Ausgabe 
30.6.1887 Zweites Blatt
 
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Sin Srinnerungsblatt für den 30. Juni.

Am heutigen Donnerstag ist ein Jahr verflossen, seit die vom Reiche sub- ventionirten Postdampfer-Ltnien eröffnet wurden und bet der Bedeutung dieses Unter­nehmens für die wettere Entwickelung unserer Colonialpolttik auf praktischen Grund­lagen erscheint es wohl nicht unangebracht, der Wiederkehr jenes Tages einige Worte zu widmen. Ein eigenes tragisches Geschick hat es gewollt, daß dasjenige Schiff, welches am 30. Juni 1886 als erster Retchspostdampfer den Hafen von Bremen ver­ließ, dieOder", vor wenigen Wochen den Untergang in den Fluchen des Indischen Oceans fand; aber es wäre thöricht, wollte man dieses an sich ja beklagenswerthe Er- eigniß als ein ungünstiges Omen für das weitere Schicksal des mit so großen ffnanziellen Opfern begründeten Unternehmens betrachten. Derartige Unfälle haben alle bereits bestehenden großen Schifffahrtsgesellschaften in ihren Annalen zu verzeichnen und über­dies ist erwiesen, daß der Capitän derOder" und seine Untergebenen nicht das ge­ringste Verschulden an dem Verluste des Schiffes tragen; für die widrigen Verhältnisse, welche den Untergang derOder" herbeiführten, kann daher Niemand verantwortlich gemacht werden.

Es fehlte beim Beginn der Postdampferfahrten selbst unter den Freunden einer maßvollen Colonialpolitik nicht an Leuten, welche starke Zweifel in den Erfolg des jungen Unternehmens setzten; heute jedoch, nach einjährigem Bestehen desselben, läßt sich bereits sagen, daß es zu den besten Hoffnungen berechtigt. Besonders der Güterverkehr von und nach den fernen Küsten Ostasiens und Australiens hat auf den Reichsdampfer­linien einen kräftigen Aufschwung genommen und wenn der Personenverkehr hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben ist, so tragen hieran verschiedene Umstände, welche sich bei Beginn der Fahrten noch nicht übersehen ließen, die Schuld. Daneben liegen auch schon Beweise vor, daß durch das Erscheinen der deutschen Reichspost- vampfer an den Gestaden Egyptens und des Rothen Meeres, Indiens und Chinas, Australiens und Polynesiens der Macht und Größe Deutschlands von Seiten der fremden Nationen neue Anerkennung verschafft worden ist und dies, wie die That- sache, daß durch diele Dampferlinien gleichsam ein neues Bindeglied zwischen den in dresen fernen Ländern wohnenden Deutschen und dem Reiche hergestellt worden ist, bedeutet auch moralische Erfolge des Dampferunternehmens. UA

Es ist nicht zu leugnen, daß bei der Einrichtung der Reichspostdampferlinien manche Fehler begangen worden sind und als ein solcher stellte sich die Einrichtung der Mlttelmeerlinie Triest-Alexandrien heraus. Der Verkehr auf derselben entsprach weder rm Gütertransport, noch weniger aber hinsichtlich der Beförderung von Passagieren auch nur annähernd den gehegten Erwartungen, so daß sich endlich die Reichsregierung entschloß, eine andere, mehr Rentabilität versprechende Zweiglinie Brindist-Port-Said nut Genua als Anlaufehafen einzurichten. Der bezügliche Gesetzentwurf hat bekannt- lrch in der vergangenen Session die Zustimmung des Reichstages gefunden. Daß ein derartiges junges Unternehmen überhaupt mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, liegt in der Natur der Sache und können dieselben erst mit der Heil überwunden werden. Aber was bis jetzt erreicht worden ist, berechtigt zu den schönsten Hoffnungen und vom Auslande liegen vollgilttge Zeugnisse vor, daß sich die deutschen Reichspostdampfer namentlich auch was Comfort, innere Einrichtung, Schnelligkeit der Fahrt u. s. w. anbelangt, den Dampfern der concurrirenden Linien als zum Theile überlegen gezeigt haben. M

So darf denn gehofft werden, daß sich die deutschen Reichsdampserlinien immer . Ehr zu einem trunsoceanischen Verkehrsinstitutc ersten Ranges entwickeln und ihre vornehmlichfle Bestimmung, dem deutschen Handel und der deutschen Industrie neue Verkehrswege und neue Absatzgebiete zu erschließen, in immer vollkommener Weise erfüllen werden. '

Die Arbeitsstätten der Gewerbtreibenden.

Seitdem di-Behörden mit unerbittlicher Strenge aus nur gut angelegte, trockene und eine gehörige Ventilation zulassend- Fabriklokalitäten halten, drängen sich auf­fallend viele Arbeiter dazu, dort zu arbeiten. 1

Und dies hat seinen ganz gerechtfertigten Grund. Wenn man bei gelegentlichen B-tuchen in den Werkstatten Fetner Meister, Buchbinder, Schneider, Schuhmacher Tischler :c den ent,Glichen schmutz bemerkt, der sich nicht selten in den Arbeits- tokalrlalen vorftndet, und die ungesunde, übelriechende und erstickende Lust der sehr < nm , eiW Raume zu athmen bekommt, so erklärt sich wohl leicht, weshalb ^"nge sich i-tzt zur Fabrikarbeit drängen und dem kleinen G-- werbtreibenden überlassen, allein in seiner dumpfen Arbeitsstätte zu hantiren , DLOrÄei bemerkt werden, daß sehr viele Gewerksmeister auch

in dieser Hinsicht für das Wohl ihrer Arbeiter Sorge tragen und diese in nur Hellen und sonnigen Raumen arbeiten lassen, immerhin aber giebt es noch sehr viele Arbeit­geber, die hiergegen recht sündigen. Immerhin kann auch ein Arbeitslokal keine Putz- stube sein, aber die Ordnung und Sauberkeit, welche in den Fabriken möglich ist, ist rAp? ausgeschlossen. Auch hier wird

nrnpr alsbald für die Aufwendungen bezahlt sehen, die ihm aus Erfüllung

weniger gesundheitlich erforderlicher Bedingungen erwachsen.

-in und Lehrlinge viel freudiger arbeiten, wenn zu Zeiten

!^kP,^fIn?on?Eustrahl durchs Fenster auf die Arbeit fallen kann. Finstere Erbäte'- ta 9pÄ ^r4aUä ^rpont sein, denn das Licht ist der hauptsächlichste Erreger tnF.rCrtn,a benen das Licht entzogen wird, verkümmern, und Menschen,

Raumen arbeiten, werden krank an Leib und Seele Ä hpb wfl<? £ort- btcr Lebensthatigkert ganz auf. Wo die Sonne nicht hinein­geht, geht der Arzt hinein, sagt em altes, treffliches italienisches Sprichwort

« , soll.eine Werkstatt geräumig sein, und da eine erwachsene Person

bei zehnstündiger Arbeitszeit eines Luftraumes von etwa 1000 Cubikfuß zur gehörigen Athmung bedarf, so müßte man eigentlich bei einer Höhe der Zimmer von 10 Fuß für je einen Arbeiter eine Bodenfläche von 10 Quadratfuß rechnen. Dies läßt sick nun, zumal in «roßen Städten, nicht immer und dann nur mit großen Kosten aus- f° w bei kl-in-r-n Arbeitsstätten auf -in- gut- und g-nüg-nd-B-n.llati°n zu^achten^Eine solche erreicht man im Winter zum Theil durch Offenhalten der

jCenftatodb"n8en' iUm Zi> durch Anbringung von V-ntiI°ti°ns,chicht-n in b-n ob-r-n-

Von ungeheurer Wichtigkeit ist das Oeffnen der Fenster nur i.Ms i Wocke^Dadur^ dreimalige Auskehren^der Arbeitsräume in b£

r 1Dtrb zu gutem Theile der oft schädliche und unangenehme

der Rohmaterialien, z. B. des Leders, des Leimes und Kleisters rc entfernt Prf glauben immer noch viele Meister, daß sie der eindringenden Kälte halber nickt dürfen und bedenken dabei nicht, Laß die in denArbestsstätten ^ mstKobl/^ vt-7m°hr fSetWSl8§*nn ffiVXernÄuee 8eWroän0£rte- °»d°rb-n-Lust den Arbeitern fe*n, 1L°7n^"L^

DeranUfit* b£" toäbIi* ift bcn Kops einnimmt und Mattigkeit und Arb-itsunlnst

Endlich ist für die Wintermonate auf eine gute Beleuchtung der Werkstättp« fluten. Die Wasserkugeln der Schuhmacher, die noch unverantwortlich ost vorkomm/n sind «n trauriger Behelf für die unzureichende Beleuchtung. Dadurch wird das Auoe des Arbeiters mit der Zeit vollständig ruinirt, und ohne gute Augen ist dock p?« Handwerker schlechterdings nicht denkbar. Uebrigens gibt es wohl weniap

bei schlechtem Lichte ausgeübt werden können, und namentlich bedürffn Ue W^k- statten der Buchdrucker, Lithographen, Kupferstecher, Zeichner, Maler Ubcmacker eines Ueberflusses von Licht. Es kann nicht oft genug gesagt werden, daß schlickte Beleuchtung das Sehorgan verdirbt und jahrelange Arbeit in schlecht beleuchteten Raumen die Leistungsfähigkeit und den Verdienst des Arbeiters herunterdrücken . ,c Jlnter den Folgen der erwähnten Unzuträglichkeit in den Werkstätten aber leide» beide Theile, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Die letzteren an Körper und Geist ni^Ä WfOnQl bQben' ba§ 8U wendigem £bun

Vermischte-.

6r aaa ^esige Stadtverordnetenversammlung hat der

0C,^eUt! 400,000 zur Errichtung einer electrischen Lichtanlage b? ®«J und den Docenten an der hiesigen technischen Hochschule, Prof. Dr. Ksttler" mit der Oberleitung i)er Ausführung des Werkes beauftragt. Die Anlage ist inr Hi? hPp9 prftpn S\300^ sechzehnkerzigen Glühlampen projectirt. Wenn man sich auch kemm allzu sanguinischen Hoffnungen hingibt, so erhofft man bifcklost S pCsn U!e ^nte aus der Anlage zu erzielen. Mit Stimmeneinhelligkeit qtp^p»hlC»ACk Versammlung eine Ehrengabe zum Frankfurter Schützenfeste, deren Verwendung der Centralleitung anheimgestellt wurde.

,, "7 ^Deutsche Locomotiven in Südamerikas Die deutsche Maschinen-Jndustr^ rbellt be§ britischen Legations-Secretärs in Rio de Zaüttro

pnnHfrfiPn^.nh6011 p^^he^A-^bu'Ubrikanischen Markte einzubürgern, um der englischen und nordamerikanischen Concurrenz zu machen. Es heißt in dem Berichte ° stntb?bp^icki^ Deutsche uns hier nur in Manufacturwaaren Concurrenz gemacht- jetzt aber schickt er sich an, und zwar nicht erfolglos, uns auf einem Gebiete auhul dner^e^tf^n rfI§ wähnten. Nicht nur hat der Agent

^r rslj^bn ..Gesellschaft einen vortheilhaften Contract für die Lieferung von Bessemer-

,schienen für bte Jtapeminm-Eisenbahn abgeschlossen, sondern die Firma bewirbt b bef "othigen Locomotiven. Die Eisenbahn-Gesellschaft wünschte Baldwms-Locomotiven (ein noxdamerikanisches Fabrikat) in Betrieb ru stellen mHdip- U"g-f°hr V 1800 Pfd. St. k°st-n. D-r beutle Ag-nt vff-rsit- nun -in- -b-n!° °kt- Locomotive für nur 1150 Pfd. St. zu liefern, und da die Eisenbahn-Gesellschaft trotzdem von der Einstellung von Ba^wins-Locomotiven nicht abstehen wollte, erbot sich dx Agent, seme Maschinen 12 Monate lang ohne Bezahlung laufen zu lassen und dieselben wieder äuruckzunehmen, falls sie sich als unzulänglich erweisen sollten. Es ist höchst Firrna^in^Beträch? kam.bK Bericht, daß bet d-r Submission überhaupt feine englisch- hip ?ad) ben nunmehr vollendeten amtlichen Aufnahmen über

fbnnP Ü9w 1 a cr°fbC I^ur?c conftatirt, daß auf der verunglückten Platte 372 Per- nprpCf?rf2 i^iQfsi>P-crbc unb cin Zugpferd sich befanden. Es haben sich 176 Menschen gerettet, 151 Personen wurden als Leichen aus den Wellen gezogen 45 Personen WC/b2nhr,Chm U' ? C «^ichfalls den Tod in den Wellen gefunden haben, so daß so bald und Äck? s? mL196 b^uft. Die bisher vermißten Leichen dürften nicht MPnfckP» leicht zum Vorschein gelangen, da sich leider verbrecherische

aar D?rfenfte?b 'b C £etd)/n crft beraubten, dann fortschwimmen ließen ober Geldsummen mit ha rV? umgekommenen Dorogher Marktfahrern, die beträchtliche npTnnVTaH^Tu führten, wurde bisher em einziger aufgefunden. Erst gestern gelang es der Gensdarmerie, drei dieser Leichenräuber dingfest zu machen und nach bockstP^ert-en jetzt «efahndet. Es wurde amtlich conftatirt, daß die Platte

näbrfer nnhniq?r^f?bl0fClt 250 Personen besaß; 57 Familien verloren ihren Er- Ä^r und 134 Kinder wurden zu Waisen. Dieselben wurden vorläufig durch dm DOn Paks untergebracht. Die Stadtoertretung entsendet eine Commission zur Veranstaltung von Sammlungen im ganzen Lande.

... ?15 Weingutsbesitzer und Obstzüchter bekannte Generalconsul o. Lade

r R^mgau feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag. Unter vielen ! fcno,lm?fln?k e^?ut6 d"cn üom Fürsten Bismarck, worin der Reichs- Lebens Mr-Lieblingsbeschäftignngen am Abend- Ihres

b°r-7als^ - Kff furs 'hrgewldm-te Pflege cmxsängUcher und dank- varer als die Politik. Es war das Ideal meiner jungen Jahre, mich als Greis im Garten mit dem Oculirmesser sorgenfrei v°rzustellen>

.. »dla°^dfcnbahndiencrsgemahlin" ist der neueste Titel, den di- Rade- Trautmann°sdo?^in°Nt^ i6ro r,am Juni ausgegkbenen Kurliste einer Frau au5 ^^»Oesterreich zu Theil werden läßt; da wird doch die ? n ?u8 Kleinsal, die in derselben Ausgabe ausgesührt wird,

eines «estellt (In Karlsbad verkündigte übrigens di- Ku»

^ines^ages^die^Ankimst^einerberittenen Steuerofficiantengattin".)

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""^erhalten. Indem ich gleichzeitig mein Tapeziere geschaft tn empfehlende Erinnerung bringe, sehe ich ge- Ä/n Aufträgen unter Zusicherung gewissenhafter und pünktlicher Ausführung gern entgegen __________ Hochachtungsvoll

Heinrich Hollmann. Tapezier, 3976 Neuen Baue 17.

FMB-

MEDAIMJE

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