Ausgabe 
31.3.1887 Zweites Blatt
 
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Gestatten Sie, zur Jubiläumsfeier

*) $on einem ehemaligen Realschüler verfaßtes Gelegenheitsgedicht und der Redaction dieses Blattes Wir veröffentlichen dasselbe als ein Ertnnerungsblatt an das so schön verlaufene Jubelfest.

£ andren Lehrer säh'n wir gern beim Feste Der schon in jenen Jahren thätig war, Professor Hoffmann ist's, der Bäume, Wurzeln, Aest, UndBlumen", Früchte uns beschrieb so klar, Der Mikroskopes Bilder an die Wand Entwarf mit kunstgeübter sichrer Hand!

Und nun, da zur Botanik wir gefahren, Zur Excursion, da sei mir wohl verzieh'» Die Frage: Wem vor über 30 Jahren Ich mein Botanikheft zur Durchsicht wohl gelieh'n? Ich bitt § zurück, die Flora war von Gießen D'rin abgemalt, mit Enzian von den Wiesen!

Vergessen wir nicht unsrer Schönschreibstunde Und sei des Meisters Köhler drum gedacht, Der nebenbei so manche schöne Kunde Ausalten Klassikern" uns überbracht, Nur ewig schade, daß so viele gute Zeit Dem Schnitt der Gänsekiele damals war geweiht 1 Erinnert sei, daß Zeichenstund' wir hatten Bei Dickors, dem Lehrer kunstgewandt, Der von den Formen und von Licht und Schatten Uns Kenntniß gab in Bildern eigner Hand, Wer kennet doch die Studien nicht mehr: Die Burg, die Kungel und den Ahasver?

Und bei dem Unterricht im Modelliren Erzählt' er uns von großen Künstlern auch, Sodaß beim Gypsanmachen, Lettenschmieren, Umwehet uns der Ruhm des Meisters Rauch, Herr Dicksrä war uns in vielen Dingen Ein Freund, doch auch ein Freund vonSchmetterlingen!

Und noch zum gutem Ende sei erklungen - Ein Liedervers dem Lehrer des Gesangs, Wie aus dem Abela wir einst gesungen, Ein Lied, aus jungen Kehlen laut erklangs, Das schöne Lied:Ich bin ein deutscher Knabe": Erinnert sei damit an Kantor Schwabe!

Wenn heute unsrer treuen Lehrer zu gedenken, Die meistens schon zur ew'gen Ruhe hin Wir in die Jugendzeit zurück die Blicke lenken, Zu rufen können wir nicht dann umhin- Der wärmste Dank, er sei für alle Zeit Der Schule sammt der Lehrerschaft geweiht!" Wenn manchmal auch im sturmbewegten Leben Der eine so, der andere anders meint, 'ne größere Einheit wird es selten geben Als in dem Lob der Schule, das vereint Und mahnt: Die Gläser hoch und freudig zu erheben- Der Jubilarin Heil! Schenk' Gott ihr langes

Leben l

auf deren besonderen Wunsch zur Verfügung gestellt. ____ Die Redaction.

Ei weg'm Stahb geschieht das Herr Professer", Wie sprichst Du wieder roh, Herr Weigand rief,

"Staub" sprich für die Folge besser", Das Wörtchenwiegen", hör', regiert den Genitiv. Und merk Dir drittens noch, was ich Dir sage heut: Des Wassers erster Tropfen der Gottheit war geweiht!"

^Hollunder" lehrt' er, heißt es, und nicht Holler", Da»Teigscherr" ich und nicht mehrDahtscher" hör', Gepolter" spricht man hochdeutsch, nichtGepoller" stattFlügel", o, verdrießt mich sehr, Statt Muffel, Pfannckuche, Quetsche, Bramme laß' Nur Mundvoll, Pfannenkuchen, Zwetschen, gjfloumfn sprechen, Junge!"

Herrn Ettling's Name sei uns hochgepriesen, Mein chemisch Heft zeigt ihn in goldnem Schmuck, Der war der ersten einer hier in Gießen, Der einer Gasanstalt verlieh des Wortes Druck! Wie er vom Weltall sprach so unermeßlich, Vom Feld des Forschens, bleibt uns unvergeßlich!

Und wie er pries des Wissens helle Geister Und aufgemuntert uns zu stetem Fleiß, Doch nie vergaß den großen Weltenmeister Wenn er vomStoffe" sprach im Schülerkreis, Und wie an seinem Liebig er gehangen Sind wir an Ettling's Seite treu gegangen. Und Doktor Stein, wer könnte sein vergessen, Des tucht'gen Rechenlehrers bünd'gen Unterricht, «82?. ?h'rer Gleichung Werthe zu ermessen Nicht icdem Schüler glänzte gleich ein Licht, Der dann nicht dienen konnte mit Beweisen Gar freundlichAdam Riese" ward geheißen! lUid Doktor Hansi ei n.s segensreiches Wirken Mir unvergeßlich in der Seele steht, In allen seiner Thätigkeit Bezirken Wird seiner stets gedacht in Pietät, Geographie, Gedichte und fremder Sprache Lehren Uno auchHumanität" man konnte bei ihm hören! Wenn der von großen Männern uns erzählte, Die hoch verdient um alle Menschen sich gemacht, An ausmerksamen Schülern es nicht fehlte, Die sein begeistert Wort begeisternd angefacht; Fürwahr auch ohne Stiftung wäre mir geblieben ^ein lieber Name tief in's Herz hinein geschrieben!

Geometrie und algebra'sche Lehren, Das Zeichnen mit dem Zirkel und Physik Gehörig einzuüben und zu hören, Bei Doktor Tasche hatten wir das Glück, Daß ihn beim Jubelfest wir grüßen dürfen Gew ähret sein en Schülern größte Freudigkeit!

Worte der Erinnerung aus den Schuljahren 1852 bis 1856 Dem Andenken unsrer Lehrer gewidmet.*)

Zu rühren mit des Dilettanten Hand Die schnellgespannten Saiten einer Leyer, Die in verborgner Mappe noch ich fand.

Die schwachenWorte wollen Sie nichtschelten, Der gute Wille mag statt solcher gelten!

Im Schulhaus war es in der Weidengasse, Da lehrte man der Dichtkunst flotten Reim, Vom Pegasus man sprach und vom Parnasse, Von Goethe, Schiller und vom Dichter Gleim, Man schätzte dort poet'sche Unterhaltung, Der Rhythmen Wellenspiel und Versgestaltung.

Kein Wunder war es, daß man heimlich wagte, An's Verseschmieden dann und wann zu gehn, Daß man in Reimen damals manches sagte, Was leichter doch in Prosa wär' geschehn!

DochHebung", heißt es,bildet aus dieGeister", Vom Himmel niemals fällt ein fert'ger Meister!"

Euch Schulgenossen will dies Lied ich widmen, Gedenken längst entfloh'ner Jugendzeit, Als wir mit Büchern, Frühstück, Logarithmen, Und Feuereifer uns der Wissenschaft geweiht, Da wir imLern- und Lesebuche" lasen, Und Stunden hatten selbst imLöthrohrblasen!" Als Braubach mit den sichern Kennerblicken Uns prägte ein dieGrammatik des Styls" Und wir inLeuchsenrings Theaterstücken" Die Grenzen glaubten gern erstrebten Ziels, Da durften wir, die noch so jungen Knaben, Uns in derSeel en lehre" Tiefe laben!

Als Weigand, deutschen Geistes treuer

Wachte r, Der jedem Worte in die Wurzel sah, In Wetterauer Mundart-sprach, in achter: E schihnes Lajdche vo d'r Wearrerah", DerGudrun" undder Nibelungen Hort" Verliehen gern sein uns belehrend Wort!

Mit Hellem Kopf, doch auch mit frommem Herzen Den Sinn desHeil'gen Buchs" er lehrte klar, Doch nicht verschweigen könnt' er seine Schmerzen, Wenn nicht korrekt die Uebersetzung war. Hätt' Luther doch und auch sein Freund Melanchthon Grimms großes Wörterbuch" gehabt zur Hand schon,!

Noch heute hör' ich ihn 'nen Schüler fragen Aus dem Gebiet der deutschen Götterlehr': Kannst Du mir, lieber Heinrich, einmal sagen, Wenn Bauern aus dem Kruge trinken, wo kommt's her, Daß sie den ersten Tropfen Wassers nicht genießen Und lassen andachtsvoll ihn hin zur Erde fließen?"

Allgemeiner Anzeiger.

Holz-Versteigerung

im Gießener Stadtwalde.

Montag den 4. April 1887, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Distrikten Waldshute, Philosophenwald und Tanne nachverzeichnetes Holz ver­steigert werden:

A. Bau-, Werk« und Nutzholz. 5 Eichenstämme mit 3,69 Festm., 41 Flchtenstämme mit 18,91 Festm.

B. Brennholz.

Scheith. Knüppelh Stockh. Reish.

Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen.

Eiche 16 12 1 450

Buche 2030 1

Nadel 70 551,4 105,1 7650

Die Zusammenkunft ist im Philo­sophenwald.

Die Großh. Bürgermeistereien der * Nachbarorte werden ersucht, Vorstehen- des im Interesse ihrer Ortsange- ' hörigen bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 28. März 1887.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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