für das Etatsjahr 1888/89 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Cornmunal- Bedürfnisse der israelitischen Religion« • Gemeinden des Kreises G.eßen.
3. Verzeichniß der Vorlesungen, Hebungen und Praktika, welche im Sommer-Semester 1888 in den 6 Fachabtheilungen der Großherzoglichen !ech- nischen Hochschule zu Darmstadt gehalten werden.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigungen zur Annabme und zum Tragen fremder Orden.
6. NamenSoeränderungen.
7. Dicnstnachrichlen.
8. Dienstentlassung.
9. RuhestanvSosrsetzungen.
10. Concurrenzerüffnungen:
Erledigt sind : Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reeder-Weisel mit einem jährlichen Gehalt von 900 JL Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heuchelheim mit einem nach dem Dienstatter sich bemessenden jährlichen Gehalt von 900 bis 1000
11. Sterbefälle:
Gestorben sind: Arn 24. December 1887 der Schullehrer Phil. Steffan zu Armsheim; am 26. December 1887 der Schullehrer Karl Eschbach zu Dudenhosen; am 1. Januar 1888 der Schullehrer i. P. Johs. Quetsch zu Darmstadt ; am 2 Januar der LarwgerichtS-Actuar i. P. Johannes Schäfer daselbst; am 5. Januar der Poltzerrath i. P. Lorenz Nover daselbst; am 10. Januar der Ehausseebauausseher t. P. Franz Kneib zu Laubenheim; am 12. Januar der' Collegienhauswärter Karl Lau zu Darmstadt; am 14. Januar der Schullehrer Georg Heinrich Wämser zu Heuchelheim; am 17. Januar der Rendant i P. Daniel Wehn zu Darmstadt; am 21. Januar der Steuerausseher t. P. Adolph Vigeftus zu Mainz; am 23. Jan der Bahnwärter Jak. Schmidt zu Langsdorf; am 24. Januar der Major i. P Gustav v. Lyncker zu Darmstadt; an dems. Lag: der Oderstlieutenant i. P. O. v. Stulpnagel daselbst; am 25. Januar der Geheime Baurath i. P. August Eickemeyec zu Gießen; sm 27. Januar der Schullehrer VAmtin Frank zu Nierstein; am 29. Januar der Realgymnasiallehrer Proseffor Kölsch zu Mainz; am 31. Januar der Brückengelderheber i. P. Ludwig Schranz oaselbst; an bemi. Tage der Major i. P. Konrad Lein zu Ober^Osteid.n; am 12. Februar der Ober-Steuermspector, Steuerath Schäffer zu Worms.
Praktische Vorschläge zur Beglückung von Unternehmern und Arbeitern.
Unser Erwerbsleben ist dem verwickelten Bau des menschlichen Körpers ver- aleichbar, in welchem alle Glieder einträchtig Zusammenwirken müssen, um dem Körper Leben und Bewegung zu erhalten. Jede Erkrankung eines Thelles schadet dem ganzen Körper. Wenn einige Glieder ihren Dienst versagen, io wird die Entwickelung des ganzen Körpers gehemmt oder vielleicht völlig gelähmt. Jeder Erwerbszweig und jede Erwerbsstätte stellt wieder emen besonderen Gltederbau dar, in welchetn alle großen, mittleren und kleinen Theile zu einander passen, sich geduldig ineinander fügen und ihre Funktionen gewissenhaft erfüllen müssen. In der Wirklichkeit fehlt es im Erwerbsleben noch sehr an der nöthtgen Harmonie. Es finden neben Den nothwendtgen Reibungen auch g^nz unnöthtge Schädigungen, Störungen und Zerstörungen statt und es bedarf noch sehr der gegenseitigen Verständigung über die Aufgaben und Pflichten, welche alle Betheiligten erfüllen müssen.
Die großen Unternehmer sind in erster Linie berufen, nau) den richtigen Grundsätzen für die Leitung industrieller Betriebe zu forschen und ihre Erfahrungen zur öffentlichen Kunde zu bringen. Einen musterhaften Versuch in dieser Richtung macht die Schrift: „Keramische Tagesfragen". Besprochen und den Arbeitsgenossen, Freunden, Förderern und Gönnern keramischer Gewerbe gewidmet von Max Rößler. (Verlag von Muller u. Schmidt in Coburg. 1888.) Diese Schrift, welche unter einem unscheinbaren Titel eine Fülle allgemeiner Lehren bietet, rührt von Dem Direktor einer großen Steingutfabrik her, welcher die technischen, kaufmännischen und socialen Aufgaben eines Jndustrieverwalters zwar zunächst nur von seinem eigenen, eng begrenzten Gewerbe aus praktisch beleuchtet, aber gerade dadurch nach vielen Richtungen hin bahnbrechend wirkt, indem er die Leiter anderer Betriebe zu ähnlichen Darlegungen auf- sordert und gleichzeitig selbst hochwichtige allgemeine Fragen sachgemäß bespricht.
I Ter Grundgedanke der Schrift ist, daß jeder Leiter eines gewerblichen Betriebes Verpflichtungen gegen die Arbeitskräfte und gegen den ganzen Erwerbszweig übernimmt. Jeder mutz in erster Linie richtig kalkuliren. „Man soll nichts verkaufen, von dem man nicht weiß, was es einem kostet . . „Wer die Verzinsung und Abnutzung seiner Kapitalien außer Acht läßt und in der Preisbildung von Arbeitserzeugnissen das nicht rechnet, was der das Gefühl der Pflicht und Verantwortlichkeit Besitzende rechnen mutz, der beraubt seine gewissenhafteren Nachbarn, er beraubt seine Nachkommen, er ist eine Reblaus am Weinstock des Nationalvermögens."
In der That, das Erwerbsleben würde weniger Ruinen zeigen, wenn nicht so viele Geschäftsleute aus Mangel an Wissen oder Gewissen mit Schleuderpreisen sich selbst und ihre Gewerbsgenossen schädigten." Der Verfasser zeigt an seinem Gewerbe, wie man kalkuliren mutz, um sich und seine Umgebung geschäftlich sicher zu stellen. Mögen andere Unternehmer das nun auch in Betreff ihres Geschäftes nachweisen und zugleich Vorschläge machen, wie sich die Kalkulationsarbeit vielleicht noch vereinfachen läßt.
Die gewerbliche Betriebslehre, welche erst in neuester Zeit von den technischen Hochschulen aus die Fabrikanten darüber belehrt, wie sie mit Hilfe von Natur- und Kapitalkräften und mit lebendigen Arbeitsgehilfen Güter zum eigenen Vortheil und zum allgemeinen Besten Herstellen und verkaufen sollen, bedarf recht vieler solcher im praktischen Erwerbsleben wurzelnden Ausführungen, wie sie Max Rößler in der Schrift „Keramische Tagesfragen" geliefert hat. Wir hätten nur gewünscht, daß auch die Lohnfrage von dem Verfasser ebenso eingehend behandelt worden wäre, wie die Frage der Kalkulation; dagegen sind die moralischen Verpflichtungen des Unternehmers gegenüber den Arbeitern treffend gezeichnet. „Wir müssen aufbereiten, wir müssen erziehen, fortwährend, wie an uns selbst, so an unseren Leuten." . . . Beim Einstellen eines jeden Lehrlings sollten wir uns fragen: „Kannst du dem Ausgelernten dereinst auch Arbeit, der Familie, die er gründen will, dauernd sicheres Brod geben? . . . Gar Manche schneiden ihre Preise auf Kinder- und Lebrltngsarbeit zu und stoßen rücksichtslos später die Heranwachsenden Arbeitskräfte ab, wenn dieselben naturgemäß anspruchsvoller im Lohn werden. Sie schaden der Gesammtheit und können weder Freude, noch auf die Dauer Erfolg von ihrem Thun haben, sind sie doch nichts als rücksichtslose Ausbeuter der Arbeitskräfte, welche sich vertrauensvoll an sie wendeten oder welche sie zum Betreiben ihrer Beschäftigung veranlaßten."
Der Verfasst verlangt von seinen Berufsgenossen eine Thätigkcit, die nicht bloS des Gelderwerbs wegen arbeitet, sondern „uns selbst zur innersten Befriedigung, Andern zum Segen gereichend". Er will bei allen Betheiligten „Standesehre", kunstgewerblichen Sinn und Geschmack und „Achtung vor der fleißigen Arbeit unterer strebenden Fachgenosfen" verbreiten und schlägt vor, in jeder Fabrik lebendigen Anschauungsunterricht zu pflegen und Sammlungen von hervorragenden konkurrirenden Fabrikaten des Inlandes und Auslandes anzulegen, „welche wir beileibe nimmermehr koviren, denen wir aber nacheifern und die wir womöglich überbieten sollen und wollen."
Möchten recht viele deutsche Fabrikanten ähnliche Rathschläge mittheilen und ihre Fachgenossen mit einem gesunden Wetteifer zur ökonomischen Einrichtung des Betriebes, zur Verbesserung der Fabrikate und zur Hebung des Looses ihrer Mitarbeiter erfüllen. Dann brauchen wir keine Concurrenz des Auslandes und auch keine focialistische Wühlerei im Innern zu fürchten.
Literarische-.
— Die Pflichten jedes Deutschen in Krieg und Frieden. Das neue Wehrgesetz. Mir etnem Auszug aus der deutschen Wehrordnung, der Landwehr- ordltung, den wichtigsten Bestimmungen der Rekrutirungsordnung, dem Gesetze, betr. die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften und' einer tabellarischen Darstellung der Dienstpflicht nach dem Lebensalter. Für den praktischen Gebrauch dargestellt und erläutert. (Düsseldorf. Felix Bagel. 50 H)
Das neue Wehrgesetz, welches von dem Deutschen Reichstage nach eingehender Berathung einstimmia angenommen wurde, stellt an jeden Deutschen erhöhte Pflichten und Jedes Aufgabe ist es, sich mit denselben genau bekannt zu machen. In obiger Broschüre, deren schnelles Erscheinen wir mit Freuden begrüßen, ist eine eingehende Darstellung der Pflichten jedes Deutschen in Krieg und Frieden enthalten.
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