Ausgabe 
31.12.1887
 
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Crefeld, 29. December. Das Rheintrajekt Griethausen-Welle der Strecke Cleve- Zevenaar iit wegen Eisganges auf unbestimmte Zeit tür den Verkehr gesperrt. Die Rettend n nach und von Holland rnüsten die rechtsrheinische Bahnstrecke Köln-Ober- hausen-Zevenaar oder die Strecke über Nymwegen benutzen.

Hirschberg i. Schl., 29. December. Seit gestern Abend herrschen hier heftige Schncestüruie mit bedeutendem Schneefall. Die Eommunikatton in der Stadl und mit der Umgegend ist wegen meterhohen Swnees sehr erschwert. Der Bahnverkeür auf der Strecke nach Breslau stockt. Der Frühzug von hier sitzt in Jaunowitz fest, der Zug von Breslau, welcher um 9 Uhr 48 Minuten früh hier eintreffen sollte, befindet sich noch in Merzdorf. Die Richtung nach Görlitz ist vorläufig mit großen Verspätungen noch frei.

Würzburg, 29. December. Landtagswahl für Würzburg Stadt. Zu dem heute anberaumten 11. Wahlgange erschienen die liberalen Wahlmänner nicht und es kam daher Mangels Anwesenheit von zwei Ditttheilen der vorhandenen 90 Wahl­männer eine Wahl nicht zu Stande. Die Wahl ist nunmehr auf unbestimmte Zeit vertagt.

Paris, 29. December. Der neue englische Botschafter Lord Lytton überreichte dem Präiloenlen Carnot heule sein Beglaubiguligsschreiben.

Aus dem Südosten Frankreichs wird große Kalte gemeldet; in Bar- celonette (Departement Basses Alpes) fiel der Thermometer 25 Grad, in Nizza hat es geschneit.

Belgrad 29. December. Ta die Radikalen auf die Demission des Ministers des Innern, Milojkovtc, drängten, das Cabinet aus Solidaritätsrücksichten diese Forderung entschieden zurückwtes'und in Folge dessen das liberal-radikale Bündniß unter Umständen gelöst wurde, welche jede Annäherung dieser beiden Parteien unmög­lich gemacht, überreichte Ristic die Demission des Cabtnets. Der König nahm dieselbe an und beauftragte das bisherige Ministerium mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Bildung des neuen Cabtnets.

Lokales.

Gießen, 31. December. [Theater.] Unsere Lustspiclfreunde werden die neueste Erscheinung des Herrn Franz von Schönt Han, das ganz allerliebste Stück Goldfische", welches am zweiten Neujahrstag über unsere wellbedeutenden Bretter gehl, mit wahrem Vergnügen begrüßen. Der gefeierte Dichter, welcher bereits in seinem berühmtenKrieg im Frieden" das flotte Offiziersleben auf die Bühne brachte, hat in seinem neuesten WerkeGoldfische" wiederum einen der liebenswürdigsten Offiziere der deutschen Armee gezeichnet. Und um diesen schneidigen Lieutenant gruppiren sich eine Schaar der reizendsten Mädchen, welche in allerhand drollige ©eenen verwickelt, dem Stücke den Charakter eines wirklich seinen Lustspiels verleihen. Da unserem Publikum Der Stabstrompeter" so außerordentlich gefallen hat, so wird die Theaterdirection am ersten Neujahrstage ein Schwesterstück dieser lustigen Posse zur Aufführung bringen, nämlich den Nachfolger desStabstrompeter", genanntDer Waldteufel", welcher in Berlin Hunderte von Malen mit sensationellem Erfolge gegeben wurde. Da viele Abonnenten ihre Btllets bereits verbraucht haben, so wollen wir darauf aufmerksam machen, daß für den Rest der diesjährigen Tbeatersaison noch ganze und halbe Abonnements in der W. Ferber'schen Buchhandlung ausgegeben werden. Gegen Ende Januar wird uns die Rudolph'sche Gesellschaft bestimmt verlassen, da dieselbe contractlich verpflichtet ist, um diese Zeit die Vorstellungen im neuen Unions-Theater in Göttingen zu beginnen.

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A Mainz, 28. December. Aus der ganzen Umgegend laufen Meldungen über durch den Schneefall verursachte Verkehrsstörungen ein. Die Züge der Rheinischen Bahnen, der Nahebahn und der Riedbahn treffen alle nur mit sehr großen Ver­spätungen ein. x Die Verwaltung der Ludwigsbahn mußte heute Morgen auf ver­schiedene Strecken Reservemaschinen senden, um die eingeschneiten Züge flott zu machen.

Den verurtheilten Mainzer Socialisten ist heute die ablehnende Entscheidung des Reichsgerichts über ihr Revtsionsgesuch zugestellt worden.

Die hiesige Strafkammer oerurtheilte heute einen Ackersmann, Jakob Blaß von Gau-Wembeim, wegen fortgesetzter körperlicher Mißhandlung seines 81jährigen Schwiegervaters zu 3*/s Monat Gefängniß. Der nette Schwiegersohn hat den alten Mann, der seine ganze Habe dem Unhold schon abgetreten, fast tagtäglich mit Peitsche und Mistgabel traettrt.

Der im vorigen Jahre gegründete Erziehungsverein für Hessen hielt heute hier seine erste Generalversammlung ab, welcher als Ehrenmitglied auch Bischof Dr. Haffner anwohnte. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß der Verein 356 Mitglieder zählt. Als Redner traten Lehrer Schorn und Dr. Selbst auf. Der Erstere schilderte die Pflichten der Eltern, Schule und Kirche in der Erziehung der Jugend und erging sich des Längeren über das Verhällniß der genannten Factoren bei der Jugenderziehung, der Letztere entwarf eine Biographie von dem Leben und dem Cbarakter des Pädagogen Carberg. Den Schluß der Versammlung bildet die Aus- loosung der Vorstandsmitglieder.

Laut Mittheilung desM. I." sind dermalen in Hessen noch 16 katholische Pfarreien zu besetzen, welche eben durch Pfarrverwalter paftorirt werden. In Rhein­hessen 5, in Starkenburg 9 und in Oberhessen 2. Wie das genannte Blatt mittheilt, herrsche noch eine große Priesternoth und fehlten in der Diöcese noch 36 Priester.

A Mainz, 29. December. Der Rhein geht feit heute Morgen mit starkem Treibeis. An den flachen Ufern unterhalb der Stadt und auf der Jenseits haben sich bereits große Eisflächen gebildet und ist es für die Trajcctboote schon mühsam, sich durch das Eis zu schaffen. Die größte Kälte in verflossener Nacht herrschte gegen Uhr, um welche Zeit man im Freien 16 Grad Reaumur beobachtete.

A Mainz, 29. December. Bei der bevorstehenden Feststellung des städtischen udgets wird von der Bürgermeisterei beantragt werden, für die Folge den 3 Bei­ordneten eine jährliche Nepräsentationsgebühr von je 1200 JL auszuwerfen. Seither 00 nur der Oberbürgermeister eine solche Gebühr im Betrage von 3000 Mit .cksicht auf die ständige Heranziehung der Beigeordneten zu allen möglichen Ver­anstaltungen, die nennenswerthe Ausgaben verursachen, glaubt die Bürgermeisterei obigen Antrag vor den Stadtverordneten rechtfertigen zu können.

Alle anderen Fragen, welche je nach der treibenden Kraft eine mehr oder minder lebhafte Bewegung in den Versammlungen und Gemüthern der Jünger Mercurs während der letzten Jahre hervorgerufen haben und welche in der Fachpresse eifrig

«hu ,ro,orbcil s^, wie Arbeitsbauer, Sonntagsfeier, KündigungsverhäUniß. Rechts- ,chuy, Lehil ngsfrage, ^ortbildungswesem kranken-, Sterbe-, UnfaUfaffen, Versicherung Ä*ßen SnimliMtat und Stellenlosigkeit, Wittwen- und Waisenversorgung, so zeitgemäß ihre Erörterung und so wunschenswerth auch ihre Verwirklichung größtentheilS erscheinen mag, stehen an Bedeutung weit hinter der der Stellenvermittelung zurück, weil auf ihr w erster Linie bte Existenz beruht. Von einer den Ansprüchen der Jetztzeit angepatzten Vermittelung für den stellefuchenden Kaufmann muß gefordert werden, daß sic auf die vrelfach herrschende Rothlage bei Normirung des Einschreibgeldes Rücksicht nimmt und daß dieses nur für eine Dauer gefordert wird, rnnerhalb deren sich der Stellenwechsel in der Regel vollzieht, daß sie dem Engagcmenlsuckendcn durch zahl- reiche Vacanzen jeher Art Aussicht für baldiges Unterkommen bietet und daß die Gebühr für Besorgung einer Stelle dem Placirten keine drückenden Opfer auferleat. Jrur bann kann allmalrg der Freibeuterei der unreellen Vermittelungsagenten über bereu unqualiftärbareS Treiben vielfach bie Tagespressc berichtet, ein Riegel vor- gefchoben werden. Es will uns fchcinen, als wenn der Kaufmännische Verein in Frankfurt a. M., dessen erfolgreiche Thätigkeit in Bezug auf Stellenvermittelung hlnretchend bekannt ist, durch fein kürzlich revidirtes Statut dem gekennzeichneten Beburfmß in weitestem Umsange Rechnung getragen hätte, wenn er von dem Bewerber um eine Stelle für drei Monate nur das bescheidene Honorar von 2 50 4 fordert

und erst nach Vermittelung eines Engagements den Beitritt zum Verein auf die Dauer von 2 Jahren bedingt.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

sDer Beginn der Gemüsetreiberei.j Jetzt, Ende December, ist der Zeitpunkt gekommen, mit der Treiberei verschiedener Gemüse zu beginnen. Als solche nennen mir in erster Linie Carotten. ES ist ein Vorurtheil, zu glauben, daß die im Mistbeete getriebenen frühen Carotten nicht denen im freien Lande gezogenen gleich kämen sie übertreffen, wenn zur Treiberei geeignete Sorten gewählt wurden und sonst richtig versahren wurde, an Zartheit und Feinheit des Geschmacks die im freien Lande ge­zogenen. Hierzu kommt noch, daß die getriebenen Carotten naturgemäß einen wett höheren Marktwerth haben und schon aus dem Grunde die Treiberei der Carotten da ein lohnendes Geschäft ist, wo auf leichten Absatz zu rechnen ist, also immer in der Nähe der Städte. Zur Treiberei geeignete Carolten sind die Carentan- und die Douwicker Carotte, deren Samen in jeder größeren Handlung zu haben sind Rur Treiberei benutzt man ein frisch eingerichtetes Mistbeet, dessen Mist nach dem Abdampfen gut festgestampfl ist. Erde giebt man etwa 10 Zentimeter hoch auf de» Mist, säet dann, nachdem die Erde ein wenig festgedrückt ist, die Carotten aus und bedeckt die Samen leicht mit Erde. Der Mistbeetkasten ist dann wie gewöhnlich zu behandeln bei zu erwartendem Frost sind die Fenster 'Nachts zu bedecken, namentlich aber ist öfter zu lüften, damit der Dunst entweichen kann, versäumt man dies, so wird man mehr Kraut als Carotten ernten. Bei mildem Wetter kann man sogar Nachts etwas Luft in den Kasten lassen. Auch ist immer für eine gleichmäßige Feuchtigkeit, am besten durch Gießen mit erwärmten Wasser, zu sorgen. Da die Carotten nur langsam wachsen, so empfiehlt es sich, zur besseren Ausnutzung des Mistbeetes eine Zwischen­frucht zu säen. Dazu eignen sich Radieschen und Salat. Beide sind später natürlich in einen anderen Kasten zu piquiren, wenn sie die ersten Triebe zeigen. Die Kästen, in die sie ausgepflanzt werden, brauchen indeß nicht frisch angelegte, warme Kästen zu sein. Sonst ist die Behandlung der Radieschen und des Salats nach dem Auspflanzen dieselbe. Sie müssen auch mit lauwarmem Wasser gegossen werden. Nach der Heraus­nahme der Zwischenfrucht, deren Anbau sehr zu empfehlen ist, entwickeln sich bann bte Carotten bei sorgsamer Pflege, wozu, wir betonen es nochmals, oftmaliges Lüften gehört, allmälig; ein im December angelegtes Beet liefert gewöhnlich Enbe März, Anfang April brauchbare Carotten.

Kirchliche AuzeiHe« der «ieOeu.

Evangelische Gemeinde.

_ Gottesbien st.

Samstag, ben 31. December:

Abenbs 6 Uhr: Sylvestergottesbien st, Pfarrer Dingeldey.

Sonntag, ben 1. Januar 1888:

Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nach beiben Gottesbiensten Kollekte für bie Armen ber Gemeinbe.

Am Donnerstag, den 5. Januar, Abenbs 8 Uhr: Missionsstunbe in der Kirche, Pfarrer Schlosser.

Am Sonntag, den 8. Januar, wird das Landes-Missions fest gefeiert und dabei eine Kollekte für bie äußere Mission erhoben werden. An demselben Sonntag findet Beichte und heil. Abendmahl im Abendgottesdienst statt.

Die Pfarrgeschäfte in ber Woche vom 1. bis 7. Januar besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemerrrde.

Am Sylvester-Abenb um '/,6 Uhr: Anbacht und Predigt. Neujahrstag.

Von 7 Uhr an Beichte.

Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Kommunion.

VilO Uhr: Hochamt und Predigt.

2 Uhr: Andacht.

Nach dem Gottesdienste ift^eine Kollekte zur Aufbesserung des Armenfonds.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 4W Uhr, Samstag Morgen S3* Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 511 Uhr.

Allkstholischer Gottesdienst.

Durch plötzliche Verhinderung des Geistlichen kann ber am 1. unb am 2. Januar angefünbigte altkatholische Gottesbienst nicht ftattfinben unb muß auf einen späteren Sonntag und Montag aufgeschoben werben.

Allgemeiner Anzeiger.

Alice-Schirle

für Frauenbildrmg und Erwerb

eröffnet am 9. Januar 1888 den im Herbste bereits annoncirten

Bügelkursus.

Auskunft ertheilt und Anmeldungen nimmt entgegen

Gießen, im December 1887. 9564

Der Vorstand.

9566[ Suche Logis nebst Lager oder Kellerräume. Bevorzugt wird etwab, waS später käuflich über­nommen werden kann. Off. sub X. an die Exped. d. Bl.

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