Ausgabe 
26.3.1887 Erstes Blatt
 
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M. 72 Erstes Blatt. Samstag den 26. März 1887.

Giehener Anzeiger

Amts- imb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Dnreanr Schulstraße 7.

züchter-Vercinen der drei Provinzen einen angemessenen 3Vuag in dem Budget 1888/90 einzustellen und unter TitelLandwirthschaft" zu classifijiren, welchem Antrag ein­

stimmig stattgegeben wird.

Nächste Sitzung Morgen 9 Uhr.

Reichstag.

E. R. Berlin, 23. Marz 1887.

Zur Berathung standen heute die von verschiedenen Abgeordneten - Gruppen eingebrachten Gesetzentwürfe, betreffend die Einführung obligatorischer Innungen und des Befähigungsnachweises.

Die einzelnen Anträge werden von den ,

Abgeordneten Ackermann (Kons.), Lohren (Reichspartei) motivirt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's tclcgr. (rorrcsponden;-Bureau.

Berlin, 24. März. Der Kaiser nahm Norm. Borträge Albekyll's und de« Krtegrmimsterr. sowie Meldungen der Generale Derenlhall und Spliessen eni- gegen und empfing um 123/4 Uhr in längerem Besuche den Großfürsten Wla. bimir und um 2 Uhr den Prinzen Heinrich, sowie den Herzog Altenburg. An der Tasel der Kaisers nehmen nur die Kaiserin, sowie die badischen Herr- schäften Theil. Die hier anwesenden Fürstlichkeiten find theilr vom Kronprinzen, paare, tbeilr vom Prinzen Albrecht zur Tasel geladen. Abends findet im kaiserlichen Palais eine Soiräe statt, zu welcher 240 Einladungen ergangen fir-b Die Kaiserin machte Vormittags den Königinnen von Sachsen und Rumä- nien, sowie der Großherzogin Mutter von Mecklenburg und der Großherzogin von Sachsen Besuche. Der Kronprinz von Dänemark und die Prinzen Georg Friedrich und August von Sachsen, sowie der Großherzog von Oldenburg find heute abgereist.

Berlin, 24. März. DiePost" hört, der Botschafter von Keudell in Rom sei auf seinen Antrag in zeitweiligen Ruhestand versetzt.

Haag, 24. März. Die Regierung suchte die Ermächtigung der Kammer nach, die Dienstzeit der Land- und See>Miliz, die 1887 zur Entlassung käme, aus ein Jahr verlängern zu dürfen. Die Regierung hege zwar das Vertrauen, daß her Frieden erhalten bleibe, glaube aber bei den Rüstungen der anderen Staaten diese Vorstchtimaßregel nicht unterlassen zu sollen. Gleichzeitig würbe der Kammer von dem Stands der Land- und See-Truppen vertraulich Mit. theilung gemacht.

Petersburg, 24. März. Bei dem zu Ehren des Geburtstages des Kaisers Wllhelm in Gatsckina stattgehabten Festmahl trugen der Kaiser unß die Großfürsten preußische Uniformen und Ordensbänder. Nachdem der Kaiser aus den deutschen Kaiser getoastet hatte, wurde die preußische National-Hymre angestimmt^m empfing der Kaiser auch die Deputation des Kaiser.

Alexander-Regiments, welch- stch in der neuen Ausrüstung präsentirte.

Bei dem gestrigen Diner in der deutschen Botschaft toastete Herr v. Gier« aus den Kaiser Wilhelm und der Botschafter General Schweinitz aus den Kaiser Alexander.

Als Hauptantragsteller bemerkt

Abg. Biehl (Ctt.): Unser Antrag bezweckt die Stärkung und Hebung des Handwerks, welche nicht der einzelne Handwerker, wohl aber ihre geschlossene Gemein­schaft zu bewirken vermag. Um dieses Zieles willen müssen die Innungen mit größeren Rechnen als bisher ausgestattet werden. Es wäre dies vielleicht nicht in dem von uns vorgeschlagenen Maße nöthig, wenn die Regierungen der Einzelstaaten, ähnlich wie es in Preußen geschieht, den Innungen überall Rath und Förderung angedeihen lassen. Das ist jedoch beispielsweise in Bayern mit wenigen rühmlichen Ausnahmen nicht der Fall. Der Befähigungsnachweis ist unerläßlich für eine Anzahl Handwerker.

Abg. Dr. Baumbach (5fr.) spricht sich gegen die Anträge aus; er hoffe, daß die nationalliberale Partei nicht ihre ganze Vergangenheit vergesse und etwa für diese Forderungen eintreten wird.

Abg. Dr. Meyer (natl.) erklärt, daß seine Partei noch heute auf dem Boden der Gewerbefreiheit stände und deßhalb gegen alle diese Anträge stimmen werde. Der geforderte Befähigungsnachweis bringe so viele Belästigungen mit sich und biete zu so vielen persönlichen Ehikanen Rauni, daß wir uns nicht dafür erklären können.

Abg. Grillenberger (Socialdemokrat) erklärt sich gegen diese Anträge, die unter dem Deckmantel der Handwerkerfreundlichkeit gestellt seien, aber eine nur geringe Kenntniß von den dabei in Betracht kommenden Verhältnissen bekundeten.

Die Entwürfe gingen an eine Commission von 21 Mitgliedern zur Vor- berathung.

Nächste Sitzung Samstag. Zweite Lesung des Reichsbeamtengesetzes. Gesetz über den Verkehr mit Kunstbutter.

erledigt zu erklären. ~ or c

Zur Vorlage, Abänderung des Schulgesetzes vom 16. Ium 1874 wegen Auf­bringung der Reisekosten rc. der Mitglieder der Kreisschul-Commission beschließt Die Kammer im Sinne der von Großb. Regierung vorgeschlagenen Abänderungen.

Die ferneren Punkte bieten kein Interesse.

Den Schluß der heutigen Verhandlungen bildet e'n Antrag der Abgeordneten Haas, Schönberger, Schröder je., Großh. Regierr g zu ersuchen, den Menen- züchter-Vereinen der l

Kaisers Geburtstag in Berlin!

Der Kaiser-Commers.

Ein reizendes, farbenprächtiges Bild bot diePhilharmonie" nach Beendigung des Fackel,uaes dar. Ihre wetten Räume füllten sich mit den aus allen deutschen Gauen herbeigceilten flotten Mufcnfohncn, die ihren vollen, ganzen Antheil an dem Fest der studentischen Jugend zu Kaisers Geburtstag haben wollt»,. Vom Orchester schauten die Büsten des Kaisers, des Kronprinzen, des Prinzen Wilhelm, Bismarcks und Moltkes, von Fahnen und Bannern dicht umgeben, auf das frohe, studentische ^rcibC2ßeC6ear§ SufccIouDertüre verklingt, da erhebt sich der Vorsitzende, sttä. Zur. Münch, derselbe, der das Arrangement der Festlichkeiten übernommen hatte und soeben erst von Sr. Majestät durch leutselige Worte ausgezeichnet war und begrüßt in kurzer Ansprache die Ehrengäste und dankt den Commilitonen für ihr so unerwartet zahl­reiches Erscheinen. Dann nach dem AllgemeinenDeutschland, Deutschland nba Alles" ergreift er das Wort zum Kaisertoast:

Welch' ein gewaltiger Tag geht über unserem Vaterlande auf! so begann btr Redner.Die Glocken, sie läuten es von Gau zu Gau, die Fahnen, sie wehm es von Thurm zu Thurm, die Frcudmfeuer, sic verküiiden es °onB»g i» Berg; auch uv er-r Fackeln Flammenmeer hat es soeben zum Himmel geleuchtet: Es ist em Ehrentag unseres Vaterlandes, es ist ein Jubeltag unserer Nation, so groß und einzig, une di- Welt ihn noch nicht erlebt - der 90. Geburtstag unseres Kaisers W^-lm I.

Von seiner Kindheit bis heut-, welch ein Weg, und nicht ein Weg durch liche, stille Thal», die kein Sturm durchbraust, londern über die.Hohen b hinweg, durch die gewaltigen Ereignisse,der Weltgeschichte. Wohl M Jd= f»n W£> die ein Menschenherz erheben kann, erleben dürfen, aber freilich I ) erspart geblieben, das ein Menschenherz demuthigen kann. unfCre§ Kaisers.

Redner schilderte dann in begeisterten Worten den Lebenogang Völkerbezwinger sein, ist etwas Großes, aber noch schöner uno gcvp

Deutschland.

Darmstadt, 24. März. (Militär-Dienstnachrichten.) Es wurden: Bendermann, Major vom Jnf.-Rsgt. Nr. 117 als Bat.-Commandeur In das Jns.'Negt. Nr. 116 versetzt; v. Erhardt, Pr.-Lieuten. vom Jns.-Regt. Nr. 116 zum Hauptmann und Compagnie-Ches und Stumpfs, Sec.-Lieuten. vom Jns.-Regt. Nr. 116 zum Pr.-Lieuten. befördert.

x Darmstadt, 24. März. (25. Landtag 1887/89.] Nach einer längeren Ruhepause trat heute die zweite Kammer der Landstände wieder zusammen und wurden die Verhandlungen um 91/2 Uhr durch den 1. Präsidenten Ku gl er- Offenbach'eröffnet Das Haus ist heute noch schwach vertreten, da sich eine Anzahl Abgeordneter haben entschuldMn^lassen.^ Tagesordnung verliest der Präsident ebn Schreiben Seiner König!. Hoheit des Großherzogs, worin derselbe die fteudige DUttheilung vonder Verlobung seiner Tochter Prinzessin Irene mit Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen, zweiten Sohn Sr. Kaiser!. Hoheit unseres Kronprinzen, macht D^ Kammer beschloßt einstimmia, diesem für unser Land so freudigen Ereignitz durch Ueberrcichung einer Glückwunsch-Adresse Ausdruck zu geben. . k ,

Die Verkündigung einer ganzen Anzahl neuer Einlaufe erfolgt sodann durch den zweiten Secretär Abg. Arnold und werden sodann Seitens der einzelnen Aus­schüsse die Berichtsanzeigen und mündliche Berichte erstattet.

Sodann tritt die Kammer in die Berathung der Tagesordnung über:

1) Die in Folge der Ernennung des Landtags - Abg. Hechler zum Mitglied rind Rath bei der Brandversicherungs-Commission stattgehabte Neuwahl für den Wahlkreis Darmstadt Groß-Gerau. H

2) Die in Folge Ernennung des Landtags-Abg. Haas zum Kreisrath stattge- .habte Neuwahl für den 10. Wahlbezirk Darmstadt-Gernsheim-Zwingenberg.

Die Kammer beschließt einstimmig, diese Wahlen für gültig zu erklären.

Auf Antrag des Abg. v. Rabenau, den ausgeschiedenen Kreisrath und Land- tags-Abg. Haas in den 2. und 4. Ausschuß wiederzuwählen, wird diesem Antrag ein­stimmig ftattgegeben.

Hierauf erfolgt Berathung und Beschlußfassung über

1) die Vorlage Großh. Ministeriums betreffend Bewilligung von 8400 Mark zur Herstellung der Vorrichtungen für Desinfection der Viehwagen gemäß den Vor­schriften des Bundesrathes, welche Forderung ohne Debatte Genehmigung sindei.

2) Vorlage Großh. Ministeriums, Beschaffung der Mittel für eine Locomotive für den Dienst der Oberhess. Eisenbahnen im Betrag von 20,500 Mark. Die Kammer beschließt einstimmig, diese Forderung abzulehnen.

3) Vorlage Großh. Regierung, eine Bewilligung eines Bettages von 3000 Mark Zwecks Entschädigung des F. Becker zu Ludwigshöhe für bei Ausführung des Dien­heimer Bergrutsches entstandenen Verluste. , t x t . .....

Mit Majorität beschließt die Kammer, den angeforderten Betrag endgültig zu genehnugen.^^ öro^ Ministeriums, betreffend Verwilligung von 25,500 Mark rum Zwecke der Anlage einer Haltestelle bei Wipshausen der Lime Mam-Neckar-Bahn. Nach einer warmen Befürwortung der Station durch den Abg. Hechler und nachdem Seitens Großh. Regierung die Nothwendigkeit dieser Haltestelle betont wurde, genehmigt das Haus ohne Debatte den angeforderten Betrag, zunächst aber nur sur Personen- verkehr^) Vorlage Großh. Regierung wegen Errichtung einer Winterhaltestelle für Neckarfahrzeuge bei Neckarsteinach findet heute auch endgültige Genehmigung.

6) Nach eingehender Erläuterung Seitens Großh. Regierung und nachdem der Abg. Wolfskehl den Ausschuß-Antrag nochmals empfohlen, beschließt das Haus, die Verwaltung der Staatsschulden der Finanzperiode 187982 in allen Theilen für richtig *u cr Die Vorlage Großh. Negierung um Bewilligung von 5400 Mk. zu den Baukosten der Nebenbahn Stockheim-Gedern gibt dem Abg. Ellenberger Veran­lassung, darauf hinzuweisen, daß, trotzdem schon vor längerer Zeit die Bewilligung der Mittel zu der Bahn stattgehabt, bis heute noch kein Spatenstich an derselben geschehen sei; er bitte im Interesse der dortigen Bevölkerung um baldige Inangriffnahme der 93*£6bem üon Seiten Großh. Regierung die Ursachen der Verzögerung klar- gelegt, genehmigt die Kammer mit allen Stimmen den angeforderten Bettag.

8) Ein Antrag der Abgeordneten Ellenberger, Schaum, Sturmfels, Schröder rc., die Linie Gießen-Gelnhausen betreffend, speziell Errichtung mehrerer Haltestellen gab zu fast endlosen Debatten Veranlassung; es wurde hauptsächlich von dem Abg. El len berg er auf die kurze Ueberaangszeit auf der Station Gießen hinge- wiesen und die unzweckmäßige Anlage der Laderampen bei sämmtlichen Stationen zur Sprache gebracht. t

Ministerialpräsident Weber erklärt, Großh.Regierung werde sich bestreben, wo nur thunlich Abhülfe zu schaffen; nur müsse man auf dieser Bahn auch mit anderen Linien rechnen. t .. . a _

Hiernach beschließt die Kammer mit großer Majorität den Anträgen des Aus­schusses gemäß: pos, I. des Antrages, Errichtung einer Haltestelle zu Büches abzu­lehnen, sowie die anderen Punkte durch die Erläuterungen Großh. Regierung für