritisch Medical Journal", daß, weil er zu den persönlichen und sachlichen Angriffen schweige, er bereit Richtigkeit zugebe:Ich schweige nicht, weil ich Unrecht habe, sondern weil ich, wie jeder ebrenwerthe britische und deutsche Arzt, Vorgänge am Krankenbette nicht öffentlich bespreche."

Berlin, 2. Mai. Wie dieNordd- Allg. Ztg." mittheilt, ließ der König von Dänemark dem Kopenhagener Eomitä für die Unterstützung der deutschen Ueber- schwemmten 1000 Kronen überweisen. Das Blatt fügt hinzu, die Kunde dieser hoch­herzigen Gabe König Ehristtan's werde allenthalben in Deutschland mit innigem Danke unb aufrichtiger Befriebigung vernommen werben.

Berlin, 2. Mai. Das Herrenhaus nahm nach einer weniger erheblichen De­batte bie Nothstanbsvorlage bezüglich ber überschwemmten Gegenbcn unveränbert an, genehmigte feiner in zweiter Abstimmung ben Gesetzentwurf über bie Abänberung ber Verfassung (Einführung ber fünfjährigen Legislaturperiobe), erlebigte mehrere Berichte über Petilisntn unb nahm ben Gesetzentwurf über bie Errichtung eines Amtsgerichts in Tirschtigel unb über bie Erweiterung bes Stabtkretses Harburg, letzteren in ber von dem Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung, an. In der nächsten Sitzung, morgen um 12 Uhr, werden die Vorlage über die Verleihung von Corporationsrechten an die zugelassenen Orden und kleinere Vorlagen zur Berathung kommen.

Das Abgeordnetenhaus fetzte heute die zweite Lesung der Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein fort und genehmigte den Paragraphen 71 (Bildung des Wahloerbandes der Großgrundbesitzer) entgegen dem Anträge der Commission nach der von dem Herrenhause festgestellten Fassung. Zu dem Paragraphen 72 (bie Höhe der Minimalgrundsteuer für die Mitglieder des Wahlverbandes der Großgrundbesitzer) wurde bezüglich des Kreises Tonbern die Vorlage der Regierung wiederhergestellt und der Rest der Vorlage nach den Anträgen der Commission erledigt. Der Gesetzentwurf betreffend die Verfassung der Realgemeinden in der Provinz Hannover wurde unver­ändert angenommen, ebenso der Antrag des Abgeordneten Douglas betreffend die Ab­haltung von Vorlesungen über die erste Hülfeleistung bei plötzlichen Unglücksfällen, nachdem ber Kultusminister v. Goßler und ber Krtegsminister Bronsart v. Schellen- dorf sich zustimmenb zu bemselben ausgesprochen hatten. Der Antrag bes Abgeorbn. Rickert betreffenb bie Bilbung von Urwahlbezirken zu ben Wahlen für das Abgeord­netenhaus wurde nach einer längeren Debatte mit 133 gegen 120 Stimmen angenommen, obgleich der Minister v. Puttkamer denselben wiederholt bekämpfte. In der morgen um 12 Uhr stattfindenden Sitzung wird über die Vorlage betreffend die Regulirung der Weichsel und Rogat und über das Relictengesetz berathen werden.

Altena, 2. Mai. Amtliches Ergebniß der Reichstagswahl. Von 21,405 Wählern erhielt Herders 8719, Langerhans 8442, v. Schorlemer 1812, Meister (Soc.) 2376 St. Also ist eine Stichwahl nothwendtg.

Wien, 2. Mai. Abgeordnetenhaus. Bei der fortgesetzten Specialdebatte des Budgets wurde der Titel Cenlralleitung des Unterrichtsministeriums mit 189 gegen 53 Stimmen angenommen. (Dagegen hatten gestimmt: die Jungczechen, einige Alt- czechen, einige Mitglieder des deutsch österreichischen Clubs, der deutsche Club, die deutschnationale Vereinigung, die Demokraten unb bie Antisemiten.)

London, 2. Mat. Der Kriegsminister wirb morgen im Unterhause eine Vor­lage zur Vergrößerung ber Wehrmacht Englands einbringen.

Rom, 2. Mai. Die Deputirtenkammer lehnte benlGefetzentwurf, betreffend die lokalen Steuern, in geheimer Abstimmung mit 248 gegen 115 Stimmen ab. Darauf begann die Verhandlung der Interpellation betreffs der afrikanischen Politik. Die Tribünen find überfüllt, die Deputirten zahlreich erschienen.

Rom, 2. Mai. Weitere Meldungen über den Unfall des Kronprinzen lauten: Gestern Nachmittag wurden im Fort Tiburtino in Gegenwart des Kronprinzen Ver­suche mit einer besonderen Art von Dynamit unternommen, welches schwer explodirbar H und zum Transport auf weite Entfernungen geeignet ist. Die Versuche wurden vom

Oberst Benedictis, welcher ben Kronprinzen im Fortificationswesen unterrichtet, ge­leitet. Der Divisionscommandant Oncieu, der Generalstabschef Rodicati, ein Kapitän unb ein Lieutenant wohnten den Versuchen bet. Um bem Kronprinzen bie Nicht- explobirbarkeit eines Präparates zu zeigen, das bei ben afrikanischen Truppen bereits verwenbet wird und bisher niemals zu einem Unfall Anlaß gab, wurde «Kus einem Vetterli-Gewehr nach einer mit Dynamit gefüllten Büchse ein Schuß abgegeben. Hiebet zersprang die Gelatinbüchse; Eisensplitter, theilweise 2 (Zentimeter stark, durchschlugen das Brett, hinter welchem ber Kronprinz unb bie Offiziere sich befanden. Der Kron­prinz wurde von mehreren Splittern leicht gestreift, Oncieu am Arm, ein Geniekapitän am rechten Auge verwundet; Rodicati wurde vor einer Verwundung durch ein Cigarren- etui geschützt, welches den Eisensplitter aufhielt. Der Kronprinz bewahrte große Kalt­blütigkeit unb Ruhe. Die Osficiere bes Forts leisteten den Verwundeten den ersten Beistand; letztere wurden sodann nach Rom gebracht. Der Kronprinz wurde nach sei­ner Ankunft im Quirinal sofort vom Leibärzte des Königs besucht, welcher conftatine, daß die Verwundungen des Prinzen nur sehr leichte sind. General Oncieu wurde nach seiner Wohnung gebracht. Der Kronprinz und der Kriegsminister ließen sich im Laufe des Abends über das Befinden der beiden Verwundeten wiederholt berichten.

Catania, 2. Mai. Aus dem Hauptkrater des Aetna steigt eine dichte Rauch­säule auf, dumpfes Getöse scheint den Beginn einer Eruption anzukündigen. Der Himmel ist verfinstert.

Berlin, 3. Mai. sPrivatdepesche.^ Bulletin von 9 Uhr Vormittags. Bei sehr niedrigem Fieberzustande ist heute das Allgemeinbefinden des Kaisers oerhältniß- mäßig besriedigend.

D e r ur i s ch te s.

Lich, 1. Mai. sGoldene Hochzeit.j Am letzten Sonntag feierten in unserer Nachbargemeinde Nieder-Bessingen der dortige Ortsbürger Adam Klöß und dessen Ehe­frau das Fest der goldenen Hochzeit. Das allgemein hochgeachtete Ehepaar erfreut sich, trotzdem der Mann im 83., die Frau im 76. Lebensjahre steht, guter Gesundheit, so daß beide noch in ihrem Felde arbeiten.

Mainz, 2. Mai. Dem Landtagsabgeordneten Jöst, der zur Zeit in dem hiesigen Provinzialarresthaus eine sechsmonatliche Gefängnißhaft verbüßt, ist auf mehr­fache Gesuche hin von dem Ministerium gestattet worden, sich, um über die hessischen Verhältnisse auf dem Laufenden zu bleiben, im Gefängniß dieDarmstädter Zeitung" zu halten. Alle weiteren Gesuche des Herrn Jöst auf Selbstoerköstigung, Tragen der eigenen Kleider u. s. w. sind indeß abgelehnt worden. Mit Rücksicht auf ein Halsleiden wurde auf Anordnung der Medicinalbehörde von der Ausführung der gegen seine Gesinnungsgenossen in Anwendung gebrachten Hausorbnungsoorschrift ber Barlabnahme Umgang genommen. Besuche barf Jöst gar keine empfangen unb ist nur seiner Frau gestattet, ihn alle drei Monate einmal zu sprechen.

In der gestern hier stattgehabten Frühjahrsversammlung des Mittelrheinischen Verbandes selbstständiger Conditoren stand auch die Frage zur Discussion: Ist die Einführung des Befähigungsnachweises zum Betriebe des Condttoren-Gewerbes zu empfehlen? Dieselbe wurde nach eingehender Discussion mitJa" beantwortet, wo­gegen die weitere Frage auf zwangsweise Einführung von Conditoren- und Bäcker- tnnungen mitNein" Beantwortung fand.

Das hiesige Landgericht verurtheilte heute einen hier wohnenden Schneider aus Zollikon (Schweiz) wegen Majestätsbeleidlgung zu 2 Monaten Gefängniß.

Frankfurt a. M., 30. April. Ein Mordversuch unb Selbstmord hat, wie die Kl. Pr." berichtet, in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Bewohner Bornheims in große Aufregung versetzt. Der Hergang der sensationellen Affaire ist folgender: Zwischen dem Bornheimer Bezirksvorsteher Baumgärtner unb bem Locomotivführer der Main-Neckarbahn Speyer bestand fett Jahren tiefe Feindschaft. Speyer, ein Vater von zehn Kindern, der ganz in der Nähe Baumgärtners in der Bergerstraße wohnte, war auf diesen eifersüchtig. Seine Eifersucht wurde durch das Gerede fremder Leute genährt, die sich am Wirthstisch mit dem Locomotivfübrer öfters den Spaß machten und ihn damit aufzogen, daß Baumgärtner der Frau Speyers während dessen dienst­licher Abwesenheit den Hof mache. So grundlos diese Reden sein mochten, Speyer haßte Baumgärtner von Tag zu Tag mehr und beschloß, Rache zu nehmen. Am ver­flossenen Samstag kehrte Speyer von einer Tour zurück, ging zwischen 10 unb 11 Uhr t nach seiner Wohnung und bewaffnete sich mit Pistole und Revolver. Aus letzterem

gab Speyer zwei Schüsse auf den Bezirksvorsteher, dem er auf der Straße auflauerte ; ab. Der erste Schuß ging fehl, ber zweite verletzte Baumgärtner leicht am Arme' ! Darauf entfernte sich der Attentäter, ber bie Schwere seiner That erkannt hatte, eiligst durch bie Enkheimer Straße nach bem freien Felb. Sonntag Morgen um 5 Uhr würbe Speyer auf bem Wiesengrunb hinter dem Buchwalb tobt aufgefunben; er hatte sich mit ber boppellaufigen Pistole in ben Munb geschossen. Der Tob muß alsbalb eingetreten sein. Von einem an Geren Berichterstatter wirb uns gemeldet, baß Speyer in Folge von Unglucksfallen in seiner Familie fett einiger Zeit an hochgrabiger Aufregung litt, ©eine Tochter liegt seit brei Jahren zu Bett unb hat schon mehrmals am Bein operirt werben muffen. Oftmals erklärte er, daß er nicht mehr heimgehen möchte, um nur nicht das Unglück anfehen zu müffen.

Hanau, 2. Mai. Heute fand vor der hiesigen Strafkammer die Schlußver- banblung gegen den Ausläufer Konrad Schuhmacher aus Roßdorf unb gegen ben Fabrikanten Jakob Knapp von hier statt. Der Ausläufer Schuhmacher ist geftänbig vom Jahre 1881 bis Februar 1888 in ca. 80 Fällen aus bem Geschäfte der Herren Backes u. Strauß dahier durch Oeffnen eines Schrankes mit nachgemachten Schlüsseln' für ca. 32,000 JL Goldabfälle entwendet und mittelst einfachen Diebstahls (Heraus- nehmen aus einem offenen Schrank) Edelsteine unb Perlen im Werthe von 2000 gestohlen zu haben. Der Angeklagte Knapp ist befchuidigt, ben rc. Schuhmacher ZU ben Diebstählen verleitet, ihm zur Ausführung berselben zwei Schlüssel angefertigt unb enblich bas von Schuhmacher gestohlene Golb gewerbsmäßig angekarift zu haben. Währenb, wie gesagt, Schuhmacher geständig ist und den Knapp als den Abnehmer des von ihm veruntreuten Goldes bezeichnet welcher ihm für ein Gramm 14karätiges Gold 1 für ein Gramm 18farätige§ A*20£ ausbezahlt habe, erklärte Knapp ganz unschuldig zu fein und nie mit bem Ausläufer berartige Geschäfte gemacht zu haben. Heute Nachmittag 2y2 Uhr würbe das Urthett verkünbet, dasselbe erkennt beide Angeklagte für schuldig und verurtheilte feden derselben nach dem Anträge des Staatsanwalts, Herrn Schumann, zu vier Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren.

Berlin. Die Veröffentlichung des letzten Willens Kaiser Wilhelms dürste nach derNat.-Ztg." sicher seiner Zeit erfolgen. Wie sie von Seiten erfährt, die Gelegenheit hatten, von dem Inhalt Kenntniß zu nehmen, wird derselbe in hohem Grade geeignet Jein, neue Einblicke 4n das Geistes- und Gemüthsleben des großen Kaisers zu gewähren Es gilt dies namentlich von den drei Codicillen, die Kaiser Wilhelm in bedeutungs­vollen Stunden niederschrieb, und zwar ist das erste Codicill verfaßt in der Sylvester­nacht nach dem österreichischen Kriege 1866/67, das zweite nach dem französischen Krieg in der Sylvesternacht 1871/72, das dritte Codicill in der Sylvesternacht nach den Mordversuchen 1878/79. Schon aus der Wahl dieser Daten darf auf die unaewohn- liche Natur dieser Niederschriften ein Schluß gezogen werden.

, Ein Einbruchsdiebftahl im Thomas'schen Geschäft in München ist nach den jetzt bekannt werdenden Einzelnheiten mit einer außerordentlichen Kühnheit aus- gefuhrt worden. Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich das Seidenwaarenlager von Mayer und Hechinger, zu dem vom Vorplatze aus eine eiferne unb eine zweite boljerne Thür führt. Da am Sonntag Nachmittag bei bem herrlichen Frühlingswetter die Hausbewohner zum großen Theile nicht zu Hause waren, so scheinen bie Diebe (höchstwahrscheinlich mehrere Complicen) schon ben Nachmittag bazu benützt zu haben, bie eiserne Thüre in bas genannte. Geschäft zu sprengen. Jebenfalls thaten sie bies aber in ben Abenbstunben zwischen 8 unb 10 Uhr, um welche Zeit ein im Hause bebienstetes Mäbchen ein Geräusch wie vom Aufspringen einer Thür gehört haben will, aber glaubte, es wäre irgend ein Geräusch auf der Straße. Die Diebe hatten, obwohl die Thürpfosten nicht sehr fest sind, jedenfalls ein schweres Geschäft, die eiserne Thüre zu öffnen. Die zweite hölzerne wurde etngefprengt und um keinerlei Verdacht zu erregen, beide Thüren wieder vollständig geschlossen. Von dem Magazine aus brachen die Gauner ein Loch durch den Fußboden über bem Laben, inbem sie die Bretter des Parquets aushoben, den Fehlboden durchsägten und den Plafond einstießen. Durch das ungefähr dreiviertel Dieter lange und nicht ganz einen halben Meter breite Loch ließen sich die Einbrecher an einem Stricke in ben Laben, woselbst sie alle Behältnisse kunstgerecht öffneten unb sich Golbwaaren unb Ebelsteine von sehr großem Werthe aneigneten. Der Schaben ist ein ganz bebeutenber, man sagt, über 80,000 JL, zumal bie Diebe nur bie werthvollsten Gegenstänbe Mitnahmen. Gestohlen würben 102 Ohr­ringe im Werthe von 21,675 JL, 250 golbene Uhren im Werthe von 10,000«^, Brillant- knopse unb Sterne für 11,300 JL, 2 Brillantkreuze. bie einen Werth von 6300 hatten, unb außerdem noch Schmucksachen für rund 30,000 JL. Die Diebe ließen zwei Halbleere Flaschen Rothwein, sowie ein Fläschchen Oel mit Federkiel, welches sie zum Einoien ihrer Brechwerkzeuge verwendet hatten, zurück. Aus Schmuckgegenständen, welche sich durch eine eigenthümliche Fassung der Edelsteine auszeichneten und kenntlich machten, wurden die letzteren ausgebrochen, die Fassung liegen gelassen. Die Einbrecher entfernten sich auf dem nämlichen Wege, wie sie gekommen waren. Der Diebstahl wurde erst am Montag Morgen beim Oeffnen des Ladens entdeckt. Herr Thomas selbst war in Berlin abwesend und ist erst am Montag Vormittag hierher zurückgekehrt. Herr Thomas jun. befand sich in Starnberg und kam ebenfalls erst Montag früh zurück. Der gejiau ausgedachte und ebenso schlau nfte frech unb mit großem Raffine­ment Hurchgeführte Diebstahl muß von wirklich geriebenen Gaunern verübt worden sein, die mit allen möglichen Instrumenten ausgerüstet sind. Die Sprengungen sind wahrscheinlich mit einem sogenannten Centralbohrer gemacht worden. Nicht unwahr­scheinlich ist es, daß der Einbruch mit den Diebstählen in Frankfurt a. M. u. s. w. zusammenhängt und die berüchtigten Silberdiebe, deren Manipulationen ganz ähnliche waren, hier eine Gastrolle gegeben haben. Der Bestohlene hat eine Belohnung von 5000 Jt auf die Festnahme ber Diebe unb die Wiedereinbringung der gestohlenen Gegenstände gesetzt.

An einzelnen Gymnasien in Preußen ist von dem neuen Schuljahre ab das Schulgeld für alle Elasten ohne Unterschied erhöht. Nach ben Steuerungen des Cuttus- minffters v. Goßler in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 22. Februar v. I. und vom 7. März d. I. hat man darin ohne Zweifel eine Maßregel gegen den über­mäßigen Andrang Unberufener zu den Gymnasien und dezw. zu den akademischen Studien zu erkennen. Die falsche Ansicht, daß das Studium ehrenvoller sei als eine Thätigkeit im wlrthschaftlichen Erwerbsleben, muß überwunden werden.

Paris, 2.Mai. Bei Grenoble in der Gemeinde Puaix fand gestern ein Berg­sturz statt. Eine ungeheure Felsmasse stürzte von einem 1305 Meter hohen Abgänge herab und riß die Bäume, Weinpflanzungen und Häuser mit sich. Ein Weinbauer wurde vollkommen zerquetscht, viele Häuser sind bemolirt, von einem Hause blieb nur dasjenige Zimmer übrig, in das sich die Familie des Besitzers geflüchtet hatte, die daher diesem Zufall ihre Rettung verdankte. (F. Z.)

Girrgesandt.

. An

eine verehrliche Redaction des Gießener Anzeigers.

In Nr. 102 Ihres geschätzten Blattes brachten Sie unterEingesandt" einen Artikel über diegerechte" Enttäuschung, bie der neue Steuerzettel hervorgerufen habe. Dieser Artikel verdient nun im Interesse der Wahrheit unb Gerechtigkeit folgenbe Berichtigung, bie wir freundlichst bitten aufnehmen zu wollen:

Das Bestreben jeber Staatsregierung unb aller Vertreter bes Volkes muß bei Auferlegung von Steuern boch bahin gehen, biefclben in gerechter Weise, b. h. nach bem wirklichen Vermögen resp. Einkommen ber Einzelnen auszuschlagen. Es wird nun freilich bieses Bestreben stets ein Jbeal bleiben, bas nie ganz erreicht wirb, bem aber trotzallebem Jeber, ber es mit bem Staate unb bem Volke wohlmeint, nach bestem Wissen unb Gewissen nachstreben muß. Daß nun hohe zweite Kammer burch Herab­setzung ber Grunbsteuer unb Beibehaltung bes seitherigen Ausschlages bei Kapital- rentenfteuer biesem Jbeale wirklich etwas näher gekommen ist, bürste aus nachfolgenden Punkten für Jeden, ber rechnen kann, klar unb deutlich hervorgehen:

1. Wer zahlt Grund-, wer zahlt Kapitalrentensteuer? Grundsteuer zahlt Jeder, der auch nur das kleinste Grundstück auf feinem Namen stehen hat, Kapitalrentensteuer Derjenige, der jährlich 100 Zinsen einnimmt, d. h. ber ein Vermögen besitzt von 3000 v*L, angelegt in SVaprocentigen beutschen Papieren. Würbe hier Gleichheit ein­treten, so würben gewiß sofort 20pCt. unserer jetzigen Bauern von ber Gruncsteuer ganz befreit werben. Welche Steuer biefe 20pCi. jetzt aber bezahlen, bürste folgenbes Beispiel zeigen. Vor uns liegt ein Steuerzettel mit ®runbfteueifQpital, wovon