Ausgabe 
1.4.1888 Erstes Blatt
 
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Gießen, 31. März. Im Monat März wurden im hiesigen Schlachthaus geschlachtet: 111 Ochsen, 15 Fasfelochsen und Kühe, 112 Rinder, 4 Pferde, 604 Schweine, 610 Kälber und Hämmel, 1 Ziege. Hiervon wurde ein Rind mit Perlsucht dem Abdecker überwiesen und eine Kuh, wegen derselben Krankheit, ging an den Verkäufer zurück. Die Gesammtsumme des geschlachteten Viehes beträgt bis jetzt 6373 Stück.

B n u i f d i r

Frankfurt, 29. März. Gestern fand dahier eine Versammlung der Aus­steller des Exportmusterlagers, in welchem Gießen durch pie Gewerkschaft Klaus vertreten ist, statt, behufs Wahl von 5 Delegirten als Beirath zum Aufsichtsrath. Der Vor­sitzende des letzteren, Herr Sonnemann, konnte darauf Hinweisen, daß das Institut fortwährend gewachsen und auch finanziell nunmehr dahin gekommen sei, wenigstens ohne Deficit zu arbeiten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dem Institut nicht nur die seitherigen Aussteller erhalten bleiben, sondern deren Zahl sich stetig vermehren werde. Die hohe Bedeutung und der Werth der Export-Musterlager sei von fremden Nationen, insbesondere den Engländern, erkannt, was am Besten daraus erhelle, daß England in Hamburg ein Export-Musterlager in's Leben rufe. Die Wahl ergab als Delegirte Sie folgenden fünf Herren: Heinr. Gust. Herz in Frankfurt a. M., Gust. Böhm in Offenbach a. M-, Huber (Firma Huber & Eie.) in Hanau, Hochstädter (Firma Hochstädter & Söhne) in Darmstadt und G. Kalkhof (Firma Wilh. Laaff) in Mainz.

Frankfurt, 30. März. Nach langem vergeblichen Fahnden scheint es unserer Polizei nunmehr gelungen zu sein, den richtigen Silberdieb dingfest zu machen. Gestern wurde in einem Gasthause in der Papageigasse dahier ein Mensch verhaftet, der sich Werner nannte. Es stellte sich bald heraus, daß dies nicht der richtige Name war und daß der Verhaftete guten Grund haben mußte, seinen richtigen Namen zu verheimlichen. Zahlreiche Silberfachen wurden bei ihm gefunden, die von hiesigen und auswärtigen Diebstählen herzurühren scheinen. Die Polizei hat gestern bereits den hiesigen Blättern von der Verhaftung des Menfchen Kenntniß gegeben und die bei ihm beschlagnahmten Silbersachen näher bezeichnet. Gestern schon hieß es, der angebliche Werner sei Kellner gewesen und von Profession Uhrmacher. Heute tritt diesen Angaben hinzu, daß der in der Papageigasse Erwischte ein äußerst rasfinirter und geschickter Einbrecher ist, der schon lange steckbrieflich verfolgt wird. Er soll ein Schlesier^ sein, der schon in Breslau und vielen anderen Städten in unglaublich kühner Weise Silberdiebstähle verübte. Wie ich von gut unterrichteter Seite vernehme, erscheint es zweifellos, daß nunmehr der gefährliche Mensch, der so lange Zeit Frankfurt und Umgegend in Aufregung gebracht, unschädlich gemacht ist. Er wird für seine Heldenthaten zweifellos entsprechend belohnt werden und sobald nicht wieder Gelegenheit haben, seine Geschicklichkeit als Silberdieb zu bekunden.

Frankfurt, 31. März. sPrivatdepescheJ Verfloffene Nacht ist der Silberdieb ausgebrochen. Jede Spur fehlt. Der Wächter erhängte sich. Die Aufregung hier ist ungeheuer.

Literarische-.

Die erste Biographie des neuen deutschen Kaisers ist soeben unter dem Titel MWeiedrich, Deutscher Kaiser und König von Preußen", ein Lebensbild von Ludwig Ziemssen, im Verlage von Franz Lipperheide, Berlin, erschienen. Von dem bequemeren Bezugs halber in Lieferungen erscheinenden Buche liegt uns das erste Heft vor. Die auf Kupferdruckpapier nach Vorlagen berühmter Maler hergestellten großen Vollbilder, deren jedes Heft zwei enthält, zeichnen sich durch vollendete äußere Technik aus. Um dieses Lebensbild unseres Herrschers zu einem Gemeingute der deutschen Nation zu machen, was es seiner ganzen Veranlagung nach zu werden verdient, ist der Preis des Werkes äußerst niedrig festgesetzt worden. Das Buch erscheint in etwa zehn Lieferungen, die in Zwischenräumen von 8 bis 14 Tagen zur Ausgabe gelangen; jede Lieferung umfaßt 16 Quartseiten Text mit zahlreichen Illustrationen und kostet nur 60 H.

DieGermania", Lebens-Versicherungs-Actien-Gesellschaft zu Stettin, hat nach ihrem 30. Rechnungsabschlüsse auch im Jahre 1887 günstige Ergebnisse auf­zuweisen. Durch den Zugang an neuen Versicherungen über 31,e Million^ X Kapital (1 Million mehr als im Vorjahre) hob sich der Bestand, nach Abzug der durch Tod und bei Lebzeiten der Versicherten erloschenen Versicherungen auf 353,2 Millionen X Unter diesem 'Bestände waren 226,4 Millionen X mit Anspruch auf Dividende ver­sichert. Dieser wichtigste Geschäftszweig derGermania" erhielt im Jahre 1887 einen reinen Zuwachs von 4162 Versicherungen über 17,6 Millionen X Kapital. An Prämien und Zinsen vereinnahmte die Gesellschaft 17,489,701 «X (821.005 X mehr als im Vor­jahre). Die Sterblichkeit unter den Versicherten verlief für die Gesellschaft günstig. Von der Jahreseinnahme wurden verausgabt, 31,5 pCt. mit 5,533,803 x für durch Tod und bei Lebzeiten der Versicherten fällig gewordene Kapitalien und Renten, 3 pCt. für Prämienrückgewähr und Abgangsentschädigung an auSgeschiedene Versicherte. Dem Prämien-Reservefonds wurden 41 pCt. der Jahreseinnahme mit 7,192,065 X über­wiesen und dessen Gesammtsumme hierdurch auf 77,708,992 «X, gleich 22 pCt. des ver­sicherten Kapitals, erhöht. Von dem Jahresüberschusse erhalten die mit Gewinnantheil Versicherten im Ganzen 1,822,699 X, und zwar die nach Dividendenplan A und C Versicherten 21 pEt. ihrer 1887 gezahlten Jahresprämie und die noch Dividendenplan B Versicherten 3 pCt. von der Gesammtsumme aller gezahlten Jahresprämien, durch Anrechnung auf die im Jahre 1889 fälligen Prämien. Hiernach beziehen beispielsweise die nach Plan B Versicherten aus 1880 im Jahre 1889: 27pCt. der pro 1887 gezahlten Jahresprämie als Dividende. Im Ganzen wurden den mit Gewinn Antheil Ver­sicherten derGermania" in den seit Einführung der Versicherung mit Dioidenden- Anspruch (1871) verflossenen 17 Jahren 14,320,786 X als Dividende überwiesen, wo­von Zweidrittheile diesen Versicherten bereits zugeflossen sind, während 4,7? 7,742 «X als Dividendenfonds für diese Versicherten Ende 1887 reservirt blieben. Die Gew ähr- leiftungsfonds derGermania" stiegen im Jahre 1887 um 8,097,048 X auf 93,079,834 X und das Gesarnmt-Vermögen der Gesellschaft erreichte die Höhe von 96 622,840 X gegen 86,397,535 X Ende 1886.

Handel und Verkehr.

_ ^Gießen, 31. März Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund ** 0-951 0d, Hühnereier pr. St. 6 2 Stück 11 Enteneier 67 Gänseeier St- 1012 Kaie vr. St. 48 Kasematte per St. 3 Erbsen per Liter 16 X Ansen per Ltter 30 H, Tauben per Paar X 0.80-1.20, Hühner per Stück X 0.90 bls 1.40, Hahnen per Stück X 1.502.00, Enten per Stück X 2.202.50, Ochsen- Aisch per Pfund 58-60 H, Kuh- und Rindfleisch 45-50 Schweinefleisch 5460 A, Hammelfleisch 54-64 H, Kalbfleisch 4046 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.005.50 Hwtebeln per Gentner X 13.00-14.00, Milch per Liter 1218 Weißkraut Stück 000 H.

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Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgase-.

März 1888: 19 vorschriftsmäßige Kerzen.

(gez.) Buchner.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen,

«afgebote.

Marz: 24. Ludwig Amon, Schuhmacher zu Pirmasens, mit Wilhelmine Luisa Johannette Lisette Herdt zu Gießen. 26. Friedrich Wilhelm Sickert, Glaser zu Gießen Georgine Balser von hier 27. Heinrich August Earl Ludwig Valentin -??^/ner zu Gießen, mt Katharine Philippine Schomber von Kesselbach, wohnhaft Dahier. 27. Johannes Ziegler, Bergwerksarbeiter zu Vtllingen, mit Elisabelhe

24.

25.

cnxrx 2^ März. Ludwig Bischoff, lediger Sohn des Straßenmeisters Christoph. Brschoff, alt 16 Jahre, gestorben den 26. März. v 1

. 30- Georg Daniel Weißmüller, Schriftsetzer, alt 67 Jahre, gestorben,

den 28. Marz.

Beerdigte.

Den 2d. Marz. Susanne Atzelhöfer. geb. Senßfelder, Wittwe des Schreiners Johann Georg Atzelhöfer in Gladenbach, alt 65 Jahre, gestorben den 23. März

Denselben. Christian Zinßer, Möbeltransportcur, alt 67 Jahre, gestorben den

t , «heschlieHnnaen.

_irr Marz: 28. Ludwig Georg Wilhelm Earl Appel, Schuhmacher von hier, mt Wilhelmme Bruchhauser von Aumenau, wohnhaft dahier. 28. Konrad Steinbach von Burgsolms, Maurer dahier, mit Marie Katharine Hagner von Oberbiel. 28 Peter Hofmann, Erster Diener der Großh. Landesunioersität dahier, mit Elisabeth Graf aus. Darmstadt. 28. Georg Heller, Schlosser an der Main-Weser-Bahn dahier, mit Katharine Josepha Markart von Offenbach a. M.

Geborene.

Marz: 19. Dem'Heizer an der Main-Weser-Bahn Ferdinand Schul Zwillinge ^"^ochter, Luise und Lina. 20. Dem Rechtsanwalt August Metz eine Tochter' 22. Dem He»zer Philipp Wißner eine Tochter, Marie Philippine. 22. Dem Kaufmann Conrad Joseph Keller cm Sohn, Wilhelm Hans. 27. Dem Bahnarbeiter Friedrich. Dopfer em Sohn. u

Gestorbene.

^Marz: 23^ Susanne Atzelhöfer, geb. Sensfelder, 65 Jahre alt, dahier, Wittwe von Schreiner Jobann Atzelhöfer. 24. Christian Zinßer, 67 Jahre alt, Rentner dahier. 25. Anna Maria Curschmann, geb. Willhelm, 66 Jahr-alt, Ehefrau von Lehrer Heinrich Curfchmann dahier. 26. Ludwig Bifchoff, 16 Jahre alt, Realgymnastast, Sohn von Straßenmeister Christoph Bifchoff dahier. 26. Wilhelm HSufer, 3 Jahre alt, Sohn »on Schmied Friedrich Häuser dahier. 26. Joseph Bleicher, 22 Jahre alt, Buchbinder zu Offenbach a. M. 28 DanA Weißmüller, 66 Jahre alt, Schristsctzer dahier. 28- Luise Lina Emma Marte Battenberg, 1 Jahr alt, Tochter von Handelsmann Eduard Battenberg dabier. 29. Heinrich Hartmann, 4 Jahre alt, Sohn von Taglöhner Jacob Hartmann dahier.

Auszug aus deu Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

W Starrste.

. D-n 25. März. Dem Hauptkasse-Buchhalter Julius Schäfer -ine Tochter, Elisabeth Luise Karoline, geboren den 6. November 1887.

_rl. L Denselben. Dem Schlosser Karl Gebauer erne Tochter, Auguste Wilhelmine Elisabeth, geboren den 13. Februar.

Den 27. März. Anna Marie Curschmann, geb. Willhelm, Ehefrau des Lehrers Oberen Mädchenschule Heinrich Curschmann, alt 66 Jahre, gestorben den 2d. jJiärj.

MrchAche Anzeigen der Gtadt Giesten. Svangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

1. Osterfeiertag, 1. April:

Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer vr. Naumann-

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen der Gemeinde. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

2. Osterfeiertag, 2. April:

m nvormittags 9</r Uhr: Professor vr. Gottschick.

Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der zu confirmirenben Gymnasiasten und Stadtschüler, Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die hiesige Kirchenkasse zur Ver­mehrung des Kapitalvermögens der Gemeinde.

, ®°fnnta9 Quasimodogeniti, den 8. April: Confirmation der GHmnasiasten mtd Stadtschüler, in Verbrndung mit derselben Feier des heiligen Abendmahls. Die Beichte findet am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr, statt-

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1- bis 7- April besorgt Pfarrer. Dingeldey.

Gottesdienst der israelitischen Rcligionsgesellschafl.

Ostern.

Sonntag Abend 615 Uhr, Montag Vormittag 800 330 Uhr, Montag Abend 7°° Uhr, Dienstag Vormittag 3ao Uhr, Dienstag Abend 710 Uhr.

Uhr, Uhr, Montag Nachmittag: 8 Uhr, Dienstag Nachmittag

Brodpreise

vom 1. bis 14. April 1888.

der Bäcker H

2 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 25

1 , (4 Pfd.) Weißbrod .... 50

2 (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 22

1 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 44

2 w (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 19

3 w (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 38

1 w (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei L. Keil und K. Haas.....57

der Brodverkäuser H

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 25

2 (4 ) .....50

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 22

2 r (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 44

3 n (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte -

4 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 19

2 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte ?8

3 » (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte 57

Gießen, den 31. März 1888.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Nothruf für die Ueberschwernmten!

Mit Bezugnahme auf die Berichte, welche wir über di« verheerenden Ueberfchwemmungen der Elbe, der Weichsel und der Nogat sowie über die wahrhaft trostlose Lage der Bewohner der inundirten Gegenden brachten, glaubten wir Ang.ficht« dteser Lage keine Fehlbitte zu thun, wenn wir für die Rothleidenden an die so oft und alänrend be« Währt« Mildthätigk«it d«r Bewohn«« Gi«ßen» und Umg«g«nd appelliren und fle ersuchen, an deu heyren Festtagen, welche wir feiern, auch der Armen und Darbenden z« gedenken, welchen da» Wasser Hab und Gut geraubt hat. Jede Gab«, auch die kleinste ist will-

-3n b*r ssch«ren Erwartung, daß wir un» in dem WohlthätigkeitSfinn unser» Gießen nicht täuschen, find wir zur Annahme und Vermittelung von Gaben gerne bereit- Die Rrdaktion und Expedition des Gießener Anzeigers,