Nr 20, Dienstag den 25. Januar 1887’
icßcner Anzeiger
Amts- uub Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
f.
Bureaur Schnlstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Amtlicher Hheil.
und zu verpflegen;
Dr. Zeller.
Di-irniaen iunqen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werde» irdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige ,
Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig fteiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.
Bekanntmachung.
e. ein Unbcscholtenheitszeugnitz, welches für Zöglinge von höhere« Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasieu und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
4. das Schulreugnitz.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwillige« während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.
Zu pos. d: daß die Schulzeu-niße, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sämmtlich nach de» Schema 17 zur Ersah-Ordnung (L Theil tz« Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Rr. SS von 1875) ausgestellt fein müssen.
wirb.
4, Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. GeburtSzeugnitz; c _
K ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwillige« während einer einjährigen aetiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten
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Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Orb. verwiesen.
Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende:
Krdurch auf die nachfolgenden, bei Anbring: suche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1 Das Gesuch ist bei der unterzeichneten PrüsungS-C-mmission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherz-gthum Hessen »estellungSPflichtig ist, d. h. seinen dauernden Ausenthaltsort hat.
2 . Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jabres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung znm einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zu» 1. April deS- selben Jahres zu erbringen.
Ä. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Luch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben
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Deutschland.
Frankfurt a. M., 22. Januar. In dem vor der hiesigen Strafkammer gegen die Soci^ldemokraten Prinz und Genossen verhandelten Proceffe wurde heute das Urtheil gefällt. Wegen Vergehens gegen die §§ 128 u. 129 des Strafgesetzbuches (Teilnahme an geheimen ober solchen Verbindungen, zu deren Zwecken gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften) wurden die Hauptangeklagten Prinz, Füllgrobe und Trompeter zu je 6 Monaten, acht Angeklagte zu je 4 Monaten, zwei zu je 5 Monaten, einer zu 2 Monaten und 17 zu je einem Monat Gesängniß verurtheilt. Sämmtlicken Verurtheilten wurde die Untersuchungshaft angerechnet. Vier Angeklagte wurden sreigesprochen-
Straßburg, 22. Januar. Prinz Alexander von Battenberg ist gestern Abend von Darmstadt kommend hier eingetroffen.
Kngkand.
London, 22. Januar. Die „Morning Post" meint, wenn Frankreich wirklich sriedliche Absichten habe, wie seine Leiter und seine Presse vorgeben, so könnte es Europa leicht einen unverkennbaren Beweis hierfür geben. Friedliche Erklärungen allein hätten keinen praktischen Nutzen, wenn mit großen Opfern ganze Armce-Corps zu Versuchszwecken mobilisirt würven, wenn jedes Arsenal und jede Fabrik Tag und Nacht an der Herstellung von Repetir- gewehren arbeite, wenn hölzerne Baracken an der deutschen Grenze gebaut und die Festungen mit Explostv-Granaten versehen würden. Falls Frankreich aufrichtig Frieden wünsche, fei es die erste Pflicht seiner Regierung, diese Kriegs- Vorbereitungen hinouszuschteben, welche nothwendig Argwohn und Mißtrauen in jeder europäischen Hauptstadt erwecken müßten.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenr - Bureau.
Straßburg, 23. Januar. Prinz Alexander von Battenberg ist heute früh nach Mailand^abg^reist.^Z. Chamberlain hielt gestern Abend in einer Wähler
versammlung zu Hawick eine Rede, in welcher er die jüngste Conferenz zwischen den Führern der liberalen Partei besprach. Wenn er auch zugebe, bemerkte er, daß die Schwierigkeiten, welche zu überwinden wären, sehr ernste seien, so könne er doch con- statiren, daß die Hoffnungen, mit welchen man in die Conferenz eingetreten sei, sich erfüllt hatten durch das, was stattgefunden habe. Alle Dieienrgen, welche der Konferenz beigewohnt hätten, sowie Diejenigen, welche in der Konferenz direct oder m- direct vertreten gewesen, seien von dem loyalen Wunsche beseelt, die Eintracht auszudehnen bis zu den äußersten Grenzen der Principien, welche be de Theile als fundamentale ansehen. In keinem Falle werde die Emigke t der liberalen Partei «erkauft werden durch eine Demüthigung oder Unterwerfung, welche den einen oder den anderen Theil der Partei verächtlich machen könnte. Eine freie und ehrenhafte Meinungsverschiedenheit sei besser als ein gegen unehrenvolle Concessionen. erkaufter Waffenstillstand.
Petersburg, 23. Januar. Wie das „Journal de St. Petersbourg" erfährt, begegneten die Bestrebungen zu einer Beilegung der Krisis in Bulgarien einer günstige» Aufnahme seitens der meisten Regierungen, welche die Aufrechterhaltung des Friedens wünschen. Die Hauptsache sei, daß man sich einer legalen Situation gegenüber befinde« wie sie von Anfang an die russische Regierung verlangt habe. Eine Verständigung über die Wahl eines Fürsten, über die Bedingungen seiner Erwählung und seiner Eandidatur, welche Rußland als der Lage am besten entsprechend erachte, würde selbstverständlich folgen. Es sei zu hoffen, daß dieses Programm die allgemeine Zustimmung finden werde. Jedenfalls werde Rußland nicht abweichen von seiner festen und beharrlichen Politik.
und zu mehren.
Der General-Feldmarschall Graf Moltke.
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Gießen, 24. Januar. Da einer studentischen Feier des neunzigsten Geburtstags unseres Kaisers die Universitätsferien hinderlich sind, so wurde der 18. Januar alS Gedenktag der Wiederaufrichtung des Deutschen Reichs von der hiesigen Studentenschaft durch einen allgemeinen Commers gefeiert, an welchem auch der akademische Lehrkörper sich lebhaft betheiligte. Mit einmüthigem Beifall aufgenommene Reden von Studirenden und Professoren brachten die hohe Bedeutung des Tages und die Pflicht der Dankbarkeit gegen die Männer, welche so Großes für die Nation geschaffen haben, zu beredtem Ausdruck. Auf die von der Versammlung an Se. Majestät den Kaiser, an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog, an den Reichskanzler Fürst Bismarck und an den Generalfeldmarschall Graf Moltke abgesendeten Telegramme sind bis jetzt folgende Antwortschreiben an den Rector der Universität Professor Dr. Kittenbusch angelaim^. ^graphische Begrüßung Namens der Universität Gießen hat mich herzlich erfreut. Euere Magnificenz bitte ich ergebenft, den beteiligten Herren für diese» Ausdruck wohlwollender Gesinnung meinen verbindlichsten Dank übermitteln zu wollen, v. Bismarck.
Euer Hochwohlgeboren bitte ich, den betheiligten Herren meinen verbindlichsten Dank für das Telegramm vom gestrigen Tage zum Ausdruck bringen zu wollen.
Die Karin ausgesprochenen patriotischen Gesinnungen haben mich wahrhaft erfreut; möge es Ihnen vergönnt .sein, dieselbe in den weitesten Kreisen zu erhalten
Gießen, 24.Januar. [(Soncert] Mozart,Streichquartett — o-äur,Volkmann — g-moll, Schubert — d-moll. Das gestrige Concert bot einen reinen, ungetrübten Genuß. Was die „Jllustrirte Zeitung", was die Presse gerühmt, hat sich vollauf bewährt. Wir haben sicherlich seit den Florentinern kein Quartett mehr gehört, das mit dieser reinen Intonation, mit diesem Adel, mit dieser bis in's Kleinste ausgefeilten Technik spielte. Die einzelnen Quartette, so verschieden sie waren, das einfache Mozart'sche in c-dur, das feurige Volkmann'sche in g-moll, das edle Schubert'sche in d-moll war jedes seinem Charakter gemäß treu wiedergegeben. Alles war wie aus einem Guß, jede Schattirung mit einer Feinheit ausgcführt, welche die größte B^ wunderung aller Zuhörer hervorrief. Ueberruschend schön war das pp, klang es doch oft wie ein Echo aus weiter Ferne. AndäcHige Stille herrschte während des Spiels, und Niemand mag wohl den Saal ohne die höchste Befriedigung verlassen ^ben. Deo begeisterte Beifall, der lebhafte Hervorruf war beredtes Zeugniß hierfür. Wir wollen nicht individualisiren, da jeder Einzelne der Künstler das Beste leistete. Zoffen wir, daß uns noch oft Gelegenheit geboten wird, das Leipziger Streichquartett hier zu hören.
— Ein Schäferknecht aus Burggemünden, welcher seinem Dienstherrn vor einigen Tagen in Ulfa, unter Mitnahme verschiedener werthvoller Kleidungsstücke, w- wie auch Herausschwindeln von Geld auf denselben, heimlich durchgegangen war, wurde gestern dahier ermittelt und verhaftet.


