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Die erkannten Ordnungsstrafen fließen in die durch das Statut zu bezeichnende Kasse. In dem Statut kann ferner festgesetzt werden, daß die Beitreibung der Ordnungsstrafen auf ein an den Bürgermeister zu richtendes Ansuchen des Befehls­habers (Commandantcn) der freiwilligen Feuerwehr in gleicher Weise wie die Bei­treibung der Communalintraden zu erfolgen hat.

II. Berufsfeuerwehren.

Artikel 10. Wo eine Berufsfeuerwehr besteht, sind die Vorschriften über die Organisation und den Wirkungskreis derselben in der Ortsfeuerlöfchordnung zu er- ^hei^^Veiletzungen der den Mitgliedern der Berufsfeuerwehr durch die Ortsfeuer­löschordnung auferlegten Verpflichtungen unterliegen, soweit nicht disziplinäre Ahndung Platz greift, der für die Fälle des § 368 Ziffer 8 des Strafgesetzbuchs festgesetzten Strafe.

III. Pflichtfeuerweh ren.

Artikel 11. Wo eine als dem Bedürfniß genügend anerkannte freiwillige oder Berussfeuerwehr nicht besteht und daher die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr als selbst­ständige Corporation oder als Hilfsmannschaft geboten ist, sind alle männlichen Ein­wohner einer Gemeinde vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre zum Eintritt in diese Feuerwehr bezw. soweit sie nicht Mitglieder der freiwilligen oder Be­rufsfeuerwehr sind, zum Eintritt in diese Hilfsmannschaft, zur Dienstleistung bei Brand- fällen sowohl in der eigenen Gemeinde und Gemarkung, als in den Nachbargemeinden und Nachbargemarkungen,sowie zur Theilnahme an den erforderlichen Hebungen und Musterungen verpflichtet. ...... _

Ausgenommen von der in Absatz 1 ausgesprochenen Verpflichtung sind die durch Krankheit oder Gebrechlichkeit, die durch öffentliche Berufspflicht Verhinderten, welchen Aerzte, Wundärzte und Apotheker gleich zu achten sind, und die Angehörigen des acti- ven ^wieweit Verhinderung wegen öffentlicher Berufspflicht vorliegt, haben

die vorgesetzten Dienstbehörden des als pflichtig in Anspruch Genommenen zu bestimmen. Entsteht sonst Widerspruch über das Zutreffen der in Absatz 2 angeführten Voraus­setzungen, so entscheidet das Kreisamt und auf erhobene Beschwerde Unser Ministerium des Innern und der Justiz. ,

Wenn und soweit es zur Bildung und Erhaltung einer vollzähligen Feuerwehr der Inanspruchnahme fämmtlicher Pflichtigen nicht bedarf, können durch Bestimmung der Ortsfeuerlöschordnung, die dem Beginn oder dem Ende der Pflichttgkett zunächst stehenden Altersklassen, sowie die mehr vorübergebend sich aufhaltenden Personen von der Verpflichtung zum Feuerwehrdienst befreit werden.

Auch kann unter der angegebenen Voraussetzung einzelnen Pflichtigen, welche aus besonderen Gründen darum nachsuchen, nach Anhörung des Befehlshabers (Com- mandanten) der Feuerwehr, die Entbindung vom Dienst in der Feuerwehr unter An­setzung einer nach den Vermögensoerhältnisfen der Betreffenden zu bemessenden, in die Gemeindekasse fließenden und zu Feuerlöschzwecken zu verwendenden Jahresabgabe von 4 Mark bis 30 Mark in widerruflicher Weise durch die Gemeindevertretung gewahrt

Inwieweit die Gründung einer Privat'euerwehr den Gründer und die Mitglieder derselben von der allgemeinen Feuerwehrpflicht befreit, bleibt der Bestimmung der Orts­feuerlöschordnung überlassen. t , . . . .

Heber die Eintheilung der Mannschaft dcr Pflichtfeuerwehren tn gesonderte Ab- thetlangen für die einzelnen Verrichtungen des Lösch- und Rettungsdienstes, über die erforderliche Zahl der Mitglieder der einzelnen Abtheilungen, über Bestellung oder Wahl der Befehlshaber und Adtheilungsführer, über die Auszeichnung derselben und die Abzeichen der Mannschaft, über die unentgeltliche Ausbildung der letzteren für ihren Dienst, insbesondere die nöthigen Hebungen der einzelnen Abtheilungen und die gemein­schaftlichen Hauptübungen sind im Verordnungswege nähere Vorschriften zu treffen.

Art. 12. Der Angehörige einer Pflichtfeuerwehr, welcher bei einem Brandfall, bei dem er zur Hilfeleistung verpflichtet ist, oder bei einer Hebung, zu der er ordnungs­mäßig berufen wurde, ohne ausreichende Entschuldigung nicht oder nicht ordnungsmäßig erscheint, oder welcher den dienstlichen Anordnungen des Befehlshabers (Kommandanten) ober bei Führer nicht Folge leistet, unterliegt bcr für die Fälle des 8.368 Ziffer 8 des Strafgesetzbuchs festgesetzten Strafe.

(Schluß folgt.)

Berlin, 20. Deeember. Heber das Befinden des Kronprinzen meldet das Tageblatt" aus San Remo: Das neue Gewächs am linken Ventrikularbanbe nimmt allmältg ab; die Besserung und bas allgemeine Befinden hält an.(F- Z)

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eokr^von-errz-Burearr.

Berlin, 20. Deeember. Seine Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Vor­mittags eine größere Anzahl militärischer Meldungen entgegen, empfing den Polizei- präsidenteu Freiherrn v. Richthofen und arbeitete bann mit dem Chef des Mtlitär- cabinets, General v. Albedyll.

Würzburg, 20. Deeember. Der heutige zehnte Wahlgang der Wahlmanner des Wahlkreues Würzburg (Stadt) ergab abermals je 44 Stimmen für den Regie- rungsraih Burkhard (liberal) und den Bibliothekar Stamminger (Centrum). Der nächste Wahlgang ist auf Donnerstag den 22. ds. Mts. angesetzt.

Karlsruhe, 20. Deeember. Der bayerische Gesandte v. Niethammer überreichte dem Grotzherzog fein Abberufungsschreiben.

Pefth, 20. Deeember. In Folge starken Schneefalles ist die Communication mit der Stabt gestört und die telegraphische Verbindung vielfach unterbrochen.

London, 20. Deeember. Gladstone und Gemahlin werden am 26. Deeember nach Norditalien zu mehrwöchigem Aufenthalt reifen.

London, 20. Deeember. DemGlobe" zufolge beabsichtigt der gestern Abend über Berlin nach Petersburg abgereiste Lord Nandolph Churchill bis Ende Januar in Rußland zu bleiben.

Petersburg, 20. Deeember. Wie derRegierungsbote" meldet, ist der Student der Kasanschen Umoerfität, Alexejew, wegen thätlicher Beleidigung des HniversitätS- Jnspeklors auf 3 Jahre einem Disciplinar-Bataillon überwiesen worden.

Die an der Wiener Börse verbreiteten Attentatsgerüchte sind absolut erfunden.

Lokale».

Gießen, 21. Deeember. Im städtischen Schlachthause wurden in dem Zeit raume vom 19. November bis 19. Deeember 1462 Stück Vieh geschlachtet und zwar 112 Ockfen, 104 Rinder, 504 Kälber und Hämmel, 736 Schweine und 12 Pferde.

Den Mitgliedern der hiesigen Rudergesellschaft wird von ihrem Vorstände auch der Weihnachtsbaum angezündet werden; wie man uns mittheilt, vereinigen sich dieselben am ersten Feiertage zum gemüthlichen Zusammensein mit darauf folgender Weihnachtsbescheerung und Christbaurn-Verloosung im Dereinslokale,Caf6 Ebel".

Gießen, 21. Deeember. Den am Sonntag abgehaltenen Christbescheerungen reihte sich am Montag Abend im Saale desCasö Leib" die Chriftbescheerung der Frau Clara Rothe würdig an. Die den Kindergarten besuchenden Kleinen, eine stattliche Zahl, machten auf die zahlreich erschienenen Eltern und Verwandten durch

ihre pro elfen und klaren Antworten den besten Eindruck. Der muntere Gesang unb die verschiedensten Spiele der Kleinen, ebenso die von denselben angefertigten kleinen Handarbeiten bewiesen zur Genüge, daß dieTante Rothe" ihre Ausgabe in der besten Weife gelöst. Die übliche Plünderung des Christbaumes bildete den willkommensten Schluß für die Kleinen.e.

Gießen, 22. Deeember. (Theater.) Wir wollen nicht verfehlen, auf die heutige Vorstellung des interessanten DramasEin Tropfen Gift", welche zum Besten hiesiger Armen stattfindet, noch besonders aufmerksam zu machen.

Der in i f ch te s

Heber die Studenten-Tumulte in Moskau gibt dieW. A. Z." folgende Darstellung:Am 6. November brachen an der hiesigen Universität Studentenunruhen aus, welche strenge Repressalien des Gouverneurs nach sich zogen und die Stadt in große Aufregung versetzten. Diese bewegte Affaire hat, wie nunmehr festgestellt, folgende Geschichte: Der Inspektor der Unioerfitat, Herr Brisgaloff, dessen Bornirthett stadt­bekannt ist, erlaubte sich bei Gelegenheit des letzten Studentencomrnerses einen der Theil- nehmer gröblich zu infultiren:Sic sind besoffen!" hatte ihm der Inspektor öffentlich in's Gesicht geschleudert.Herr Inspektor, Sie beleidigen mich unverdienter Weise; ich habe nie getrunken!" lautete die Antwort des betreffenden Studenten.Nun, dann sind Sie ein Schweinehund!" Diesmal aber bildeten ein paar derbe Ohrfeigen die Antwort, welche coram publico erfolgten. Diese Angelegenheit sollte nun in der Hni- versität zur Sprache kommen. Der Prokurator des Moskauer Lehrbezirks, Graf Kapnist, begann seine Ansprache an die Studenten folgendermaßen:Meine Herren! Wer unter Ihnen die Handlungsweise Ihres arretirten Collegen rechtfertigen will, den bitte ich aufzustehen und sich zu melden." Die Meisten wußten sehr genau, was ihnen bevorstand, wenn sie diese Aufforderung befolgten. Anderen wieder- war diese eigens thümliche Frage nicht ganz klar, und so kam es, daß sich Keiner vom Platze rührte. Darauf erklärte der Graf schnell:Also Alle seid Ihr Schufte!" Und jetzt ging der Sturm los.Selbst Schuft! . . . Nieder! . . . Hinaus! . . . Brisgaloff demifsioniren! . . . Verwaltungsrath infam! . . . Aenderungen der Statuten!" rc. klang es in orkanartigem Chorus aus den Kehlen der jungen Leute, deren sich in Folge der erlittenen Beschimpfungen eine leidenschaftliche Wuth bemächtigt hatte. Mittler­weile waren jedoch die an die Uniocrfität angrenzenden Straßen von zwei Sotnien Kosaken besetzt und der Verkehr stockte. Von den 1500 in der Universität ange­sammelten Studenten gelang es dem größeren Theile, die Straße zu erreichen und sich in Gruppen an den Straßenecken zu postiren, um Weiteres abruwarten. Die Kosuken hieben in rücksichtsloser Weise mit ihren kurzen Peitschen (Nagaika) ein. Die Studenten wehrten sich so gut, wie dies ohne Waffen möglich war. Zwei Kosaken wurden vom Pferde gerissen, ein dritter, der schon halb heruntergezerrt war, schwang sich wieder empor und traf einen seiner Angreifer mit der Nagaika so wuchtig in's Gesicht, daß dem unglücklichen jungen Manne sofort das rechte Auge auslief. Sein Geschrei und der Anblick seines blutüberströmten Gesichts verbreitete unter den übrigen Studenten eine Panik; sie ließen sich ohne weiteren Widerstand wie eine Heerde Schafe von den Kosaken zum Hofe hlnausprügeln. Auf der Straße wurden die meisten von ihnen verhaftet und in's Gefängnlß abgeführt. Die Kosaken hielten den Hof besetzt und auf der Straße vor demselben ließ man sogar eine vom Exerclerplatze zurückkehrende Ab- theilung Artillerie Aufstellung nehmen, so daß es eine Zeitlang aussah, als wolle man die Hnlversität in Grund und Boden schießen. Wie immer, wurden auch diesmal wieder die Fleischerburschen aus dem Ochotny Rjäd von dem Verwaltungsrathe ber Hnlversität um Schutz und Beistand angegangen, und In der That waren die gebetenen Gäste bald darauf mit Ihren Schlächtermessern im Auditorium erschienen. Die Frech­heiten, welche diese rohen Gesellen unter den Auspicien ihrer hohen Protektoren ver­übten, spotten der Beschreibung. Sie hatten auch keine Ursache, ihren Instinkten irgendwie Zügel anzulegen. Am folgenden Tage wurden circa zweihundert jugend­liche Schüler wegen Theilnahme an den Krawallen bei Nacht und Nebel in's Ge- fängniß abgeführt. Die Arretirungen und Haussuchungen dauern fort. Die Studenten ziehen in Gruppen durch die Straßen und fingen ihrGaudeamus, welches über­setzt lautet:

Zeiget an, wo ist die Statte, Ich habe noch nie eine Hütte geseh'n, In der dein Säer, dein Beschützer, Der russische Bauer nicht stöhnt.

Er stöhnt auf dem Felde, auf Wegen, Vor den Thoren des Gerichts, Stöhnt in seiner armen Hütte, Erfreut sich der Sonne Strahlen nicht." u. s. w.

Am nächsten Tage um 11 Hhr versammelten sich mehrere Studenten vor dem Katharinen-Hospital auf dem Strastnoi-Boulevard und wurden dort von den herbei- gecilten Hausknechten, die sich auf einen diesbezüglichen Befehl des Pristaw (Polizei- Officiers) bei ihren Brutalitäten beriefen, schändlich mißhandelt. Herr Brisgaloff soll Beileldsvisiten empfangen, welche ihm die erlittenen Kränkungen erleichtern sollen." Bei diesen letzten Hnruhen wurde ein Student erschlagen. Darauf stellten die Studenten den Collegienbesuch ein und verweigerten den Hnioersitätsbehörden den Gehorsam. Die Hnlversität wurde sodann geschlossen. Bemerkenswerth Ist die Ein- müthlgkelt der aus den verschiedensten Ständen herausgegangenen Studentenschaft, die zum großen Theile auch aus jungen Männern besteht, deren Familien als treueste Stützen der Regierung gelten. An und für sich haben die Vorfälle tn Moskau mit dem Nihilismus nichts zu thun, aber sie geben ihm neue Nahrung. Wie man der Polit. Corr." aus Moskau berichtet, hat die russifche Presse von der Censur Auftrag erhalten, über die Ruhestörungen an der Hniversitat zu schweigen. Es soll sich heraus­gestellt haben, daß der Exceß die Folge einer geheimen Verabredung und daß der Studirende, der ihn in's Werk setzte, durch das Loos bestimmt worden war.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

Beim Treiben der Blumenzwiebeln in Gläsern, dieser empfehlenswerthen Methode, frühe und fchön blühende Hyacinthen rc. im Zimmer zu treiben, werden oft Fehler gemacht, die, wenn sie vermieden würden, die Zucht noch lohnender und an­genehmer machen würden, da sie oft Schäden und Mißerfolge verursachen. Namentlich bet der Behandlung der schon bewurzelten Zwiebeln werden oft Fehler gemacht. Die Wurzeln sind sehr spröde und brechen leicht ab, deshalb sind sie möglichst wenig zu berühren. Ferner sind namentlich Damen meist der Ansicht, das Wasser müsse oft erneuert werden. Das ist aber bet einer gesunden Zwiebel durchaus nicht nöthig, dieselbe bleibt besser in demselben Master, in das sie eingesetzt ist. Natürlich muß öfter nachgesehen und das etwa verdunstete Wasser durch Nachfüllen ersetzt werden. Dabei ist darauf zu achten, daß die Zwiebel nie im Wasser steht. Dasselbe darf allen­falls gerade den Boden der Zwiebel berühren, nie aber höher gehen, bester ist dann schon ein kleiner Zwischenraum zwischen der Oberfläche des Wassers und dem Boden der Zwiebel. Auch ist darauf zu achten, daß das zur Auffüllung benutzte Wasser weich, rein und temperirt sei; Flußwasser, frisches Regenwasser und Wasser aus Leitungen wird meist brauchbar sein. Um ihm die richtige Temperatur zu geben, stellt man eS eine Nacht oder einen Tag in dem Raum auf, in dem die Gläser mit den Zwiebeln stehen. E. G.

Allgemeiner Anzeiger.

Sämmtliche

Fornmlanen für Krankenkassen

sind nunmehr bei mir zu haben.

Wilh. Klee

SchreibmaterialLtnhandlung zu Gießen.

Amerikaner Ofen der Buderus'schen Eisenwerke, schwär; u. vernickelt, schwarze und feuerbeständig gemalte Oefen von I. Wurm- bach, sowie Regulirfüllöfeu und gewöhnliche Heiz- und Kochöfrn empfiehlt in schöner Auswahl 8982 A. Hrötl«