Vermischtes.
Hünfeld, 30. October. Den telegraphisch gemeldeten Einzelheiten über das Brandunglück sei noch Folgendes nachgetragen: Die Angaben über die Hahl der niedergebrannten Hauser oariiren; man wird aber wohl das Richtige treffen, wenn man annimmt, daß 150—180 Wohnhäuser ein Raub der Flammen wurden. Die RaM der Obdachlosen wird 1000 noch übersteigen. Der Brandschaden wird auf 2 Millionen JL geschätzt. An der Versicherung partizipiren zahlreiche Gesellschaften. Heber die Entstehungsursache des Feuers ist Zuverlässiges nicht bekannt; die Einen behaupten, es liege Unvorsichtigkeit zu Grunde, die Anderen glauben an Brandstiftung. Das Feuer konnte sich namentlich deshalb so außerordentlich schnell verbreiten, weil eine Scheune an die andere grenzte und diese Scheunen sämmtlich mit den Erträgnissen der heurigen Ernte gefüllt waren. Als ein weiteres Verbreitungsmittel des Brandes müssen die Strohpuppen bezeichnet werden, welche hier ru Lande noch unter den Dachziegeln liegen. Wer diese Dachungsart kennt, wird wissen, daß ein Funke genügt, das Dach in Brand zu setzen, und hat letzteres erst Feuer gefangen, dann ist das ganze Haus, da die Gebäude überwiegend aus Fachwerk bestehen, so gut wie verloren. Verluste an Menschenleben sind, wie schon berichtet, nicht zu beklagen, dagegen hat manches Stück Vieh in den Flammen den Tod gefunden. Zahlreiche Mobilien sind gerettet worden und liegen zerstreut in den Gärten. In den vier verbliebenen Wirthschaften wimmelt es von Menschen; Feuerwehr, Militär und Bürger wogten bunt durcheinander. In den Gastzimmern lagen die Menschen auf Tischen, Stühlen und auf dem Boden und schliefen; die Wartesale am Bahnhof zeigten dasselbe Bild. Die Aufregung im Orte ist natürlich eine ungeheure; man fragt sich tausendmal, was aus den obdachlosen Menschen werden soll, namentlich da der Winter vor der Thüre steht, der das Bauen unmöglich macht. In jedem noch unversehrt dastehenden Hause brannte die ganze Nacht Licht und hielt wenigstens Einer Wache. 2Ran befürchtete, und nicht mit Unrecht, das Feuer würde noch weiter um sich greifen. Die Feuerwehr war die ganze Nacht auf dem Brandplatz und die Spritzen arbeiteten an einzelnen Stellen unaufhörlich. Während der ganzen Nacht stürzten Häuserreste krachend zusammen. Das Bild, welches Hünfeld diese Nacht bot, war ein grauenerregendes; das Unglück ist so groß, daß es jeder Beschreibung spottet. Man muß es gesehen haben, um es vollständig fassen zu können. An Wasser hat es, wie man vielfach anzunehmen scheint, nicht gefehlt. Zwar sollen einzelne Spritzen nicht haben bedient werden können, indeß muß demgegenüber bemerkt werden, daß so viele Spritzen zur Stelle waren, daß sie gar nicht alle in Aktion treten konnten. Das Unglück ist so groß, daß sich die Nächsten- und Menschenliebe regen muß, wenn dem Elend nur einigermaßen gesteuert werden soll.
Literarische-.
vertraut wird, während er den Wandlungen und Schicksalen der ki Jo^9c6örigen folgt. Gleichzeitig hiermit wird auch eine neue, durch- die 13. Auflage der „Aegyptischen Königstoch ter" desselben Autors erschienen "! Buches bildet"" Jubiläums-Ausgabe des vor 25 Jahren erstmals
Aufruf.
Das entsetzliche Brandunglück, welches in den letzten Tagen die Stadt Hünfeld betroffen hat, fordert gebieterisch zur schleunigsten Hilfe auf. Von den zwischen 1800 und 1900 Seelen zählenden Einwohnern sind 1200 durch bdä Feuer, welches über 300 Gebäude zerstört hat, obdachlos geworden.
Die Unterzeichneten werden eine Liste zum Einsammeln von Beiträgen rn Umlauf letzen, bitten aber, jetzt schon Kleidungsstücke, Bettwerk, Naturalien u. s. w. an die im alten Rathhause auf dem Marktplatz und der Bürger- E wollen^o^ em Neuenwegerthor vorläufig errichteten Sammelstellen, abliefern
Gießen, den 31. October 1888.
Daist, Rechtsanwalt. Bostroem, Rektor der Landesuniversität. Bramm, Oberbürgermeister. Dr. Elz, Pfarrer. FreseniuS, Polizeirath. Freiherr v. Gagern, Provinzialdirektor. L. Georgi, Fabrikant.
Guifletscb, Rechtsanwalt. S. Heichelheim, Bankier Ä. Heß, Rentner.
3o<f(L 1. Staatsanwalt, v Jungenfeld, Bankvorstand. Ol'-Knorr, Landgerichtspräsident. Dr. Levi, Rabbiner.
Pfarrer. Ad. Noll, Commerzienrath. Ttlberersen, Commerzienrath. Wortmanu, Bankdirektor.
SM87 Auch die Expedition des „Gießener Anzeiger" erklärt sich zur Annahme von Geldbeiträgen bereit.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
Reichsstadt, mit deren eigenartigem, reichem und würdigem Leben der Leser dieses : dazu am nächsten Freitag.
am Donnerstag den 1. November, Abends 8 Uhr in der Kirche, die Mission in Kamerun, Mlssionspredlger Thumm aus Frankfurt a. M.
Die Kinderkirche fällt am nächsten Sonntag aus, desgleichen die Vorbereitung m nnrnnfn °
Ein neuer Roman von Georg Ebers soll demnächst in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinen. Er wird diesmal nicht im alten Aegypten und in vorchristlicher Zeit, sondern auf heimischem Boden im alten trauten Nürnberg spielen. „Die Gred" (Margaretha) ist er betitelt, und die Trägerin dieses Namens ist eine deutsche Frau, das echte Kind der durch Bürgerkraft und Tugend blühenden
Allgemeiner Anzeiger.
Freitag den 2. November d. I. sollen durch den Unterzeichneten öffentlich gegen gleich baare Zahlung versteigert werden:
I. Vormittags 10 Uhr Rodheimerstraße Nr. 40 dahier:
1 Ofen neugebrannte Ziegel, 3000 gebrannte Ziegel, 2000 teuerfeste Backsteine, und 1 Ofen (ca. 2u,00U) Feldbacksteine,
II. Nachmittags 2 Uhr
im Wiener Hof dahier:
58 Flaschen Tischwein, 178 Flaschen besserer Weiß- und Rothwein, Liqueur und Champagner, mehrere Hundert geschliffene Biergläser mit und ohne Deckel, 1 neue Bettstelle mit Einlage, verschiedenes Weißzeug, ferner allda:
auf freiwilliges Anstehen der betr. Eigenthümer:
1 Strickmaschine und 1 gebrauchte, aber gut gehende Decimalwaage.
Beide Versteigerungen finden bestimmt statt.
Gießen, den 31. October 1888.
Engel,
S820 Gr. Gerichtsvollzieher
Ieikgeöotenes.
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Haus-Verkauf.
Freitag den 2. November, ^Nachmittags 2 Uhr, läßt Unterzeichneter aus hiesigem Rathhause fein tn der Schloßgaffe, am Marktplätze in guter Geschäftslage gelegenes Haus, nebst Scheuer und Stallung, einer Versteigerung ausfeken.
Butzbach, den 30. October 1888.
88051 Heine. Steinhäusser V.
Wohnungsveränderung.
Mit dem heutigen Tage verlegte meine Wohnung, sowie mein Atelier für künstliche Zähne, Plombiren re. nach dem Hause des Herrn Sattlermeister Friebel
Bahnhofstrasse 33.
Gießen, den 1. November 1888. (8804
Juiittfi KoMermamu
Am heutigen Tage eröffne ich Seltersweg 71, Haus des Herrn Kaufmann Leo, meine
Kunst-Ausstellung = Seltersweg 71. ——
Renten- und Lebens-Versicherungsanstalt
zu Darmstadt.
Die in Folge Ablebens des Herrn Drucksachen-Verwalters Müller erledigte Agentur unserer Anstalt haben wir dem Herrn
Louis Schultheis in Giessen,
Asterweg Nr. 39, übertragen.
Darmstadt, den 29. October 1888.
8818 Die Direktion.
Weilinachls-Knnsl-Aosslellnng.
Die ganz bedeutende Vergrösserung meines Kunsllagers an gerahmten und ungerahmten Photographien, den sehr beliebten Emaillebildern. Stichen, Oelbildern etc. veranlasst mich, mein Kunstgeschäft für die Monate November und Decem- ber in ein zweites Local zu verlegen.
Die sehr geräumigen neuen Localitäten erlauben es mir, eine Ausstellung meines gesammten Kunstlagers, das auch den weitgehendsten Ansprüchen genügen dürfte, vorzunehmen, zu deren gefälliger Besichtigung ich hiermit ganz ergebenst einlade.
Die Weihnachts - Ausstellung meines Bücherlagers in meinem alten Local Seltersweg 53 wird erst Ende November vollendete
8799 Hochachtungsvoll
fifl. Balis,
in Firma Echsenfcld’s Universitäts-Buchhandlung, Kunsthandlung u. Antiquariat.
Buchhandlung: Seltersweg 53. Kunsthandlung: Seltersweg 71«
Geschäfts - Verlegung!
Einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum zur gest. Nachricht, daß sich von jetzt an mein Geschäft nebst Wohnung in dem von mir erkauften
Th. Geismar’schen Hause, Wallthorstrasse 8.
befindet.
Gleichzeitig halte ich mein Uhren- und Goldwaarenlager bestens empfohlen. Achtunsvoll
Martin Vogt,
8623_________ Uhrmacher.__________*4
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