Todtengräber und dessen Sohn ausgeführt worden. Zu diesen Wildereien hat der wtldbegierige Friedhofswcirter die Kränze von den Gräbern benutzt. Bei einer gestern Morgen tn frühester Stunde vorgenommenen Haussuchung hat man in der Wohnung deS Todtengräbers die Beweisstücke erhoben.
— Die diesjährigen Fastnachts-Veranstaltungen wurden gestern durch zwei große carnevalistische Concerte in der „Stadthalle" inaugurtrt. Dieselben verliefen in außerordentlich gelungener und animirter Weise und unter zahlreichster Betheiliaung hiesigen und auswärtigen Publikums. Die Zahl der Besucher der Eoncerte wird wohl 3000 überschritten haben. Die verschiedenen Chorlieder erregten allgemeinste Heiterkeit und mußten auf stürmisches Verlangen wiederholt werden. Erst gegen Mitternacht endigte Las zweite Concert. Als Erinnerung an das Earneoalsjubiläum gelangte schon eine sehr hübsche Medaille zur Ausgabe. Auf dem Avers befindet sich die „Stadthalle" von der aufgehenden Sonne beleuchtet, auf dem Revers bte Inschrift: „Allen wohl und Niemand wehe, sowie das Wappen der „Narhalla".
— Pessimistische Gemüther wollen aus dem Neujahrsgruß, welchen der General von Schlotheim, Commandeur des 11. Armeecorps, an die Trupven der hiesigen Garnison gerichtet hat, das Bevorstehen eines Krieges herauslesen. Der ReujahrSgruß schließt nämlich mit den Worten: War »origes Jahr die politische Lage eine ernste, so ist sie gegenwärtig noch viel ernster. Möge aber kommen was da wolle, unsere Parole wird stets sein: Gott mit uns, treu zu Kaiser und Reich!
— Seit einiger Zett werden von der hiesigen Garnison 25 Mann mehr als bisher zur Anfertigung von scharfen Patronen verwendet.
Bremen, 1. Januar. Der heutige Brand in der alten Börse wurde gelöscht, nachdem der größte Theil des Dachstuhls durch das Feuer zerstört war. Die Räume darunter sind durch Wasser beschädigt; die darin befindlichen Gemälde, Akten rc. wurden unversehrt geborgen.
— [Erhaltung der Marmordenkmäler im Freien.) Vielfältige Beobachtung zeigt, daß die bet uns in den Städten aufgestellten Marmordenkmäler sich langsam verändern. Sie verlieren erst ihren Glanz und werden dann rauh; ohne Zweriel findet eine Zersetzung ihres Materials durch die Einwirkung von Lust und Wetter statt. Auf dem Lande beobachtet man die Erscheinung kauui, und eS liegt nahe, dieselbe mit der Zunahme der Steinkohlenoerwendung in Zusammenhang zu bringen. Durch Untersuchungen wird dies in hohem Grade wahrscheinlich gemacht. Die Steinkohlen entwickeln reichliche Mengen schwefliger Säure, diese oxydirt sich in der Luft zu Schwefelsäure; kommt letztere mit dem Marmor (kohlensauren Kalk), in Berührung, so bildet fick Gyps (schwefelsaurer Kalk), dieser wird von dem Regenwasser aufgelöst und fortgeführt. Sendtner fand, daß der Schnee die Fähigkeit besitzt, schweflige Säure und Schwefelsäure in großen Mengen zu absorbiren, und es sind deßhalb die Denkmäler besonders im Winter gefährdet, wenn sie mit Schnee bedeckt sind. Als Mittel gegen diese schädlichen Einwirkungen wird die Tränkung der Marmoroberfläche mit einer Ceresinlösung (1 Th. Ceresin in 50 Th. Benzol), welche gelegentlich, etwa jährlich, zu wiederholen ist, empfohlen.
| Handel und Verkehr.
- Gießen, 3. Januar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund » JL 1.00—1.15, Hühnereier pr. St. 7—8 H, Gänseeier St. 12—14 Käse vr. St. 4—8 X
Käsematte 3—0 X Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen 30 Tauben ver Paar 60 bi» JC 1,00. Hühner per Stück 0.85—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.70—1.20, Enten
per Stück JL 1.30—1.70, Gänse per Pfund 45—70 X Ochsenfleisch per Pfund 58 bis 60 X Kuh- und Rindfleisch 45—50 Schweinefleis cy 54—60 H, Hammelfleisch 40 bi-
80 X Kalbfleisch 40—48 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 4 00—4 35, Milch per Liter 12—18 H, Weißkraut Stück 5-10 H, Zwiebeln per Centner JL 8.00—9 50.
Frankfurt, 2. Januar. Der heutige Viehmarkt war mäßig befahren. Angetrieben waren 366 Ochsen, ca. 24 Bullen, ca. 361 Kühe und Rinder, ca. 262 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. CuaL 58—60, 2. Qual. 52—54, Kühe und Rinder 1. Qual. 50 —52, 2. Qual. 42—46 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 50—52 2. Qual. 44—46 H per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Frankfurt, 2. Januar. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer JC 17,75-18,00, fremder 17,75-20,25, Roggen eff. hies. JL 14,00-14,25, fremder JL 00,00—.00,00 Gerste effectiv hiesige und Wetteraper JL 15,00—16,50, fremde JL 00,00—00,00, Hafer eff. hies. JL 14,00—14,50, fremder JL 00,00—00,00.
Wöchentliche Zteberficht der TodevMr in der Stadt Gießen.
52. Woche. Vom 25. December bis 31. December 1887.
Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär).
Summa: 7 6
Es starben an:
Zusammen:
Erwachsene:
Lungenentzündung
4 (1)
4 (1)
Lungenschwindsucht
1 (1)
1 (l)
Bauchfellentzündung
1 (1)
1 (1)
Diarrhöe
1
Sterblichkettsziffer: 19,15 %q. Kinder im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
flpOfiiftet Hrr hungernden liögel!
Allgemeiner Anzeiger.
Gberhesßsche Eisenbahnen.
An stelle des Ausnahmetarifs für die Beförderung von Steinkohlen rc. von Stationen dcr Eisenbahndirectionsbezirke Köln (links- und rechtsrb) und Elberfeld rc. nach Stationen der Oberhessischen Eisenbahnen vom 1 Januar 1882 tritt mit dem 1. k. M. ein neuer Ausnahmetarif in Kraft. Ueber den Inhalt desselben er- theilen die Güterexpedittonen Auskunft.
Gießen, den 29. December 1887. 137 Großherzogliche Tirection.
Donncrstsg, drn 5. d. M,
Nachmittags 2 Uhr, in dem früher Brarurn'ichen Laale dahier werden gegen gleich baare Zahlung öffentlich verstetgert:
5 silberne Eßlöffel, 1 bitt- Vor- leglöffel, 6 silberne Gabeln, 1 silberne Zuckerdose, 1 ditto Kaffeekanne, 1 goldene Rernon- toir- und 1 ditto Spindel-Uhr, 1 goldene, 1 silberne Uhrkette, 1 Goldklemmer, 1 schwersilberbeschlagener Pfeifenkopf rc. re.
Die Versteigerung findet bestimmt statt.
Gießen, den 2. Januar 1888.
Engel, 132 Gr. Gerichtsvollzieher
Dienstag, den 10. Januar, von Nachmittags 2 Uhr an, werden in der Wohnung des verstorbenen Herrn Advokaten Kohlermann, Mar- vurgerslraße 14, nachverzeichnete Mobilien versteigert:
1 Secretair, 1 Schrank mit Glas- aufsatz, Kleiderschrank, Tische, Stühle, Kommode, 1 Betfftelle, großer Spiegel, etwas Hausgeräthe u. s. w.
Im Auftrag; 113
____8ouiS Rothenberger, Taxator
Versteigerung.
Donnerstag, b. 5. Ian 6888
von Vormittag 9 Uhr an, laffen die Erben der verstorbenen Elias Weller I. Eheleute zu Alten-Buseck erbvertheilungshalber versteigern:
2 Kühe, 2 Rinder, 2 Gänse, 6 Hühner, 1 Hahn, Wagen, Pflug, Egge, Bettmerk und sonst sämmt- liches Haus- und Oeconomie- geräthe.
Alten-Bujeck, am 2. Januar 1883. Großh. Ortsgericht Alten-Buseck.
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