Ausgabe 
24.4.1887 Erstes Blatt
 
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dem Anwaltsstande habe und wie sich die Wirkung der Vorlage auf das Publikum rmd den Anwaltstand äußern werde. Man berufe sich auf die Klagen des Publikums. Nirgends aber habe man gehört, daß die Proceßführenden gern und willig die Ge­bühren für das Gericht, unwillig aber für den Anwalt zahle. Wenn dem so sei, solle man aber diese beiden Dinge nicht trennen. Dieser negative Theil der Vorlage, daß man den Fiskus herauslassen will, sei das Bedenklichste; bedenklich erscheine ferner, daß man über die Vorlage die Anwälte nicht befragt habe. Noch nie ist es vor- gekommen, daß man einem Manne plötzlich den vierten Theil seiner Einnahmen streichen will. Wenn die Anwälte gegen das Gesetz seien, so sei das eminentem In­teresse des Publikums, denn seine Folge werde ein Anwaltsstand sein, wie man ihn nicht gern haben wolle, ein Anwaltsstand, von dem es heißen werdeBillig und schlecht", und das muß vermieden werden.

Abg. Kurz (cons.) spricht sich für die Vorlage aus. Eine weitere Herab­setzung der Gerichtskosten wäre verfehlt, da hierdurch die Streitsucht Nahrung fände.

Der Entwurf wird an eine Eommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Schluß 4*/, Uhr.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. T.-O.: Nachtragsctat.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Corresponbenz ° Bureau.

Berlin, 22. April. Der Kaiser empfing Vormittags militärische Mel- düngen un) mehrere Vorträge, conferirte darauf mit Wilmowski und Graf Stolberg und machte Nachmittags eine Spazierfahrt.

Die Verhaftung Schnäbele's erfolgte auf Verfügung des Unter­suchungsrichters und sieht in Verbindung mit den landesverrätherifchen Vor- gängen im Reichslande.

Metz, 22. April. Die auswärts verbreiteten Nachrichten von in den Letzten Tagen hier siattgehabten Ausweisungen find unbegründet.

PariS, 22. April. Der Justizminifter conferirte gestern mit Goblet und Flourens anläßlich der V rhaftung des Polizei« Commifsärs Schnäbele und trug alsdann dem Generalprokurator, sowie dem Prokurator von Nancy an. sich nach Pagny zu begeben und einen Bericht über die näheren Umstände der Verhaftung einzuholcn.

Der Präfekt des Departements Meurthe et Moselle, der gestern Abend nach Paris gekommen ist, conferirte über diesen Fall mit Goblet.

London, 22. April. Das Unterhaus nahm in erster Lesung einen Antrag in Betreff der Fortdauer des bisherigen Theezolles an. Hierauf wurde die Budgetdebatte vertagt.

Nom, 22. April. Wie verlautet, wurden folgende Ernennungen zu Nuntien definitiv beschlossen: Rotelli in Paris, Galimberti in Wien, Dipietro in Madrid, Ruffo Scilla in München. Wahrscheinlich wird Rampolla Staate secretär und Agliaroi apostolischer Delegirter in Konstantinopel oder Secretäc der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten anstatt Galimberti's. Die Er­nennungen sollen nach dem Mitte Mai staltfindenden Conftstorium publicirt werden.

Aus Maffauah wird gemeldet, daß General Saletta heute früh dort eingetroffen ift. Er übernimmt morgen dar Commanoo.

Lokales.

Gießen, 23. April. Am Realgymnasium und an der Realschule sind bei dem letzten Aufnahmetermin mehr als 100 Schüler neu ausgenommen word'en. ^n das Lehrer-Colleglum und neu ein getreten die Herren Erb (für naturwissenschaftliche Facher und für das Turnen) und W. Geiger (für Mathematik).

au -"l^^legr^mm derFranks. Ztg." hat Professor Kaltenbach in

Gießen einen Ruf als Nachfolger Olsbausen's für Halle angenommen.

^eb auf die Schulter sprang und ihm Gesicht und Hände lerfkifrhtp f Angegriffene laut um Hilfe. Die herbeigeeilten Bcwobner- den Dieb, aus vielen Wunden blutend, noch immer in der Gewalt des Affen aus brr wiWKXtao'ÄaÄÄäi ÄS lst heute von neuerlichen polizeilichen ober perr^^tH^^en Bten ?eaen ^tCi*i:pDLl?PCInD^r?tcn mehr bekannt geworden. DasMainzer Tageblatt" weches als krers amtlich es Organ Beziehungen zu verschiedenen Behörden hat' melbet tagegen, daßzuverlässigstem Vernehmen nach noch weitere Verhastunaen

Ueberelnstiinntung mit meiner gestrigen Meldung theilt das genannte Blatt ferner mit, daß sich über die Resultate der Untersuchung mit Bestimmtheit noch gar nichts sagen laste.Soweit es bis jetzt den Anschein Habe, seien aber einzelne Ve^ sonen nn toinne der Anklage stark verdächtig." Nach unserer

ßsrnze Untersuchung möglichst beschleunigt betrieben werden; bei der großen ^ahl der ^nhaftrrten wird mdeß die Voruntersuchung immerhin einige 8eit in Anspruch nehmen zumal der größte Theil der Verhöre in den außerhalb gelegenen »«"r® m denen die Jnhaftirten interntrt sind, stattsinden sollen ^z.rrsgefangrnffen, o ui t i 23. April. Von offenbar eingcweihter Seite bringt das Maiv'p^ für d°e Ma"in üVr r'h Hiuberraschende wie wichtige Mittheilung, daß der Bauplan t)rUi.r?-!^Nlnuberbruckung bet Kostheim eine vollständige Aenderuna und eine Eisenbahn- und @trafeenbrürfe££

« ioü von dem Nicht mehr neuen Gedanken ausgehen, die linksrheinischen un£ Bahnen bei Kostheim über den Main zu führ n

hi^qr0^^n ? an d"s rechtSuserige Schicnennetz zu suchen. Während aber früher bie Mainuberbruckung Anschluß an die DorntaligeXaunuöbafin unbüber Hefe oirntZr Ä^ng^i Verbindung mit Frankfurt suchen wollte sei das heutiae Proiekl dazu bestimmt, die Nassauischen Linien der Hessischen Ludw'igsbahn über bie StaUon Bi chofsHeim mit dem übrigen Netz der Ludwigsbahn und dann auch auf indirektem Wege Mit dem Eentralbahnhof Mainz in Verbindung ui setzen fnrr einer Zweigbahn geschehen, welche von Bischofsheim ausgehend über- Erbenhenn führen unb an letzterem Orte in bie Sink nach Kbaben ^si?i/bd^hauseli - Limburg etnmünben soll. Das Projekt soll bereits ziemlich feste ^m"^orber"itm^Schrstte^gc^cbm^itu UHb prCu6i,den

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

d-s MEe!°meist-r?J°h?n°nEPhm^^^ Gi-ßm. ®rö6<r' ~°4ftr

Auszug aus den StandetzamtSreMrrrr des Standesamts Gieße«.

(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet)

k-MM-MZ-ZM-

^se?^^^fD.> Henriette Margarethe Johanna Schadt vmr hkr ' 20 Carl I sef Schutz, gebu.tig von Neudorf, Koch dahier, mit Marie Größer hier selbst SnftituÄr Micha-l ®tuT®miSiinÄ 8WMLS J°s°finkTs°b°ch-^fa'Aw7g!e; 813&SÄttfer 16 Johanna. Schwegler zu Lollar 16 ^ollster von Gartner Johannes

Wittwc von Chauffkc-Aufff'hcr Mathias Senninger' 18 ^arl^o? ?8

Bauer von Ehringshausen Kreis Alsfelb iq S?*' ^8 Jahre alt, ledig,

78 Jahr- alt, L-hr-rin i K da i-r 19 Johann ®tor8i

L. ÄXÜfs

Literarisches.

. .... Neben, Ansprachen unb Trinkfprüche

bei patnotifchen, Vereins- und Famtlien-Festlichkeiten von Dr. Nordheim Kattowttz, O.-Schl. bet G. Siwinna, 263 S. 2 Mark ' Derer ro rh^ bt/h, Unternehmen an die Ocffentlichkeit, das um die Gunst aller ^erer wirbt, bte tu der Lage sind, öffentlich sprechen zu müssen. Es ist chu» U-n?fIUr5eIer+ ,in^ bangerer Gelegenheitsreden und Toaste, von denen die meisten

Slnregung von außen gegeben werden; ihnen soll es sein, als säßen sie einmal untrr nff1 Pi wre\n die Gabe eines andern auf sich wirken Für sie reicht ia

NZKIVMZLSrV

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Vermischtes.

nn. Darmstadt, 22. April. Gestern Abend 9 Uhr hat sich an der -ralteNell- der Darmstadt-Eberstädtcr Stratzenbahn am Casino der Vereinigten Gescllschast eüi entsehllwcr UngluckSfall ereignet. Ober-Domancnrath Hauser wollte an dieser Stelle »en Zug besteigen, kam durch den in Bewegung gesetzten Zug zu Fall und wurde ihm der rechte Arm vollständig zermalmt. Eine Amputation mutzte sofort vorgenommen werden. Der Zustand des Verletzten soll ein sehr bedenklicher sein.

. y,atni' Die Haussuchungen und Verhaftungen von Svcial-

demokrmen dauern noch wrt. Nachdem während des Morgens noch ein hier beschä - «gier Maurer von Hcchtsheim rn Hast genommen und zur Mittagsstunde bei einein der Führer, dem Schuhmacher und Lederhändlcr Zimmermann, wiederholt eine sich bis au Svercher und Keller erstreckende Haussuchung stattgefunden hatte, wurden Nach­mittags 4 cihr zwer Setzer aus der §)fffctn desMainzer Anzeigers" verhaftet Mit diesen beiden Verhafteten begab sich der verhaftende Commissar und mehrere Criminül- d-amte per Chaite nach dem nahegelegenen Dorfe Gonsenheim, um dar gleichfalls Haussuchungen vorrunehmen. lieber das Resultat letzterer Haussuchungen ist zur Stunde noch nichts bekannt Weiter verlautet, daß am Nachmittag auch noch Haus uchungen ,n Mvmbach und Gonsenheim stattgesundcn. Im Ganzen sind j-tit 15 Ver- innen verhattet und zwar außer den bereits genannten der Schuhmacher Stötzel Maurer Merz und die Schristsetzer Buhlauer und Dürr. Fast fätnmtliche Verba i-ten t?,^ verhelralhet und mit zahlreichen Kindern gesegnet; einige der Familien sind derart gestellt, daß, wenn bte Hast langer andauern sollte, die öffentliche Mildtbättake t .u der Erhaltung eintreten muß. lieber ben nächsten Anlaß zu ben 3

wirb jeßt eine Version verlautbar, die sehr vi?l Wahrscheinlichkeit ha? Mef?Per«vn geht bahn datz man bei einer Haussuchung, die jüngst bei dem wegen des V^dackis der Brandstiftung verhattetcn Socialdcmokraten Häfner Görtz von Wörrstadt v^r genommen wurde, eine größere Anzahl Papiere und besonders Quittungen ,^'rr vons über bezahlte Parteibeiträge gefunden haben soll wAche Funde «7cht nur nnt «nA w-ttverzwe-gie Verbindung hindeuten, sondern den Bebörden^glelch.ettia ! Bud) die yaden an die Hand gaben, die einzelnen Glieder der Verbinduna? , Senn bteie älngabtn richtig, so ist, wie bereits bemerkt, biete in Wörrllad/oew?^' Entdeckung doch fedenfalls nur der nächste Anlaß für bie 9tphÄrb»t?r; k gemachte Maßnahmen gewesen, indem bie gan,7Art und^We'is- bei ÄMlmeÄ

rechtfertigt, daß man, vielleicht unterstützt von einer obe/ber anbp^Ä^ b dation, fchon lange Belastungsmaterial hatte und fammeUe das fckließ^ hen 'Ißorrftabter Verfall seine Anwendung fand. Wie uns noch mitaetheilt^nst^b I

hesf-n, ÄnlEriMbeÄ Aull,"ein ballen S^L^nb Va"7l""' Rh°i"- trefflichen Eigenschaften als Mensch wie als Richter alei» hn* ,DlL9Cn ,Einer

Beamte, sein 50jähriges Dienstjubiläum Die Jubetteie? mi?b unb beliebter I abspielcn, doch bringen bcr S abtvorstanb bi- Mitah« »&" 4en8Sn Kreisen von Rheinhessen, wie die Spitzen ber^übrigen^^B-börd n^^ dem^g-sammien Rechtspfleg- Zubilar osficiell die Glückwünsche bar. 8 Horden dem tm 74. Jahre stehenden Schuhmacher Veit Becker ^in^seiner Wohnung erschossen "^E^ütttt/^^lt8^^ bcr I »iffe wie sonstige Familienmis^re durften das Motiv fein r tetc Familienverhält- I

Bei dem Thierhändler Wattendorf in Altona brach pin <n;r, c I

ber Stube umhertastete, um ein Schwefelholz zu finden " Bei bief/r 6 Ct?nA bcr in n an dncn Sroß-n Mandrillaff-n, der in der Stube schlief und in sBRuhe g-stA 1