Mr. 224. Dienstag dm 27. September 1887.
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Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher HHeil.
Betreffend: Erhebung von Domanialgefällen. Grünberg, den 26. September 1887.
Die Größtmögliche Mriktseinnehmerei Grünberg
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien de- Distriktseinnehmerei-BezirkS.
Wir ersuchen Sie in Ihren Gemeinden alsbald bekannt machen zu lasten, daß die Berichtigung der Ende September 1887 fälligen Domanialgelder fir Holz, Heugras und Waldnebennutzungen bis zum 25. k. Mts. hierher zu erfolgen hat und daß, wenn die Abführung der Schuld in dem angegebenen Termin nicht erfolgt, den gesetzlichen Bestimmungen gemäß das Zwangsverfahren eintritt.
Glock.
Politische Aeberstcht.
Gießen, 26. September.
Die Vereinbarung, welche die Führer der Kartell-Parteien über die Verlängerung der Legislatur-Perioden getroffen haben, bezieht stch zwar vorläufig nur auf den Reichstag; doch wird auch an den preußischen Landtag, den „Hamb. Nachr." zufolge, die Aufgabe herantreten, stch ebenfalls über die Verlängerung seiner Legislatur-Periode schlüsstg zu machen. Erfolgt auch in Preußen die Verlängerung, so wird ste hier sogar früher praktisch werben, als im Reiche; denn das Mandat des gegenwärtigen Abgeordnetenhauses läuft im Herbst 1888 ab, die dann stattstndenden Neuwahlen würden also bereits für fünf Jahre erfolgen, während der Reichstag zum ersten Male Anfangs 1890 auf fünf Jahre zu wählen sein würde.
Für die Eröffnung des orientalischen Seminars, welche Dienstag den 18. October erfolgen wird, sollen demnächst die erforderlichen Bestimmungen getroffen werden. Von den Lehrern, welche für den wiffenschast- lichen Unterricht in den Sprachen berufen wurden, befinden stch die Herren Dr. Lange (Japanisch), Dr. Reich (Hindostanisch), Andrea» (Perstsch und Türkisch) und Misstons-Jnspector Büttner (Suahelis bereits in Berlin. Auf der Herreise befinden stch Arendt aus Peking und Dr. Hartmann au» Beirut in Kleinasten, der Erstere zum Lehrer für das Chinesische, der Letztere für das Arabische und Türkische ernannt. Der Scheck, welchen der Khedive von Egypten zu den praktischen Uebungen im Arabischen empfohlen hat, ist nach etngetroffener Meldung ebenfalls abgeretst. Da derselbe des Deutschen nicht mächtig ist, so sind die Consuln unterwegs angewiesen, stch seiner anzunehmen; auch in Berlin wird ihm ein des Arabischen Kundiger zur Seite stehen. Die Anmeldungen für den Unterricht haben stch in letzter Zeit bedeutend gesteigert, ste stud auf über 100 angewachsen; allein für das Arabische erfolgten die Anmeldungen so zahlreich, daß von vornherein die Einrichtung von mehr als einem Cursus nöthig werden dürste, da die Zahl der Thetlnehmer eines solchen in der Regel nicht mehr als zwölf betragen soll. Besondere Sorgfalt wird auf die Einrichtung der Bibliothek des Seminars verwandt, für welche in dem Etat an außerordentlichen und ordentlichen Ausgaben über 20,000 JL ausgeworfen find. Wie es heißt, ist bereits ein Orientalist aus Marburg al» Bibliothekar berufen.
Die englische Mittelmeer-Flotte weilt seit einigen Tagen an der istrischen Küste und ist ste daselbst ein Gegenstand ungewöhnlicher Aufmerksamkeiten. In Triest wie in Pola, dem Kriegshafen Oesterreichs, werden die englischen Gäste, an ihrer Spitze der fürstliche Commandeur des Geschwaders, der Herzog von Edinburgh, seitens der osficiellen Kreise in glänzender Weise gefeiert und durch die verschiedentlichen Banketreden erklingt immer wieder ein bedeutsamer politischer Ton. So auch auf dem Diner, welches die Hafenbehörden von Pola am Mittwoch den Officieren des englischen Geschwaders gaben. Der brfenadmiral Pötner und der Herzog von Edinburgh brachten die osficiellen Toaste aus und hierbei hob der Letztere den Fortbestand der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und England in nicht mißzuverstehender Weise hervor. In Wien wie in London folgt man den Flotten-Festlichkeiten in den österreichischen Hafenstädten mit besonderem Jntereffe; ob tndeffen die Folgerungen, welche namentlich die englischen Blätter aus diesen Verbrüderungrsesten an der Adria ziehen und denen zufolge es sich um einen förmlichen Eintritt in die deutsch - österreichische Allianz handeln soll, richtig sind, muß denn doch noch abgewartet werden.
Die großen Herbstmanöver der österreichisch-ungarischen Truppen im südlichen Ungarn find am Mittwoch beendigt worden. Kaiser Franz Joses, welcher denselben von Anfang bis Ende beiaewohnt hatte, äußerte stch vor der Front der Manöver-Truppen in höchst anerkennender Weiss über die glänzende Ausbildung derselben.
Als einen Prolog zu der bevorstehenden Reichstags-Session in Ungarn kann man die Rede betrachten, welche Ministerprästdent Tisza vor feinen Großwardeiner Wählern gehalten hat. Den Schwerpunkt derselben bilden die Aeußerungen über die Ftnanzsrage; Tisza meinte, daß die Regelung der Finanzen durch die Heereskosten erschwert werde. Er (Tisza) glaube begründete Hoffnung zu haben, daß der Friede nicht so bald gestört werde. „Wir find aber gezwungen, unsere Wehrkraft zu erhalten und zu entwickeln in einer Zeit, wo alle Staaten um uns nicht nur die Erhaltung, sondern auch die Vermehrung ihrer Heereskraft anstreben." — Dieser Gedanke dürfte stch vermuthlich auch in der Thronrede wiederfinden.
In der diplomatischen Behandlung der bulgarischen Affaire ist ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Die Pforte hat eine Note an da» Petersburger Cabtnet gerichtet, in welcher ein neuer Meinungsaustausch der Mächte über die Krifis in Bulgarien angeregt wir; zunächst will aber die Pforte, um einen solchen herbeizuführen, stch wiederum mit Rußland in1« Vernehmen setzen. Da wird frellich etwas Rechte« heraussprtngen!
Deutschland.
Darmstadt, 24. September. (Ordensverleihung.) Das „Militär- Wochenblatt" meldet: Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigft geruht, dem Secondlieutenant im 1. Großh. Hess. Ins.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115 Ernst Ludwig, Erbgroßherzog von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit, die Erlaubniß zur Anlegung des von Ihrer Majestät der Königin von England ihm verliehenen Großkreuzes (Civilklaffe) des Bathordens, sowie der goldenen Jubiläums-Medaille zu ertheilen.
Darmstadt, 22. September. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 25) enthält:
1. Ocffentliche AnerkenMng einer edlen That:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schifferknecht Heinrich Berns aus Essenberg, Kreis Moers (Königl. Preuß. Regierungsbezirks Düffel- dorf), in Anerkennung der von demselben am 30. Juli (. Js. mit Muth und Entschloffenheit und unter eigener Lebensgefahr vollbrachten Rettung des zwölfjährigen Karl Draut aus Gernsheim vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille zu verleihen geruht.
2. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schiffner Ludwig Klöckner zu Mainz, welcher am 31. Juli d. Js., in der Abficht, die Insassen eines in der Mitte des Rheins nächst der Mainzer Straßenbrücke umgeschlagenen Kahnes zu retten, von der Höhe dieser Brücks in den Strom hinabsprang, in Anerkennung dieser mit ungewöhnlichem Muth und mit erheblicher Lebensgefahr unternommenen That, eine Geldprämie zu bewilligen geruht.
3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1887 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Mainz.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines ftemden Ordens.
6. Charatterertheilungen.
7. Namensveränderungen.
8. Abwesenheitserklärungen.
9. Dienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: Am 12. Juli den von dem Herrn Freiherrn Schenk zu Schweinsberg aus bie evang. Pfarrstelle zu Ober-Breidenbach präsentirten evang. Pfarrer Heinrich Wolkewttz zu Gartrop für diese Stelle zu bestätigen; am 31. August dem evang. Pfarrer Heinrich Dietz zu Bielefeld die evang. Pfarrstelle zu Messel zu übertragen.
Am 14. August wurde der von dem Kreisrath, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstand zu Heppenheim a. B. auf die erste Mädchen-Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. B. präsentirte Schulamtsaspirant Peter Hofmann au» Ebersheim für diese Stelle bestätigt; an dems. Tage wurde dem Schullehrer Joh. Konrad Sturmsels zu Semd eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, am 17. August wurde dem Ministerial-Revisor bei dem Ministerium der Finanzen, Rechnungsrath Friedrich Wimmenauer die Stelle de» Secretär» bei der Civildiener-Wittwenkaffe-Commission, am 23. August wurde dem Schullehrer Friedrich Förster zu Nieder-Breidenbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiterstadt übertragen; am 24. Aug. wurde der Htlfsweisen- wärter Adam Hundsdorf aus Arheilgen zum Weichenwärter der Nebenbahn Eberstadt-Pfungstadt ernannt; am 27. August wurde dem Schullehrer Heimlich Völflng zu Ober-Seibertenrod eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Garbenteich, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Ludwig Storck aus Spachbrücken eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wembach-Hahn ü^r* tragen; am 6. September wurde dem Philipp Schwabenland aus N^der- Hilbershetm das Patent als Geometer der 2. Klaffe für den Kreis Bin en ertheilt; an dems. Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürst-nau aus die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hüttenthal präsentirte Schulaa.ts- aspirant Ludwig Roth au» Reisen für diese Stelle bestätigt,
(Schluß folgt.)


