A Mainz, 29. Juli. Königin Isabella von Spanien ist gestern Abend mit dem Salonboot „Kaiser Wilhelm" von Köln hier angekommen und hat im Gasthaus zum „Rheinischen Hof" Wohnung genommen. Die hohe Dame bleibt einige Tage hier und begibt sich alsdann zum Kurgebrauch nach Schwalbach.
Mainz, 28. Juli. fFischnahrung für Soldaten.) Bei den Mannschaften des L Nass. Jnf.-Reg. Nr. 88 wird demnächst, ähnlich wie dies bei Truppentheilen anderer deutscher Garnisonen bereits der Fall ist, die Verabreichung von Fischnahrung eingeführt werden. Mit einer Hamburger Fischhandlung werden Unterhandlungen gepflogen wegen wöchentlicher Lieferung von Seefischen und wird sich das halbe Kilo Seefische incl. Verpackung und Fracht von Hamburg nach Mainz auf etwa 13 bis 14 4 stellen. Sollte sich der Versuch bewähren, dann wird bei sämmtlichen Truppentheilen die Verabreichung von Fischnahrung eingeführt werden. Wöchentlich einmal würde jeder Soldat zum Mittagstisch ein Pfund Fisch erhalten. Bei dieser Neuerung hat man nicht nur eine bessere und abwechselndere Verpflegung der Soldaten im Auge, sondern es wird damit auch eine Hebung der deutschen Seefischerei bezweckt.
0. K. Frankfurt a. M., 29. Juli. Ein sonderbarer Heiliger war es für- wahr, der sich heute vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten hatte und an seinem Delict wird Rabbi Ben Akiba's bekanntes „Alles schon dagewesen", schmählich zu Schaden. In kleidsamem Gefängnißhabit, ein freundliches, man möchte sagen ergebenes Lächeln auf den Zügen, tritt der Angeklagte I. Markus, sächsischer Unterthan, vor die Schranken. Das kleine vertrocknete Männchen machte einen tiefen Bückling und bemühte sich dann, seinem hageren Körper eine möglichst militärische Strammheit zu imputiren. Die Anklage lautet auf groben Unfug, der der Anklage zu Grunde liegende urkomische Sachverhalt ist in großen Zügen folgender: Wandelt da am Morgen des 25. Juli ein Schutzmann langsamen Schrittes durch die Gänge der Markthalle, als sich plötzlich ein kleines Männchen — eben der Angeklagte — katzbuckelnd an ihn herandrängt: „Sie, Herr Polizei! Sehen Sie dort den Korb mit den schönen
— „Jawohl, was ist damit?" — „Von diesen Gorken werde ich zwei jetzt stehlen" — und bevor sich noch der Jünger der heiligen Hermandat aus seinem Erstaunen über diese maßlose Offenheit eines Diebes erholt, hat sich schon dieses Männchen an den Korb herangeschlichen und, ohne daß die anderwärts beschäftigte Höckerin das Geringste merkt, escamotirt unser Sachse zwei hoffnungsvolle Gurkenjünglinge hinweg und dieselben — wie das Nürnberger Brunnenmännlein seine Gänse — gravitätisch unter den Armen tragend — näherte sich wieder dem Schutzmanne, der ihn sofort in Beschlag nimmt und ihn in's Gefängniß befördert. Das Gurkenmännlein hat sich also heute wegen „groben Unfugs" zu verantworten. Nachdem der freundliche Vorsitzende des Kapitaloerbrechers Personalien bombenfestgestellt, beginnt das Verhör, eines der ergötzlichsten Verhöre, die Ihr Berichterstatter jemals vernommen. — „Sie wollten gewiß eingesteckt sein?" — „Gewiß, Herr Rath." — „Hatten Sie Hunger und war es Ihnen daber um ein Essen zu thun?" — „Gewiß nicht." — „Oder waren Sie um ein Obdach in Verlegenheit?" — „Auch das nicht, Herr Präsident, ich wollte nur gereinigt fein." (Gelächter im Auditorium, auch um die Mundwinkel des Präsidenten macht sich ein verräterisches Zucken bemerklich.) Und nun erzählt das Männlein, wie es die Kreuz und Quer herumgewandert in deutschen Landen, bald in schlechten Herbergen, bald bei „Mutter Grün" logirend. So sei es denn gekommen, daß sich die Parasiten groß an Zahl bei ihm eingenistet. Er sei machtlos gewesen gegen seine Bedränger — da habe er kein anderes Mittel gewußt, als die Reinigung im polizeilichen Gewahrsam, und er sei froh, daß seine Eombinatton sich so genau realisirt habe. Der Gerichtshof kalkulirt: Die Hinwegnahme der beiden hoffnungsvollen Gurkenjünglinge geschah in aller Stille. Damit wird der Begriff des groben Unfugs hinfällig. Eine falsche Vorspiegelung liegt auch nicht vor und somit muß auf kostenlose Freisprechung erkannt werden. In dem bekannten Bewußtsein seiner „Helligkeit" verläßt unser doppelt gereinigter Sachse den Saal, erhobenen Hauptes und froh, seiner Parasiten entledigt und ein freier Mann zu sein.
Kaiserslautern, 26. Juli. Ein gestern Abend hier in der Nähe verübter Mord erregte noch in später Stunde große Aufregung. Der 23 Jahre alte Fabrikarbeiter Benedikt Hager, welcher schon längere Zeit ein Liebesverhältniß mit der aus der Kammgarnspinnerei beschäftigten Arbeiterin Lina Benra hatte, machte mit dieser gestern Nachmittag einen Besuch bei Verwandten in Erlenbach. Gegen halb 7 Uhr Abends verließen sie den Ort und gingen auf der Landstraße anscheinend ruhig zusammen in der Richtung nach Moorlautern zu. Etwa 7 Minuten diesseits Erlenbach bemerkten andere Passanten, daß die Beiden, wie es schien, in Streit gerieten, Hager ein Messer ergriff und es seiner Geliebten in die linke Brust stieß, worauf die Verletzte mit einem leichten Aufschrei zusammenstürzte. Die rasch hinzueilenden Männer hoben die zu Tode Getroffene auf, während der Mörder in der Richtung nach Kaiserslautern entfloh. Schon nach wenigen Minuten gab das 22jährige Mädchen seinen Geist auf. Hager ist noch gesteen Abend hier verhaftet worden.
— Aus dem neuen Margarinbuttergesetz geben wir hier die den Verkauf betreffenden Bestimmungen wieder: Die Geschäftsräume und sonstigen Verkaufsstellen, einschließlich der Marktstände, in welchen Margarine gewerbsmäßig verkauft oder feil- gehalten wird, müssen an in die Augen fallender Stelle die deutliche, nicht verwischbare Inschrift: „Verkauf von Margarine" tragen. Margarine im Sinne dieses Gesetzes sind btejenigen, der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt. Die Gefäße und äußeren Umhüllungen, in welchen Margarine gewerbsmäßig verkauft ober feilgeboten wirb, muffen an in bie Augen fallenben Stellen eine deutliche nicht verwischbare Inschrift tragen, welche bie Bezeichnung „Margarine" enthält. Wird Margarine in ganzen Gebinden ober Kisten gewerbsmäßig verkauft ober feilgehalten, so hat bie Inschrift außerbem ben Namen ober die Firma des Fabrikanten zu enthalten. Im gewerbsmäßigen Einzelverkauf muß Margarine an den Käufer in einer Umhüllung abgegeben werden, welche eine die Bezeichnung „Margarine" und den Namen oder die Firma des Verkäufers enthaltende Inschrift trägt. Wird Margarine in regelmäßig geformten Stücken gewerbsmäßig verkauft ober feil- gehalten, so müssen dieselben von Würfelform sein, auch muß denselben die vorbezeichnete Inschrift eingedrückt sein, sofern sie nicht mit einer diese Inschrift tragenden Umhüllung versehen sind. Der Bundesrath ist ermächtigt, zur Ausführung der Vorschriften nähere, int Reichs-Gesetzblatt zu veröffentlichende Bestimmungen zu erlassen. Das Gesetz tritt am 1. October 1887 in Kraft.
Telegraphischer Schiffsbericht
der „Red Star Line" Antwerpen.
Philadelphia, 28. Juli. Der Postdampfer „Waesland" der „Red-Star- Line", welcher am 16. Juli von Antwerpen abging, ist heute wohlbehalten hier angekommen.
Handel nnd Berkehr
aqa^Vaa^J*0, Juli. Aus dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund Hühnereier per St. 5-6^, Enteneier St. 0—0 H, Kale vr. St. 5-7
™ 0 Absen pr. Liter 20 H, Linsen 32 H, Tauben per Paar 50 bis
70 Hübner per Stück 0.85—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.50—U.8O, Enten
Ef Stück 1'20-1.70, Ganse per Pfund 00-00 Ochsenfleisch per Pfund 62 bis «o firbrVtA Maisch 54-56^, Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 50 bis §2 ^ Kalbfleisch 40—46 X Kartoffeln per 100 Kilo JL 9.00—12.00, Milch per Liter 12-18 H, Zwiebeln per Gentner JL 8.00-9.50, Kirschen per Pfund 15-20 X
Literarische-.
- Unter dem Titel »Ehrenschuld nationaler Dankbarkeit" ist im Verlage der Königl. Hosbuchdructerei von Earl Liebich in Stuttgart ein präcktia aus- gestattetes Gedenkdlatt zu Ehren des Dichters der „Wacht am Rhein" Nlar Schneckenburger, erschienen, dessen Reinertrag dem Denkmalfond für diesen würdigen Sohn Deutschlands zufließen soll. Der Preis für das Blatt mit seinem reichen Inhalt beträgt nur 20 Pfg., welcher sich bei größeren Bezügen sogar noch ermäßigt- der Inhalt besteht aus einer kurzen, aber trefflich geschriebenen biographischen Skizze unseres Freiheitssängers, dem Text der „Wacht am Rhein" mit der Musik von Carl Wilhelm, einem gemüthvollen Gedicht von Diakonus Gotthold Knapp und einer Mittheilung über die bisherigen Erfolge des Denkmalcomitäs; außerdem ist das Gedenkblatt mit 2 Illustrationen, der Germania aus der Wacht am Rhein und dem
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießm.
(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) u «usgevote.
Juli: 23. Johann Heinrich Dern, Zahlmeister zu Gießen, mit Emma Sovk>i. Elise Schreiber zu Cassel. 23. Wilhelm Arnold, Fabrikarbeiter zu Gießen, mit Elifabeiba Jung von Allendors an der Lahn. 27. Paul Richard Günther, Kaufmann zu Schönebeck an der Elbe, mit Dorothee Auguste Clara Günther zu Breitenstein. 27. Johannen Karl Schmehl von Schönbach, ein Wittwer, Taglöhner dahier, mit Katharine Grumbach ledig, von Dutenhofen, wohnhaft dahier. 28. Immanuel Strauß von Frücht, Kaufmann zu Aachen, mit Henriette Lorsch von Angenrod, wohnhaft dahier.
Eheschließungen.
Juli: 27. Peter Rosenbecker von Steinfurth, Kreis Friedberg, Taglohnerbahier mit Barbara Maria Schmidt von Schweinsberg, wohnhaft dahier. 27. Engelbert Kaiser von Seligenstadt, Hülfsführer bei der Main-Weser-Bahn dahier, mit Hedwig L-ophie Karoltne Basiert, gebürtig von Lauterbach; wohnhaft zu Höchst am Mjn 29. Eduard Julius Paul Genau von ÜJterfeburg, Sergeant dahier, mit Bobine Caroline Luise Hudeler dahier.
Geborene.
Juli: 19. Dem Schreiner Ludwig Klenk ein Sohn. 21. Dem Kaufmann Max Stahlberg ein Sohn, Manfred. 22. Dem Möbelhändler Ernst Lotz eine Tochter. 22. Dem Realgymnasiallehrer Heinrich Müller eine Tochter. 22. Dem Kaufmann Salomon Joseph eine Tochter, Jenni. 22. Dem Hülfsweichensteller bei der Main- Weser-Bahn Friedrich Kauntz eine Tochter. 22. Dem Taglöhner Johann Karl Wagner ein Sohn. 23. Dem Dachdecker Emil Martin Noll eine Tochter, Johanna Henriette. 24. Dem Bäcker Jakob Klingelhöffer eine Tochter, Luise Marie Mathilde. 24. Dem Hülfsbremser bei der Main-Weser-Bahn Johannes George ein Sohn. 26. Dem Schmied Ernst Döll ein Sohn. 29. Dem Hülfsarbeiter bei der Oberhessischen Eisenbahn Adam Heppert eine Tochter, Clara Martha.
Gestorbene.
Juli: 22. Elisabethe Roth, 21 Jahre alt, ledig, von Niederweidbach, Krck Biedenkopf. 23. Minna Hansult, 4 Monate alt, Tochter von Kaufmann Wilhelm Hansult dahier. 25. Alfred William George, 16 Jahre alt, Realschüler dahier, Sohu von Jams George Wtttwe dahier. 25. Heinrich Zinn, 20 Tage alt, Sohn von Hüttenarbeiter Johann Georg Zinn dahier. 27. Helene Schulte, 18 Jahre alt, Dienstmädchen von Langensalza.
Portratt von Schneckenburger geschmückt. Wer sich die großen Erfolge vergeaenm^«^ zu welchen das Lied „Die Wacht am Rhein" in den großen 70er Jahren audJh8' ©einige beigetragen hat, wer das stolze Gefühl, welches uns Alle noch beut? h?-05 Anhören der erhebenden Worte in der volksthümlichen Wllhelm'schen Musik erS richtig zu schätzen weiß, der wird sich über das Schneckenburger-Gedenkblatt mabrS reuen. Dasselbe ist so recht geeignet, in uns immer wieder die Erinnerung anw Großthaten des letzten französischen Kriegs und der dadurch bewirkten glücklichen Um Wandlung unserer deutschen politischen Verhältnisse wach zu rufen. Wir wünschen richtig, daß das vorliegende Gedenkblatt in dem Hause jedes wahren Deutschen ein, Ehrenplatz finden möge; namentlich sollten patriotische Vereine nicht versäumen ft* um die Massenverbreitung desselben verdient zu machen. Sie werden dadurch auf einen Seite dem Comit6 des Schneckenburger-Denkmals ein Scherflein zuführen un! außerdem sich der guten Thal freuen können, bei der Verbreitung dieses national»! Gedenkblattes mitgewirkt zu haben. ■
Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gekraute.
Den 23. Juli. Franz Fischer, Kaufmann zu Kassel, und Wilhelmine Luise Loos, Tochter des Kaufmanns Friedrich Emil Loos zu Gießen.
Den 24. Juli. Konrad Bork, Fuhrmann, ein Wittwer, und Anna Maria Schneidmüller zu Gießen.
Den 27. Juli. Peter Rosenbecker, Taglöhner, und Barbara Maria Schmidt, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Georg Schmidt aus Schweinsberg.
Den 29. Juli. Paul Genau, Sergeant, und Karoline Hudeler, Tochln btt verstorbenen Weichenstellers Karl Hubeier zu Gießen.
Getaufte.
Den 24. Juli. Dem Wirth Heinrich Philipp Zipp ein Sohn, Karl Wilhelm, geboren den 16. Juni.
Denselben. Dem Schuhmacher Christian Hergenröther eine Tochter, Johannette, geboren den 8. Juli.
Denselben. Dem Schreiner Karl Seybicke eine Tochter, Anna Elise Wilhelmine, geboren den 7. Juni.
Denselben. Dem Hilfsbremser Ludwig Schmidt ein Sohn, Heinrich Karl Ludwig, geboren den 27. Mai.
Denselben. Dem Fuhrmann Georg Stühler eine Tochter, Anna Katharine geboren den 12. Juni.
Denselben. Dem Drechsler Heinrich Lang eine Tochter, Anna, geboren bei 18. Mai.
Den 29. Juli. Dem Wirth Heinrich Schieferstein ein Sohn, Wilhelm Heinriö geboren den 6. Juni.
Beerdigte. .
Den 24. Juli. Auguste Schneider, Tochter des Landwirths Georg Hemrü Schneider aus Laubach, alt 20 Jahre, starb den 21. Juli.
Den 29. Juli. Helene Schutte, Dienstmädchen, alt 18 Jahre, starb ds 27. Juli.
Bis Ende 1886:
Prämie.
Ö548
II ff
Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases.
Juli 1887: 18y2 vorschriftsmäßige Kerzen.
Büchner.
Wärmegrade der Lahn und der Luft
nach Reanmur gemessen am 30. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 21 Grad, Lust im Schalten 25 Grad.
L. Cbr. RÜbsamen.
if tf
M tf
Errichtet 1828.
Versichert 39,456 Personen mit 138,737,439®
Vermögen der Gesellschaft „ 34,567,609-^"
Dividenden-Reserve für die
Versicherten....... 778,48h
Rein Gewinne aus dem Jahre 1886 . . . „ 379,701 °
Die steigende Dividende betrug seit 1872 durchschnittlich:
für die erste 4jährige Periode: 18,33 pCt. einer Jah^
„ „ zweite „ „ 41,76 „
ir i, dritte „ „ 56,99 „ „
Bis Ende 1886 ausgezahlt für 16,782 Sterbefälle 49,533,13/ A
Billigere Prämien als andere Gesellschaften, vortheilyaste dingungen, kostenfreie Aufnahme.
Alles Nähere bei dem Haupt-Agenten der Gesellschaft
Julius Löbrrmann
in Gießen, Frankfurter Hof»
Deutsche Lebens-Versicherungs-Gesellschaft in Lübeck.


