München, 21. September. Kammer der Abgeordnetm. Im Fortgänge der Sitzung sagte der Ftnanzminister die thunlichstr Berücksichtigung der mittleren und kleineren Branntweinbrenner zu. Der Abgeordnete Evora (Demokrat) sprach sich gegen das Branntweinsteuergesetz aus, weil durch dasselbe den ärmeren Klassen die Nahrungsmittel vertheuert würden; Evora forderte eine progressive Einkommensteuer und größere Sparsamkeit. Der Ftnanzminister erwiderte, er wolle über das jPrincip der tndirecten Steuern mit Evora nicht streiten; Amerika und andere republikanische Staaten, denen Evora wohl nicht den Vorwurf einer Aussaugung des Volkes machen werde, hätten das System der indirecten Steuern ausgebildet. Die Detail-Verkäufer von Branntwein hätten einen Gewinn von 300—400 pCt. und daher rühre die Belastung des armen Mannes. Eine Begünstigung der Groß-Branntweinbrenner durch Bayern finde in keiner Weise statt.
Petersburg, 21. September. Der deutsche Botschafter, General v. Schweinitz, hat gestern mit Familie eine Urlaubsreise in's Ausland angetreten.
Rom, 21. September. Anläßlich des Jahrestages der am 20. September 1870 erfolgten Besetzung Roms hatte der Bürgermeister von Rom eine Adresse an den König gerichtet. Dem Bürgermeister ging darauf folgende telegraphische Antwort des Königs zu:
„Ich danke der Hauptstadt, die mir an diesem Tage Gefühle ausdrückt, welche meinem Herzen heilig sind. Dieser Tag unsterblichen Angedenkens bietet mir auch Gelegenheit, Rom meine lebhafte Zuneigung zu bezeugen und es meiner beständigen Wünsche zu versichern, daß es in der neuen Aera, welche mit dem 20. September 1870 begann, den Glanz seiner alten Größe wiederfinde. Dieses höchste Streben meines Lebens erfüllt sich in wunderbarer Weise. Bei einem freudigen demnächstigen Anlaß wird Rom der Welt zeigen, daß es durch regelmäßige Entwickelung jeglichen Fortschritts in der Civilisatton allen Jenen, welche kommen werden, dem Papste ihre Huldigung darzubrtngen, eine sichere ehrende Gastfreundschaft bieten und gleichzeitig die Hauptstadt eines freien starken Volkes sein könne."
Dublin, 21. September. Eine Proklamation der Regierung ordnet die Unterdrückung der Nattonal-Liga an in der Grafschaft Clare und gewissen Bezirken der Grafschaften Leitrim, Galway Kerry, Cork und Wexford.
Newyork, 21. September. Die hiesigen Soctaliften und Anarchisten hielten eine Massen-Versammlung ab, um gegen die Hinrichtung der Chicagoer Anarchisten zu vrotesttren. Most forderte die Arbeiter auf, sich zu bewaffnen; ein jeder Blutstropfen der oerurtheilten sieben Anarchisten fordere ein Menschenleben. Andere Redner forderten zu einem Feldzuge gegen die Kapitalisten auf.
_ Pari-, 21. September. Der „Temps" bezeichnet die Verhaftung des jungen Schnäbele als Zwischenfall ohne irgend welche ernstere Bedeutung, da dem Verhafteten seine Jugend zur Entschuldigung gereichen dürfte. Die Regierung werde dabei höchstens in officioser Form interveniren können.
Exeter, 21. September. Die Untersuchung über den Theaterbrand wurde heute geschlossen. Die Jury gab ihr Verdikt dahin ab, daß der Tod so vieler Menschen die Folge eines Unglücksfalles sei; doch werden die Behörden und der Baumeister des Theaters streng getadelt, da sie ihre Pflicht versäumt hätten.
Lokales.
—o. Sietzen, 22. September. Gestern Abend kamen mittelst zweier Extrazüge die Bataillone des 116. Regiments aus dem Manöver zurück. Der kurz nach 7 Uhr eintreffende erste Zug der Oberhessischen Bahn brachte außer einigen Compagnien unseres Regiments das Hessische Jäger-Bataillon Nr. 11, welches nach Ueberführung auf die Matn-Weser-Bahn um a/48 Uhr nach Marburg weiter fuhr, im zweiten Zuge, der gegen Vr9 Uhr hier eintraf, befanden sich die übrigen Compagnien der 116er. Heute findet die Entlassung der Reservisten statt.
~ Der über die Wiesen nach dem Philosophenwald führende Weg wird auf estier Strecke von ca. 500 Meiern mit Schlackenmehl aufgefüllt. Die Passanten dieses Weges werden diese nothwendige Verbesserung mit Freuden begrüßen.
m _ Uetze«, 21 September. (Schwurgericht.) Heinrich Hahn, geboren zu Parts, 20 Jahre alt war in letzterer Zeit in Gießen als Maurergeselle beschäftigt und lernte im Laufe dieses Frühjahrs die ledige Johanna Klein dahier kennen. Er oer- suchte mit dieser ein Liebesverhältniß anzuknüpfcn, was ihm jedoch nicht gelang, da die Klein sich ablehnend gegen ihn verhielt und überall zu erkennen gab, daß sie nichts ?'t thm zu thun haben wollte. Bekannten gegenüber äußerte sich die Klein in ab- fälliger Weise über den Hahn; dieser erhielt Kenntniß von den über ihn in Umlauf gesetzten Geschwatzen und sein Zorn richtete sich natürlich auf die Urheberin derselben, welche er, sobald sich eine Gelegenheit dazu fände, für ihr Verhalten zu bestrafen sich vornahm. War schön das Benehmen der Kktn für Hahn sehr bitter, so mußte er zu fttnem Schmerze noch erfahren, daß ein ihm befreundeter Schmiedgeselle, Christoph « vor den Augen seiner ehemaligen Angebeteten gefunden hatte und daß zwischen diesen Beiden ein Liebesverhältniß bestand. Am Abend des 17. Juni d. I. befand sich Hahn mit einem Bekannten auf dem Oswald's Garten, woselbst der Krug und die Johanna Klein ebenfalls anwesend waren. Hahn, von seinem Begleiter auf d:e Anwesenheit dieser Personen aufmerksam gemacht, bemerkte, er wisse bereits, daß sie da seien und er werde der Klein heute Abend „ein Paar stopfen". Sein Kamerad rieth ihm von seinem Vorhaben ab; als K^ug und Klein sich von dem OswaldSgarten durch die. Neustadt in die Stadt begaben, folgten denselben Hahn und s-in Begleiter nach und ubcrholtm sic in her Marktstrab-. Hahn posttrt- sich an d-r E/k- d-r Schloßgasse bet der F-rber'schcn Buchhandlung, der Andere an der Ecke des Ltnd schen Ladens und warteten die beiden aus das LiebespLrchen, von dem sie wußten, daß es diesen Weg nehmen werde. Bei dem Erscheinen des Pärchens trat Hahn auf
Ä st*, ,u sch'agen, diese wehrte ab und Krug versetzte dem Hahn
einen Stoß, woraus dieser einen eisernen Schlagring, welchen er in der Tasche bei sich fte' "AM und ^rug auf den Kopf schlug. Krug trat den Hahn und dieser schlug nochmals zu. Ersterer ging blutüberströmt zurück und die Sache war vorläufig ^E^t beendigt. Krug erstattete Anzeige und es erfolgte Verhaftung des Hahn, da sich bprC Jn,?CsTQC^Uhnö ^rausstellte. Der Verletzte starb wenige Tage darauf in Folge Wunden. Hahn wird in eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten bk'2 ÄnQa- betragenden Untersuchungshaft verurtheilt, nachdem die Geschworenen mildernde Umstande zuerkannten.
~e 22- September. Nach langer Pause wird uns am nächsten
Sonntag^Settens^e^aus dem Manöver zurückgekehrten Capelle des 2. Großh. Hess.
Jnf.-Regt. Nr. 116 wieder ein Concert geboten. Das Concei-t
im heutigen Blatte befindlichen Inserate ersichtlich, in dem neu °u§^ent
des Cafä Leib statt. Der Saal, welcher durch Anbau einer Rübn? ^oaale ihrer Vollendung entgegengeht, eine bedeutende Erweiterung ersabren 'da^. demnächst soweit fertig gestellten Deckenmalerei zu ur,heilen, 8u än®m ba der
Maße entsprechenden und gemüthlichen Locale zu rechnen fein * ' euicit tn vollem
— Das 10jährige Dienftjubiläum feierte am 20 b Mts bk a Dorothea Euler aus Staufenberg bei ihrer Dienstherrschaft bem lenftwb Joh. Klein dahier. Das Mädchen wurde von d- Famili- durch
sprechen!) belohnt. c Durd) Geschenke ent--
»ermischtes.
—o— Aus bem Busecker Thal. Der Kirchengesanaverein in von Herrn Lehrer Musch geleitet, in ben anberthalb Jahren feine? Refk^I"'c^, wiederholt schöne Proben seines Könnens abgelegt hat, veranstaltet «iJ11 § ^on Sonntag den 25. d. M. ein Kirchengesangfest in der dortigen Kirche c^^nben - ein musikalischer Gottesdienst - wird um i/,2 Uhr beginnen S?up!fcicr Chöre, durch Schriftlectionen miteinander verbunden, wechseln mit Eki'.r Gemischte für die es gelungen ist, bewährte, tüchtige Kräfte zu gewinnen. Wir ntnn»» » - 0M1' Walther aus Gießen und Herrn Luh, einen Schüler des Raff'schen Dulcin für Musik aus Frankfurt a. M. Die Orgel hat Herr Lehrer Deines ^«/»oviums übernommen, der sich durch seine unlängst erschienenen Compositionen <3^«; ,^n,n.erob Kinderlieber auch in weiteren Kreisen vortheilhast bekannt gemacht bat ^«b°ch'scher wird sich ferner der Kleinlindener Posaunenchor, der auf unseren kirchlich^ ein willkommener Gast ist und zum Gelingen derselben nicht wenig beitXt n ?ets sei zuletzt noch, daß, wenn die Witterung günstig ist, um i/25 Uhr cim» Freien gehalten wird mit Gesangesvorträgen, Ansprachen von fierrn^Sl, im Dr. Büchner aus Gießen u. a. Wir wünschen von ganzem Herzen, ba6 rQt1^ schönen und reichgesegneten Verlauf nehmen möge. Eine rege Betheilkuna Nähe und Ferne ist namentlich auch um deswillen zu wünschen, als die ?er geplanten Kleinkinderschule zu Beuern zu gut kommen soll. " stcollecte der
Offenbach, 21. September. Die Eröffnung unserer neuen
ben öffentlichen Verkehr wirb voraussichtlich am 1. October ftattfinden unb lür
bie Bauleitung für bie bamit verknüpfte Feier bie Lieferung von 1500 Mtr *?at
guirlanden ausgeschrieben. E. Fichtenreis-
A Mainz, 21. September. Zu bem vielbesprochenen neuesten Verlud preußischen Regierung, in den Besitz der Hessischen Ludwigsbahn zu kommen . soeben von zuverlässiger Sette in Darmstadt die überraschende Nachricht »u bem preuMen Verkehrsministerium unb ber hessischen Regierung schon fS’Sä01 Monaten Verhanblungen schweben, bie barauf hinzielen, die hessisch? Reaimin^0^ einem Verzicht von bem ihr zustehenben Vorkaufsrecht ber Hessischen Ludwias?af>n “ bewegen. Die Verhanblungen. welche hessischerseits butd) ben ®e^eimen Dberfnanirflth Schulz geführt werben, seien bereits soweit gediehen, daß das Ministerium in Darm- stadt sich -u dem verlangten Verzicht unter der Bedingung bereit erklärt habe, daß d?r preußische Staat gleichzeitig mit der Uebernahme der Hessischen Ludwiasbabn ttche übrige hessischen Bahnen käuflich erwerbe. Preußen soll bei dem an die Ä Re^erung gerichteten Ansinnen hauptsächlich betont haben, daß die sich ständig erhöhend No twendigkeit ber Fortsetzung unb bes Ausbaues ber Westerwaldbahn es ihr zu Pflicht mache, den Ankauf ber Lubwtgsbahn wieberholt in's Auge zu fassen Preußen auf bie von Hessen an ben verlangten Verzicht geknüpfte Bedingung eingehen will, Darüber verlautet noch nichts. “ “
△ Vom Rhein, 21. September. Von morgen Donnerstao ab tritt in Fahrplan der Koln-Düsseldorfer Dampfschiffe eine Aenderung insofern etn als dtz Salonboote „Deutscher Kaiser" und „Wilhelm Kaiser und König" wegen des ntedercn Wasserstandes und des frühen Dunkelwerdens beim Passiren des Btngerloches hr- Fahrten eingestellt haben. „Hansa" und die übrigen Salonboote fahren wie im Sommer. * c lul
. , UnIern^?bJc?i «urde gestern Abend ein Bremser von einem Güterzug überfahren. Der Tod des Verunglückten trat sofort ein.
.. ~ Bühnenkünstler«, seien sie als Sänger ober Schauspieler tbätia
tonnen nidit dringend genug die Sodener Mineral-Pastillen empfohlen werden Die-' elben bi den e n angenehm zu nehmendes, leicht lösliches Heilmittel, das nahezu ab-. olute Sicherheit gegen die durch Erkältungen der Respirations-Organe hervorgerufenen leidigen BerussstSrungen gewahrt. Vielfache Zuschriften, darunter auch eine der ge- feterten Diva Marcel a Sembrich, bestätigen den Werth der Sodener Mineral- Pastillen. orrau Sembrich schreibt: „Ich kann nicht umhin, Sie von der vorzüglichen Wirkung der Sodener Mmeral-Pastillen bei stimmlicher Indisposition zu benachrtchten. Die Wirkung ist überhaupt aus ben gesummten Organismus eine ganz vorzügliche, so daß ich bieselben setzt ständig benutze und meinen Eollegen auf's Wärmste emvfehlen kann. gez. Marcella Sem brich-Stengel." 6950
dparrdel mi6
„ nnnnmbar0, KÄbr. Rother Weizen pro Malter 14.15, weißer Weizen 00.00, Korn JL 10.20, Gerste JL 8.20, Hafer X 5.40, Erbsen X 00.W, jcartoffeln O.OO.
m .. F "nk sur t,17 September. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Multer 7.00-8X30, das Gescheid 12-00 Eier das Hundert JL 6.00-8.00, das <7^9mÄ»®u?ct 00.00-00.00, tat Detail das Pfund 1.20
» k "0-Weißkraut per Stück 15-25 Rothkraut per Stück 25-35 A, Kohlrabi 3,T4^’ Ochsenfleischper Pfund 45-70 A, Kuh- u. Rindfleisch 45-604. ffattfleiW *3—50 Schweinefleisch 65-75 H, Hammelfleisch 50-65 4, 1 Hahn
1 ßubn JC. 1.00—2.20, 1 Ente JL 2x30-3.50, Gans Pfund 50-70 4s.
1 Taube 40-70 L, Welsche JC 10.00—12.00.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.
Samstag^A^e^s"^ Uhr^^' ®amS*afl Dormittag 8 Uhr, Samstag Nachmittag 4 Uhr„
Akkgemeiner
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