9lr. 2S Zweites Blatt Sonntag b’n 30. Januar 18^7
Amts- und Allzeigeblatt für den Kreis Gießen.
vurea« r Schulstr « ße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme be-ö Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pt. mit Bringerlobn.
i urch die Po»t berogeri vierteljübrlich 2 Mark 50 Pf. ^aaiaB-3ZBawiBC7^>3ae>MH!tiLw«.
45
Erboerthcilungen
waren anhängig:
2. in Oberhessen:
1. in Starkenburg
2. in Oberhessen
Jnventarien wegen
Zus. 346 253
zus.
1215
733
leistungen 55
, r c .» ll c,- « .. ui anderweiter Ehen: Eine besondere Lebhaftigkeit und | i. in Starkenburg
Dir Wahlbewegung hat auch in dieser Woche lebhafte Fortschritte I gemacht und in den meisten Wahlkreisen Dürften nunmehr wohl die Candtdaten I der concurrirenden Parteien aufgestellt sein. ....
Rührigkeit entwickeln die Socialdemokraten, fte haben diesmal sogar in verschie- j benen Wahlkreisen, in denen früher von einer socialistijchen Agitation nicht fvn- j
Wochen - Ueberficht.
Gießen, 29. Januar.
Er ist eine alte Erfahrung, daß in politisch erregten Zeiten Sensations-Nachrichten, selbst wenn sie den Stempel der künstlichen Mache auf der Stirne tragen, eine außerordentlich rasche Verbreitung und leider auch Glauben in den weitesten Kreisen finden. So war er mit der berüchtigt gewordenen „Mardgeschichte" der Herrn v. Villaume, so ist er in der Folge mit einer ganzen Reihe anderer allarmirender Gerüchte gewesen, bis nun endlich die „Daily News" in diesem mehr als zweifelhaften Spiele gewiffermaßen den höchsten Trumpf darauf gesetzt haben, indem sie meldeten, daß Deutschland bei Frankreich wegen der Truppen-Zusammenziehungen in den französischen Ost- Departements anfragen wolle — warum schreibt da das Londoner Blatt nicht gleich, daß Deutschland demnächst mobil machen werde?! Glücklicher Weise ist diese tendenziöse Nachricht, die jedenfalls nur gewissen Börsenzwecken dienen sollte, von osficiöser deutscher Seite sofort mit dem wünfchenswerthen Nachdrucke dementirt worden und auch in Parts ist man loyal genug, die erwähnte Meldung der „Daily News" als eine Schwindel-Nachricht zu erklären. Bei der noch immer unsicheren politischen Lage wird es aber voraussichtlich auch weiterhin nicht an ähnlichen allarmirenden Gerüchten fehlen, denen gegenüber das Publikum immerhin auf der Hut sein mag. Es würde daher auch nicht verwunderlich erscheinen, wenn sich an da» nunmehr veröffentlichte Verbot der Pferdeausfuhr aus dem deutschen Reiche, welches mit dem 25. Januar in Kraft getreten ist, wieder neue beunruhigende Gerüchte knüpfen. Allerdings mag nun zuaegeben werden, daß eine derartige Maßregel für die obwaltenden Zeitverhältnisse immerhin symptomatisch ist, aber es darf ihr auch keine übertriebene Bedeutung beigelegt werden. Bereits im Jahre 1878, also zu einem Zeitpunkte, zu welchem die europäische Lage noch nicht so gespannt erschien, wie heutzutage, wurde vom Bundesrathe ein Pferdeausfuhr-Verbot erlassen, lediglich um unverhältnißmäßig starken Pferdeankäufen, welche damals auswärtige Händler ebenfalls in Deutschland machten, zu begegnen. Es handelte sich also 1878 wie jetzt für Deutschland nur um eine Maßregel zum Schutze seine» Pferdebestandes und somit kann man das Verbot an und für sich auch diesmal nicht als ein besonder» beunruhigendes Zeichen betrachten.
Seit dem gewaltsamen Ende des Reichstages und der Vertagung de» Herrenhauses beherrscht von den in Berlin tagenden Parlamenten das Abgeordnetenhaus allein das parlamentarische Feld. Es ließ sich daher erwarten, daß die letzten inhaltschweren Debatten in dem aufgelösten Reichstage in der preußischen Volksvertretung noch einen lauten Nachhall finden würden. Dies ist denn nun auch in den Sitzungen bet Abgeordnetenhauses vom Montag und Dienstag geschehen. In denselben stand zwar die Special- berathung de» Etats auf der Tagesordnung, aber vom Etat war an beiden I Tagen herzlich wenig die Rede und drehten sich die Debatten in der Hauptsache um die Militärfrage und war hiermit mehr oder weniger zusammenhängt. I Gegner wie Freunde des Septennats legten in diesen zweitägigen Verhandlungen I nochmals ihren Standpunkt in dieser wichtigen Tazesfrage dar und alle Redner I sprachen sozusagen zum Fenster hinaus, zum Volk, denn sämmiliche Reden, die I gehalten wurden, charakterisirten sich als Wahlreden und dies waren im Grunde I genommen auch die Darlegungen des Fürsten Bismarck in der Montags-Debatte. I In denselben rechtfertigte der Kanzler die Auflösung des Reichstages nochmals I durch den Hinweis auf die so eigenthümlich zusammengesetzte bisherige Mehrheit, I bei der entschieden reichsfeindliche Elemente den Ausschlag gegen die Regierung I gäben, außerdem verwahrte sich der Reichskanzler dagegen, als ob die Regie- I rung durch eine eventuelle liberal-confervative Mehrheit die Monopol - Projecte I durchsetzen oder gar das allgemeine Wahlrecht beschneiden wolle, es handle sich I bei den bevorstehenden Wahlen nur um die militärische Sicherung des Reiches I durch das Septennat. — Eine ganz besondere Episode in den Bismarck'schen I Ausführungen bildete die Andeutung, daß der Papst die Haltung der Centrums- I Partei in der Septennatsfragr nicht billige und daß noch vor dem 21. Februar I eine bejÜQlidje Kundgebung des Papstes zu gewärtigen sei. Eine derartige Ein- I mif$ung des Oberhauptes der katholischen Christenheit in die gegenwärtige I Wahlbewegung in Deutschland zu Gunsten der Regierung wäre allerdings ein I hochbedeutsames Ereigniß und man möchte fast bezweifeln, daß ein solcher Schritt I ßeo XIII zu erwarten sei. Wie nun aber die Münchener „Neuesten Nachr." I au» angeblich unantastbarer Quelle erfahren, soll Fürst Bismarck eine sehr ent- I schiebene Aeußerung der Papstes über die Stellung des Centrums in den gegen- I wärligen Fragen besitzen und würde diese Aeußerung für die Stellung der I Katholiken im Wahlkampfe entscheidend sein, den katholischen Klerus von der I Wahlagitation fernhalten und aus den Reihen der Opposition drängen. Das Centrum werde sich entscheiden müssen, ob es form Papste ober Windthorst fer- I nerhin folgen solle. Die päpstliche Kundgebung sei so deutlich, daß Ungehorsam eine binde Unbotmäßigkeit gegen den Papst bedeuten würde. Bismarck werde die Kundgebung im geeigneten Augenblicke veröffentlichen. — Vorerst muß die Verantwortung für diese sensationelle Meldung dem genannten Blatte über- I lassen bleiben.
über- diesjährige
414 801
340 393
1293
verblieben beim Jahresschluß: über- dies-
lahrige
78 268
HO 143
Lokales.
Gießen, 29. Januar. Dem Januarheft der Mittheilungen der Grobberranli^ Sben- ^"tralstelle für die Landes-Statistik entnehmen wir die nachfolgenden
Während des Schuljahres 1885/86 bestanden im Großherroatbum dessen nn größeren und kleineren Orten 76 Handwerker- und Kunst-Gewerbe-Schulen an welche!! zusammen 143 Lehrer thättg waren Die Zahl der di- Anstalten besuchenden Schüler betrug tm Ganzen 4403, von welchen an dem Sonntags- und Taaesunterricht 4QR7 und an dem Abendunterricht 852 Theil nahmen. In Gießen besuchten die erweitert.» Handwerkerschule 24, die Sonntags- und Abendschule 143, die Alice-Vereins Schnke 25 Schüler; 84 Schüler betheiligten sich an dem Abendunterricht. $UIe
Im Jahre 1885 wurden in den Provinzen Starkenburg 18,142 und Oberbesftn 21,333 Verträge bestätigt; darunter waren: ' Terpenen
569 wurden beendet: über- diesjährige zus.
336 533 869 230 250 480
berli^ md »u msthn gewesen ist, eigene Candtdaten aufgestellt und überschwemme daber die Arbeiter.Bevölkerung schon jetzt mit ihren Flugschriften Tti der bisher socialistisch vertretenen Wahlkreisen wird der Versuch Einigung sämmllicher auf dem Boden der staatlichen und gesellschaftlich^' n nung stehenden Parteien gegenüber der Socialdemokratie h-rbchMhA SJ« man aber von diesen Versuchen hört, klingt freilich dem ©maunüSdlnfL.n nicht sonderlich günstig. Die leidige Varteiwuth A>-rwuchett^eben «mm-!
höher stehende Rücksichten und Interessen I * ebcn immct wieder
Prinz Alexander von Battenberg ist am Mittwoch nnn smAir„„K aus nach Genua - nicht nach Venedig, wie erwartet wurde — abaereiß1 h ©fnua dürfte sich der Prinz zu seiner weiteren Reise noch dem Süh.n „i R
Mit den bulgarischen Delegirten ist demnach der lprinz nicht mehr zusammengetroffen. v ’ 1,1 weyr
Der österreichische Reichsrath ist am Freitag zusammena-tr-.-» und wird vermuthlich die Thronrede eine weitere Kundgebung zur allaeme^nen Lag- gebracht haben Verschiedene Vorgänge der inneren österreichischen Po rt k ” B. btt Ausgleichungsfrage mit Ungarn und der Austritt der deutsch, böhmischen Abgeordneten aus dem böhmischen Landtage, werden im Reichsratbe unzweifelhaft in den ersten Tagen nach der Eröffnung mit zur Sprache kommen und da jedenfalls zu lebhaften Auseinandersetzungen führen. V mmtn ,. Auch das englische Parlament ist in diesen Tagen, am 27 d M zu seiner neuen Session zusammengetreten. Einen Hauptgegenstand der Be- rathungen des Unterhauses werden die von der Regierung voraeschlaa-n-» Gesetzentwürfe gegen die irische Agrarbewegung bllden und wird sich hf-rh-i zeigen, inwieweit das reconstruirte Cabinet Salisbury noch einen Rückbatt am Parlament hat. In den nächsten Tagen sollen auch die Verhandlunaen im s-Lem den Gladstonianern und einen. TheUe der liberalen Unionisten L bi “Ä gtage raubet aufgenommen werben und falls diese Verständigung zwischen ben f-lndl,chen Brudern doch noch zu Stande kommt, wird bas Ministerium Sali«, bury im Unterhause einen harten Stand erhalten. 16
England hat Port Hamilton am 23. b. M. geräumt unb somit biese wichtige Position an ber koreanischen Küste preisgegeben Die Chinesen beabsichtigen nun, sich in Port Hamilton festzusetzen, was man ihnen schwerlich verdenken kann.
Den Italienern erwachsen jetzt aus ihrer Colonialpolitik recht unangenehme Früchte. D.e Abessynier, bie südlichen Nachbarn Italiens am R°then Meere, haben plötzlich einen Vorstoß gegen Massauah, das Centrum der ttaliemschen Besitzungen, gemacht, wöbe, sie zwar mit blutigen Köpfen heimgeschickt wurden, aber trotzdem scheint dort die Lage ernst genug zu ein möglichster Eile sollen von Neapel aus zwei Corvetten mit Truppenversiärkuno-n nach dem Rothen Meere abgehen und werden im Ganzen '2 Co!npagm ^ Jnfanteru, 3 Alpenzager.Compagmen, 1 Geniecomvagnie und 1 Gebirasbatterie zum sofortigen Abgänge nach Massauah vorbereitet. In der Senatssttzuna am Mittwoch äußerte sich der Minister Robilant über die Sage am Rothen Ziemlich optimistisch; ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist müssen die kommenden Ereignisse in dortiger Gegend lehren. Wie die „Aqencia ©‘efani* erfährt, soll sich der abessynische Obergeneral Raffallul» noch in Ghinda befinden und mit dem Vormarsche auf Massauah zögern. In der Devutirten- kammer erklärte Minister Robilant am Mittwoch, daß Italien jetzt keine Expansionspolitik in Afrika verfolgen würde und bezeichnete dann die Nachricht, daß d.e abessynischen Truppen Massauah bereits angegriffen haben sollten als unwahrscheinlich. ' '
_____ 73
Schenkungsverträge Eheverträge Sonstige Verträge 16 418 1709
Kauf- u. Tausch- Uebergabs-,.. Erbver- Schuld- und Pfand- Bürgschafts- Verträge Verträge träge Verschreibungen
1. in Starkenburg 13 708 206 16 2014
2. in Oberhessen 17 223 _ 579 8 1541
1. in Starkenburg
2. in Oberhessen
754
1194
1948
566
783
1349
188
411
599
56
410
466
52
371
423
4
39
43
27
189
216
24
163
187
3
26
29
83
599
682
76
534
610
7
65
72


