bezüglicher Antrag von conservatlver Seite bei Beginn der nächsten Reichstags- Sefsion eingebracht und von der nationalliberalen Partei unterstützt werden wird, seine Annahme erscheint demnach zweifellos, nur soll der Antrag sich noch nicht aus die gegenwärtige Legislatur-Periode des Reichstages beziehen. Von Seiten der sreifinnigen Preffe und auch eines Theiles der Centrums-Organe bekämpft man den Vorschlag, den Turnus für die allgemeinen Wahlen auf fünf Jahre festzusetzen, sehr lebhaft, indem man der Befürchtung Ausdruck giebt, daß mit Annahme eines derartigen Antrags die Volksrechte, namentlich das allgemeine directe Wahlrecht, immer mehr geschmälert würden. Daneben taucht ziemlich unvermittelt die Frage der Abschaffung des Socialtstengesetzes und dessen Ersetzung durch eine Reviston der einschlägigen Bestimmungen des Verein»-, Preß- und Strasgesetzes wieder aus und soll man in nationalliberalen Kreisen einem solchen Versuche nicht abgeneigt sein. Der Wunsch, einen großen Theil der Staatsbürger nicht länger unter Ausnahme-Bestimmungen gestellt zu sehen, ist an stch ganz begreiflich und entspringt er einem natürlichen Gerech- tigkeilSgesühle; ob man indessen in Negierungökreisen angesichts der fortbe- ftehenden Gefahren socialdemokratischer Ausschreitungen zu einer Aufhebung de« Socialtstengesetzes bereit sein würde, ist noch sehr zweifelhaft. Was ferner die Frage der Getreide-Zollerhöhung anbelangt, |o verlautet über die Absichten der Regierung noch immer nichts Zuverlässiges und ist es darum noch immer keineswegs ausgemacht, daß dem Reichstage in seiner nächsten Session eine entsprechende Vorlage zugehen wird. Inwiefern schließlich die aufgetauchten Meldungen, wonach die Einberufung des Reichsparlamentes gegen den 22. November zu erwarten sei, ihre Bestätigung finden werden, bleibt noch abzuwartsn; wenigstens findet sich in den officiösen Blättern hierüber noch keine Aeuße- rung vor.
Aus parteipolitischem Gebiete ist der am Sonntag in Liegnitz stattgefundene Parteitag der niederschlesischen Deutschfreisinnigen als ein Anzeichen gröberer Bewegung im deutschsreifinnigen Lager zu bezeichnen. Bestimmte Beschlüsse sind jedoch in Liegnitz nicht gefaßt worden, vielleicht, daß dies den weiteren angekündjgten sreifinnigen Parteitagen in Nordhausen» resp. Sonneberg und Halle a. S. vorbehalten bleibt.
Jenseits der Vogesen beherrscht das orleanistische Manifest die | Tagessituation noch immer bis zu einem gewissen Grade. Das Cabinet Rouvier wird namentlich von den Radicalen und den noch weiter nach links stehenden republikanischen Elementen gedrängt, zu der Kundgebung des Grafen von Paris Stellung zu nehmen und ist hierauf auch das Gerücht zurückzuführen, der Cabinetschef Rouvier werde noch vor Einberufung der Kammern eine große Rede gegen das Manifest halten; doch widerspricht man in den j maßgebenden Pariser Kreisen wiederum diesem Gerüchte. Jedenfalls darf man der vor der Thüre stehenden Kammersession mit Spannung entgegensetzen, denn in ihr wird das Ministerium Rouvier' nicht nur über sein Verhältniß zu den monarchistischen Parteien Farbe bekennen, sondern sich auch bestimmt über seine Finanz- und Steuerpolitik äußern müssen.
Der neuen Schnäbele-Asfaire, der Verhaftung des jüngeren Schnäbele durch die deutschen Behörden, legt man in officiellen Pariser Kreisen keine ernstere Bedeutung bei, da schon die Jugend des Verhafteten gegen eine Aufbauschung des Zwischenfalles spricht.
In Italien beging man am 20. September den 17. Jahrestag der Besetzung Roms durch die italienischen Truppen unter freudiger Theilnahme aller Kreise der Nation. Eine specielle Bedeutung erlangte die Feier durch die Antwort, welche König Humbert auf die an ihn gerichtete Adresse des ] Bürgermeisters von Rom anläßlich des Tages ertheilte. Der König bekundet | darin seine Zuneigung für Rom und bezeichnet dann das bevorstehende fünfzig- - jährige Priesterjubiläum des Papstes als einen sündigen Anlaß für Rom, ' allen jenen, welche zur päpstlichen Jubiläumsfeier nach der italienischen Haupt
stadt kommen werden, ehrende Gastfreundschaft zu bieten und dabei gleich,-;)' die Hauptstadt eines freien starken Volkes zu fein. Dieser SchlußpM. - der königlichen Antwort wird in den römischen Blättern lebhaft erörtert m bei sich jedoch überwiegend die Anschauung geltend macht, man habe es bierh°* mit einem bloßen Akte der Ritterlichkeit König Humbert's dem Papste über zu thun. "
Auf Sicilien, und hier wiederum in Messina, fordert die Cholera zahlreiche Opfer, während sie in Rom und Unter - Italien nachgelassen w haben scheint.
Die englische Regierung geht jetzt gegen die irische Nationalliaa schärfer in's Zeug. In einer ganzen Reihe irischer Grafschaftsbezirke ist die Unterdrückung dieses gefährlichen Bundes erfolgt und kann man hierin eine geeignete Antwort des Ministeriums Salisbury auf die Excesse von Mitchels- town und anderen Orten erblicken.
Der Tod der bei dem Theaterbrande von Exeter Umgekommenen ist jetzt durch Wahrfpruch der Jury als durch „zufälligen Unglücksfall" bezeichnet worden. Das muß eine weise Jury gewesen sein!
Die Bulgaren haben sich eine billige patriotische Demonstration „geleistet". Es galt, den zweiten Jahrestag des Putsches von Philippopel (18. September), von welchem die Vereinigung Bulgariens mit £)Krümelten datirt, festlich zu begehen, was denn auch in fast allen Städten Bulgariens geschehen ist. Die Führer der Nationalpartei, wie Stambulow, Stranskp Stojanow u. s. td., erhielten zahlreiche Glückwunschtelegramme.
Die amerikanischen Anarchisten organisiren jetzt Massenmeetings um die zum Tode verurthellten Chicagoer Anarchisten vor dem Galgen zu retten, was aber hoffentlich nicht gelingen wird.
Literarisches.
— Eine überraschende Fülle guter belletristischer Lectüre bietet die »Deuttcke Romanbibliothek" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) in ihrem soeben beendeten fünfzehnten Jahrgang. Führte der erste Band desselben sich mit der grundgediegenm Familie Darner" von Fanny Lewald, dem pikanten „Edwiesen" von Robert Byr dem geistvollen „Asylrecht" von Wilhelm Jensen, dem gcmüthstiefen „Im Abendschein"' von K. von Bcrgk und dem ergreifend lebenswahren „Ich" von Ida Boy-Ed in geradezu klassischer Weise ein, so fügt der zweite in sieben weiteren Romanen nicht minder werthvolle Schätze der erzählenden Literatur hinzu. Wenn Anton von Persalls „Truden- ftctn* die tragischen Geschicke echt altbayrischer Herzen in den fernen, kaum halbctoilisirten. Thälern Pennsylvaniens zum Ausgangspunkte nimmt, so führt uns L. Wallace mit seinem „Ben Hur" in die Zeiten Jesu Christi zurück und entrollt innerhalb derselben Bilder von großartigstem Charakter in lebenswarmer, geistdurchglühter Beleuchtung, Interessante und spannende Probleme modernster Art dagegen finden wir behandelt in den „Leutringens" von A. von Klinckowström, dem „Nessusgewand" von Fedor v. Zobeltitz, dem „Weib aus dem Volke" von H. Abt, dem „wunden Punkt" von Leo Warren und „Caritas" von I. Feilmann. Besonders farbenreich gestalten sich diese wechselvollen Bilder dadurch, daß sie uns bald in die Kreise des höheren Adels, bald in das schlichte, markige Bürgerthum, bald in die einfachen, aber in wahrhaft dramatischem Leben keineswegs armen Schichten der unteren Volkskasscn einführen. Zu diesen zwölf erlesenen Romanen gesellt der Jahrgang noch eine übermüthtge Humoreske von Ernst von Wolzogen, „Mein erstes Abenteuer", und die knapp, aber dadurch nur um so packender erzählte Novelle „Sarolta" von Gräfin Pongracz. Fassen wir dazu noch, die weiteren feuilletonistischen Gaben und die sorgsam ausgewähltcn Proben aus der neuen deutschen Lyrik in's Äuge, so wird Jedermann mit uns staunen müssen über den Retchthum und die Bedeutsamkeit dessen, was hier zu dem fabelhaft billigen Preis von 8 für den ganzen Jahrgang geboten wird.
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