Nr. 17»
Erstes Blatt.
Sonntag dm 31. Juli
1387.
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I
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hyeit.
Gefunden: 1 Halstuch, 2 Taschentücher, 1 Arbeitsbeutel, 1 Strumpf, 8 Pfennige, 1 Hundekette, 1 Lüffelchen, 1 Strohhut, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Schuhknöpfer, 1 Peitsche, 1 Kinderschuh, 1 Badehaube, 1 Brille, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.
Gießen, am 30. Juli 1887. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
][ Darmstadt, 29. Juli. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog sind ^ute Früh 6 Uhr 15 Mm. aus England hierher zurückgekehrt und am Bahnte von seinem Sohne, des Erbgroßherzogs Königl. Hoheit, und seinem Bruder, wm Prinzen Heinrich von Hessen, emvsangen und begrüßt worden. In der Begleitung des Großherzogs befand sich auf btt Rückreise nur der General- Slbjutant, Gmeral'Lieutenant Westermeller v. Anthony, nachdem das übrige befolge bereits vor einiger Zeit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig von Battenberg auf der Heimreise hierher das Geleite Weben hatte.
Da im Neuen Palais gegenwärtig wieder bauliche Restaurationen und Reparaturen vorgenommen werden, so fuhr der Großherzog mit dem Erbgroßherzog Mih dem Großh. Schlosse, woselbst die Allerhöchsten Herrschaften zunächst zu rntöiren gedenken, und auf dessen Dache sofort nach der Ankunft die Fahne mit tan Großh. Hau-wappen ausgehtßt wurde. Die Meldungen und Borträge, «He der Grobherzog Mittwochs und Samstags entgegenzunehmen pflegt, wer- btn jür die nächste Zeit ebenfalls im Großh. Schlosse abgehalten.
Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Irene und Alix sind heute noch nH mit aus England zurückgekehrt. Sie werden vielmehr demnächst ihre Groß- lutter, die Königin Victoria, von Osborne auf der Insel Whigt nach Balmoral d Schottland begleiten und an dem letzteren Orte noch eine geraume Zeit rodlen.
Darmstadt, 29. Juli. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 211 ckWt:
1. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen d'ildewigs-Univerfität zu Gießen im Winter-Halbjahre 1887/88 gehalten wer- iwn und am 24. Octoder ihren Anfang nehmen. (Die Immatrikulation beginnt er in 17. Octoder).
2. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Die evang. Pfarrst-lle zu Höchst a. d. N., im Dekanate Mdlngen. Das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Freiherrn ftin von Günderode zu. Die evang. Pfarrstelle zu Beffungen.
England.
London, 29. Juli. Oberhaus. Salisbury erklärt: Der König von UWünien ist unser Freund, über den wir nicht klagen können; Italien ist uns rit langer Zett ununterbrochen befreundet. Wir würden daher mit großem «tarn wahrnehmen, wenn Abyssinien Italien in einen blutigen Krieg ver- vMlle. Wir find bereit, jede legitime Hülfe zu leisten, können aber eine Ver- Eelung nur anbieten, wenn wir der Annahme derselben sicher sind. In diesem Me werden wir ernstlich zu Gunsten des Friedens wirken.
... Unterhaus. Ferguffon erklärt, daß die Regierung keine Bemühungen Slcheut habe, um Frankreich durch freundliche Vorstellungen zur Erfüllung mner formellen Verpflichtungen, die Neu Hebriden betreffend, zu veranlassen, und dauere ^^regellen Zustand, in welchem die Frage noch verbleibt, tief .. 3m eiteren Verlaufe wurde der vierte Artikel der irischen Zwangsbill W in Stimmen angenommen.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz - Bureau.
m 29. Juli. Der Kaiser nahm heute Morgen ein Bad, machte, begleitet
iLTb hnrf?kie un^ ÜDm Grasen Lehndorff, einen Spaziergang auf der Katserpromenade ilr,a bann den Vortrag v. Albedyll's. Gestern Mittag hatte Wtlmowski Vor- inoie (Se„ Diner nahmen Theil Villaume, der Prinz von Thurn und Taxis, ; ^nborff'§nCrQ ö* 5 Zacken. Gestern Abend war der Kaiser zum Thee bet
im Juli- Bei der officiellen Eröffnung des eidgenössischen Schützenfestes
§’.ibinctP Bundespräsident Droz darauf bin, datz Dank der Weisheit der leitenden 1 gesichert sei. Die Völker wollten keinen Krieg, sondern friedliche
Schweiz wolle in dieser Hinsicht vorangehen, sei aber auch ver- / fWtkitö .. kH?'er öu bringen zur Aufrechterhaltung der internationalen Pflichten nbty nur h * m Unabhängigkeit andererseits. Ihre Neutralität werde die Schweiz öbrrw "!^uge, sondern auch durch die eigene Energie zu bewahren suchen.
' ÄNkens.r?-" D?r die Verbesserungen der militärischen Institutionen bei. Die die Jugend in dem freien eidgenössischen Geist.
w 38rinrin t". k- Das „Journal des Debats" meldet, daß die Regierung sich piQtnipn nuaf1 ltc ^deilnahme an der internationalen Konferenz über die Ausfuhr- ^Sieruna Ugland die Initiative ergriffen hätte; nur verlange die
vÄden. Die °er Inferenz zu unterbreitenden Fragen vorher genau festgestellt ' Gelbbn^»? Vernehmen nach wird der Kammer nach ihrem Wiederzusammentritt fcaae, bi? 12 r0a.?r, en' das die diplomatische Correspondenz über die bulgarische , '^chnäbele-Affaire und die egyptische Frage umfassen wird.
Petersburg, 29. Juli. Anläßlich der Zeitungsmeldung von angeblichen Cholerafällkn in Charkow macht das Medictnal - Departement bekannt, daß nach der amtlichen Erhebung daselbst keine Erkrankung an der asiatischen Cholera vorgekommen sei.
~ Der russischen „Petersburger Zeitung" zufolge geht Anfang August eine russische geistliche Mission, bestehend aus einem Archimandriten, drei Priestern und einer entsprechenden Anzahl niederer Kleriker, mit Kirchengeräthen und Büchern nach Abyssinien.
Lokales.
Gießen, 30. Juli. Anläßlich des Stiftungsfestes der hiesigen Burschenschaft Alemannta bewegte sich gestern Abend ein stattlicher Fackelzug, an welchem eine große Anzahl alter Herren dieser Verbindung thetlnahm, durch verschiedene Straßen der Stadt. Die Aufstellung des Zuges erfolgte am Lenz'schen Felsenkeller und gma derselbe durch die Ltebigstraße, den Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Südanlage, Bismarck- und Ludwigsstraße nach dem Stetn- schen Garten, wo unter den Klängen des Liedes „Gandeamns igitur“ auf dem Spielplätze das Verbrennen der Fackeln erfolgte und sodann im Saalbau her Commers begann.
— Unsere Leser dürfte es vielleicht interessiren, Einiges über die Höhe der Lebensmittelpreise in der Stadt Gießen aus früherer Zeit zu erfahren und haben wir deshalb eine Reihe der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände mit Preisangabe nach Jahrgängen auf Grund amtlicher Bekanntmachungen zusammengestellt. Es kostete z. B. im Jahre
1826
1833
1836
1840
1844
1 Pfund
K r e
u
z e r
Ochsenfleisch
9
11
10
10
12
Kuhfletsch
7
8
8
9
10
Rinvfleisch
6
7
7
8
10
Kalbfleisch
5
6
5
5 u. 4
8
Schweinefleisch
7
11
9
10
12
Hammelfleisch
8
8
8
9
10
gemischte Wurst
5
8
8
8
8
bessere Wurst
8
12
12
12
14
Bratwurst
14
16
15
15
16
Schwartemagen
16
17
16
16
18
ger. Schinken
15
16
16
16
20
frische Butter
10
17
15
16 u. 17
17 u. 18
Handkäse
(4 St.) 4 (3 St.)
4 (3 St.)
4
(3 St.) 4 (5 St.) 8
Eier
(6 St.) 4 (3 St.)
4 (5 St.)
4
(6 St.) 4 (5 St.) 4
Roggenbrod kostete im Jahre 1836: 2 Pfd. 26 Loth 6 Kr., 5 Pfd. 20 Loth 12 Kr., im Jahre 1840 dagegen: 2 Pfd. 8 Loth 6 Kr., 4 Pfd. 16 Loth 12 Kr. und im Jahre 1844 zahlte man für:
2 Pfd. Brod, aus Vi Gerste und V2 Korn bestehend, 6 Kr.
4 „ „ desgl. 12 „
6 „ » desgl. 18 „
und für gemischtes Brod, aus Va Weizen und 8/s Korn bestehend, bei gleichem Gewicht 7, 14 und 21 Kr.
1 Maaß Milch kaufte man in dieser Zeit fast stets um 6 Kr.,
1 Maatz ordinäres Bier 4 Kr. 5 Kr. 4 u. 5 Kr. 4—6 Kr.
1 Maatz Doppelbier 6 „ 7 „ 7 „ 7 „
Wenn man mit den vorstehenden Zahlen die heutigen Preise der Lebensmittel vergleicht, so möchte man sich fast nach jenen Zeiten zurücksehnen, in denen man für so weniges Geld noch gut zu leben im Stande war.
Gießen, 30. Juli. Der hiesige Evang. Kirchengesangverein wird morgen Nachmittag in Lich bei einem großen liturgischen Gottesdienste mitwirken und dabei unter anderem eine der wunderbaren Kirchencantaten von Joh. Seb. Bach (Chöre und Soli) zur Aufführung bringen. Dieses Unternehmen des hiesigen Kirchengesangvereins beansprucht in aller seiner Bescheidenheit doch eine gewisse epochemachende Bedeutung, indem es, soviel Schreiber bekannt, seit des alten Meisters Bach Tagen zum ersten Male wieder geschieht, daß eine seiner Cantaten im ordentlichen Gemeindegottesdienst zur Ausführung kommt, — ein Fortschritt in der Zurückeroberung der Dienste der Kunst für unseren evang. Gottesdienst, den man vor 10 Jahren noch nicht ahnte.
Gießen, 30. Juli. In der letzten Zeit war die Schutzmannschaft vielfach ge- nöthigt, Anzeige zu erstatten gegen Diejenigen, welche es nicht über sich gewinnen können. Nachts an den Wasserleitungsbrunnen allerlei Allotria zu treiben. Wir machen darauf aufmerksam, daß derartige Spielereien im Ertappungsfalle als grober Unfug zur Anzeige gebracht wird.
— sPhisosophenwald-Concert.j Vielen Besuchern des Philosophenwaldes wird es gewiß willkommen sein, auch einmal unter den Klängen unserer vorzüglichen Regimentsmusik an ihrem Lieblingsaufenthalte verweilen zu können.
Vermischte-.
△ Mainz. 29. Juli. Laut Mittheilung im Regierungsblatt hat die Hessische Ludwigsbahn die landesherrliche Concession zum Bau und Betrieb einer Zweigbahn von Station Flonheim nach den Steinbrüchen von Flonheim erhallen. Die Bayn hat eine Spurweite von 1,435 Meter zu erhalten, ist als „Eisenbahn untergeordneter Bedeutung^ anzusehen und darf nur zum Transporte der sich aus dem Steinbruchbetrieb ergebenden Materialien verwandt werden.
Mainz, 29. Juli. Von dem Kriegsministerium in Berlin hat im Laufe dieses Frühjahrs die Kölnische Dampsschtfffahrtsgesellschaft die Ermächtigung erhalten, unbeschadet des Servituts des 1. Festungsrayons auf dem Rheinqnai hier ein massives Stationsgebäude zu errichten — eine Ermächtigung, welche von dem Kriegsministerium nur in den allerseltensten Fällen ertheilt wird. Der Ausführung des projectirten Baues stand bis jetzt noch die Erlaubniß der hessischen Regierung entgegen, welche, wie man uns mittheilt, letzter Tage erfolgt ist, so daß die Gesellschaft jetzt nach Belieben mit dem Bau beginnen kann. ,


