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Mittwoch den 23. November

Bureau r Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

o^^hlkopfhLlste befindlichen Neubildung, sowie ein theilweiser geschwüriger Zerfall derselben und gleichzeitig hiermit eine Erweiterung der Stimmritze wahr« genommen werden. Nach diesem Vorgang ist augenblicklich die Athmung völlig tret, dar Schlucken durchaus schmerzlos. Aussehen, Appetit und Schlaf sind sehr gut. Bewegung im Freien ist bei Eintritt sonnigen und trockenen Wetters in Aussicht genommen.

Berit«, 21 November. Ein Telegramm derNat.-Ztg." besagt, der Kronprinz fühle sich nach der neulichen Absonderung wesentlich erleichtert; die Tracheotomie sei zunächst in weite Ferne gerückt. (Fr. Journ)

Virchow'« Untersuchung des Auswurf« ergab keine Spur aon Krebszellen. (Fr. Jou-n.)

? °rt°ll°hrlich 2 Mark 20 Psi mit Brinaerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

L o k « L s

Gießen, 22. November. Seit dem 20. l. Mts. ist in hiesiger Stadt, bezw. in noch zwei weiteren Orten des Kreises eine Naturalverpflegungsstation errichtet worden, um nach dem Vorgänge anderer Kreise dem Vagantenthum, soweit möglich, zu steuern. Anderwärts haben sich die Verpflegungsstationen auf das Beste bewährt.

Es soll auf den Verpflegstationen an die die Verpflegsstation in Anspruch nehmenden durchreisenden Handwerksburschen kein Almosen gegeben werden, sondern den Durchreisenden soll während ihres hiesigen Aufenthalts Nachtlager und sonstige Verpflegung in ausreichender Weise verwilligt werden, wofür sie arbeiten müssen.

Es wird also der drückende Gedanke des Almosenempfanges vollständig fern­gehalten werden. Zugleich ist mit der Verpflegsstation eine Arbeitsnachweisstelle bet dem Polizetamte errichtet worden und dürften die Gewerbetreibenden noch besonders

Deutschland.

Darmstadt, 21. November. (Militärdienst' Nachrichten.) Es wurde: Schaub, Vicefeldwebel vom 1. Bat. (Gießen) 2. Großh. Hess. Landw.-Regts. Nr. 116, zum Sek.-Lieuten. der Reserve des 2. Großh. Heff. Inf.-Regts. (Groß- herzog) Nr. 116 ernannt; Noack, Sek.-Lieuten. von dec Infanterie des 1. Bats. (Gießen) 2. Großh. Heff. Landw.-Regts. Nc. 116 der Abschied bewilligt.

BerUn, 21. November. Der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag Wilmowökt^s entgegen, empfing Nachmittags 2 Uhr im Beisein Herbert Bis- marck's und des Ceremonienmetsters v. Romberg den neuernannten fiamestfchen Gesandten Phya Donnronq Raga Bolakhanth. später den neuernannten würt- tembergischen Gesandten Oberst Zeppelin und hörte um 4 Uhr den Vortrag des Finanzmimsters o. Scholz.

Bulletin au» San Rem > vom 19. November. Nachdem die ödematöse Anschwellung im Kehlkopse des Kronprinzen bereits in der Vorwoche erheblich gewichen war, hat fich dieselbe im Lause dieser Woche völlig zurückgebildet. Die Rückbildung wurde besonders bemerkbar, nachdem am 15. November braunräth- Uche Flocken ausgeworsen waren; daraus konnte eine Abflachung der in der

Knglarrd.

London, 21. Novör. Zwei Personen, Thomas Castlane aus Maffa- chufets und Michael Harkins aus Philadelphia, erschienen heute Vormittag vor dem Polizeigericht Bowstreet unter der Anklage der Verschwörung und Herbei- führung von Dynamit-Explosionen in England. Nach Aussage der Polizei- beamten wurde bet Castlans ein größeres Quantum Dynamit beschlagnahmt, bei Harkmr ein Zeilungr-Ausschnitt gesunden, welcher fich aus eine projrclirte Versammlung in Birmingham bezog, worin Balfour sprechen sollte. Die Ver­handlung wurde auf 8 Tage vertagt, worauf die Angeklagten in'r Gesängniß abgesührt wurden.

PslitLfche LleberffGL.

, Gieße», 22. November.

Der Czarenbesuch in Berlin gehört nun bereits der Vergangenheit an, aber in der Presse wird dieses Ereigniß wohl noch längere Zeit nachhallen, ohne daß man deshalb seine Bedeutung zu überschätzen brauchte. Der Empfang der russischen Majestäten bei ihrer Ankunst in Berlin, die am Freitag in der elften Vormiltagrstunde erfolgte, trug einen vorwiegend militärischen, ja, man möchte sagen, polizeilichen Charakter, denn die gejammte Berliner und Char­lottenburger Schutzmannschaft war hierbei auf dem Posten und wohl noch nie­mals war in der Reichshauptstadt da« Publikum bei der Ankunft eines fremden Herrschers so abgesperrt worden, wie diesmal. Die erste Begrüßung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Czaren vollzog sich im russischen Palais, dem Bot- schastr-Hötel, und trug sie einen sehr herzlichen Charakter. Die beiden Monarchen zeigten sich wiederholt am Fenster; nach etwa dreiviertelstündigem Verweilen fuhr Kaiser Wilhelm nach dem königlichen Schlosse zurück, wo ihm der Czar alsbald einen Gegenbesuch abflattete, und in der zweiten Stunde des Nachmittag« erschien daselbst auch die russische Kaiserin mit ihren fünf Kindern. Gegen 4 Uhr erschien auch Fürst Bismarck im Botschasts-Holel zur Begrüßung des Czaren und wohnte der Kanzler später dem im kaiserlichen Palais zu Ehren der russischen Majestäten veranstalteten Galadiner bei. Von der beabsichtigten Galavorstellung im Opernhause wurde auf Wunsch der Czaren abgesehen und erfolgte bereits in der zehnten Abendstunde die Wiederabreise der Czarensamilie. Ob dem nun endlich zur vollzogenen Thatsache gewordenen Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit dem russischen Herrscher weilergehende Folgen zuzuschreiven sind, wie Optimisten meinen, wird fich ja wohl zeigen, aber e« gehört eben ein besonderer Grad von Hoffnung«-Freudigkeit dazu, zu glauben, daß nun eine Wiederannäherung Rußland« an Deutschland nur noch eine Frage der Zeit sei. Wenn mau die russischePetersburger Zeitung" hört, möchte man allerdings annehmen, daß in den leitenden Petersburger Kreisen eine solche Wendung der Dinge erhofft wird; das genannte Blatt meint nämlich: Die öffentliche Meinung der zwei mächtigsten Reiche der Welt, welche durch die Nachbar-Interessen und historischen Ueberlieferungen verbunden werden, vereinigen fich heute zweifellos in dem gemeinsamen Wunsche, daß die freundschaftliche Begegnung der Mo­narchen auch eine Spur auf den freundschaftlichen politischen Wegen der beiden Völker hinterlassen möge. In Deutschland wird man fich diesem hoffentlich aufr-.chtig gemeinten Wunsche gewiß gern anschließen, schade nur, daß tu Peters- bürg die Erkenntniß derNachbar-Jntereffen" undhistorischen Ueberlieferungen" so sehr spät dämmert!

In Frankreich entwickelt sich der Wilson-Seandal ganz unver­kennbar zu einer ernsten Krisis. Dar Votum der Deputirtenkammer, wonach der Schwiegersohn de» französischen Staatsoberhauptes, der Abg. Wilson, wegen seiner verschiedenen schmutzigen Affairen gerichtlich verfolgt werden wird, trifft indireet auch Herrn Grövy mit, und ganz ungenirt erörtern die französischen Blätter aller politischen Richtungen die Frage, wer der Nachfolger des alten Herrn auf dem Prästdentenstuhle werden solle.

Auf der Balkan-Halbinsel ziehen gegenwärtig die Verhältnisse in Serbien den Blick vorzugsweise auf sich. Herr Risticr, der serbische Cabi- nets-Chef, scheint seiner parlamentarischen Gejolgschaft gar nicht jo sicher zu sein und nach allen Anzeichen ist in der Skupschtina eine starke Oppositions­partei in der Bildung begriffen. Das Haupteontingent zu derselben stellen die Radikalen, welche mit verschiedenen Maßnahmen der Regierung, u. A. auch mit der Art der Ernennung der sog. Krondeputirten, von denen nur der kleinere Theil der radikalen Partei angehört, unzusrieden sind und es dürsten so in der Skupschtina böse Tage für das Ministerium Risties kommen. In den Bel- grober Regierungrkeiisen selbst fühlt man fich unbehaglich und traut der Skupsch- lma offenbar nicht, denn ein königlicher Ufa« verfügt, daß dar vorjährige Budget in Kraft bleibt, bis dis Skupschtina das neue bewilligt hat und scheint demnach die Regierung die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß die Skupsch­tina da« Budget verweigern könne.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Esrrespo»denz»N«rea«.

« beipria- 21. November. Auf Ansuchen der hiesigen Staatsanwaltschaft ist der Inhaber ber fallirten Firma Vernharb Sandbank u. Co., Sanfter Sanbbanf, verhaftet ?Grund ber Verhaftung mit ben Unregelmäßigkeiten der Diskontogesellschaft im Zusammenhänge unb handle es sich angeblich um Wechselfalschungen.

_ , Wien, 21. November. Wie bieMontagsrevue" authentisch vernimmt, hat Professor Storck unmittelbar nach ber bekannten am 9. b. M. vor seinem Auditorium gehaltenen Rebe vom Unterrichtsminister burch den Dekan eine Rüge erhalten, in welcher ihm bie Ungehörigkeit seines Vorgehens rückhaltlos bargelegt wurde.

Paris / 21. November. Grevy ließ Clemenceau für heute früh in bas Elysoe bitten.

Nachdem Grevy heute Vormittag Clemenceau die Cabinetbildung angetragen, soll dieser erwidert haben, er schrecke vor einer derartigen Verantwortlichkeit keineswegs zurück und sei bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Seines Erachtens sei aber die Ver­wickelung der gegenwärtigen Situation durch andere Elemente als durch die Frage der Cabinetsbildung veranlaßt. Für heute Abend ist eine neue Conferenz zwischen Grevy, Clemenceau und anderen hervorragenden Politikern in Aussicht genommen.

Paris, 21. November. Floquet, Freycinet, Goblet und Clemenceau waren von 5 bis 7Vr Uhr bei Grevy zu einer Besprechung, betr. die Regierungskrise, versammelt. Zu einer Beschlußfassung ist es gutem Vernehmen nach nicht gekommen.

Den Abendblättern zufolge ließ Grevy, als er Clemenceau zur Cabinets­bildung aufforderte, demselben jede Freiheit hinsichtlich des Regierungsprogramms und der Wahl der Personen. Clemenceau habe erwidert, daß Grevy, dessen Vergangenheit als wahrer Republikaner unanfechtbar sei, der Republik den letzten Dienst erweisen könnte, indem er zurücktrete, da sein Ansehen gelitten habe und hieraus der Republik Schaden erwachsen könnte. Schließlich sei Floquet von Grevy um seine Ansicht beftagt worden. Die Abendblätter glauben, Grevy würde der Demission keinen unbesiegbaren Widerstand entgegensetzen, sei jedoch fest entschlossen, einer Aufforderung oder ver­fassungswidrigen Pression nicht nachzugeben, sondern nur nach völlig freier Ent­schließung zu handeln.

Paris, 21. November. Deputirtenkammer. Jolibois (Bonapartist) beantragte eine Resolution auf Revision der Verfassung. Derselbe suchte darzuthun, daß das einzige Heilmittel in der gegenwärtigen Lage darin liege, dem Volke das Recht zurück­zugeben, das Staatsoberhaupt zu ernennen, welches auf diese Weise der Schiedsrichter und nicht ber Spielball der Parteien sein würde. Der Antragsteller beantragt die Dringlichkeit. Die Intransigenten Baroget und Michelin erklärten sich mit einer Re­vision der Verfassung einverstanden, um die Präsidentschaft der Republik zu beseitigen. Die Kammer lehnte die Dringlichkeit mit 381 gegen 173 Stimmen ab.

Der Antrag Mickelin's, den von ihm gestellten Antrag auf Revision der Verfassung an die Spitze ber Tagesordnung zu stellen, wurde mit 369 gegen 191 Stimmen abgelehnt; der Antrag Micheltn's wurde an das Ende der Tagesordnung gestellt. Die Kammer vertagte sich darauf bis nächsten Donnerstag.

Genua, 21. November. Se. K. Hoheit der Prinz Heinrich ist um Mitternacht

eingetroffen und am Bahnhofe vom deutschen Generalconsul Dr. Bamberg empfangen worden. Se. K. Hoheit reiste früh 7 Uhr nach San Remo weiter.

San Remo, 21. November. Se. K. Hoheit Prinz Heinrich ist heute Vormittag hier eingetroffen.

Petersburg, 21. November. Die kaiserliche Familie ist gestern Nachmittag in Gatschina eingetroffen.

London, 21. November. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Bombay: Ejub Khan wird sofort von Meshed nach Teheran gebracht werden, wo er verbleibt, bis die englische Regierung weitere Bestimmung getroffen hat.

BM