Ar. 193 Zweites Blatt. Sonntag bett 21. August 1887.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vnrearrr Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Amtlicher HHeiL
Betreffend: Die Bewilligung von Wittwen- und Waisengeld für Hinterbliebene von Angehörigen der preußischen Armee und der in die preußische Berwaltung übernommenen Militär-Kontingente in Folge der rück- wirkenden Kraft des Reichsgejetzes vom 17. Juni 1887 (R.G.Bl. S. 237.).
Bekanntmachung.
Nach § 33 des vorstehend bezeichneten Gesetzes erhalten die WUtwen und ehelichen oder durch nachgefolgte Ehe legitimirten Kinder derjenigen in der Zeit vom 1. April 1882 bis einschließlich 30. Juni 1887 verstorbenen Officiere, Aerzte im OfficierSrang, Beamten der Militärverwaltung Zeugfeldwebel Zeugsergeanten, Wallmeister und Registratoren bet den Generalkommandos, welche zur Zeit ihrer Todes aus der Reichskasse entweder als Mllitärpersonen der Friedenrstandes oder als Civllbeamte der Militärverwaltung Diensteinkommen oder Wartegeld oder im lPensionsverbältnib lebenslänalicke <Benfinnm bezogen haben, vom 1- Juli 1887 ab gleichfalls Wittwen- und Waisengeld aus der Reichskaffe.
Keinen Anspruch auf Wittwen- und Waisengeld haben die Wittwen und Hinterbliebenen Kinder eines Pensionsempfängers aus einer solchen Ebe welche erst nach der Versetzung der Verstorbenen in den Ruhestand oder erst nach der Stellung deffelben zur Disposition geschloffen ist.
Für die nicht blos auf bestimmte Zeit oder für die Dauer der mobilen Verhältniffes im attiven Dienste wieder angeste'llt gewesenen Pensionsempfänger, z. B. Bezirkr-Kommandeure, gilt hierbei als Zeitpunkt der Versetzung in den Ruhestand oder der Stellung zur Disposition das Datum der Entbindung von der letzten betreffenden Stellung.
Hinterbliebene, welche hiernach glauben Anspruch auf Wittwen- und Waisengeld erheben zu können, desgleichen Vormünder oder sonst legitimirte Personen haben sich an das Kriegsministerium, Unterstützungs - Abtheilung, zu Berlin zu wenden und unter kurzer, aber genauer Angabe des Amts- oder Dienstcharacters und der letzten Dienststellung des Verstorbenen ihren Anträgen an Beweisstücken beizufügen:
1) pfarr- oder standesamtliche Urkunden über die Geburt und die Eheschließung derjenigen Personen, aus deren ehelichem Verhältniffe Ansprüche hergeleitet werden, über die Geburt der Kinder, welche am 1. Juli 1887 das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und über dar Ableben der Ehemannes oder Vaters;
2) ein ortspolizeiliches oder ein von einem öffentlichen zur Führung eines Dienstsiegels berechtigten Beamten ausgestelltes Zeugniß darüber, daß a- die Wittwe nach dem Tode der Ehemannes, von welchem sie chr Recht herleitet, sich nicht wieder verheirathet hat, b. die Kinder leben und, soweit sich darunter Mädchen im Aller von mehr als 16 Jahren befinden, diese unverheirachet sind, e. die Betreffenden, sofern sie im Auslande leben, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen,
ck. die Kinder nicht in eine mllitärische Erziehungsanstalt ausgenommen sind, oder wenn dies der Fall, in welche Anstalt, seit wann, ob unentgeltlich oder zu welchem PensioNSbetrage;
3) die Bestallung des Vormundes bei völlig verwaisten Kindern.
Dauernde Verlegung des Wohnsitzes in der Zeit bis zur Entscheidung des Antrages ist dem Kriegsministerium, Unterstützungs-Abcheilunq sofort anzuzeigen. (gez.) Bronsart v. Schellendorf.
Nähere Auskunft ist auf dem Bureau des Bezirkr-Commandos in Gießen während der Dienststunden Vormittags von 10 bis 12 Uhr, alter Rathhaus zwei Treppen, zu erfahren. Frhr. v. Röder,
__________ Oberst und Bezirks-Commandeur.
- ®,oattUow$toiect der deutschen Spritfabrikanten p, ultinS"> wie die freisinnigen Blätter sagen — beherrscht noch
di- mithe po ,ili^e Tagesdiscusfion. Er handelt sich hierbei, wie bekannt, um Iftut 9 ™neT. Actien-Gesellschaft, welche den deutschen Brennern den Heber» Dun«» ter Production an Spiritus über den heimischen Bedarf, als dar QM..,Lu„m- ”eId£8 bisher aus den Preis drückte, unter gewiffen Bedingungen I
“len will. An und für sich läßt fich nun nichts dagegen saaen. wenn ficb '
Die Feier des 57. Geburtstages des Kaisers Franz Joseph (18. August) ist von den Blättern Oesterreich-Ungarns ohne Unterschied der nationalen und politischen Richtung zum äußeren Anlaß genommen . . . -------. worden, den Herrscher aufs Reue der unbegrenzten Liebe und Treue seiner
für fich läßt fich nun nicht» dagegen sagen, wenn fich < Völker zu versichern. Es hat somit die Feier auf's Neue gezeigt, daß die
Wochen - Ueberficht.
Gießen, 20. August.
Der Kaiser hat sich in Folge der schroffen Wetter-Contraste eine leichte Haltung zugezogen, so daß er am Mittwoch auf Babelsberg keine Vorträge entgegennahm. Indessen wird verstchert, daß das Unwohlsein des hohen Herrn von keinerlei Bedeutung ist. Seit Dienstag weilt auch die Kaiserin, nachdem ne die letzte Zeit in ihrer Sommer-Villeggiatur zu Bad Homburg ver- vracht, wieder an der Seite ihres erlauchten Gemahles auf Schloß Babelsberg; da» Befinden der Monarchin, welche am 30. September ihr 76. Lebensjahr vollenvet, ist ein ganz befriedigendes.
In dieser Woche trat zunächst die Erinnerung an die großen ® nUm Metz hervor, welche vor nun 17 Jahren am 14., 16. und , AZust stattfanden und mit der Einschließung der sranzöstschen Rheinarmee unter Bazaine in die Festung Metz endeten. Namentlich in den Kreisen der xampser au» jener großen Zeit und speciell derer, welche in den blutigen, aber L ,te deutschen Waffen so glorreichen Schlachten von Colombep, Lionville, JrJ.''Tour und Gramlotte - St. Privat mUgefochten heben, ist jener Tage yr,.^^dacht worden. Der Wunsch, die Erinnerung an jene ruhmvollen nrSn ftn ben Stätten selber zu feiern, an denen vor 17 Jahren der nnrhs getobt, hat diesmal sogar eine größere Anzahl sächstscher und ^eger aus dem 70er Feldzüge zu einer Sxttafaürt nach den nelcyslanden veranlaßt, welche sich sowohl aus der Fahrt dahin, als auch hJ eWänbttöem Boden einer herzlichen Begrüßung, resp. Aufnahme seitens Ehrung zu erfreuen hatten. Am 18. August vereinigten sich die am °°^ec in Metz eingetroffenen Kriegervereins. Mitglieder aus Sachsen, «nover und Schleswig-Holstein in der Stärke von ca. 1200 Mann zu einer oeoenoen Gedenkfeier auf dem Schlachtfelds von Gravelotte, an welcher auch r deutsche Kriegerverein von Metz, der deutsche Turnverein u. s. w. theil- 277-w gleichen Tage fand in Potsdam die Nagelung und Weihe der
1 a 3*- neu errichteten preußischen Truppentheilen verliehenen üao» - natt und unter dem Eindrücke der Bedeutung de» 18. August ge- ben a mH Potsdamer Feierlichkett zu einem besonders tief ergreisen-
eine größere Anzahl von Spiritus-Producenten zusammenthut, um die Spiritus- Ausfuhr einhetttich und planmäßig zu regeln und Niemand wird den Brennern das Recht, sich zur möglichst günstigen Verwerthung ihrer Products zu verbinden, bestreiten. Aber es fragt fich nur, ob eine solche mächtige Coalttion nicht den allgemeinen wtrthschastlichen und commerctellen Interessen zu Gunsten der die Bereinigung bildenden Sprttsabrikanten Nachtheile bringt und in dieser Beziehung kann man gewisse Bedenken nicht unterdrücken. Die Gefahr liegt nahe, daß die projectirte Vereinigung zuletzt lediglich zu einer Jntereffen-Coalttion wird und in der That zu einer Art Privat-Monopol für die Kartoffelbrenner führt. Die Realifirung des Planes müßte in ihren Confequenzen zur Zerstörung der jetzigen Großhandels- und Exportgeschäfte für Spiritus führen und ob mit der Beseitigung der Spiritus-Großhändler und Exporteure als selbstständige Gewerbetreibende den allgemeinen landwirthschastlichen Interessen gedient wäre, ist denn doch noch sehr fraglich. Ein bedenklicher Punkt in dem geplanten Unternehme« ist auch die offen ausgesprochene Abficht, den nichtdeutschen Spiritus im Preise zu unterbieten und hierdurch dem deutschen Spiritus eine herrschende Stellung auf dem Weltmärkte zu erobern. Ein derartiges Vorgehen würde jedenfalls Grgenmaßregeln des concurrirenden Auslandes Hervorrufen und diese könnten leicht dazu führen, die geachtete Stellung, welche der deutsche Spiritushandel heute auf dem Weltmärkte einnimmt, zu untergraben, die Spiritus«Coalttion würde also gerade das Gegenthetl ihrer Abficht erreichen. Vorläufig scheint aber noch das ganze Project zu sehr in den Windeln zu liegen, als daß fich ein abschließendes Urtheil hierüber ermöglichen ließe und offenbar ist hieraus die Reserve zurückzusühren, mit welcher die preußische Regierung dem Unternehmen zur Zeit gegenübersteht.
In dieser Woche tagten verschiedene größere Versammlungen und Vereinigungen, von denen die constituirende General-Versammlung de» evangelischen Bundes in Frankfurt a. M., der deutsche Jngenieurtag in Leipzig und der allgemeine deutsche Handwerkertag in Dortmund hervorzuheben stnd.
Verschiedene elsaß-lothringische Reichstags-Abgeordnete beabfichligen, ihr Mandat niederzulegen. Es stnd dies Sieffermann, Vertreter für Molsheim« Erstein, welcher in eine schmutzige Angelegenheit verwickett war, Antoine, der aus den Reichslanden ausgewiesene Vertreter für Metz, und Balance; der Vertreter für Mülhausen, welcher stch einem gegen ihn ergangenen strafrechtlichen Urtheile durch die Flucht nach der Schweiz entzogen hat.


