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Nr. 98

Dienstag dm 26*. April

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Schulstr°ß° 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. gbÄTlX8^5?

Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.

Den nachstehenden Aufruf bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, den 22. April 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

vr. B o e k m a n n.

Von einem Kunstfreunde ist zur Hebung der Freskomalerei eine Stiftung gemacht worden, deren jährliche Zinsen 3000 Jl. betragen. Davon sollen in jedem Jahre ein oder mehrere Bilder in Freskomalerei ausgeführt werden. Der leitende Gedanke ist der, daß Privatleute in ihren Wohnräumen Bilder gemalt erhalten, zu welchen sie selbst den Gegenstand bestimmt haben. Es haben die fünf Akademien zu München, Berlin, Düsseldorf, Karlsruhe und Dresden ihre Zustimmung zugesagt, und wird abwechselnd in jedem Jahre eine derselben bte Ausführung durch einen hervorragenden Schüler oder jungen Künstler leiten.

In diesem Jahre trifft es die Kunstschule zu Karlsruhe, und werden Kunstfreunde, welche in Württemberg, Baden, Hessen, Hohenzollern, Elsaß- Lothringen wohnen und dort ein Haus besitzen, in welchem sie einen Raum durch Freskomalerei geschmückt haben möchten, aufgefordert, sich bis zum ersten Mai bei der unterzeichneten Behörde schriftlich zu melden und derselben Mittheilung zu machen über

1) den darzustellenden Gegenstand und die gewünschte Art der Darstellung (Figurenbild, Landschaft, Dekoration),

2) Größe, Gestalt, Lage des Raumes, bez. der Wandfläche, durch Einsendung eines Grund- und Aufrisses,

3) die Höhe der Summe, welche sie etwa bei größerer Ausdehnung der Arbeit, beizusteuern gewillt sind.

Die Kosten für Vorbereitung der Wandfläche, Herstellung der Gerüste und der nöthigen Requisiten hat der Besteller zu tragen.

Aus diesen Meldungen wählt die Kunstschule die am passendsten scheinende aus und beauftragt einen ihrer Schüler mit deren Ausführung.

Die geehrten Vorstände der Stadt- und Landgemeinden sowie die Herren Künstler und Kunstfreunde werden ergebenst gebeten, in ihren Kreisen dieser Aufforderung möglichst weite Verbreitung zu verschaffen.

Karlsruhe, den 23. Februar 1887. gez.: Direction der Großh Kunstschule.

Deutschland.

Darmstadt, 23. April. Se. Känigt. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen und Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Irene empfingen gestern Nach­mittag im Neuen Palais im Beisein Sr. König!. Hoheit des Gcoßherzog» eine Deputation der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt, bestehend aus den Herren Oberbürgermeister Ohly und den Beigeordneten Riedlinger und Hickler. Ober­bürgermeister Ohly hatte die Ehre, vor den Höchsten Herrschaften folgende Adceffe zu verlasen:

Durchlauchtigster Prinz!

Durchlauchtigste Prinzessin!

Als die frohe Kunde von dem Herzensbunde unserer vielgeliebten Für- stentochler mit dem erlauchten Sproß des Hohenzollernhauses unsere Stadt erreichte, da war es das einmüthige Gefühl reinster und innigster Freude, das unser Aller Herzen mächtig durchströmte.

Wir fühlten, daß dieses beglückende Ereigniß die engen und herzlichen Beziehungen, die unser Fürstenhaus und das hessisch; Volk mit dem erhabe­nen Deutschen Kaiserhause verbinden, noch fester und inniger gestalten, daß sie durch den gottgesegneten Bund zweier erlauchter Seelen, die sich in treuer Liebe und Hingebung zu einander fanden, eine erhöhte Bedeutung und eine neue Weihe erhalten würden.

Wir sind hoch beglückt, daß wir Ew. König!. Hoheit hier an der Hei- mathstätte der allgeliebten fürstlichen Braut unsere ehrfurchtsvollen Glück­wünsche darbringen dursten und werden das Gedenken an diese Tage, die von der aufrichtigen Freude des treuen Hefferivolkes durchleuchtet sind, stets in hohen Ehren halten, gleich wie wir es uns noch in fernster Zukunft gegenwärtig halten werden, daß unser allverehrter Kaiser, als hoher Schirm­herr des Hohenzollernhauses, diesen Herzensbund mit segnendem Worte ge­weiht hat.

Wenn in das volle Glücksgefüh! dieser Tage sich eine leise Wehmuth mischt, die wir nicht zurückdrängen können, so entspringt sie aus dem tiefen Bedürsniß, gerade jetzt inniger als jemals unserer unvergeßlichen Großher­zogin zu gedenken, deren leibliche Augen diese Freudentage nach des Ewigen Rathschluß nicht mehr schauen sollten.

Aus tiesinnerstem Herzen aber flehen wir zu dem Allmächtigen, daß er dm schönen Herzensbund für alle Zeit segnen und aus demselben eine reiche Fülle reinsten Menschenglücks erblühen lasten möge.

In tiefster Ehrerbietung verharren rc. rc. im Namen der Stadt Darmstadt rc.

Se. König!. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen erwiderten Folgendes:

Tief ergriffen und bewegten Herzens stehe ich vor Ihnen, mit beson­derer Freude die Gelegenheit begrüßend, um an dieser Stells im Namen der Prinzeß und in meinem Namen, Ihnen und somit der treuen Hestenstadt Darmstadt für die freundlichen und herzlichen Gesinnungen zu danken, welche Sie uns in Ihren soeben gesprochenen Worten entgegengetragen haben! Ein neuer Beweis deutscher Treue und deutscher Zusammengehörigkeit, erwacht und fortgedeihend unter der Regierung unseres heißgeliebten Kaisers, leuchtet mir aus Ihren Worten entgegen und fesselt mich mit neuen Banden an die Heimath der Prinzeß und an das Haus unseres geliebten Großherzogs!

Um so wohlthuender berühren die letzten von Ihnen gesprochenen Worte, und finden einen lauten Wiederhall in meinem Herzen, denn unzer­trennlich ist das Andenken an die verewigte Großherzogin mit den Erinne- ! rungen an die vielfachen und so glücklichen Stunden meiner Kindheit ver- knüpft, welche ich hier verbringen durste! Mein künftiges Leben, welches

von nun -an der Prinzessin, meiner heißgeliebten Braut angehören soll, lege Zeugntß ab von meinen dankbaren Gefühlen, welche ich gegen das treue Heflenland und im Besonderen gegen die Stadt Darmstadt hege. (D. Ztg.)

X DMrmstadt, 23. April. [II. Kammer der Landstände.j Die Verhand­lungen beginnen heule um 3/410 Uhr, da die Kammer vorher nicht beschlußfähig war.

Zur Tagesordnung stehen heute nur Interpellationen und Besprechungen derselben, und zwar:

1. Die Interpellation des Abg. Wolz betr. die Regulirung des MainflusseS bei Seligenstadt.

Ministerial-Präsident Weber beantwortet dieselbe dahin, daß Großh. Regierung Verhandlungen mit der Königl. bayer. Regierung über die Regelung der bestehenden Mißstände gepflogen habe und daß sich die bayerische Regierung bereit erklärt Habe, an der Herstellung der Regulirung Theil zu nehmen. Es würden aber die Vornahmen der Verhandlungen an Ort und Stelle nöthig sein. Um diese aber vornehmen zu können, müßte ein besserer Wasserstand eingetreten sein.

- Abg. Wolz richtet nochmals dringend die Bitte an Großh.Regierung, jetzt aber die Verhandlungen doch ernsthaft zu betreiben, damit der nun seit Jahren bestehende Mißstand beseitigt werde.

Ministerialratb Horst gibt die Versicherung, daß die Beseitigung der Mißstände raschestens stattfinden werde. Hiermit ist die Interpellation erledigt.

2. Interpellation desselben Abgeordneten, die regelmäßige Abgabe von Waldstreu aus den Staatswaldungen betr. ist die Regierung bereit, diese Angelegenheit demnächst nach stattgehabter Regelung mit der Forstbehörde in Erwägung zu ziehen.

3. Interpellation der Abgg. Weith, Vogt und Sturmfels, die Schnee- calamitäten des letzten Winters auf den Staatsstraßen betr.

Ministerial-Präsident Weber erklärt: Nach den Erhebungen Großh. Regierung seien im letzten Winter umfassende Vorkehrungen getroffen worden, um die Staats­straßen auf rascheste Weise wieder fahrbar zu machen. Sollten aber dennoch Mißstände sich ergeben haben, so würde selbstverständlich auf Grund gemachter Angaben und an- gestellter Erhebung eine Fernhaltung derselben Seitens Großh. Regierung angestrebt werden.

4. Interpellation der Abgg. List und Hansl ein, die Revision des Gewerbe­steuertarifs betr. gibt Ministerial-Präsident Weber die Erklärung, daß neuerdings Erhebungen hierüber Seitens der Centralstelle für die Gewerbe ftattfiudet und hiernach Großh. Regierung eine andere Tartfisirung in Erwägung ziehen werde.

Die Interpellation Jöst wurde wegen Nichtanwesenheit desselben vertagt.

Hierauf wird die Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit abgebrochen und auf Dienstag 9 Uhr festgesetzt.

Berlin, 23. April. Se. Majestät der Kaiser nahm Vormittags mehrere Vor­träge und militärische Meldungen entgegen, arbeitete dann mit Albedyll und machte Nachmittags eine Spazierfahrt. Um 4 Uhr erscheint Staatssecretär Bismarck zum Vortrag.

Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung unverändert die Gesetz­entwürfe, betreffend die Heranziehung der Fabriken zu Wegebauten in der Provinz Sachsen, wegen Vertheilung der Grundstücklasten in Hannover und die Haubergordnung für den Dillkreis. Bei der darauf folgenden zweiten Lesung des Volksschulleistungs­gesetzes beantragen Friedberg und Genossen, die Geltung des Gesetzes bis zum Erlaß eines Dotationsgesetzes, längstens aber auf 5 Jahre, zu beschränken. Im Laufe der Debatte spricht sich der Cultusmtnister unter Hinweis auf den provisorischen Charakter des Gesetzes gegen diesen Antrag aus. Das Haus nahm schließlich die Vorlage nach den Commissionsanträgen an. Montag Kirchenvorlage.

Irankreich.

Pari-, 23. April. Der Bericht über die stattgehabten Erhebungen, betreffend die Verhaftung des Polizeicommissärs Schnäbele, soll nach einem Beschlüsse des Ministerraths durch den Minister Flourens dem hiesigen deutschen Geschäftsträger, so­wie auch dem Botschafter Herbette in Berlin zur Mittheilung an die deutsche Regierung zugestellt werden. . «xnwrr

DerTemps" sagt, eine von Seiten der deutschen Regierung dem i JJ des Aeußern, Flourens, gewordene spontane Mittheilung in Betreff oe » Schnäbele nehme diesem durchaus den Charakter einer absichtlichen Provoia g ß

über Frankreich.