Die wirkliche Ausführung der geplanten Bauten wurde mit der Wiedereröffnung des bisher geschlossenen mittleren Nheinarmes, des sich zwischen Ingelheimer und Rettbergs-Aue hinziehenden Wachsbleichenarms im Sommer 1881 begonnen.
Im Herbste erfolgte die Absperrung des linksseitigen Armes durch die Erbauung eines das linke Ufer mit der Ingelheimer Au verbindenden Querdammes. Nachdem sodann noch die Spitze dieser Au durch einen Längsdamm mit dem Ufer verbunden, war die Terrainconfiguration geschaffen, auf welcher die Errichtung der projectirten Anlagen vor sich gehen konnte.
Zunächst wurde der Wachsbleichenarm ausgebaut, bierauf der Floßhafen, welcher, begrenzt durch den unteren Theil des früheren linken Rheinarmes, mittelst des geschütteten Querdammes gebildet wurde. Die oberen Hafenanlagen wurden durch die mittelst einer Drehbrücke überbrückte Hafeneinfahrt in einen Sicherheits- und einen Zollhafen geschieden. Die durch diese Dispositionen für die Hafenanlagen gewonnene Wasserfläche beläuft sich insgesammt auf ca. 11 Hectaren.
Der Querdamm nahm zunächst den Festungsabschluß auf, außerdem bietet er Raum zur Schüttung eines Eisenbahndammes, wenn die Ausführung des Projectes der directen Verbindung Mainz-Wiesbaden näher rücken sollte. Ein noch verbleibender Raum ist zur Anlage eines Petroleumlagers bestimmt. Längst der ganzen Hafenlinie können Maaren- und Getreidespeicher disponirt werden, welche mit Geleisen direct mit dem Eentralbahnhof in Verbindung stehen. Gegen den Strom ist die Stadt abgeschlossen durch eine niedere mit Stacketengeländer versehene Mauer, vor welcher sich eine in einer Länge von ca. 7 Kilometer vor dem ganzen Stadtgebiet ausdehnende Promenade mit zwei Baumreihen hinzieht.
Als zuvörderst herzustellende Anlagen mußten in's Auge gefaßt werden eine Hauptniederlage für zollpflichtige Güter, im Verwaltungsgebäude für das Hauptsteuer- nnd Zollamt, eine Lagerhalle für specielle Zwecke der Eisenbahn, eine Revisionshalle und ein Wein- und Oelkeller. Das Hauptniederlagegebäude ist auf dem etwa 15 Dieter in den Hafen vorspringenden, von drei Seiten mit Wasser umspülten und mit auf 4- 6 m M. B. P. sich erhebenden stehendem Quai versehenen Zunge erbaut. Seine bebaute Fläche ist 2746 lUMeter und es gliedert sich aus einem Keller, einem Erd- und 3 Obergeschossen und Speicherräumen mit zusammen 14352 lüMeter benutzbarer Lagerfläche. Ein geräumiger Hof ermöglicht das Verladen der Güter und sind zunächst rechts und links in der Hofeinfahrt die Bureaus des Zollamts disponirt. Das Verwaltungsgebäude, gleich wie das Hauptniederlagegebäude in gefälligen Renaissanceformen ausgeführt, bietet in seinen oberen Geschossen Wohnräume für die leitenden Beamten, das Parterre ist wiederum für Bureaus reservirt. Die auf der Stadtseite des Quais erbaute Lagerhalle der Eisenbahn dient zur Zollabfertigung der mit der Bahn ankommenden oder von derselben dem Publikum zu übermittelnden Gegenstände, die Revisionshalle dient gleichen Zwecken im Allgemeinen.
Ihr Keller, sowie der des Verwaltungs- und Hauptniederlagsgebäudcs gibt Raum zur Lagerung von etwa 7400 Oxhoft Wein. Ein separater Oelkeller hat 250 □Dltr. belegbaren Raum und gestattet die Lagerung von 2000 Gentner Oelen und Fetten. Die sämmtlichen Gebäude, theilweise von palastähnlichem Aeußeren in massivem Steinbau ausgeführt, wurden im Laufe der letzten zwei Jahre der Vollendung entgegen- gearbeitet.
Es erübrigt nun noch, mit einigen Worten des Bewegungsmechanismus zu gedenken. Sämmtliche Krahnen, Aufzüge u. s. w. werden mittelst hydraulischer Kraftübertragung in Bewegung gesetzt. Zu diesem Behufe befindet sich am Eingänge der Hafenanlagen eine Eentralmaschine, die, mit einer Dampfspannung von 50 Atmosphären arbeitend, Wasser in den Akkumulator pumpt. Röhrenleitungen führen dasselbe von hier an die einzelnen Bewegungsmechanismen, wo es sich durch Cylinder in Arbeit umsetzt. Da eventuelle Störung der Eentralmaschine den ganzen Betrieb lahm legen würde, so sind deren einzelne Theile nicht nur mit besonderer Sorgfalt gearbeitet und mit reichen Sicherheitsvorrichtungen ausgestattet, sondern einzelne noch in doppelter Ausführung angefertigt.
Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Stadt Mainz für oben beschriebenes Werk, das am kommenden 6. Juni mit einer großartigen Feier eröffnet und in Be
trieb gesetzt wird, für die Ufererweiterung, Stromcorrection, Hafenarbeiten k. rc. insgesammt circa 6 Millionen JL aufgewendet hat, ein Betrag, der nur gering erscheint' wenn sich die großen Hoffnungen erfüllen, die man an die Wiederbelebung des Mainzer Handels durch die geschaffenen Anlagen knüpft.
Landwirthschaftliches.
Berlin, 19. Mai.
Während Regierungen und Parlamente aus's Ernstlichste in Erwägung ziehen was staatlicherseits geschehen kann, der nothletdenden Landwirthschaft Hilfe und Stütze zu gewähren, zeigen die deutschen Landwirthe, daß sie nicht gewillt sind, sich darauf allein zu verlassen, sondern daß sie unausgesetzt den Betrieb ihres Gewerbes zu heben bestrebt sind. Die seit anderthalb Jahren begründete Deutsche Landwirthschafts-Gescll- schaft hat durch Vermittelung von Dünger- und ^aatgutbezug, durch Inangriffnahme der Förderung jedes landwirthschaftlichen Fortschritts, wie dies das kürzlich von dieser Gesellschaft herausgegebene erste Jahrbuch bezeugt, bereits gezeigt, daß sie auf das Ernstlichste die Förderung der Landwirthschaft in die Hand genommen hat. Zur Hebung der Viehzucht, zur Förderung der Entwickelung der landwirthschaftlichen Arbeitsmaschinen und endlich zur Sicherung der Leistung auf dem Gebiete der landwirthschaftlichen Produkte und Hilfsstoffe, beabsichtigt nun die Deutsche Landwirthschafts- Gesellschast eine Reihe von Ausstellungen zu veranstalten. Dieselben werden in einem Turnus von 12 Jahren das ganze Deutsche Reich berühren und man hofft auf diese Weise den Samen eines gesunden landwirthschaftlichen Fortschritts in ganz Deutschland auszustreuen. Die Gesellschaft will auf ihren jährlichen Wanderversammlungen nicht nur mit Worten wirken, sondern in den gleichzeitigen Ausstellungen auch mit der That zeigen, wie es anzufangen ist, um im Wettbewerb der Nationen in der Produktion von- Nahrungsmitteln vorn an zu bleiben.
Der erste Versuch einer solchen Ausstellung wird in Frankfurt in den Tagen vom 9.-13. Jmtt d. I. gemacht werden. Der Gedanke, in der alten Kaiserstadt die wieder geeinten Stämme des Deutschen Reiches zu einer großen nationalen Ausstellung einzuladen, wurde von vornherein in Süd- und Mitteldeutschland mit Freude und Wohlwollen begrüßt.. Staatsregierungen, landwirthschaftliche Körperschaften und Vereine beeilten sich, der Gesellschaft zu den eigenen Mitteln größere Summen zu Preisen zur Verfügung zu stellen und mehr als das bemühten sich die landwirthschaftlichen Vereine, die Beschickung auch Seitens des dort vorwiegenden Kleinbesitzes zu ermöglichen. In vielen Theilen der Viehausstellung wird daher die Ausstellung geradezu als eine bäuerliche erscheinen, ein Eharakter, den die letzten großen deutschen landwrrthschafttichen Ausstellungen in den Hansestädten durchaus nicht hatten. Die Frankfurter Ausstellung wird überdies nach vielen Seiten hin Verbesserungen im Ausstellungsweskn einführen. Vor Allem ist schon durch das Programm dafür gesorgt, daß das oft gerügte Schleudern mit Prämien nicht eintreten kann, es werden bei der Prämiirung des Viehes strenge Anforderungen gestellt, so daß hier die Züchter gegenüber den Händlern eine größere Berücksichtigung erfahren werden als das sonst wohl der Fall gewesen ist. Von Maschinen werden nur diejenigen Preise erhalten, welche geprüft werden können und außerdem nur neue gute Erfindungen. In der Produktcn- abtheilung werden, da man unmöglich das ganze Gebiet prüfen kann, nur einzelne Theile zur Prämiirung zugelassen und nur unter strengen Bedingungen.
öo versucht die Deutsche Landwirthschafts - Gesellschaft neue Wege im land- wirthschastlichen Ausstellungswesen einzuschlagen; die Ausstellung soll nicht ein eiteles Schaugepränge sein oder gar ein vergnügliches Fest, sondern eine ernste Leistungsprüfung, von der Aussteller und Besucher greifbaren Nutzen haben, auf der sie Kemu- nisse sammeln können, die ihnen im eigenen Betriebe zu Statten kommen.
Trotz der Neuheit des Unternehmens für die Gesellschaft wie für die Aussteller und trotz der überaus kurz bemessenen Zeit der Vorbereitung ist eine sehr vollständige Beschickung der Ausstellung gesichert; die Vorbereitungen in Frankfurt sind fertig und es fehlt nur noch die Gunst der Witterung und der Bevölkerung, um das in hohem Grade gemeinnützige Werk zum Besten der Landwirthschaft und des Vaterlandes gelingen zu lassen.
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