Ausgabe 
25.12.1887 Erstes Blatt
 
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Urriverfttät-' Ghronik.

Die Landesuniversität zu Straßburg weist zum ersten Male seit ihrem 14jährigen Bestehen einen Besuch von über 1000 Hörern auf, nämlich 886 immatriku- lirte Studenten und 119 Hospitanten.

Pie Aufgabe der Landwehr zweiten Aufgebots.

Das neue, ohne Zweifel im neuen Jahre vom Reichstag angenommen werdende Wehrgesetz weist im Allgemeinen der zu bildenden Landwehr zweiten Aufgebots die­selbe Aufgabe zu wie der Landwehr ersten Aufgebots, als» die Betheiligung an der Lertheidigung dcS Vaterlandes. In dieser Form enthält nun das neue Gesetz offenbar etwas, was den Landwehrmann zweiten Aufgebots, der ja meistens Familienvater und auch gewöhnlich schon Vorsteher eines selbstständige» Wirthschastsbelricbes ist, beun­ruhigen kann, wenn er sich nicht mit kaltem Blute ein Urtheil über die Situation blldet. In der Regel ist aber zweifellos anzunehmen, daß die Landwehrmänner zweiten Aufgebots, wenn sie zum mobilen Heere einberufen sind, mit derjenigen Schonung ver­wandt werden, auf welche sie in Folge ihres höheren Alters Anspruch haben.

Die Geschichte der letzten Kriege Deutschlands lehrt ja auch dies ganz deutlich. Die Landwehr wurde 187071 zur Besetzung des v»m Feinde eroberten Gebiets, zur Verstärkung der Gernirungslinien vor belagerten Festungen, zur Unterhaltung der Ver­bindungen der eigentlichen Kampftruppen mit den Depots, zur Bewachung von Ge­fangenen und zur Verstärkung schwacher Garnisonen verwandt, und sind nur vor Metz und Belfort einige Landwehr - Divisionen in's Feuer gekommen, weil es an jenen verhängntßvollen Tagen nothwendig war. Wenn nun auch die Landwehr ersten Auf­gebots in einem künftigen Kriege in der Mehrzahl ihrer Bataillone Reserve-Feld- Dioisionen bilden, also sobald es die eiserne Rothwendigkeit verlangt, neben den Linien- Divisionen kämpfen wird, so fällt doch naturgemäß der Landwehr zweiten Aufgebots dieselbe Aufgabe zu, wie sie die Landwehr Überhaupt im letzten Kriege vorzugsweise erfüllte, also der Besatzungs-, Etappen-, Wach- und Garnisondienst, also zunächst keine unmittelbare Verwendung vor dem Feinde. Erst Fälle der dringendsten Roth könnten den obersten Kriegsherrn dazu zwingen, auch Landwehrbataillone des zweiten Aufgebots an dem Kampfe theilnehmen zu lassen. Dazu sind aber keine allzu großen Befürchtungen vorhanden, weil vor der Landwehr zweiten Aufgebots mindestens zwei und eine viertel Millionen Streiter stehen, welche sich aus Linie, Reserve, Ersatzreserve und Land­wehr ersten Aufgebots zusammensetzen.

Es ist im Kriegsfälle ferner auf ein sehr starkes Freiwilligen - Contingent von patriotischen Jünglingen im Alter vom 17. bis zum 20. Lebensjahre zu rechnen, durch welche manche Lücke ergänzt werden kann. Bekanntlich stellen schon die Universitäten und Oberklassen der höheren Schulen Tausende von Freiwilligen und unter den Jünglingen der anderen Stände dürften auch zahlreiche freiwillige Streiter sein. Der Landwehrmann des zweiten Aufgebots, dem als alten Soldaten nicht vor dem Feinde bangt, dem aber begreiflicher Weise die Sorge um die Familie und den Geschäfts­betrieb das Herz schwer macht, hat also im Kriegsfälle keine Ursache, ohne Weiteres das Schlimmste zu befürchten, sondern hat große Hoffnung, seine Gesundheit zu erhalten.

Es könnte nun noch die Frage aufgeworfen werden, warum die Landwehr zweiten Aufgebots gleich noch in sieben Jahrgängen gebildet werden solle, da doch vor ihr bereits volle zwölf Jahrgänge ständen und die Landwehr ersten Aufgebots ja auch nur fünf Jahrgänge umfasse. Darauf kann zunächst erwidert werden, daß es nicht unbedingt nöthig bei Mobilmachungen sein wird, daß die Landwehr zweiten Aufgebots gleich bis zum 39. Jahre einberufen werden muß, sondern daß unter Umständen auch die Einberufung der drei jüngsten Jahrgänge derselben genügen dürfte. Ist aber Deutsch­land gezwungen, im Osten und Westen gewaltige Heere aufzustellen, so ist auch die Verbindung zwischen den beiden Armeen und den Depots mit dem Aufgebote aller Mittel nothwendig, und zu diesem wichtigen Zwecke dürfte dann die Landwehr zweiten Aufgebots in Stärke von einer halben Million Mann dann gerade genügen.

Vermischtes.

A Mainz, 23. December. Ungeachtet daß der Rheinstand sich für den Schiffs­verkehr wesentlich gebessert hat, ist der Güterverkehr der Hessischen Ludwigsbahn auch im laufenden Monat gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres bedeutend im Vor­sprung. Bis zudem 20. December sind auf den Strecken der genannten Bahn ca. 1718,000 Güterwagen mehr gelaufen als im Parallelmonat 1886. Bei gleicher Frequenz im letzten Drittel d. Mts. dürfte das Betriebsergebntß einschließlich der garantirten Linie wohl wieder ein Mehr von 100 000 bis 120000 X betragen. Vorausgesetzt, daß die Generalversammlung nicht die Verthetlung der vielbesprochenen fretgewordenen 400000 X auch beschließt, wird allgemein angenommen, daß die Dividende sich auf 4pCt. stellen wird.

Der diesjährige Betriebsüberschuß der Mainzer Straßenbahn beträgt in runder Ziffer 5000 X

A Aus Rheinhessen, 23. December. Die Beschlußkammer des Landgerichts in Mainz hat die gegen die Verhaftung des einen der Theilhaber der salliten Firma Allmann in Bingen erhobenen Beschwerde abgewiesen. Gegen dieses Urtheil ist nunmehr Recurs an das Oberlandesgertcht in Darmstadt gesucht. In der letzten Stadt­verordnetensitzung in Alzey wurde ein Schreiben des Großh. Ministeriums verlesen, inhaltlich dessen von der Staatsregierung die Vorarbeiten für das Rebenbahnproject Alzey-Odernheim bis an den Rhein in Angriff genommen worden sind.

Das Reichsgericht hat kürzlich eine Entscheidung getroffen, nach welcher zum Zwecke Der Zwangsvollstreckung der Gerichtsvollzieher befugt ist, ebenso wie andere Behälter auch die Kletdertaschen des Schuldners, ohne Unterschied, ob sich die Kleider am Leibe des Schuldners befinden oder nicht, zu durchsuchen.

Gimgesandt.

Gießen, 24. December.

Es wird jetzt gewiß mit Recht allgemein anerkannt, daß der Unterricht in Frauenarbeit ein höchst wichtiger Unterrichtszweig ist und da wir uns für Frauenarbeit auch sehr imeretfiren, so haben wir der Ausstellung, welche die Lehrerin für weibliche Arbeiten, Fräulein Lina Möser, in ihrem Schullokale veranstaltet hatte, einen Besuch abgestattet. Obschon wir nun in Ihrem Blatte zwei Notizen, von dieser Ausstellung handelnd, mit denen wir Punkt für Punkt vollständig einverstanden sind, mit großem Vergnügen gelesen haben, so ersuchen wir Sie hiermit doch freundlichst, noch einige Bemerkungen hauptsächlich über die Gummiknet- und Stopfarbeiten in Ihrem geschätzten Blatte zum Abdruck bringen zu wollen.

Wir beginnen zuerst mit den Gummiknetarbeiten, denn dieselben waren für uns etwas ganz Neues und wir haben dieselben daher mit besonderer Aufmerksamkeit in Augenschein genommen und wir freuen uns, dabei wahrgenommen zu haben, daß dieselben als Erstlingsarbeiten so nett und geschmackvoll ausgeführt sind, daß sie selbst in einem nobel ausgestatteten Zimmer zur Zierde dienen können und dies umsomehr, weil die Besitzerinnen dieser schönen Arbeiten sich sagen dürfen, alle Verzierungen daran eigenhändig, wovon wir uns überzeugt, angefertigt zu haben. Gerade durch solche Arbeiten versteht es Fräulein Möser Abwechselung in ihren Unterricht zu bringen, was die Schülerinnen immer frisch und munter erhält; denn es ist leicht begreiflich, daß die Mädchen auch einmal das immerwährende Arbeiten mit den Stadeln müde

werden und sie greifen dann mit Vergnügen zu der rohen Knetmasse und schaffen daraus freudig die allerliebsten Gebilde. Daß durch solche Arbeiten Formen-, Geschmack- und Kunstsinn, was als Hauptsache ganz besonders zu betonen ist, wesentlich geweckt und gepflegt werden, unterliegt wohl keinem Zweifel.

Obgleich wir uns sehr gut denken können, daß das Stopfen gerade keine an­genehme Arbeit für die Damen ist, so halten wir es aber doch für einen Vorzug dieser Schule, daß auf diesen Arbeitszweig besonderes Gewicht gelegt wird. Wir haben aus­gestellte Stopfarbeiten gesehen, die uns geradezu in das höchste Erstaunen versetzten, denn dieselben waren so künstlich ausgeführt, daß ein geübtes Kennerauge dazu gehörte, um die gestopften Stellen herauszufinden. Alle die Ausstellung besuchenden Frauen waren voll des Lobes über diese Arbeiten und sie beklagten es sehr, daß in ihrer Jugend dieser Arbeitszweig nicht die gehörige Berücksichtigung fand.

Ein großes Verdienst was alle Pädagogen anerkennen der Lehrerin Fräulein Möser besteht aber darin, daß dieselbe auch aus schwächeren Schülerinnen etwas zu machen weiß. Wir haben diesmal wieder viele, schwere Arbeiten von Schülerinnen gesehen, die in der That tadellos ausgeführt waren, und alle Besucher konnten denselben ihre Bewunderung nicht versagen.

Wir fühlen uns gedrungen, gerade diese Leistungen, die uns einen recht deut­lichen Beweis von der vortrefflichen Methode und ausgezeichneten Lehrgabe der Lehrerin liefern, rühmend hervorzuheben.

Nach so überaus günstigen Wahrnehmungen können wir allen hiesigen Müttern benannte Anstalt nur empfehlen und auch die auswärtigen Bewohner können getrost ihre Töchter ganz der Obhut einer solchen Lehrerin anoertrauen.

Havdrü sm» Berke»»

Gießen, 24. December. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.101.15, Hühnereier pr. St. 78 H, Enteneier St. 8 9 Käse vr. St. 48 Käsematte 30 Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen 30 Tauben per Paar 60 bi»

X 1,00, Hühner per Stück X 0.851.00, Hahnen pr. Stück X 0.701.20, Enten per Stück X 1-301.70, Gänse per Pfund 4555 Ochsenfleisch per Pfund 58 bis 60 /$, Kuh- und Rindfleisch 4550 H, Schweinefleisch 5460 Hcnnmäfleisch 40 bi»

60 H, Kalbfleisch 4048 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.00435, Milch per Liter 1218 3,, Weißkraut Stück 510 Zwiebeln per Centner X 8.009 50.

Auszug aus den Standesauttsregistern des Standesamts Gießen.

(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)

«hrschließnnge«.

December: 23. Johann Friedrich Boiold von Rommerode, Kreis Witzenhaufen, Schneider dahier, mit Luise Marte Emilie Muskulus Hierselbst.

ebotent«

December: 14. Dem Glasermeister Georg Luh ein Sohn, Karl. 15. Dem Postassistenten Adam Ritzel eine Tochter. 15. Dem Ofensetzer Adam Dürr ein Sohn, Georg Heinrich. 16. Dem Schuhmacher Friedrich Arndt ein Sohn. 16. Dem Weiß­binder und Lackirer Gottlieb Nauheimer ein Sohn. 17. Dem Taglöbner Philipp Wehrum ein Sohn, Johann Philipp. 17. Dem Kaufmann Hermann August Müller ein Sohn. 18. Dem Schlosser Gustav Koch ein Sohn, Karl Heinrich. 18. Dem Professor Dr. Emil Schürer ein Sohn. 18. Dem Küfer Georg Reichwein ein Sohn, Adolf. 19. Dem Fischhändler Adolf Weinmar ein Sohn. 21. Dem Gastwtrth Johann Friedrich Sorger ein Sohn.

«estorbens.

December: 17. Heinrich Karl August Leilich, 13 Tage alt, Sohn von Schneider Johann Peter Leilich dahier. 17. Heinrich Georg, 28 Jahre alt, Fuhrknecht von Wahlrod, Amt Hachenburg. 18. Carl Stahl, 62 Jahre alt, Bäckermeister von Dillen­burg. 19. Ludwig Krahl, 12 Jahre alt, Sohn von Hülfssührer Johannes Krahl babter. 20. Friedrich Laucht, 4 Jahre alt, Sohn von Schreiner Friedrich Laucht zu Gleiberg. 21. Friedrich Häuser, 4 Monate alt, Sohn von Schmied Friedrich Häuser dahier. 22. Wilhelm Schmidt II, Bergmann von Offhausen, Kreis Altenkirchen.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Otttaute.

Den 23. December. Friedrich Bosold, Schneider, und Emilie Musculus, Tochter des verstorbenen Fuhrmanns Georg Musculus.

lveerdigre.

Den 20. December. Louis Krahl, Sohn des Heizers Johannes Krahl, alt

12 Jahre, starb den 19. December.________________________________________________

Altkathotisther Gottesdienst.

Am Neujahrstage, Sonntag den 1. Januar 1888, findet in der Stadtkirche um 11 Uhr altkatholischer Gottesdienst statt.

Montag, den 2. Januar, ebendaselbst um 9 Uhr ein Seelenamt für den ver­storbenen Professor Dr. Lutterbeck.

Brodpreise

vom 25. December 1887 bis 7. Januar 1888.

der Bäcker H

1 Kgr. (2 Psd.) Weißbrod .... 27

2 , (4 Pfd.) Weißbrod .... 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 48

1 (2 Psd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 , (4 Md.) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei K. Haas, L. Keil, I. Lein . . . 63

1 Kgr.

? :

2 ,

3 v

1 ,

2 ,

3 ,

der Brodverkäufer H

(2 Md.) Weißbrod .... 27

?4 \ w .....54

(2 * ) Schwarzbrod 1. Sorte 24

(4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 48 (6 , ) Schwarzbrod 1. Sorte (2 r ) Schwarzbrod 2. Sorte 21 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte 42 (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte 63

Gießen, den 24. December 1887.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Für das unglückliche Mädchen in Landenhausen gingen bei uns ein: S. K. 1 X, B. K. 1 X, P. 2 x, N. N. 0.50 X, L. G. 3 X, K. K. 1 X, Dr. St. 3 X, Fr. K. 1.50 X, Sammlung aus der Freimaurerloge 25 X, K. 2 X, L. W. 1 X, Dr. R. 2 X, B. 2 X, Sch. 0.50 X, S. G. 5 X, aus der Trommel 2.50 X, D Q 6.50 X, Lügentisch bei Friedel 30.45 X, N. 9L 1.50 X, E. P. 0.50 X. Mandarinenkasten 10 X, Pascoe 5 X, I. Vwe. 1 X, I. K. 1 X, Frau Simon 0.60 X, B. 3 X, Z. 0.50 X, A. W. 1 X, O. C. 1 X, W. N. 5 X, F. W. 1 X, F. P. 2 x, A. H. 3 X, Frau Justizrath Dornseiff 2 X, Holberg 1 X, Paula Katz 1 X, Frau Mark 2X, N. N. 0.50 X.

Attgemeiner Anzeiger.

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