Ausgabe 
27.9.1887
 
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Darmstadt, 24. September. Se. Königs. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen ist heute zum Besuch der Großh. Famile hier eingetroffen.

Berlin, 24. September. Se. Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Generalmajor v. Winterfeld, welcher sich Abends nach Toblach zum Kronprinzen begibt, später den Vortrag Albedyll's, hierauf General Wißmann und viele militärische Meldungen. Nachmittags V/a Uhr fand im Beisein des Staatssecretärs Grafen Bis­marck des Ober-Cercmonienmeisters Grafen Eulenburg und des Ceremonienmeisters v Romberg der Empfang des chtnefischen Gesandten Hsüchnigcheng, des Dollmetschers Krever und des Legationssecretärs Tschitsmtgtsang statt, welche dem Kaiser im Namen des chinesischen Kaisers Geschenke überreichten. Um 2 Uhr wurde Prinz Wilhelm vom Kaiser ^^^?^Reichsanzeiger" meldet, daß Dr. Morell Mackenzie, welcher sich auf einer Erholungsreise befindet, Se. König!. Hoheit den Kronprinzen in Toblach besuchte. Er constatirte ein erfreuliches Fortschretten der Besserung des Halslerdens Sr. Kömgl. Hoheit und stellte einen nochmaligen Besuch vor seiner Abreise nach England in Aussick^E^ 24. September. Der heule vom Kaiser empfangene neue chinesische Gesandte Hsü-Ching-Cheng überreichte noch nachträglich ein Glückwunschschreiben seines Herrn zum Geburtstage des Kaisers Wilhelm, welches in Uebersetzung lautet:

Der Kaiser des großen chinesischen Reiches entbietet dem Deutschen Kaiser und Könige von Preußen Seinen Gruß! Am achtundzwanzigsten Tage des zweiten Monats dieses Jahres begingen Eure Majestät das freudigsegenvolle Fest des neunzigsten Geburtstages. Als ich hiervon Kenntniß erhielt, war Ich darüber hocherfreut! Im Hinblick auf das sehr freundschaftliche Verhältniß und die ausgezeichneten Beziehungen zwischen China und dem Reiche Eurer Majestät sende Ich dieses Glückwunschschreiben nebst einigen Geschenken. Zur Darbringung Meiner Glückwünsche, sowie des Aus­druckes Weiner freundschaftlichen Gefühle habe Ich Meinen Beamten zweiten Ranges, Mitglied der Hanlin-Akademie und bet Eurer Majestät beglaubigten Gesandten, Hsü- Chtng-Cheng, beauftragt. Ich gebe Mich der angenehmen Hoffnung hin, daß Euer Majestät Regierung zu allen Zeiten von Glück und Segen begleitet sein und zum Heile unseres beiderseitigen aufrichtigen Friedens gereichen werde!"

Die Geschenke, welche mit dem Schreiben übergeben wurden, bestehen in kostbaren Gegenständen aus Jade, einer chinesischen Steinart, Porzellanvasen, Wandgehängen von Seide mit Stickereien, Theekisten u. dergl.

Potsdam, 24. September. Se. K. H. Prinz Wilhelm ist heute Abend über Breslau nach Ungarn abgeretst, um auf den Gütern de2 Prinzen Philipp von Coburg an Jagden theilzunehmen.

Karlsruhe, 24. September. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin traf heute Mittag hier ein und begab sich in das Ständehaus, wo Ihre Majestät mit den Großh. Herrschaften in der Sitzung der vierten internationalen Conferenz der Vereine vom Rothen Kreuz erschien. Nach derselben empfing Ihre Majestät das Präsidium, sowie einzelne Mitglieder der Conferenz und kehrte gegen 2 Uhr nach Baden zurück.

Karlsruhe, 24. September. Internationale Conferenz der Vereine vom Rothen Kreuz. Der heutigen Sitzung der Conferenz wohnten Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Frau Großherzogin, sowie der Erbgroßherzog bet. Um 12 Uhr erschien Ihre Majestät die Kaiserin, welche von Baden-Baden hier eingetroffen war. Zur Berathung kam die Frage der Stellung des internationalen Comitö's und der Beziehungen der Centralcomitö's zu demselben. Die hierzu gestellten russischen Vorschläge, welche eine Aenderung in der Stellung des internationalen Comttö's be­zweckten, wurden abgelehnt und die Beschlüsse der Commissionsmehrheit angenommen, welche die Beibehaltung des in Genf residirenden internationalen Comitö's in der bisherigen Art empfehlen. Nachmittags hielt Professor Kraske aus Freiburg einen Vor­trag über Verbandgeschosse, die sodann bei den damit vorgenommenen Schießübungen praktisch vorgeführt wurden.

Hesterreich.

Wien, 22. September. DasWiener Fremdenblatt" sagt anläßlich des Minister- jubiläums des Fürsten v. Bismarck:Wir Oesterreicher gratuliren unserem großen Freunde, dem Letter der Politik des engverbündeten Reiches, dem Mitbegründer einer Allianz, welche den Frieden Europas wahrt." Der Artikel rühmt dann die innere reformatorische Thättgkeit des Fürsten Bismarck und seine unerschöpfliche Arbeitskraft. Es wäre nicht leicht, einen Staatsmann zu nennen, der, mit so großer Machtfülle ausgestattet, seinen höchsten Ehrgeiz darin suchte, die Ruhe der Stationen zu wahren.

Toblach, 24. September. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz gedenkt morgen Vormittag 11 Uhr nach Venedig abzureisen und unterwegs im Hotel di Trento in Trient zu übernachten. Ihre K. u. K. Hoheit die Kronprinzessin wird erst übermorgen über Ampezzo nach Venedig sich begeben.

Irankreich.

Paris, 24. September. Der Finanzminister Rouvier hat der Budgetcommission durch ein Schreiben mitgetheilt, daß das ursprüngliche vom früheren Finanzminister Dauphin eingebrachte und nach seinen (Rouvier's) Vorschlägen auf 122 Millionen ermäßigte außerordentliche Budget in Folge neuer vom Kriegsminister und vom Marineminister vorgenommener Reductionen nur noch 100 Millionen betrage.

Kngkand.

London, 24. September. DieTimes" widmet dem 25jährigen Minister­jubiläum des Fürsten Bismarck einen sympathischen Leitartikel, in welchem sie sagt: Unsere Glückwünsche sind um so aufrichtiger, weil Niemaud daran zweifeln kann, daß die Stärke und die Einigkeit Deutschlands, welche die großen Errungenschaften des Fürsten Bismarck sind, die sicherste und solideste Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens bilden und stets gebildet haben. In dieser Hinsicht war die Dauer der ministeriellen Stellung des Fürsten Bismarck sicherlich von unermeßlichem Vortheil für Europa. Nichts in der jüngsten Geschichte der europäischen Politik läßt sich mit der einzigen Stellung vergleichen, welche der deutsche Reichskanzler einnimmt; am 25. Jahrestage seines Eintritts in das Ministerium steht er stärker und fester da als je vorher. Nur Fürst Bismarck konnte die deutsche Nation durch die Schwierig­keiten und Gefahren, welche ihren Pfad umlagerten, führen, und die Schöpfung des deutschen Reichs ist sicherlich die größte staatsmännische Leistung unserer Zeit.

Schweden.

Stockholm, 24. September. Bet den gestern hier stattgehabten Wahlen zur zweiten Kammer siegten durchweg die in der Liste der Liberalen (Freihändler) auf- gestellten Candidaten, die meisten Stimmen erhielt Professor Key mit 6670, Redacteur Gustafson, der unter den liberalen Candidaten die wenigsten Stimmen auf sich vereinte, erhielt noch 4800 Stimmen. Die höchste Ziffer der für einen Candidaten der rein vrolektionistischen Partei abgegebenen Stimmen betrug nur'2800, diejenige für einen Candidaten der gemäßigten Freihandelspartei nur 1820 Stimmen. Mit diesem Aus­fall der Wahlen ist der Freihandelspartei die absolute Majorität in der zweiten Kammer gesichert.

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 25. September. Se. Majestät der Kaiser hat heute Abend 6V» Uhr mit großem Gefolge die Reise nach Baden-Baden angetreten.

Frankfurt a. M., 25. September. Die heute hier tagende außerordentliche Hauptversammlung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, an welcher 395 Ver- einsmitglicder aus allen Theilen Deutschlands theilnahmen, nahm nach einer von dem ersten Vorsteher, Commercienrath Adolf Kröner (Stuttgart) gegebenen, die gegenwärtige Lage und die Bestrebungen des Buchhandels beleuchtenden und mit großem Beifall oufgenommenen Darlegung, die Vorlage, betreffend die Revision der Statuten an Dieselbe ist bestimmt, die Aufrechterhaltung und weitere Entwickelung eines gesunden Provinzial-Sortimentsbuchhandels zu gewährleisten und die Machtmittel des Vereins 3 gegen Schleuderei im Buchhandel zu vermehren. ;

Magdeburg, 25. September. Der heutige Kongreß für erziehliche arbeit wurde im Beisein des Geheimen Ober-Regierungsrathö Lohmann als gSl . des Reichsamtes des Innern, von Vertretern des preußischen KultusministenumLtter anderer Ministerien, des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Herrn von \nt> Spitzen hiesiger Regierungs- und städtischer Behörden im .dichtg-MtL Saale des Furstenhoses hrerselbst abgehaltcn. Vertreter auswärtiger Verein, Schweden, Oesterreich, sowie Delegirte zahlreicher Communen hatten sich einatiii»?u5 Der Congreß wurde durch Herrn Oberbürgermeister Bötticher begrüßt. An her Sh beteiligten sich Lammers-Bremen, Dr. Götze-Leipzig, Oberrealschul-Direktor Brieg, Geh. Sanitätsrath Dr. Kristella-Berlin und im Schlußwort o. Schenkend Görlitz, worauf eine längere lebhafte Debatte folgte, welche sich in allen Theilen stimmend zu der Bestrebung des Vereins äußerte.

Paris, 25. September. Durch eine Mittheilung des Kriegsministeriums die Zeitungen wird die Blättermeldung, daß die Herstellung der Gewehre nach den, neuen Modell eingestellt worden sei oder langsamer betrieben werde, als unbearünb^t bezeichnet und erklärt, daß der Kriegsminister Ferron sofort bei seinem Dienstantritt eine beschleunigte Herstellung angeordnet habe und daß diese in sortwährend fteiaenhrr Progression vor sich gehe. Hinzugefügt wird, daß die mit Zustimmung des Krievs- ministers eingetretene Herabminderung der geforderten Credite ohne Einfluk (m s.7' Herstellung der Waffen und Patronen. b aur ötc

Petersburg, 25. September. DerDeutschen Petersburger Zeitung" iUfnrrt» wäre eine demnächstige allgemeine Erhöhung des Zolltarifs zu erwarten- Jn oji Positionen desselben sollen nur 88 intakt bleiben. 1

E v k a l e s.

Gießen, 26. September. Se. Majestät Kaiser Wilhelm traf heute Morgen 4< auf der Durchreise nach Baden-Baden begriffen, auf hiesiger Station ein. Nack ein-».' Aufenthalt von 7 Minuten dampfte der Zug weiter. nem

Gießen, 24. September. sSchwurgericht.j Die letzte Verhandlung dieser Session gegen Heinrich Rieb von Rüddingshausen endigte mit Freisprechung desAngeklaoten Derselbe stand unter der Anklage des Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Die Ge- schworenen verneinten jedoch die Schuldfrage und erfolgte deshalb Freisprechung

Gießen, 26. September. Am vergangenen Samstag Abend sprach itn ^nni, des HotelsPrinz Karl" Herr C. Sänger aus Frankfurt a. M., Prediger der dortigen deutschkatholischen (freireligiösen) Gemeinde über die Grundsätze der freirdtaiöVn Gemeinden. Der Redner gab zunächst ein Bild der Entstehung und Entwicklung btt deutschkatholischen und freireligiösen Bewegung und verbreitete sich sodann über die Hauptgrundsätze der freien Gemeinden. Nach Schluß des Vortrags theilte Herr C. Braubach von hier mit, daß dahier die Gründung einer solchen Gemeinde im Aussicht genommen sei und forderte zum Beitritt zu derselben auf. Eine Anzahl Herren aus der zahlreich besuchten Versammlung leisteten dieser Aufforderung als­bald Folge. _____________

Universität- - Ghronik.

An die Stelle des nach Leipzig berufenen Lehrers der Musik an der Uni­versität Rostock, Professor Dr. H. Kretschmar, wird der Musikdirector Dr. Alber: Thierfelder aus Brandenburg a. H. treten.

De«u»i-chte-.

Mainz, 25. September. In einem Theil der hessischen Presse wie auch in derFrankfurter Zeitung" ist meine neuliche mir, wie ich wiederhole, aus zuverlässiger Quelle von Darmstadt zugekommene Mittheilung, daß zwischen Hessen und Preußen wegen des Erwerbs der Ludwigsbahn jüngst Verhandlungen gepflogen worden sind auf Zweifel gestoßen. DieFrankfurter Zeitung", die nie verschmerzen kann, wenn andere Blätter besser unterrichtet sind, wie sie, hat zwar die behaupteten Tatsachen nicht bestritten, sondern nur in ihrem Aerger, weil beregte Mittheilung durch andere Organe zuerst in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, die Fassung der Nachricht früifirt und mit einigen journalistischen Wendungen behauptet, Ihr Correspondent hätte eigentlich längst bekannte Dinge nur aufgebauscht, in einer neuen Version in die Oeffentlichkeit gebracht. Anders verhält es sich mit dem Zweifel einiger hessischer Blätter, welche am die Mittheilung, daß Hessen bereit sei, unter der Bedingung, daß Preußen gleichzeitig sämmtliche hessische Bahnen käuflich erwirbt, das Vorkaufsrecht auf die Hessische Ludwigsbahn aufzugeben, um deßwillen nicht glauben wollen, weil unter den Bahnen, welche Preußen sich hiernach käuflich zu erwerben verpflichten müsse, auch der sich gut rentirenbe hessische Theil der Main-Neckar-Bahn sei. Dieser Einwand eines Darm­städter Blattes, das, beiläufig bemerkt, keinerlei Fühlung mit Regierungskreisen bat, verräth eine ebenso große Naivität für Eisenbahnpolitik wie Unkenntniß der ein­schlägigen Verhältnisse, denn zum Ersten wird bekanntlich der Gewinn, den die hessische Staatskasse von der Main-Neckar-Bahn hat, durch die Zinsgarantie für die Ober- hessischen Bahnen fast ganz verschlungen und zum Zweiten werden sich die Einnahme» der Neckarbahn, wenn die Ludwigsbahn in Besitz Preußens ist, wesentlich anders gestalten, indem es Preußen alsdann ohne viele Mühe in der Hand hat, auf dieselbe Weise wie es jetzt die Ludwigsbahn in ihrem Güterverkehr beschränkt, auch die Neckar­bahn auf der für Hessen in Betracht kommenden Linie im Personenverkehr zu schmälern. Dazu tritt noch als dritte Erwägung, daß die Entwickelung der Eisenbahnverhältniffe in Oberhessen nach Lage der Dinge ohne Verständigung mit Preußen nie fort­schreiten kann.

Aus Rheinhessen, 25. September. In Biebesheim herrscht unter der Schuljugend feit einiger Zeit derartig die ägyptische Augenkrankheit, daß die Schuler geschlossen werden mußten.

In Heß loch grassirt in bedenklicher Weise das Scharlachfieber und zwar nickt allein unter den Kindern, sondern auch bei den Erwachsenen.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 24..September. (Fruchtpresse.) Weizen 16.70, Äom M 14.4j Gerste 13.60, Hafer JL 11.10, Erbsen 00 00, Linsen JL 00.00, Lein JL OO-M Samen JL 21.60, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00.

Frankfurt, 24. September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln pe Malter JL 7.00-8.00, das Gescheid 10-12 Eier das Hundert JC 6 00-8.00, bml St. 6-8 Butter im Großen JL 00.0000.00, im Detail das Pfund 1.3 bis 1.50, Weißkraut per Stück 12-20 H, Rothkraut per Stück 20-30 H, Kohlra» A^Stück 34 H, Ochsenfleisch per Pfund 4570 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-to 4 ^^^ 4050 ^, Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 50-65 1 M

JL 0.801.60, 1 Huhn 1.002.50, 1 Ente JL 2.003.00, Gans Pfund 6070 H 1 Taube 40-60 Welsche JL 10.0012.00.

Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. L!.

Opernhaus.

Dienstag den 27. September: Hernani. Hierauf: Coppelia. GroG Preise.

Mittwoch den 28. September: Lohengrin. Große Preise. Auß;. Abonnement.

Donnerstag den 29. September: Waffenschmied. Mittelpreise.

Freitag den 30. September: Glocken von Corneville. Mittelpreise. 2kub- Abormement.

Samstag den 1. October: Zum ersten Male: Cid. Oper in 4 Allen v D'Ennery, L. Gallet und Ed. Blau. Musik von Maffenet. Große Preise.

Sonntag den 2. October: Fidelio. Große Preise.

EchanspielhauS.

Dienstag den 27. September: Gei er w ally.. Große Preise.

Mittwoch den 28. September: Odette. Große Preise. f .

Donnerstag den 29. September: Vorstellung bei ermäßigten Preisen, vam- Außer Abonnement.

Freitag den 30. September: Maria und Magdalena. Große Preye.

Samstag den 1. October: Zum ersten Male: Die Liebesleugner Schauspiel in 4 Akten von R. Misch.'

Sonntag den 2. October: Zum ersten Male wiederholt: Liebesleugne Große Preise.