Ausgabe 
27.3.1887 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 73

Erstes Blatt.

Sonntag dm 27. März

1887.

Amts- tmb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

'M

L

L

1

i

Burrau r Schul st raße 7.

Erscheint tätlich utt Ausnahme des MentagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Dur>^ die Bott bergen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

AMtlicher Hßeil.

Gießen, am 23. März 1887.

Betreffend: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen.

Die Großherzoglichc Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Sie wollen uns innerhalb 8 Tagen die Berichte über den Zustand der Fortbildungsschulen im verflossenen Wintersemester einsenden.

Dr. Boe

mann.

5. Betragen der Schüler,

6. Zahl der abgehaltenen Stunden,

7. Höhe der Vergütung für den ganzen Unterricht.

sind nach folgendem Schema abzufassen:

1. Zahl der Klassen,

2. Lehrer,

3. ,, Schüler,

4. Leistungen der Schüler,

Dieselben

Gefunden: 1 Haarnadel von Horn, 1 Brenneisen, 1 Compaß, 1 Regenschirm, photographische Blenten, 1 Kinderstrumpf, 1 Portemonnaie mit

Inhalt, 1 Hundehalsband, 1 Halstuch.

Gießen, am 26. März 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius _________

Der Dank des Kaisers.

Es ist eine wunderbare Fügung des Himmels, daß mir nach io vielen unvergeßlichen Erinnerungstagen auch noch vergönnt gewesen ist, am 22. März mein 90. Lebensjahr zu vollenden. In demüthigem Ernste erkenne ich die Gnade Gottes, welche mich diesen Tag hat erleben lassen, welche mir in so hohem Alt-r die Krast zur Erfüllung meiner fürstlichen Pflicht erholten hat, welche mir das Glück gewährt, noch den Lebensabend mit meiner geliebten Ge­mahlin zu theilen und auf eine kräftig emporwachsende Nachfolge von Kindern, Enkeln und Urenkeln zu schauen.

Neunzig Jahre eines menschlichen Lebens, welch' eine lange Spanne 3eit! Wenn ich ste im Geiste an mir vorübergehen laste, so will es mir oft kaum sahlich erscheinen, was ich Alles erlebt, erfahren und errungen habe. Die gött* liche Vorsehung hat meine Wege, wenn auch nicht ohne schwere Prüfungen, sicher geleitet und zu glücklichen Zielen geführt. Gottes reichster Segen hat auf meiner Arbeit geruht. , r

In frühester Jugend habe ich die Monarchie meines tiefgebeugten Vaters in ihrer verhängnißvollen Heimsuchung gesehen. Ich habe aber auch die hin­gehendste Treue und Opferfreudigkeit, die ungebrochene Krast und den unver­zagten Muth des Volkes in den^Tagen seiner Erhebung und Befreiung kennen gelernt. Jetzt in meinem Alter blicke ich, nach so manchen Wechselfällen meines Lebens, mit Stolz und Befriedigung auf die großen Wandlungen, welche die ruhmvolle Vergangenheit der jüngsten Zeit, ein unvergängliches Zeugniß deut­scher Einigkeit und aufrichtiger Vaterlandsliebe, in Deutschland geschaffen hat. Möge unserem theuren Vaterlande die lang ersehnte Errungenschaft, wie ich es zuversichtlich hoffe, in ungestörter segensreicher Friedensarbeit zu stets wachsender Wohlfahrt aller Klaffen der Nation gereichen!

In wohlthuender Erinnerung an eine solche ereignißreiche Vergangenheit gewinnt die neunzigste Wiederkehr meines Geburtstages für mich eine besondere Bedeutung, welche durch die allgemeine tief empfundene Theilnahme meines Volkes erhöht wird. Aus allen Theilen des Reiches, aus fernen Landen, in denen Deutsche eine neue Heimath gesunden, selbst von jenseits des Oceans her, sind mir Adreffen in zum Theil kunstvoller, gediegener Ausstattung, Zuschriften und Telegramme, poetische und musikalische Gaben, Blumenspenden und Arbeiten in überreicher Anzahl zu diesem seltenen Tage zugegangen. Von Gemeinde- Verbänden, größeren wie kleineren Umsangs, von Collegien, Corporationen und Genossenschaften jeder Art, von wissenschaftlichen und Kunstinstituten, von An­stalten und einzelnen Personen bin ich in der herzlichsten Weise beglückwünscht worden. Künstler, bildende wie darstellende, Studirende der deutschen Universi­täten, Akademien und technische Hochschulen, Krieger-, Turn-, Bürger- und andere Vereine, Gilden und Innungen haben in der verschiedensten Weise ihre treue Anhänglichkeit an mich kundgethan. Durch festliche Veranstaltungen und Festversammlungen ist der Tag aller Orten verherrlicht worden. Der Umfang und die Mannigfaltigkeit dieser beredten Beweise von Liebe und Verehrung ist so groß gewesen, daß sich die Feier des Tages zu einer nationalen Huldigung für mich gestaltet hat.

Nicht vermag ich Allen, welche mir so liebevolle Aufmerksamkeiten erwiesen haben, im Einzelnen dafür zu danken. Tief ergriff n von solcher durch alle Schichten der Bevölkerung gehenden Bewegung kann >.l) nur der Gesammtheit zu erkennen geben, welche ungemeine Freude mir Jeder an seinem Thetle bereitet hat und wie tief mein Herz von innigster Dankbarkeit für alle diese patrioti­schen Kundgebungen erfüllt ist.

Es giebt wahrlich für mich kein größeres Glück, kein erhebenderes Be­wußtsein, als zu wissen, daß in solcher Weise die Herzen meines Volkes mir entgegenschlagen.

Möge mir diese Treue und Anhänglichkeit als ein theueres Gut, welches die letzten Jahre meines Lebens hell erleuchtet, erhalten bleiben! Mein Sinnen und Denken aber soll wie bisher so auch ferner für die Zeit, welche mir zu

wirken noch beschieden sein wird, darauf gerichtet sein, die Wohlfahrt und Sicher­heit meines Volkes zu heben und zu fördern.

Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 23. März 1887.

Wilhelm.

An den Reichskanzler.

Deutschland.

Darmstadt, 24. März. Seine König!. Hoheit der Großherzog empfingen gestern Vormittag lO'/zUhr im Kronprinzltchen Palais zu Berlin: den Generalmajor v. Becker, Kommandeur der 10. Cavallerie-Brigade, den Obersten Hofmann, Kommandant von Cüstrin, den Obersten z. D. Kolb, den Major Rothe vom großen Generalstabe, den Major Leydhecker, Adjutant bet der Generalinspection der Artillerie, den Major Menges vom Kriegsministerium, den Hauptmann Keim vom Nebenetat des großen General­stabs, den Hauptmann Frhrn. v. Gall vom Garde-Füsilier-Regiment, den Hauptmann v. Lyncker vom 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiment, den Hauptmann Mock vom Eisen­bahn-Regiment, den Rittmeister v. Zimmermann vom Nebenetat des großen General­stabs, den Rittmeister v. Willich vom 1. Garde-Dragoner-Regiment, den Rittmeister v. Scholl vom 1. Garde-Ulanen-Regiment, den Rittmeister Frhrn. Riedesel zu Eisen­bach vom 10. Husaren-Regiment, den Hauptmann v. Wachter vom 3. Garde-Grenadier- Regiment, den Hauvtmann Bicrel ä la suite des 3. Großh. Infanterie-Regiments (Leib- Regiments) Nr. 117 und den Hauptmann Loos ä la suite des 1. Großh. Infanterie (Leibgarde)-Regiments Nr. 115 von der Gewehr-Prüfungs-Kommission, den Haupt­mann Gindler vom Großh. Feld - Artillerie - Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie- Korps), den Hauptmann Simon vom Fuß-Artillerie-Regiment Nr. 8, den Hauptmann Scheche, Lehrer an der Artillerie- und Ingenieur-Schule, die Premierlieutenants v. Geyso vom Infanterie - Regiment Nr. 81, kommandirt beim großen Generalstabe, Lüttich ä la suite des Infanterie-Regiments Nr. 118, kommandirt zur Gewehrfabrik in Spandau, Scholl vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 31, kommandirt zur Artillerie-Schießschule, Friedrich vom Eisenbahn-Regiment, Hopfe vom Infanterie-Regiment Nr. 118, kom­mandirt bei der Militär-Schießschule, Vollmar vom Feld-Artillerte-Regiment Nr. 25, kommandirt zur Arttllerie-Schießschule, v. Mülmann vom Infanterie-Regiment Nr. 115 und Kaul vom Infanterie-Regiment Nr. 116, kommandirt zur Kriegs-Akademie, die Secondlieutenants Schorle vom Dragoner-Regiment Nr. 23, Pempel vom Infanterie- Regiment Nr. 117, Petersen vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 25, kommandirt zur Central-Turnanstalt, die Secondlieutenants v. Heuduck vom 6. Husaren-Regiment und Hahn vom 24. Dragoner-Regiment, kommandirt zur Kriegs-Akademie, den Second- lieutenant Neidhardt vom 3. Garde-Regiment z. F.; den Großh. Gesandten, Geheimen Staatsrath Dr. Neidhardt, den Frhrn. Riedesel zu Eisenbach, Erbmarschall in Hessen, die Regierungsassessoren v. Löhr I. und v. Löhr II.; den Fürstlich Lippe'schen Cabinets- minister Frhr. v. Richthofen aus Detmold; die Reichstagsabgeordneten aus dem Groß- berzogthum Hessen: 1. Wahlkreis Gießen: Buderus, Mitglied der Ersten Kammer der Landstände des Großherzogthums, Hüttenbesitzer in Hirzenhain, 2. Wahlkreis Fried­berg: Brand, Director in Mainz, 3. Wahlkreis Alsfeld: Kalle, Rentner in Wiesbaden, 4. Wahlkreis Darmstadt: Ulrich, Brauereibesitzer in Pfungstadt, 5. Wahlkreis Offen­bach: Böhm, Mitglied der zweiten Kammer der Stände des Großherzogthums, Fabri­kant in Offenbach, 6. Wahlkreis Erbach: Scipio, Gutsbesitzer in Mannheim, 7. Wahl­kreis Worms: Dr. Marquardsen, Universitäts-Professor in Erlangen.

Die sämmtlichen Genannten hatten darauf die Ehre, auch von Sr. Kgl. H. dem Erbgroßherzog empfangen zu werden und dem Hohen Brautpaare, Sr. Königl. Hohert dem Prinzen Heinrich von Preußen und Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Irene von Hessen ihre Glückwünsche zur Verlobung darbringen zu dürfen.

x Darmstadt, 25. März. sZweite Kammer der Landstände.j Die Verhand­lungen werden heute um 9 Uhr fortgesetzt und die Einläufe und Berichterstattungen Seitens des Bureaus und der verschiedenen Ausschüsse zur Kenntniß des Hauses gebracht. *

Sodann tritt die Kammer in die Tagesordnung, als deren erster Punkt l ie Interpellation des Abg. Ohly betteffend die Dienstverhältnisse der geprmicn Expeditions-Gehülfen der Main-Neckar-Bahn, damit denselben in ähnlicher Weise wie den Kreisamts- und Steuer-Commissariats-Gehülfen nach einer gewissen Zeit Gehaus- Aufbesserung decretmäßig zu Theil werde, zur Besprechung gelangt. ,,

Ministerial-Präsident Weber beantwortet diese Interpellation dahin, dav o- Großh. Negierung die Aufbesserung der Gehalte, sowie die Anstellung dieser Categor von Gehülfen ablehnt. t M 11tfr:ßsßn und

Abg. Ohly gibt sich mit diesen Erklärungen der Regierung mch rusrteoen wird nochmals einen Antrag in dieser Sache dem Hause demnächst vo . g

Es folgt sodann die Interpellation des Abg Wasserburg, d^zu uerer schwemmungen geneigte Bodenftguration zwischen Muhlheim und -ft