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feiner Seite ist der Wunsch danach ober auch nur eine Anregung dazu kundge- > Zeben worden.

Berlin, 1. März. Die heute hier vorliegenden Privat-Nachrichten hoch- | stehender Personen aus San Remo über den Zustand des Kronprinzen lauten recht betrübend. (Fr. Ztg.)

Die Aerzle in San Remo sind seit heute verpflichtet worden, den dor­tigen Correspondenten keinerlei Mitthellungen mehr über das Befinden des Kron­prinzen zu machen. (Fr. Ztg.)

Die dem Reichstage möglicherweise noch zugehende Forderung für strategische Bahnbauten dürste wohl hauptsächlich die Legung zweiter Geleise aus schon bestehenden Linien im Osten bezwecken. Die Anhänger der Aushebung des Identitäts-Nachweises wollen für den Fall der Ablehnung ihres Antrages beantragen, daß den Mühlen die Vergünstigung der zollfreien Einfuhr gegen ent­sprechende Mehlausfuhr entzogen wird. Diese Ankündigung soll wohl eine Pression sein. Nach der Geschäftslage des Reichstages dürfte aber die Angele­genheit wohl überhaupt nicht mehr erledigt werden. (Fr. Ztg.)

Außer der Eifenbahn-Vorlage, die etwa 20 Millionen betragen dürfte, sollen dem Reichstage noch drei kleinere Vorlagen zugehen, wodurch der Sesfions- schluß eine kleine Verzögerung erleidet. (Fr. Ztg.)

Arankreich.

Paris, 1. März. Das Gericht verurtheilte Wilson zu zwei Jahren Gesängnttz, 3000 FrS. Geldstrafe und fünf Jahren Verlust der Ehrenrechte, Hebert zu 1 Monat, SDubreutl zu 4 Monaten, Ribaudeaa zu 8 Monaten Gefängniß und sprach die Rattazzi frei. Im Erkenntnisse werden Hebert, Dubrcull und Ribaudeau mildernde Umstände zuerkannt, während da« Straf- Wab für Wllson durch erschwerende Umstände begründet wird. Die Ange- llagten find nur wegen Betruges gegen CreSpin de la Jeanniere verurthellt; §egen Belloc und Legrand liegt kein Betrug vor. Wllson und sein Advokat waren bei der Unhelle verkündlgung nicht zugegen. (Fr. Ztg.)

Paris, L März. Die Kammer hat nach höchst erregter Debatte die non Rache beantragte und nach einigem Zögern vom Marinenminister unter­stützte Dringlichkeit für ein Gesetz, dessen Urheber ersterer ist und das be­stimmt, den Marineminfter zu beauftragen, die Befestigung der Kriegshäfen Cherbourg, Brest und Toulon zu vollenden, mit 334 gegen 224 Stimmen abgelehnt. Frebault und viele Deputirte der äußersten Linken brachten einen Gesetzentwurf auf Abschaffung der Todesstrafe ein. (Fr. Ztg.)

Deutscher Reichstag:

50. Sitzung oom 1. März 1888.

Die zweite Berathung der Anträge Ackermann-Hitze betr. den Besahigungs- viachweis wird beim S fortgesetzt.

Abg. v. Kardorff (Rchsp.) erklärt, daß seine Freunde den Antrag auf Ein- iührung des Befähigungsnachweises beim Baugewerk stellen würden, im Uebrigen aber die vorliegenden Anträge als völlig aussichtslos betrachteten.

S 14d bestimmt, datz der Nachweis der Befähigung in Ermangelung geeigneter Innungen vor besonderen Commissionen stattfinden kann.

Derselbe wird mit 124 gegen 115 Stimmen angenommen, desgleichen $ 14e ohne Hammelsprung.

§ 14f bestimmt, daß der zu Prüfende das 24. Lebensjahr überschritten und drei Jahre als Lehrling, sswie drei Jahre als Gehülfe gearbeitet haben mutz. Derselbe wird nach kurzer Debatte angenommen, ebenso § 14g.

S 14gg fordert den Befähigungsnachweis für Frauen, welche selbstständig ein «Gewerbe betreiben wollen.

Nachdem Abg. Goldschmidt (freis.) denselben bekämpft, die Abgg. Hitze und Ackermann rhn befürwortet, wird er mit 130 gegen 119 Stimmen angenommen.

Die übrigen Paragraphen werden debattelos angenommen.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs betr. die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattftndenden Gerichtsverhand- llungen.

S 173 bestimmt, daß die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist, wenn sie eine Gefährdung Der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit oder eine Gefährdung der Sittlichkeit besorgen läßt.

Abg. Dr. Meyer-Jena vertheidigt seine zustimmende Stellungnahme zur Negierungsoorlage gegen die neulichen Angriffe des Abg. Meyer-Halle.

Abg. Meyer-Halle (freis.) vermißt in der Vorlage die ausdrückliche Anführung der Hoch- und Landesoerralhsproceffe und wünscht, datz für dieselben die Ausschlietzung "her Oeffentlichkeit in die Facultät des Gerichtes gelegt würde. Die Fortschrittspartei habe 1879 mit Freuden die Justizgesetze mit der Einführung der Oeffentlichkeit ange­nommen, um so weniger könne sie jetzt eine Vorlage annehmen, welche die Ausschlietzung der Oeffentlichkeit noch mehr dem discretionären Ermessen des Richters überlasse.

Abg. Ku lern a nn (natl.) verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf des Abg. Dr. Meyer-Halle, datz er in seiner Montagsrede Bezug auf ein Prioatgespräch frei­sinniger Abgeordneter genommen hätte. Redner stellt in Abrede, datz durch dieses Gesetz die Fälle, in denen der Ausschlutz der Oeffentlichkeit statthaft sei, vermehrt würden.

Abg. Gröber (Centr.) warnt davor, über eine so wichtige Materie mit hoch­tönenden Phrasen statt reiflicher Ueberlegung zu entscheiden. Die Begriffe Gefährdung der Sittlichkeit, der Staatssicherheit seien so dehnbar, datz man damit alles Mögliche machen könne. Der S 174 der Vorlage wolle nur die Publikation der Urtheilsformel gestatten, im Volke werde man sich sagen, wo keine Gründe für das Urtheil angeführt würden, gäbe es auch keine ober doch nur solche, welche das Licht zu scheuen hätten.

Abg. Kräcker (Soc.) verweist auf den Breslauer Socialistenprocetz. Wäre derselbe öffentlich gewesen, so hätte er unmöglich zu 7monatlicher Gefängnihstrafe ver- urtheilt werden können. Redner verspricht bei der dritten Beratlmng dem Hause weiteres Material beizubringen.

Abg. Hahn (cons.) eonstatirt, datz seine Freunde sich bemüht hätten, in der Commission den Bedenken anderer Parteien möglichst gerecht zu werden.

Die Discussion wird geschlossen und § 173 gegen die Stimmen der Freisinnigen, des Centrums und der Socialdemokraten angenommen.

S 174 besagt:Die Verkündung der Urtheilsformel erfolgt in jedem Falle öffentlich."

Abg. Munckel beantragt für § 174 folgende Fassung: Die Verkündung des Urtheils erfolgt in jedem Falle öffentlich. Durch einen besonderen Beschluß des Gerichts kann für die Verkündung der Urtheilsgründe oder eines Theiles derselben die Öffent­lichkeit ausgeschlossen werden, wenn sie eine Gefährdung der Staatssicherheit besorgen läßt.

Abg. R inte len (Centr.) beantragt hinter dem WorteStaatssicherheit" einzu­schaltendem Auslande gegenüber ober eine Gefährbung ber Sittlichkeit."

Geh. Ober-Reg.-Rath Lenthe bittet bie Abänderungsanträge abzulehnen, schon mit Rücksicht auf die Personen, welche Opfer von Sitllichkeitsverbrcchen geworden sind. Eine Veröffentlichung der Gründe fei bedeutungslos.

S 174 wird hierauf in der von den Abgg. Munckel-Riirtelen beantragten Fassung angenommen.

Morgen 1 Uhr: Fortsetzung und Rest der heutigen Tagesordnung (Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten, Sonntagsruhe), Wahlprüfungen.

Telegraphische Depesche«.

Wolffs lelegr. tifornffoimfrena *

~ Berlin, 1. März. Professor Bergmann verbleibt auf Befehl des Kaisers in e>fln Remo bis zur Ankunft des Prinzen Wilhelm, der heute früh I V, Uhr von Karls ruhe dorthin abgereist ist. y

Professor Waldeyer ist nach San Remo abgereist.

Berlin, 1. März. Der Bundesrath genehmigte heute den vom Reichstage an­genommenen Gesetzentwurf wegen Verlängerung des Socialistengesetzes, sowie die Aus- schußberrchte über bie Freundschasts-, Handels-, Schifffahrls- und Consular-Verträae mit Honduras und über den Freundschaftsvertrag mit Ecuador. u

San Remo, l.März. Der Kronprinz verbrachte einen guten Tag. Er beaab sich aut einmal aur den Balkon, wo er des schlechten Wetters wegen nur kurz verblieb Er war im klebrigen lange mit Schreiben und Lesen beschäftigt.

_ i Marz. Bei der Wahl eines Mitgliedes des Unterhauses für

Teptford ist an Stelle Evelyn's, welcher sein Mandat ntedergelegt hatte, Darling (con- servatrv) mit 4345 Stimmen gewählt worden. Wilfrid Blunt (Gladstonianer), welcher sich gegenwärtig im Gefängniß befindet, erhielt 4070 Stimmen.

London, 1. März. Wie das Bureau Reuter erfährt, hätten alle Mächte nun- mehr auf die russischen Vorschläge in Betreff Bulgariens, welche jeder Macht besonders mrtge heilt waren, geantwortet- Rußland forderte nicht eine Kollektiverklärung der Machte, fonberit von jeber Macht eine seinen Schritt in Constantinopel unterstützende Erklärung. Es heißt, England habe sich dahin geäußert, daß es dem Sultan nicht anrathen könne, irgend einen Schritt zur Entfernung des Fürsten Ferdinand zu unter; nehmen, ohne vorher ausreichende Maßregeln für die Regelung der bulgarischen Sache nach der Abreise des Fürsten Ferdinand vorgeschlagen zu haben-

Madrid, 1. März. Der Herzog von Monlpensier ist nach Sevilla abgereist. 3m ecnai wurde die Regierung befragt über eine angeblich beabsichtigte Ver­fügung, betreffend die Kupferminen in Huelva, wodurch das Ausglühen des Kupfers in freier Lust verboten werden solle. Der anwesende Minister lehnte eine Beant­wortung der Frage ab.

Turin, 1. März. Heber Sparona im Thale del Orco ging eine Schneelawine nieder, wodurch an 30 Personen getödtet wurden.

Washington, 1. März. Das Repräsentantenhaus hat einen Gesetzentwurf, nach welchem der Ueberschuß im Staatsschätze zum Ankauf von Obligationen verwandt werden soll, angenommen.

Lokale».

Gießen, 1. März. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 3 der Verwal­tungsbiälter hat folgenden Inhalt:

1. Emunbzwanzigste Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen oom 18. Februar 1888.

2 Erbauung und Unterhaltung von Kreisstraßen nach den Erläuterungen zum Voranschlag der Kreiskasse des Kreises Gießen für 1888/89.

3. Entscheidung des Bundesamts für das Heimathwesen, in Sachen des Orts­armenoerbandes Kassel gegen den Ortsarmenverband Kirtorf wegen Unter­stützung der Dienstmagd Johanna Strempel.

4. Verpflegungsstationen.

5. Verschiedenes.

Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeigers entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zu» ermäßigten Preise von 50 H pro Quartal.

Vermischte».

Mainz, L März. Angeblich aus Schulkreisen schreibt man der hier erscheinendenZeit", daß es nun als sicher angesehen werden könne, daß mit Wirkung vom 1. April ab Realschuldirector Soldan bie Stelle des Geheimen Oberschulrathes Becker erhält. Zum Nachfolger Soidan's an der hiesigen Realschule und dem Real­gymnasium sei Realschuldirector Schön, seither in Offenbach, ausersehen.

- An dem roarnun Fiühstück, welches seit Januar armen Kindern an Schul­tagen Morgens vor Beginn des Unterrichts der hiesigen Volksschulen gereicht wird, nehmen 111 Knaben und 101 Mädchen Theil. Die Zahl der Kinder nahm von Woche zu Woche zu, anfangs waren es nur 133, heute sind es 212. Die Wohlthat währt bis zu dem Schlüsse des Schuljahres.

Die hiesigen Verehrer Heim ich Heine's sind auch zu einem Cemils zusammen- getreten, um das Project ber Errichtung eines Heine-Denkmals in Düsseldorf zu unter­stützen. Das Comits wird am kommenden Samstag mit einem Ausruf um Zeichnung von Beiträgen vor die Oeffentlichkeit treten.

Eingesandt.

Gießen, 2. März 1888.

Sehr geehrter Herr Redacteur.

Gestatten Sie gütigst einem Fachmanne einige Worte über die Kritik derJahres­zeiten" in Ihrem geschätzten Blatte.

Das hiesige Orchester hat sich gelegentlich der Symphonie-Concer te schon manches Unverdiente müssen sagen lassen, aber in solch verächtlicher Weise ist es noch nie be­sprochen worden.

Der Herr D. schreibt:In Ansoiderungen an die Leistungsfähigkeit des Orchesters muß man sich hier ja bekanntlich sehr bescheiben", einige Zeilen weiter spricht er von der bessernden Hand des- Herrn Musikbirector Krautze. Weitz Herr D. nicht, datz Herr Krauße dieses Orchester mit ganz geringen Ausnahmen stets unter sich hat?

Ist Herr D. noch nie in der Lage gewesen, die Tüchtigkeit des Orchesters an­zuerkennen, auch nicht in der vor 2 Jahren stattgefundenen Manfred-Aufführung oder bei der vorjährigen Weber Feier?

Ferner würde es mich intereffiren, zu erfahren, wo die Hand des Herrn Musik- birector Krautze in das von Herrn Musikdirector Felchner so vorzüglich einftudirte Werkbessernd" eingegriffen hat.

Wie soll ich mir das erklären, daß der, sich als Kritiker berufen glaubende Herr D. nicht einmal davon Notiz nimmt, wer die Chöre eingeübt und die ersten Proben abgehalten hat, jedenfalls gebührt doch diesem das eiste Lob.

Ob Herr D. beurtheilen kann, welche Mühe und Geduld gerade dieses Einüben erfordert, muß ich bezweifeln, glauben doch gar oft junge Leute, welche etwas Klavier spielen, Tannhäuser und Lvhengrin gesehen haben, ja sogar in Bayreuth gewesen sind berufen zu sein, die mühevolle Arbeit eines gereiften Fachmannes fritifiren zu können.

Hier sei mir gestattet zu sagen, was auch der Recensent derOberh. Nachr." in Anerkennung der wahren Verdienste erwähnt hat, Herrn Musikdirector Felchner ge­bührt unbeschränkte Anerkennung für das Einstubiren der Jahreszeiten und ihm müssen wir in erster Linie dankbar sein für die gute Aufführung.

F^rn sei es von mir durch Vorstehendes die Verdienste des Herrn Mnsik- bircctor Krauße nur irgendwie zu beschränken, im Gegentheil, hat er doch in wirklich vollkommener Weise es verstanden, sich in der einen Probe mit dem Werke sowohl als auch mit dem Chor vertraut zu machen und dadurch es überhaupt ermöglicht, daß das so gut oor bereitete Werk zur Aufführung kam. Auch ich bin ft ft überzeugt, daß mir Herr Musikdirector Krauße Dank weiß, daß ich die unleugbaren Verdienste des Herrn Musikdirektor Felchner hier erwähne.

Hoffentlich verschont uns Herr D. in Zukunft mit seinen einseitigen nichts weniger als gerechten Kritiken.

Zu vorstehendemEingesandt" bemerkt unser Herr Referent: Wir können dem gesunden Sinne eines billig denkenden Publikums die Beurtheilung und den Vergleich vorstehender Auslassung mit unserem Bericht in der Dienstagsnummer dieses Blattes um so eher getrost überlassen^ als ObigeS feine sachlich gehaltene Kritik unserer Kritik, sondern eine nach Ton und ^tyl nicht näher qualificirbare Kritik unseres persönlichen Verhaltens, unserer persönlichen musikalischen Bildung und Urtheilsfähigkeit enthält. Da wir es selbstverständlich ablehnen, dem anonymen musikalischenFachmann" unter der Maske auf dieses persönliche Gebiet zu folgen, begnügen wir uns hier mit der Bemerkung, daß wenn der unbekannte Einsender mit offenem Visir und gleichen