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Versammlung wird durch Vorträge, Uebungen und durch die Ausstellung Anregung iu manchem Fortschreiten auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens geben. Die Eröffnung erfolgte in Anwesenheit von Vertretern staatlicher und städtischer Behörden durch eine Ansprache des Regierungspräsidenten v. Cranach.

Berlin, 29. Juli. Bet dem Rennen in Charlottenburg kam Rittmeister v. d. Osten von ven Garde-Kürassieren mit seinem Wallach Jurist so unglücklich zu Fall, daß beide auf der Stelle tobt blieben; der Unfall ereignete sich im schweren Jagd-Rennen an der vorletzten Hürde und rief die allgemeinste Thetlnahme hervor.

fAlbert Parlow t-1 Im Alter von 66 Jahren ist in Wiesbaden, wohin er am 1. October v. Js. übergesiedelt war, der tonigl. Musikdtrector Albert Parlow gestorben. DecRhein. Cour." widmet dem vortrefflichen populären Tonkünstler den folgenden warmen Nachruf:Parlow war der erste Marinekapellmeister, er hat als solcher in den Jahren 1852 und 1853 die ganze Welt umsegelt und den Ruhm der preußischen Militärmusik in die entferntesten Länder getragen. Nach dieser Weltreise kam Parlow als Kapellmeister zum pommerschen Füsilier-Regiment Nr. 34 in Mainz, das im Jahre 1860 nach der Bundesfestung Rastatt verlegt wurde, von wo aus Parlow mit seiner Kapelle sehr viel in Baden-Baden vor der Königin Augusta zu spielen hatte, welche die Kapelle mit neuen Instrumenten ausrüstete und die Zahl der Musiker auf 65 erhöhen ließ. So war es Parlow möglich, mit derKapelle der Königin", wie sein Musikcorps fortan genannt wurde, in Lyon bet einem Wettstreite von zwölf französischen Militärkapellen mit der Tannhäuser-Ouoerture den ersten Preis zu erringen und Triumphe zu feiern, wie sie weder vor ihm, noch nach ihm jemals eine Kapelle in Frankreich erlebt hat. Der Wettstreit fand in einem großen Garten statt, draußen vor den Gittern des Parkes hatten sich Tausende von Arbeitern an­gesammelt, die gleichfalls den Musikvortragen zugehört hatten. Als Parlow und seine Schaar nach Beendigung des Festes draußen erschienen, mutzten sie an die Spitze des von den Arbeitern gsvi'^eten Zuges treten und unter dm Klangen preußischer Militar- märsche zogen dann die^r.beiter-Bataillone nach der Stadt zurück. Am folgenden Tage mußte Parlow noch ein Cöncert geben, das 60,000 Francs einbrachte, welche L>umme er wohlthätigen Zwecken überwies. König Wilhelm, der den trefflichen Kapellmeister auf dessen Rückreise von Lyon zu sich nach Ems befahl, dekortrte ihn eigenhändig. Im folgenden Jahre spielte Parlow in Paris vor Napoleon. Bekannt ist die Antwort, die Parlow hier dem Kaiser gab, als er, nach einer ihm gebrachten Morgenmusik in den Kreis der Musiker tretend, bei Besichtigung der Instrumente frug, was man mrt den großen Batzinstrumenten, die um den ganzen Körper ihrer Träger geben, auf einem Rückzüge mache.Majestät, was auf einem Rückzüge geschieht, wird bei uns nicht eingeübt", lautete die Antwort des Befragten. Im Jahre 1866 machte Parlow den österreichischen Feldzug mit, in welchem er bei Königgrätz mit seiner Kapelle in's Feuer kam. Nach Beendigung des Krieges wurde das 34. Regiment von Rastatt nach Frank­furt a. M. verlegt, von wo aus Parlow mit der durch ihn zu großem Ruhme gelangten Kapelle Concertreisen nach Berlin, Hamburg uud der Schweiz machte, wo er überall mit demselben großartigen Erfolge auftrat. Als König Wilhelm nach 1866 seinen ersten Einzug in Wiesbaden hielt, trug auch die Parlow'fche Kapelle zur Verherrlichung des Tages bei. Aus dem französischen Kriege 1870-71 kehrte Parlow mit dem eisernen Kreuze decorirt heim, das 34. Regiment wurde jetzt nach Stettin, der Heimath Parlow's, verlegt, wo letzterer noch bis zum Jahre 1877 bei demselben verblieb, um dann mit einem von ihm aus vorzüglichen Kränen zusammengesetzten großen Orchester regelmäßig im Winter im Hansasaale zu Hamburg, im Sommer im Kurhause, resp. Kurparke zu Kreuznach zu concerttren. Auf der vorjährigen Reise von Hamburg nach Kreuznach wurde Parlow im Etsenbahncoup^ von einem Schlaganfall getroffen, der ihn zwang, den 35 Jahre lang mit Ehren geführten Dlrigentenstab niedcrzulegen, und der jetzt auch seinen Tod herdeigeführl hat. Nebenbei ist Parlow auch als Componist, besonders als Tanzcomponist, thätig gewesen, seine AmboS-Polka ist auf dem ganzen Erdenrund bekannt geworden. Um den Dahingeschiedenen trauert die Wittwe mit drei erwachsenen Kindern, darunter ein Sohn, der sich gleichfalls der Musikerlaufbahn gewidmet hat und als geschätzte Lehrkraft in Frankfurt a. M. thätig ist."

St. Goarshausen, 26. Juli. Heute Nachmittag ist, wie derRhein. Cour." meldet, im Rhein, oberhalb der Loreley amRanschel", die Leiche einer unbekannten weiblichen Person, an welcher der Kopf und die beiden Arme fehlen, geländet worden. Die Leiche hat eine Größe von 1,35 Meter. Von der Kleidung waren noch vorhanden die Reste eines schwarzen Corsetts, welches weiß unterfüttert und mit schwarzem Fisch­bein durchzogen war, sowie eine schwarzseidene schürze, mit einem Glasknopfe und einem übersponnenen Knopfe versehen. Die Leiche scheint schon lange, mindestens 68 Wochen, im Wasser gelegen zu haben. Ob Selbstmord oder Verbrechen oorlregt. läßt sich noch nicht feststellen.

Soolbad Salzungen in Thüringen. Endlich nach manchen regne­rischen Tagen lacht wieder der blaue Himmel durch die lichten Wolken und erfüllt die Herzen mit neuer Zuversicht, nicht nur auf eine erfolgreiche Kur, sondern auch auf heiteren Lebensgenuß in Berg und Thal, in Feld und Wald. Unsere ganz besonders auch gegen ungünstige Witterungsverhältnisse geschützten Jnhalattonseinrichtungen be­währten sich in den jüngst vergangenen Wochen vorzüglich, indem die Kur keinen Tag unterbrochen zu werden brauchte und Niemand die einmal vorgenommene Kurzeit ab­kürzen mußte. Den in der Vorsaison cingetroffenen und jetzt nach Beendigung ihrer Kur uns verlassenden Gästen folgte bereits bie größere Zahl der mit Beginn der preußischen Schulferien etntnffenben Familien; ein weiterer Zuzug steht bevor mit Beginn der sächsischen Schul- und der Gerichtsferien. Die regnerischen Tage der letzten Woche beschränkten die gemeinschaftlichen Vergnügungen auf Concerte und Reunions in den neu hergestellten Räumen des Kurhauses, denen jetzt nach Eintritt günstiger Witterung die so sehr beliebten Waldausflüge nach dem Schlößchen, einer nahe am Ort gelegenen Waldidylle mit herrlichen Aussichtspunkten, nach dem landgräfltchen Parke Waidenhain, nach dem durch seine herrliche Fernsicht und durch seine Säulen- Lasalte hochinteressanten Oechsen, einem Vorberg der Rhön, sowie zu so manchen zu Pickenicks u. s. w. eignenden lauschigen Platze im duftigen Walde folgen.

Bei den verschiedenen Waldfesten, welche stets mit Musikbegleitung ftatt- ffinden, wechseln Polonaise, Rundtänze und Quadrille auf moosigem Waldesboden mit humoristischen Vorträgen und Gesellschaftsspielen ab, und nur mit Bedauern, wie schnell und angenehm die Zeit vergangen, rüstet man sich spät, um unter den Klängen der Musik bohen Sinnes dem Städtchen wieder zuzuwandern. Aber auch das Kleinod von Salzuntzen, der See, bietet mit seiner Umgebung mehrfache Gelegenheit, zu eigenartigen, reizenden Unterhaltungen, sei es durch die an mondhellen Abenden in dem geschützt ge­legenen Kessel auf dem See von einem trefflichen Hornquartett vorgettagenen, zu Herzen sprechenden Weisen einfacher Volkslieder, sei es durch Illumination der Kurhausanlagen mit Hunderten buntfarbiger Lampions, durch bengalische Beleuchtung der Baumgruppen und Statuen und durch den prachtvollen Anblick der auf dem See sich bewegenden und sich in demselben spiegelnden, mit buntfarbigen Lampions geschmückten Gondeln, durch bengalisch beleuchtete Segelboote, und dies Alles unter gleichzeitigem Vortrag aus- gewählter Concertmusik durch unsere vonreffiche Kapelle. So vereinigt das Soolbad Salzungen mit den Vortheilen einer höchst wirksamen und durch keine WitterungS- perhältnisse unterbrochenen Trink-, Bade- und Jnhalationskur gleichzeitig das Angenehme ttner durch steten Wechsel hoch befriedigenden Unterhaltung.

^Unheimliche Diebesbeute.j Bei dem Dynamitoerkäufer Simon in Ratschen- ')orf bei Reichenberg wurde ein großer Dynamitdiebstahl von 75 Kilogramm Dynamit ausgeführt. DerDtsch. Ztg." wird darüber aus Reichenberg berichtet Das betreffende Magazin liegt 300 Meter links vom Ortswege in Ratschenoorf, ist aus Balken auf; geführt, wie es die Vorschrift erheischt und mit Erdreich in stark« Schicht zugedeckt. Der einzige Zugang führt durch eine Doppelthür aus Eichenbohlen. Der Verschluß bestand in einem Wertheim'schen Schloß und zwei Sicherheitsdoppelschrauben. Mit ganz besonderer Kraftanstrengung, wahrscheinlich mittels Brechstange, wurde der Stahl­ring des Schlosses abgedreht und mit einem Gabel-Schraubenschlüssel die Köpfe der Sicherheitsschrauben abgeschraubt. Es wurden drei Kisten Dynamit (Patent Nobel Nr. 1) entwendet, die einen Werth von 1000 Gulden darstellen. Die Diebe hatten sich viel Zeit gelassen: sie hatten den schwierigen Verschluß der Kisten erst geöffnet und nur die Patronen mitgenommen. Zwei andere Kisten mit Dynamit (Nobel Nr. 2) ließen ie stehen, weil dasselbe geringeren Werth hat. Alle Umstände des Diebstahls deuten daraus hin, daß derselbe von Personen verübt wurde, welche mit Dynamit sehr gut umzugehen wissen. Erst um 11 Uhr Vormittags wurde der.Diebstahl entdeckt. Derselbe mag in den ersten Morgenstunden schon bet Tageslicht verübt worden sein, weil die THüter sich gehütet haben dürsten, bei diesem lebensgefährlichen Diebstahl Licht anzu­zünden. Der Verdacht der Entwendung lenkt sich auf Schmuggler, weil nämlich jetzt ehr viel Dynamit aus Sachsen zu Sprengzwecken eingeschwärzt wird.

(Macht der Gewohnheit.) Hauptmann: Vicefeldwebel Müller, exerciren Sie jetzt die Rekruten auf Laufschritt. Müller (im Civilverhältniß stud jar., augen­blicklich mit starkem Brummschädel, da er in letzter Nacht Präses beim Eommerse war): Antreten! Silentium 1 Exercitium Salamandri! Hauptmann: Ex est!

UniDcrfftät» - Ghronik.

Gießen, 31. Juli. Ter außerordentliche Professor Dr. Karl Friedrich Wimmenauer ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät ernannt worden.

Marburg, 30. Juli. Der Professor der Theologie, Dr. Harnack, ist für das Amtsjahr 1888/89 zum Rector der Universität gewählt worden.

Literarische-.

Die Erdbeben und Erdrevolutionen, über welche in neuerer Zeit so vielfach berichtet werden mußte, haben mehr als je das Interesse des großen Publikums für eine Wissenschaft geweckt, welche in dem Wiener Geologen und Paläontologen Professor Dr. Neumayr wohl zum ersten Male einen Interpreten gefunden hat, der es, unbeschadet aller Wissenschaftlichkeit, wirklich versteht, sie dem gebildeten Laienpublikum mundgerecht oorzutragen. Von seiner im Bibliographischen Institut in Leipzig erschienenen »Erdgeschichte" liegt jetzt der auf's Prächtigste ausgestattete zweite (Schluß-! Band vor, der die geschichtliche Entwickelung des Erdinnern und den jetzigen Bau der ein­zelnen Länder der Erde schildert. Vermöge seiner geistvollen und leichtverständlichen Darstellung ist diese Neumayr'iche Erdgeschichte in trefflichster Weise dazu angethan, geologische Kenntnisse in weitere Kreise zu tragen und somit ein Buch für die Haus- biblioihek zu sein, wie es uns seither fehlte. Ganz und voll machen wir deßhalb auch die Empfehlung eines der berufensten Beurtheiler, Professor Dr. Eredner's, zu der unserigen, der darüber bemerkt:Wir begrüßen es freudig, wenn ein fo hervorragender Forscher den trefflich gelungenen Versuch macht, die Gefammtheit unseres modernen geologischen Wissens in einem jedem Gebildeten verständlichen und ihn fesselnden Form dem größeren Publikum darzubieten. Die höchst anschauliche Darstellungsweife des Verfassers wird durch viele mit größter Sachkenntniß und Zweckdienlichkeit ausgewählte Textsiguren, sowie durch eine Anzahl farbiger Tafeln und Karten wesentlich unterstützt. Ihre Ausführung ist eine so vollendete und die ganze Ausstattung des Buches eine so reiche, wie wir sie wohl kaum in einem zweiten geologischen Buche wieder antreffen. Mit Freuden kann der Referent die Erdgeschichte Neumayer's denjenigen Kreisen, welche den Drang fühlen, sich über den Bau unserer irdischen Wohnstätte und über die Ursachen der Mannigfaltigkeit der Erdoberflächengestaltung zu belehren, auf das Dringendste empfehlen."

Handel nnv Bertehr.

Gießen, 31. Juli. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. JL 0,750,90, Hühnereier, 1 St. 56 Ä, 2 St. 000 H, Enteneier 57 Gänse- eier 000 H, Käse pr. St. 57 H, Käsematte pr. St 3 H, Erbsen pr. Liter 15 H, Linsen pr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar JL 0,501,00, Hühner pr. St. JL 0,901,20, Hahnen pr. St. JL 0,501 ,u0, Enten pr. St. JL 1,4o2,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 6968 H, Kuh- und Rindfleisch 4554 H, Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 5464 X Kalbfleisch 4046 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 5,508,50, Zwiebeln per Centner 7,509,50, Milch pr. Liter 1218 H, Weißkraut pr. St. 0000, Kirschen pr. Pfd. 10 H.

Frankfurt, 30. Juli. (Viehmarkt) Angefahren waren 383 Ochsen, 25 Bullen, 525 Kühe, Stiere und Rinder, 279 Kälber, 93 Hämmel, 84 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. «4L 5860, 2. Qual. JL 5054, Bullen 1. Qual v*L 3840, 2. Qual- 3037, Kühe, Stiere nud Rinder 1. Qual. 5052, 2. Qual- JL 4046, Kälber 1. Qual, pro Pfund Schlachtgewicht 5053 <$, 2. Qual- 4046 H, Hämmel 1. Qual. 6062 H, 2. Qual. 4850 4» Schweine 1. Qual. 4850 H, 2. Qual- 4748 H.

Frankfurt, 30. Juli. (Fruchtpreise). Weizen, hiesiger 18,2518,50, fremder JL 18,0019,00, Roggen, hiesiger 14,5014,75, fremder X 14,2514,50, Gerste, Brauerwaare JL 15,0016,00, zu Mahlzwecken X 11,5000,10, Hafer, hiesiger JL 14,0014,75, fremder 00,00-

Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen. 30. Woche. Vom 22. Juli bis 28. Juli 1888.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 16,4 %o.

Kinder

Es starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

im

1. Lebensjahr:

vorn

2.15. Jahr:

Krebs

2 (1)

2 (1)

Lungenentzündung

1

1

Lungenschwindsucht

1 (1)

1 (1)

Selbstmord durch Ertrinken

1

1

Atrophie

1

1

Summa: 6 (2) 5 (2) 1

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in' der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Wärmegrade der Lahn und der Luft,

nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.

Lust 14, Wasser 13 Gr.

Gießen, den 31. Juli 1888. Rübsamen.

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