Ausgabe 
26.5.1887 Erstes Blatt
 
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Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspon-enz-Burcan.

Stuttgart, 24. Mai. Kammer. Der Abgeordnete Göz beantragt, zwei Millionen direkte Steuern zu streichen, weil die Matrikularbeiträge voraussichtlich soviel weniger betragen würden. Minister Mittnacht verlas eine Erklärung der Re­gierung, die den Antrag für unannehmbar erklärt, weil die Zuckersteuererträge zu Weit ausstehend seien und das Reich möglicherweise dieselben selbst beanspruchen werde, die Branntweinsteuer aber eine Aenderung des Reservatrechts ooraussetze, worüber den Ständen Mittheilung zugehen werde; heute eine Erörterung darüber zu pflegen, widerstreite den Interessen des Landes. Der Antrag wurde mit 77 gegen 7 Stimmen verworfen.

Hamburg, 24. Mai. Heute früh 53/< Uhr stürzte unter dem Drucke des Hoch­wassers ein Theil der früheren Chaussee nach Harburg auf dem jenseitigen Elbufer, welcher jetzt provisorisch als Damm für die neuen Hafenbauten verwendet wird, ein. Sämmtliche umfangreiche Baugruben sind mit Wasser angesüllt. Der Damm zeigt noch mehrfache Risse, die ein weiteres Einstürzen besorgen lassen. Ein Verlust von Menschenleben hat nicht stattgefunden.

Bern, 24. Mai. Die Bundesversammlung wurde auf den 6. Juni einberusen. Der Bundesrath sucht einen Credit von 840,000 Fr. für Anschaffung einer größeren Anzahl von 8,4Centimeter-Ringgeschützen nach.

London, 24. Mai. Das Unterhaus nahm mit großer Mehrheit den zweiten Artikel der irischen Strafrechtsbill an. Die Berathung darüber dauerte bis heute früh 5 Uhr, nachdem die Regierung eingewilligt batte, daß die Berathung des 5. Abschnitts bis zur Berathung des Berichts vertagt werde.

Nach einer Meldung aus St. Thomas (Golf von Guinea) ist die Expedition Stanley's zur Unterstützung Emin Pascha's am 30. April von Stanleypool in vier Dampfern congoaufwärts abgegangen. Einer der Dampfer schleppte mehrere Lichterschiffe.

Das Unterhaus hat sich bis 6. Juni vertagt.

Paris, 24. Mai. Floquet schrieb gestern an Greoy, er erachte es nach reiflicher Ueberlegung für unmöglich, bei Freycinet Schritte zu thun, obgleich er die Bildung eines versöhnlichen Cabinets unter Freycinet mit Beibehaltung mehrerer früherer Minister lebhaft wünsche. Floquet fügte hinzu, er habe geglaubt, in schon begonnene Verhandlungen nicht eingreifen zu dürfen. Die meisten Blätter glauben eine Cabinets- hildung unter Freycinet nur hinausgeschoben.

Grauet, Lockroy, Boulanger und Berthelot konferiren gegenwärtig mit Flo­quet wegen Neubildung des Cabinets. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt Floquet, diejenigen Mitglieder des bisherigen Cabinets, welche es wünschen, in das neue Cabinet cintreten zu lassen. Parlamentarische Kreise nehnten an, Deoelle, Goblet und Dauphin würden definitiv zurücktreten. llebei die Zusammensetzung des neuen Cabinets ver­lautet, daß Floquet das Innere übernehmen werde, die Finanzen sollen Rouvier an- geboten werden, obwohl derselbe bisher wenig geneigt zur Uebernahme erscheint. Flou- rens soll dringend ersucht werden, das Auswärtige zu behalten. Falls Flourens ablehnt, würde das Auswärtige Bourne, dem früheren Gesandten in China, angeboten werden. Für den Ackerbau werden Sansleroy oder Vielte, für die Justiz Boysset, für die Marine Aube oder Admiral Bourgeois in's Auge gefaßt. Die Gruppe der Opportunisten scheint dem projektirten Cabinet nicht günstig zu sein, dagegen sind die radikale Linke und die äußerste Linke bereit, dasselbe kräftig zu unterstützen. Die Rechte will das Cabinet bekämpfen. Die Verhandlungen wegen der Cabinctsbildung werden sich voraus­sichtlich bis morgen Abend hinziehen.

Petersburg, 24. Mai. DasJournal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Rede Tisza's, derselbe sei bei seinen Erklärungen nicht aus der Reserve heraus- getreten; es sei jedoch bedauerlich, daß Tisza, obwohl ihm selbst nicht der Augenblick gekommen zu sein schien, um ein Urtheil über die verschiedenen Phasen der Unterhand­lungen abzugeben, doch aus parlamentarischen oder Wahlrücksichten Erklärungen ab­gegeben habe, die nothwendigerweise unvollständig und lückenhaft ausfallen mußten. Das Blatt will Tisza auf diesem Wege nicht folgen, es zieht vielmehr vor, von Neuem die Hoffnung auszusprechen, daß die Cabinete feiten Blickes den Weg verfolgen werden, auf den das allgemeine Bedürfniß nach Einmüthigkeit und Frieden hinweift.

Hiesige Blätter sprechen von dem dieser Tage bevorstehenden Eintreffen Peter Karageorgiewitsch's.

Rom, 24. Mai. In den im gestrigen Consistorium gehaltenen Allokutionen sprach der Papft zunächst von dem religiösen Frieden mit Preußen, für welchen er alle Bemühungen eingesetzt und alles minder Wichtige bei Seite gelassen habe, um vor ur H"l der Seelen worzusorgen.Wir waren von den Uebeln dieses religiösen Kampfes umsomehr in Anspruch genommen, als wir wegen vielfacher Be- hinderungen nicht allein denselben zu steuern vermochten. Wir riefen die Mitwirkung der Bischöfe und katholischen Deputirten an. Aus der Ausdauer und Eintracht der­selben gewann die Kirche einen erheblichen Nutzen und erwartet davon noch größeren. £ u,nb friedlichen Gesinnungen des deutschen Kaisers und seiner Nathe pflichtete die Regierung der Eliminirung der schwersten Mißstände bei und nahm verschiedene praktische ^riedensbedingungen an, so daß die früheren Kirchengesetze theils abgeichant. theils sehr gemildert wurden. Wenn auch noch Manches zu wünschen übrig ? s m doch über das Erlangte freuen, insbesondere, was die freie Aktion

Papstes innerhalb der Kirche in Preußen betrifft. Wir verzweifeln nicht daran, noch bessere Resultate, selbst in anderen Theilen Deutschlands, namentlich in Hessen- Darmftadt zu erlangen. Gebe Gott, daß Italien, das uns besonders theuer ist, von Q)ntinnon i i . töHttC , wovon wir gegen alle

Stationen beseelt sind. Wir wünschen lebhaft, daß Italien den verhängnißvollen Streit

^vnMPÄrunferta9n ist"* eines Zustandes der Dinge, w° d-o

Bttmifdbte#.

-0^i. , Bezüglich der Einhaltung der Sonntagsfeier hat das ÄTte sCn G-r'ch>s°°llziehern folgendes Rescrivt ,ugeden lassen:Nach oU>i(ber "tn^ Swangt ,st da« in den Schreibstuben der Gerichts-

u «än ? S°nn- und Festtagen gearbeitet wird, so finden wir uns

die ' b~6, abflcf,f,S1en den Fällen besonderer Dringlichkeit,

oie ^ericyt^oollzieher an den ^onn- und allgemeinen ftefttaaen Nerkebr mit hrm die Gehüfsen s-i 7s

werden dürfen^ b @*re,b|lubr' von bcn Gerichtsvollziehern nicht beschäftigt Strif ^rtn*,;. biL ®laurer8ebü,feon Msbrercn Nachbarstädten mit ihren

U 7e? xt\ .brr Besserung ihrer Lohnverhältnisse nichts erreicht haben besteht bei einem Thell der hiesigen Maurer die Absicht, die eben beaonnene ""rÄüer ^rUI¥ r.u benutzen. Vorgestern Abend hieltet" diesem Behuft r tn ^klcher allgemein das Verlangen Ausdruck fand daß die

unb bafür die Stundenarbeit eingeführt werden soll. Als höchst zulässige Arbeitszeit wurden 10 Stunden fixirt und die sogenannte Accordarbeit ganz verworfen. Die Versammlung setzte eine Kommission nieder, die die Forderungen un° den Meistern unterbreiten soll. In Worms' beabfi5)tt0ten

E rr k Weichem Zweck eine Versammlung einzuberufen, zu welcher sich aber außer den Emberufern, wie dortige Blätter melden, nicht ein Arbeiter einfand

Born Rh ein, 24. Mai. An der Oberenwehrspitz unfern Coblenr sand Ä,$e,HVn A^"i die Leiche eines feingekleideten Mannes, mit dem Kops im Es lst h ^,^'selbe hatte sich anscheinend mit einer Wasserladung erschossen. Es ist bis letzt noch nicht festgestellt, wer der Verstorbene ist, und nur soviel ermittelt SnntTp' fbÄ b'C am Abend vorher in Koblenz Pistolenkugeln kaufen wollte. Papiere fand man bet der Lerche feine, dagegen trägt die Wäsche des Verstorbenen den Stempel Wilhelm Volk, Wäschefabrik in Bad Homburg". Wie eben an­kommende Bahnbeamten mittheilen, stießen gestern Nachmittag bei Opladen zwei Güter- zuge zusammen, wobei zwei Bremser ums Leben gekommen sind.

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Handel und Verkehr.

33cy.Iin' J?2. Mai. Von jetzt ab können Postpackete im Gewicht bis 3 Kg. gegen ermayigte ^axen rach Ceylon, Cypern, Neu-Fundland, Bittisch-Betschuanaland, Ascension, St. Helena, sowie nach den australischen Colonien Neu-Süd-Wales und Victoria versandt werden.

Mainz, 24 Mai. Nach der von dem Konkursverwalter gemachten Auf- stellung belau'en sich bie Forderungcri an den flüchtig gegangenen Bijouteriewaaren- handler Levy & Cie. von hier auf 400 000, welchem Betrag Activen JL. 20 000 ge0enuberfteben. Hauptgläubiger sind 4 Engros-Geschäste in Paris, Mainz, Prag und Pforzheim. ' ö' * b

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wenn heute eine Zahntinktur empfohlen würde, die neue Zähne in alte Lücken hervor- brmgt und doch wäre dieses gleichbedeutend mit dem Versprechen neuer Haare auf kahlen Stellen! Deßhalb kann man bei den sich massenhaft mehrenden Mitteln für Haarleidende nicht genug auf das seit Jahren bewährte, von allen Autoritäten em- und Billigkeit sich auszeichnende Carl Ketter'sche Haarwasser München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was es verspricht, nämlich Con- servirung und Kräftigung des Haares, Reinigung aller Kopfhautübel, als Schuppen rc Herstellung eines weichen glänzenden Haares und festen Scheitels. 9U haben um 40 lat, M 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen. 2W

Möcherrtliche Ueberficht der TodesMe in der Ztadt Gießen.

20. Woche. Vom 15. Mai bis 21. Mai 1887.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 10,9°/«).

fr o ri' r _ r _ Ä 1 tt b C V

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

. , . , 1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Entzunbung der Bronchien 1 1 _ v

Lungenentzündung 1 (1) 1 (1)

Lungenblutschlag 1 (1) 1 (1) _

Altersschwäche 1 i

Summa: 4 4 II H-----

. 9,rm- Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen

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