Bezeichnung der nach den Landesgesetzen zuständigen Behörden und nähere Bestimmung über die der Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen erfolgt durch kaiserliche Verordnung.
— Der Bundesrath überwies den Gesetzentwurf wegen Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen den zuständigen Ausschüssen und stimmte dem Ausschußberichte, betr. den Entwurf eines Vertrages zur Unterdrückung des Branntweinverkaufs an Nordfeestscher aus hoher See, zu.
Netgien.
Brüssel, 26. Mat. Ein gerichtliches Verbot untersagt den Verkauf von verbotenen Waffen. In dem Kohlenbecken von Seraing macht sich ein unerhebliches Nachlaffen der Strikebewegung bemerkbar.
— In Lrlouviöre wurden zwei weitere Dynamit-Attentate gegen die Wohnungen von Gruben-Arbeitern ausgesührt; der dadurch verursachte Schaden ist unerheblich.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenr-Bureau.
Leipzig, 26. Mai. Am 13. Juni d. I. beginnen die Verhandlungen gegen die wegen vorbereitender hochverrätherischer Handlungen und Theilnahme an einer geheimen Verbindung angeklagten acht Elsässer, den Fabrikanten Emil Köchlin-Claudon aus Mülhausen und sieben Genossen, vor dem für Hoch- und Landesoerrath bestellten Gerichtshöfe des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Präsidenten Drenkmann. Die Verhandlung wird wegen der größeren Zahl der Betheiltgten wieder in den Räumen des Landgerichts hier stattfinden. Verthetdiger der Angeklagten sind die Rechtsanwälte am Reichsgericht Dr. Neuling und Sachs, ferner die Rechtsanwälte Ott und Freiherr Schott von Schottenstein aus Straßburg.
Paris, 26. Mai. Heute Vormittag fand bei Grevy eine Conferenz statt, an welcher Freycinet, Deoes, Jules Ferry, Rouoier und Raynal theilnahmen. Dieselbe dauerte bis Mittag.
— Dem Vernehmen nach wird Freycinet im Laufe des heutigen Abends dem Präsidenten Grevy seinen Entschluß mittheilen, ob er die Cabinetsbildung übernimmt. Man nimmt an, daß er wegen Spaltung der Parteien ablehnen werde.
Paris, 26. Mai. Freycinet übernahm die Bildung des neuen Cabinets.
Paris, 26. Mai. Das Feuer in der „opera oomique“ ist noch den angestellten Ermittelungen in den Soffitengardinen des Hinteren Bühnenraumes ausgebrochen. Die Zuschauer hätten das Theater daher leicht verlassen können, da aber das Gas erlosch, bevor das Theater vollständig geräumt war, so fürchtet man, daß einige Zuschauer der oberen Ränge, von der Dunkelheit überrascht, den Ausgang nicht gewinnen konnten. Das Feuer dehnte sich schnell über die Bedachung aus und der Plafond stürzte bald nach dem Ausbruch des Feuers ein. Es verlautete heute früh, daß einige 60 Personen verwundet und 19 todt seien. (In unserem gestrigen Telegramm waren 90 Todte genannt. Es scheint demnach ein Fehler beim Telegraphircn vorgelegen zu haben. Red.) Man fürchtet jedoch, daß die Zahl der Opfer größer sein werde. Heute Vormitiag 9 Uhr wurden drei Todte mittelst Seilen aus dem vierten Stockwerke herabgelassen. Genauere Details sind noch nicht festzustellen. Die Rettungsarbeiten dauern noch fort. Das Gebäude der opera ist vollständig zerstört. Die Aufräumungsarbeiten werden kaum vor morgen beginnen können.
— Die Anzahl der bis jetzt aus den Trümmern der „opera comique“ herausgeschafften Leichen beträgt 40, doch fürchtet man, daß die Zahl der Opfer eine noch größere sein werde.
— Die Zahl der beim Brande der „opera comique“ Umgekommenen wird amtlich auf 56 angegeben, es werden aber immer noch neue Leichen aufgefunden. Die meisten Todten sind junge Damen in feiner Toilette. Viele Leichen sind sehr entstellt und nur an den Schmuckgegenständen erkennbar. In der Bevölkerung herrscht große Bestürzung und Trauer. Die Theaterzugänge sind unausgesetzt von dichten Menschenmassen besetzt.
Rom, 26. Mat. Im heutigen öffentlichen Consistorium präconisirte der Papst i mehrere Erzbischöfe verschiedener Länder und nahm die Eeremonien der Mundschließung s und der Mundöffnung an den neu ernannten Eardinälen vor.
Vermischte
— Die in Rio de Janeiro erscheinende „Rio Post" veröffentlicht folgende Warnung vor Auswanderung nach der Provinz S. Paulo in Brasilien: Die Regierung hat mit dem bekannten speculativen Eonselheiro Antonio Pedro da Costa Pinto einen Contract behufs Einführung von 5000 Einwanderern aus Nord- europa abgeschlossen. Da es sich diesmal hauptsächlich um Verleitung Deutscher zur Auswanderung als Arbeiter für Pflanzungen nach S. Paulo handelt, so machen wir sämmtliche deutschen, österreichischen und schweizerischen Behörden auf den Fall aufmerksam und lassen hier im Wortlaut den officiösen Bericht aus dem „Journal do Commercio" in Uebersetzung folgen. Derselbe lautet: „Der Contrahent (Pinto) erhält von der Regierung 60 JL für jeden mehr als 12jährigen Einwanderer, 30 für jeden Einwanderer im Alter von 8—12 Jahren und 15 JL für jeden von 3-8 Jahren unter der Bedingung, daß er von den Einwanderern nicht mehr als eine gleiche Summe für ihren Transport bis zu einem der Häfen Rio de Janeiro oder Santos in der Provinz S. Paulo verlangt. Führt er Einwanderer ein, ohne diese nach Alter und Nationalität abgemessene Bedingung einzuhalten, so ist er verpflichtet, dieselben auf ihren Wunsch wieder in ihr Geburtsland zurückzuführen. Sodann hat der Contrahent sich verpflichtet, für den Preis von 120 X für jede Person über 12 Jahre, 60 JL für jede solche von 8-12 Jahren und 30 JL für solche von 3—8 Jahren diejenigen Einwanderer einzuführen, denen die Regierung Freipassage gewährt, in welchem Falle der Contrahent von den Einwanderern keine Zahlung annehmen darf. Der Contract kann mit Zustimmung der Regierung an irgend eine Transport-Gesellschaft übertragen werden. Uebertretungen der Klauseln werden mit Strafen von 1-3 Contos belegt die im Wiederholungsfälle verdoppelt werden." Hierzu bemerkt die „Rio Post" folgendes: „Die Strafen sind für den vorliegenden Fall vollkommen bedeutungslos Den Einwanderern mit theilweiser Freipassage wird im Rio- und Santos-Hinterlande kein Kleingrundbesitz gewährt, weil dort noch keine Colonien nach deutschen Begriffen exlstiren. Volle Freipassage wird nur denen gewährt, welche Arbeitscontracte eingehen Letztere einzugehen muß entschieden wtderrathen werden, theilweise Passagierermäßiguna kann unter gewissen Vorsichtsmaßregeln von Personen, die bereits wissen, wie sie in Brasilien ihre Zukunft finden, angenommen werden, jedoch von Landwirthen die nach den drei Südprovinzen wollen, nur bis zum Hafen Rio, weil nur von ihm aus eine Weiterbeförderung der Einwanderer nach Rio Grande do Sul, Santa Katharina oder Parana hinreichend gesichert ist. Zum Schluß machen wir darauf aufmerksam daß die brasilrantsche Regierung bereits einen Agenten nach den drutschiebenden Gerieten Europas abgesandt hat, der in deutschen Zeitungen für die Auswanderung nach'der Provinz S. Paulo Propaganda machen soll."
△ Mainz, 26. Mai. Die Frage, inwieweit ein hessischer Büraernieist-^ berechtigt ist, ihm anvertraute amtliche Personalakten dritten Personen zurEinsicht »u wird demnächst der Entscheidung der Mainzer Gerichte unterbreitet werden Anläßlich der gestern in Kastel stattgehabtcn Gemeinderathswahlen wurde nämlich in' einem Flugblatt zur Bekämpfung eines der Candidaten ein amtliches Actenstück im Auszug mttgetheilt. in welchem dem Betreffenden in seiner Eigenschaft als ftircftpn- rechner eine behördliche Rüge ertheilt wurde. Da das Aktenstücknurinbie Ä des Bürgermeisters gekommen, glaubt der Angegriffene auf dem Wege einer mHa}- lichen Klage gegen den Bürgermeister Genugtuung zu erhalten. 9 ner 0Cr
A Worms, 26. Mai. Der Bau des für unsere Stadt projectirten Rolk«- theaters ist jetzt vollständig gesichert. In einer vorgestern Abend stattgehabten Sttzuna des Ausschusses wurde em fertiges Project vorgelegt, nach welchem die Gesammtkosien für den Bau auf 450 000 X berechnet sind. Von diesem Betrag finb 0 Opferwilligkeit der Wormser Bürgerschaft bis jetzt 200 000 Jt fond nerdu gebracht, eine 3Vr procentige Hypothek von 150 000 X ist durch die Sparkasse zugesagt^
i 30 000 ^ hofft man aus dem Erlös einer projectirten Lotterie zu erübrigen und her noch sehende Rest von etwa 70 000 wird durch einen Garantiefmids^lcheneinl Anzahl Burger zu beschaffen übernommen, sichergestellt. Der Ausschuß entschied sick dafur, daß die Ausführung für die Detailpläne des Projects, das durch einen in Aussicht genommenen großen Garten mit Musikpavillon eine Erweiterung erfahren hat Herrn Archrtect March m Berlin übertragen werde. Man hofft, daß die Detailpläne so rasch fertig gestellt werden, daß man Ende August d. I. schon mit den Arbeiten beginnen und die Fnndamente noch vor Eintritt des Winters fertigstellen kann
~ Der Hypnotiseur Herr Theo Böllert schreibt, daß der angebliche Arbeiter welcher am 14. Mai die hypnotische Sitzung in der Philharmonie zu Berlin störte' "n ..arbeitsloser „Zauberkünstler" sei, der Jahrmärkte zu beziehen pflegte. Herr Böllert erklärt, daß er die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben habe.
— sEin Eivilmensch.) Lieutenant zu einem Kameraden: „Sehen Sie nur m,0D dort drüben geht der bekannte Schauspieler P. - Ist zwar Civilmensch, hat aber trotzdem em leidlich menschenähnliches Aussehen."
— sDer „Todtenkopf" ein Honigräuber.^ Wie der „Todtenkopf" genannte große Schmetterlmg(8pdir»x atropoe) in die Bienenstöcke eindringt, um Honig zu saugen, darüber brlngt die „M.Z." folgende naturwissenschaftliche Mittheitung: Der „Todtenkopf" fliegt in der Morgen- und Abenddämmerung oder in nicht allzu dunklen Nächten, saugt aber wohl selten nur mit seinem kurzen Rüssel aus einer flachen Blüthe Honigsaft. Er ruht auL rr^t s"ben, von Wespen angeschnittenen Frucht, hängt am Ahorn-, Weiden- unv Etchenstamm, um sich an dem aussickernden Saft zu erlaben. Mehr aber als diesen aus Rißwunden fließenden Saft liebt er den Zellenhonig in den Bienenstöcken welcher an feuchtwarmen Abenden so stark und stärker duftet als die Blumen. Wie s^A^Obrmaus schwirrt der große düstere Schmetterling hart vor dem Stande, wohl scharf nach den Einfluglöchern der Stocke lugend, hin und her. Mit einem Male bricht er durch die Wachen in das Innere. Die treuen Hüterinnen der Pforte geben in diesem Moment schon die Zeichen, daß ber Räuber eingefallen. Das Ohr vernimmt deutlich den Allarm zur Abwendung der Gefahr. Eine kleine Schaar von Immen wirft sich auf den honiggterigen Gesellen. Mit den scharfen Mandibeln schneiden sie ihm eilig dre Spitzen von den Flügeln und tiefe Scharten in den Vorderrand, damit er nicht mehr entfliehen kann, und bohren die giftgefüllten Stachel in die weichen Fugen der Ringel des Hinterleibs. Befindet sich das Flugloch in einiger Höhe an der Seite des Stockes, so wird der Leichnam des überwältigten Räubers mit Klebewachs am Boden feftgektttet und ganz damit umhüllt. Ist es, wie neuerdings ja meist, am Grunde des Korbes oder der Beute, so wird der Leib des unglücklichen Schwärmers ungesäumt htnausgeschlerft und vom Stande hinabgeworfen.
UniversstütS - Ghronik.
IN 25. Mai. Die „Oberh. Zig." schreibt: Der tausendste Student
ist gestern für das gegenwärtige Sommersemester an unserer alma mater Philippio» Ärftlrs ^°rden ~ ,ein ebenso freudiges Eretgniß für die Universität wie für die Stadt ist es doch fett der Gründung der Universität das erste Mal, daß sie ein Semester von solcher Frequenz zu verzeichnen hat — möge sie ihr allezeit erhalten
Kirchliche Auzeiueu der Stadt Gieste«.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 28. Mai.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.
Pfingstsonntag, den 29. Mat.
Vormittags 9Vz Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
x n .. Nachmittags 2V- Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nach betden Gottesdiensten Kollekte für die „hessische Lutherstiftung". Kinderklrche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Pfingstmontag, den 30. Mai.
Vormittaas 9V2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
der Mädchen und Feier des heiligen Abendmahls. Mrtn.nhVnrS Dankreihen von dem Altar m der Kirche aus sind für die Angehörigen der Confirmandinnen bestimmt.
m , - Nachmittags 2l/3 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nach belden Gottesdiensten Kollekte für die Armen der Gemeinde.
Pfarre? vr.^Naumann.^^ f" aBodtie vom 29‘ Mai bis 4. Juni besorgt
Katholische Gemeinde.
P f i n g ft f e ft.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um, ? Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. „ V-10 Uhr. Hochamt und Festpredigt.
„ 2 Uhr: Festandacht.
II.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um, 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der 61. Communion.
W V-10 Uhr: Hochamt.
„ 2 Uhr: Andacht.
Mittwoch, Freitag und Samstag sind Ouatemberfasttage.
- c>,r. . Boitesdienß in der Synagoge.
Freitag Abend 7^ Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Ubr. Wochenfest.
— Adend 8^Uhr, Sonntag Morgen 8 Uhr, Sonntag Mittag 4 Uhr,
Abrnd^^Uhr^ 8 ^ontaß borgen 8 Uhr, Montag Mittag 4 Uhr, Montag
Zahresfest des überliess. Vereins für innere Mission am 8. Zum 1887
in der Stadtkirche zu Giessen.
I Festgottcsdienst: Vormittags 10 Uhr.
Festpredigt: Professor vr. Köstlin aus Friedberg. Jahresbericht: Pfarrer Schlosser.
II. Verhandlungen um ll1/2 Uhr:
1) Ueber die Fürsorge für die Epileptischen im Großherzogthum Hessen.
Referent: Dekan Dr. Stromberger aus Zwingenberg. 2) Ueber den Stand der Naturalverpsiegungsstationen in Oberhessen.
III. Vorstand-wahl.
Um 3 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen im Hotel zum Einhorn (trocken Couvert 2 jl). 3974
Der geschristgsührende Ausschuß:
»r. Gottschick, E. Kausfmann, Schloss«», Stamm.


