Ar. 49 Zweites Bturl <'i 11 27 Februar 1887
Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hhei L
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kcnntniß gebracht, daß dem Stadtvorstand zu Alsfeld gestattet worden ist, gelegentlich des am 25. Juli l. I. daselbst stattfindenden Zuchtviehmarktes eine Verloosung von Vieh und landwirthschastlichen Geräthen zu veranstalten.
Die Erlaubniß ist unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 4000 Loose ä 1 jl ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Grobherzogliches Ministerium hat den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestaltet.
Gießen, den 21. Februar 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekman n.____________
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Direction des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Mannheim und das Directorium des badischen Rennvereins Manrheim aus Anlaß des im Mai d. I. in Mannheim abzuhaltenden Pferde- und Rindvieh-Marktes eine Verloosung von Pferden, Rindvieh, Silbergegenständen, Fahr- und Reitrequisiten und sonstigen Geräthen für Haus- und Landwirlhfchast veranstalten werden, bei welcher 30,000 eventuell 50,000 Loose ä 2 «X ausgegeben und Gewinne im Gesammtwerthe von 39,000 eventuell 65,000 vfl. verloost werden sollen.
Großherzogltches Ministerium hat den gedachten Unternehmern auf ihr Nachsuchen gestattet, die fraglichen Loose im Großherzogthum zu vertreiben.
Gießen, am 23. Februar 1887. Großherwgliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Wochen > Uebersicht.
Gießen, 26. Februar.
Die jüngste Indisposition des Kaisers ist im Allgemeinen wieder behoben, dennoch aber sieht er sich auf den Rath der Aerzte genöthigt, sich noch große Schonung auszuerlegen. Der Kaiser hat darum die gewohnten Ausfahrten noch nicht wieder ausnehmm können, während er im Uebrigen die laufenden Regierungsgeschäfte nach wie vor erledigt. Am Mittwoch Nachmittag hatte der Kaiser eine längere Conferenz mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck, welcher hierbei jedenfalls Bericht über den Ausfall der Reichstagswahlen erstattet hat. Dem am Fastnachts-Dienstag im königlichen Schlosse ßattgesundenen glänzenden Balle, mit welchem der Caineval am Berliner Hofe herkömmlicher Weise seinen Abschluß gesunden hat, wohnte bcr Kaiser aus Anrathm der Aerzte nicht bei.
Der von München aus schon mehrfach sigraltsirte dritte Schritt des Papstes in den deutschen Angelegenheiten, angeblich in einer an die preußischen Bischöfe gerichteten Mahnung bestehend, soll in der That noch levor- stehen. Der bett. Brief des Papstes soll bereits von Rom abgesandt und wiederum an den Nuntius in München gerichtet sein; einen praktischen Werth für die Stichwahlen würde man jedoch dieser abermaligen Kundgebung des Papstes wohl kaum beizulegen haben.
Bereits ist auch der Tag des Zusammentrittes des neuen Reichstages bekannt, welch' letzterer laut kaiserlicher Verordnung aus den 3. März einberufen wird. Die Regier;.ng hat demnach nicht erst hie engeren Wahlen abgewartet, sondern sofort, nachdem es nunmehr seststeht, daß bereits die Hauptwahten die Beschlußsähigkeit des Hauses sichern, das neugewählte Parlament zusammenberusen. Da die Militär-Vorlage und der Reichshaushalts- Etat bis zum 1. April erledigt sein muffen, wenn beide Entwürfe an diesem Tage in Kraft treten sollen, so stellte sich die baldthunlichste Einberufung des Reichstages als dringlich geboten dar und diese würde verzögert worden sein, hätte man erst das Ergebniß der Stichwahlen abwarten wollen. Was das sonstige Arbeitsmaterial für den neuen Reichstag anbelangt, so weiß eine osficiöse Correspondenz zu berichten, daß die gesummten, in der letzten Session vorgelegenen und nicht zur Erledigung gelangten Entwürfe dem jetzigen Reichstage im Ganzen unverändert wiederum zugehen werden.
Unter dem noch Alles beherrschenden Eindrücke der Wahlen können die sonstigen Ereignisse der Woche auf innerpolitischem Gebiete nur eine flüchtige Erwähnung finden. Vor Allem ist da die Vorlegung des neuen kirchenpoli- tischen Gesetzentwurfes im preußischen Herrenhause zu erwähnen, durch welchen endlich der kirchenpolitische Kamps in Preußen zum definitiren Abschluß gebracht werden soll — nun, man kann dies nur ausrichtig wünschen und hoffen. Die erste Sitzung der kirchenpolitischen Commission des Herrenhauses ist aus den 2. März anberaumt worden. Ferner ist am Mittwoch das preußische Abgeordnetenhaus nach Ablauf seiner durch die Reichstagswahlen bedingten Ruhepause wieder zusammengetreten. Zur Debatte stand die Specialberathung des Cultus-Ministeriums; währenv aber dieser Special-Etat früher zu langen und erregen Verhandlungen führte, passirten diesmal die meisten Capitel fast debaltelos und kaum ließ sich hie und da ein leiser Anklang an die „Cultur- kamps-Reden" früherer Sessionen erkennen; die einzelnen Positionen des Etats wurden sämmtlich genehmigt.
Es ließ sich erwarten, daß die Reichstagswahlen auf die internationale Constellation einen tiefgreifenden Einfluß äußern würden. Dies ist denn auch geschehen unb die Commentare der ausländischen Presse über den Ausfall der Reichstagswahlen lassen erkennen, welchen Eindruck dieselben allenthalben im Auslande gemacht haben. Mit besonderer Wärme haben die Londoner unb Wiener Blätter die allgemeine Friedens-Bedeutung der deutschen Wahlen hervor, aber auch die Chauvinisten- unb Panslavistew Presse muß, wenn
auch widerwillig, den Sieg der Reichsregierung unb damit das Wiedererstarken bes nationalen Geistes in Deutschland anerkennen. Wenn dabei die französischen
Blätter triumphirend auf den Wahlsieg der Protestpartei in Elsaß-Lothringen Hinweisen und diese nicht zu leugnende Thatsache in einem für Frankreich günstigen Sinne auslegen, so kann man dies den Franzosen gerade nicht verdenken.
Gönnen wir ibn n also diese kleine Freude!
Die russischen Panslavisten. Blätter, allen voran die „Nowoje Wremja",
fitzen die Welt durch eine entsetzliche österreichische Spionengeschichte in Allarm. Das letztgenannte Blatt hat in Moskau einen österreichischen Generalstabs-O ficier entdeckt, bei welchem — es ist nicht recht klar, wer eigentlich der glückliche „Finder" war — Generalstabs-Papiere, russisch-deutsche Wönerbüch-r, Pässe und andere bedenkliche Schriftstücke „gesunden" wurden. Der „Nowoje Wremja" und den anderen Panslavisten-Blättern ist es nun eine ausgemachte Sache, daß dieser Oesterreicher ein höchst gefährliches Individuum, ein Spion aus dem ff war unb sie halten allen Ernstes die Sicherheit des Czarcnreiches durch diesen Besuch gefährdet. Glücklicher Weise kann die „Polit. Corre-p." diese neueste Spionengrschichte aufklären. Der betr. Militär gehörte zu denjenigen österreichischen Officierm, welche im vorigen Jahre den russischen Manöverrfials Gäste des Czaren beiwohnten. Dem Osficier war nun im Hotel ein Handkoffer obbarden gekommen, in welchem sich ein Reisepaß, ein Wörterbuch und Theile einer Karte von Rußland befanden unb dies find gebräuchliche Reife- Utensilien auf einer Reife nach Rußland.
Die Aussehen erregenben Meldungen des Brüsseler „Nord" über die russische Zukunstspolitik erfahren endlich — spät genug! — von Petersburg her ein Dementi. Der osficiöse „Herold" dementirt die Meldungen über die antideutsche Stellungnahme Rußlands im Falle eines deutsch -sranzösischen Conflictes und sagt: „Zwischen dem officiellen Rußland und dem officiellen Deutschland bestehen die denkbar herzlichsten Beziehungen." Sollte man da aber von Petersburg aus nicht auch der fortwährend gegen Deutschland hetzenden Panslavisten'Presse ein bezügliches Licht aüsstecken?
Die Neubildung des italienischen Cabinets ist noch in zwölfter Stunde gescheitert. Depretis hat, nachdem er die Vergeblichkeit dieses Versuches eingesehen, hieraus verzichtet und den Auftrag zur Cabinets- bildung in die Hände des Königs zurückgegeben und ist hiermit die italienische Ministerkrisis acut geworden.
Der italienische Ob erst - Commandirende in Massauah, General Gen6, hat auf die abeffynischen Friedens- und Freundschaftsversicherungen mit der Forderung der Freilassung Salimbeni's und seiner Gefährten geantwortet.
In ganz Ober-Italien bis in das südliche Frankreich hinein wurden am Mittwoch heftige Erderschütterungen verspürt. Dieselben haben in zahlreichen Orten Häusereinstürze herbeigeführt, wobei leider auch eine Anzahl Personen theils getödtet, theils verwundet wurden. In Savona wurden 8 Todte und 15 Verwundete ausgefunden, in Noli sogar 15 Todte; auch in Oneglia, Albisola, Porto Maurizio u. s. w. wurden viele Personen durch einstürzende Häuser getödtet oder verwundet.
Die Pforte hat die Verhandlungen mit Zankoff über die bulgarische Krisis abgebrochen. Dieselben sollen nur mit den bulgarischen Delegirten und dann den Botschaftern fortgesetzt werden, auch will die Pforte einen neuen Commissar nach Sofia entsenden.
Bermischte-.
- Die Prinzessin Irene von Hessen - Darmstadt, deren Verlobung mtt dem Prinzen Heinrich von Preußen für den Geburtstag des Kaisers sli g .
mitten in den Kriegsstürmen des Jahres 1866, als der Aeniah . _ .
Felde sich befand, geboren. Am 11. Juli 1866 kam dle Kleine zur Welt „ein „gesundes" kräftiges Mädchen mit dunkeln Augen und braunen yaaren , wie es


