Ausgabe 
25.12.1887 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

freude fällt in unser Inneres. Der Glaube an die Liebe Gottes und des Menschen, wann könnte er reger sein, wann sich mehr befestigen und kräftigen als im Schimmer der Weihnachtskerzen, als an jenem Tage, der uns die gräßte Liebesthat aller Zeiten in das Gedächtnitz zurückruft und der im Volksgebrauch durch immer neue Liebeslhaten geheiligt wird. Die köstlichen Tugenden des Menschen betätigen sich am Shristfeste, der Eigennutz hat keinen Thetl an dieser Feier,nicht für mich, sondern für meine Lieben" heißt ihre Devise. Darum ist die Freude der Geber nicht minder groß als die der Empfänger, und unter'm strahlenden Ehristbaume wird Kummer und Herzeleid vergessen. Der beste Trost ist, Andere zu erfreuen. In keinem Lande ist der Zauber des Weihnachtsfestes so tief in die Volksseele gedrungen, wie in Deutschland, der Deutsche, wo immer er auch sei, ob ihm die Strahlen des Nordlichts leuchten oder das Kreuz des Südens über seinem Haupte glänzt, ob die Einsamkeit der Wüste oder der rege Lärm der Stadt ihn umgibt, der Deutsche fühlt überall die gewaltige Macht dieses Tages der Liebe. Daß den Lesern ein retneS ungetrübtes Lethnachtsglück descheert werde, das ist unser aufrichtiger Wunsch und unsere frohe Haffnung.

Vui»ersttäts»GHronik.

Die Universität Halle zählt im lausenden Wintersemester 1501 einge­schriebene Studtrende, von denen 585 zur thealozischen, 121 zur juristischen, 293 zur medicinischen und 501 zur philosophischen Fakultät gehören. Van den preußischen Praotnzen hat Sachsen 590, Brandenburg 147, Schlesien 111, Westfalen 71, Rhein­land 55 jnnge Männer der genannten Universität »ugefützrt, btt übrigen zusammen 240. Die anderen deutschen Staaten haben 191 Studirande für Halle gestellt, das Aus­land 92, davon Oesterreich-Ungarn 44, Rußland 19, Amerika 5, Japan 3. Gegen daS «bgelaufene Sommersemester hat der Besuch der Universität um 33, gegen da« vorige Wintersemester um 26 Studtrende abgenommen.

Die Universität BreSlau wird gegenwärtig von 1314 S»udirenden besucht, »an denen 161 evangelische Theologie, 169 katholische Theologie, 203 Rechtswissenschaft, 382 Medtcin und 399 philosophische Wissenschaften betreiben. Von denselben gehören 1265 den preußischen Provinzen (982 Schlesien, 142 Posen), 21 den übrigen deutschen Staaten, 28 dem Aullaude an. Gegen b«l vorige Sommersemestcr hat die Uni­versität an ihrem Besuch um 43 ab-, gegen das »orige Wintersemester um 10 Studtrende zugenommen.

Pump, Pkujahrsrechnungen, Poftaustrag

(Nachdruck verboten.)

Repetitio eat mater etudiorum lehrt man unausgesetzt den Schulern, und .fortgesetzte Wiederholung ist die Mutter der Erfolge", gilt auch für die Wirksamkeit bet Ta,erpresse. Ganz fruchtlos sind offenbar die in den letzten Jahre» eraangenen Mahnungen in der Presse gegen das leichtfertige Borgen und Anstehenlasse» der Rech­nungen doch nicht geblieben. Namentlich scheinen diese fortgesetzten Ermahnungen hier vnd da unter den kleinen Händlern und Handwerkern daS Bewußtsein ausgedr-itei zu haben, daß die im deutschen Kleinverkchr tief eingerisiene sinnlose Creditschlcuderei die .schlechten Zeiten" noch schlechter machen Hilst, als sie sonst sein würden, und daß sich dieser handgreifliche Fehler nach beiden Seiten rächt. Das Publikum selbst leidet dabei ganz entschieden, Gewerbestand und Kleinhandel können nie dabei aufblühen, und selbst Der Großhandel wird durch die vielen, durch leichtsinniges Ereditgeben hervorgerufenen Concurse der Gewerbtretdenden und Unterhändler in arge Mitleidenschaft gezogen. Daß hierin die fortgesetzten Ermahnungen viel, sehr viel geholfen haben, beweist am besten, daß endlich die Gewerbtreibenden dazu zu bewege» gewesen sind, zu Neujahr ihren Kunden Rechnungen zuzustellen und daß ganze Innungen Aufrufe in der Presse erlassen haben, in welchen siedie geehrte Kundschaft höflichst bitten, die Neujahrs- rechnungen baldmöglichst ausgleichen zu wollen". Mag dies auch beim bevorstehende» Jahreswechsel wieder so sein. Jetzt ist es Zeit, die säumigen Zahler an ihre Ver­pflichtungen zu erinnern. Namentlich denjenigen Geschäftsleuten, welche noch zögern mit dem RechnungSzusenden, dieihre Kunden nicht gern beleidigen möchten", denen sei dieser Buruf aus's Neue wieder an's Herz gelegt. Besonders im Kampfe gegen eingewurzelte Gewohnheiten ober Neigungen muß das Nichtigere, Vernünftigere, auch wenn es noch so einleuchtend ist, stets von Neuem wieder eingeschärft werden, wenn es zuerst in den Köpfen haften und sodann den Willen ergreifen und zu praktischer Seltun, enb Anwendung kommen soll.

Leider gibt es aber Leute, die trotz Mahnbriefe, höflicher und endlich auch grober Art nicht zahlen. Hier soll der Geschäftsmann kurzen Proeeß machen und ehe er den Klageweg beschreitet, von dem sehr zu empfehlenden Postauftragsversahren Gebrauch machen. Fünfzig Procent seiner Rechnungen werden dadurch zur Begleichung gelangen. Wenn auch der Gemahnte solch Verfahren übel nimmt, an derartiger Kundschaft ist wirklich nicht viel zu verlieren. Wendet sich dieser Käufer auch an dcn Eoncurrenten, dort wird es ihm ebenso ergehen, und dann wird er sehr bald zu der Einsicht gelange», daß fein Jahre lang mit Erfolg betriebenes Pumpsystem nicht mehr fortbestehen kann. Er muß und wird sich ändern.

Nun gibt es aber auch noch andere Ereditnehmer, die mit dem besten Willen nicht prompt zahlen können; sehr häufig nur darum nicht, weil sie nicht verstehen, sich nach der Decke zu strecken, weil sie für entbehrliche Sachen zu viel ausgeben, die Frau

für Putz, der Mann für das Wirthshaus, vielleicht schlemmen beide. Auch bei solchen Leuten nur zugemahnt, an solchen Kunden ist ebenfalls nichts zu verdienen. Besser den Kunden verlieren als sein theures Geld.

Es muß eben in allen Geschäftskreisen eine straffere Geschäftspraxis Platz greifen, es wird hohe Zeit. Der günstige Rückschlag aber, den dieses straffe Anziehen der Geschäftspraxis auf dasjenige liebe Publikum machen wird, dem Borgen keine Sorge macht, welches grundsätzlich alle Schulden nicht bezahlt und ebenso grundsätzlich neue Schulden alt »erben läßt, kann schlechterdings nicht ausbleiben und wird Demjenigen, der an der Beseitigung dieses Uebelstandes mit bauen Hilst, selbst nur zum Segen gereichen. Endlich wird ungesunder Luxus abnehmen und für die Nothwendigkett des Lebens wirb mehr Gelb als bisher vorhanden sein unb jene stets sicher emporkommenben Hanblungen werben sich vermehren, welche nur gegen Baarzahlung verkaufen, Dabei aber nur Waaren von bester Qualität zu unerbittlich festen Preisen führen.

Also nochmals: Rechnungen aussenben, bet säumigen Schuldnern Postauftrag erlassen. Neujahr ist ja bald vor der Thür. Egon W.

B t i h i f 4 t < l

Gedenket der arme« Postvögelein!

Gar manches Vöglein hin und her Fliegt auf der weiten Erdenrunde Und bringt »en Hellem Sonnenschein, Den Wolken unb vom Himmel Kunde Der Vöglein sei von Euch gedacht In Eures Jubels Festesfreude, Doch denket auch der Bögelein, Die nicht im leichten Federkletbe Die täglich wandern hin und her, In Sturm und Wetter Euch zu dienen, Und die auch jetzt zum Festesglanz So treu und reichbepackt erschienen. Sie brachten Euch gar manchen Schatz, Gar manches Liebeswort von Ferne, Ob starr die Hand, ob schwer das Herz, Sie brachten'S neidlo» doch unb gerne. Don all' der ganzen Herrlichkeit Lacht ihnen nichts als nur die Hülle, D'rum diesen armen Vöglein gebt Doch auch ein Korn von Eurer Fülle! Unb naht der Bote Eurer Thür Mit reichen Gaben Euch zu grüßen, So mögt zum fröhlichen Neujahr Den harten Weg ihr ihm versüßen!

Klara Reichner.

Stuttgart, 20. December. In derNeckar-Zeitung" hatte dieser Tage ein vr. F. G......n ein Recept,wie man denaturirten Spiritus genußsähig macht",

mitgetheilt. DerStaatsanzeiger" bemerkt hierzu: Einsender und Redaction dürsten wohl den 8 18 Z. 5 beS Branntweinsteuergesetzes nicht gelesen haben, lautend: .Eina Defraudation der Verbrauchsabgabe wirb als vollbracht angenommen .... 5) wenn Branntwein, für welchen Befreiung von der Verbrauchsabgabe gewährt ist, zu anderen als den gestatteten Zwecken verwendet wird." Ferner $ 22: Die Beihilfe unb Be­günstigung ist mit Gelbstcase bis zu 150 JL zu bestrafen."

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

Wie schon des Oesteren, so wird auch neuerdings gemeldet, baß wieber im Maulwurf Trichinen nachgewiesen seien. Es wirb baran die Warnung geknüpft, gefangene ober getödtete Maulwürfe nicht auf bie Dungstätte ober dn Orte zu werfen, wo sie von Schweinen gesunden und gefressen werben können. Trotzdem noch nicht als absolut sicher anzusehen ist, daß int Maulwurf wirklich Trichinen vorkommen ober ob bas nicht nur in seltenen Fällen so ist, kann man den Rach, bie tobten Maulwürfe nicht auf den Dünger zu werfen, uur billigen. Es sei aber betont, baß man gar keinen Grunb hat, den Maulwurf, gleichviel ob er trichinenhaltig ist ober nicht, zu verfolgen unb zu tobten, da er ein treuer Gehülfe deS Landwirths unb des Gärtners ist und letztere daher wohl Ursache haben, ihn zu schonen. Das ist oftmals gesagt worden, bedauerlicher Weise wird meist dagegen verstoßen. Ferner sei noch bemerkt, daß Fleisch­reste und tobte Thiere überhaupt nicht auf ben Düngerhaufen gehören, auch wenn sie nicht im Verdacht stehen, Trichinen zu verbreiten. Ganz abgesehen davon, daß die MtaSmen, die bei der Verwesung entstehen, schädlich sind, geht auch ein Thetl bes Nutz- werthes tobter Thiere verloren, wenn sie einfach auf ben Düngerhaufen geworfen werden. Sie dienen bann zahlreichen schädlichen Jnsecten als Brut- und Nährstelle. Tobte Thiere unb Fletschabgänge gehören in den Composthaufen, dort werden sie in ihrem vollen Werthe nutzbar gemacht.

Arrac, Rum, Cognac, Punschessenzen sowie vorzügliche Tisch-Weine empfiehlt billigst 9423

Ohr. Ludw. Thomas,

10 Neuen Bäue 10.

9114 Einige Sopha's sollen billig vero kaust werben Alicenstraße 24.

Akkgemeiner Anzeiger.

Aeikgeöolenes.

Crftne Conaressstoff

für Vorhänge,

110 Ctm. bieit, i» 60 H pr. Meter, em­pfiehlt in bester Qualität, Muster gratis unb franco, 9249

Rudolf Nick, Darmstadt.

Die besten Reit- und Schäften- , Stiefel bekommt man am billigsten ) »ei [8789] L. Süß, Marktstr. 9. J

Prachtvolle Orangen, ? Mandeln, Nofinen, Corinthen

offerirt sehr billig 9356

_______8. Elsoffer.

Prima neue

MuglieserMandeln

per Pfd. 90 H, bei 5 Pfd. 85 sowie alle übrigen ,

Ingredienzien zur fei­

neren Bäckerei in seit Jahren bewährten Qualitäten j zu billigsten Preisen empfiehlt 8968

Fr. Seibel. \

Während der Feiertage und so lange der Vorrath reicht, empfiehlt ihrer werthen Kundschaft

äußerst gehaltreich.

sehr blaß.

die Brauerei Fortsch.

eeeeeeeeeeeweeeeeeeeeeee

Zu bevorstehenden Festtagen bringe mein Weinlager in empfehlende Erinnerung.

Daniel Heil»

9412 Lindenplatz 3.

Billigste Bezugsquelle vorzüg­licher modernerSchuhwaareu.

Schuhhandlung

S. Elsoffer,

Marktstrasse 87

offerirt

Mrrder»Filzpantoffel von 50 H an,

Damen»Filzpa«toffel von 70 H an, Herren-Filzpantoffel von 80 H an, «inder-Schnürschuhe von 50 H an,

Hackenstiefel von 3 JL an, trnadenstulpstiefel von JL 4 50 an, Damenzugstiefel von 4.60 an, Lederne Damen«Pantostel, Plüsch« Pantoffel, genagelte Tuchschutze in großer Auswahl zu den erdenklich billig­sten Preisen.

; Herrenzugstiefel von JL. 6. an bis zu ben feinsten.

; Man bittet, auf meine Firma ; genau zu achten. 9380

8. Elsoffer.

le­

rn

etm Ki«r vnd ten! io dl 8792

für iw

«r and« Zur

L

ben Ca R.! Cj

Wt