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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

166 Donnerstag den 21 Juli 1887.

Meßmer Anzeiger

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

B«re««r Schulstratzc 7.

Betreffend: Die Enteignung von Gelände des Friedrich Zöller von Gießen zur Ausführung des Ortsbauplans.

Nachdem die Stadt Gießen zum Zwecke der Erwerbung des zur Ausführung des Octsbauplans erforderlichen Geländes des Friedrich Zöller von Nieben die Einleitung des Enteignungsverfahrens wegen des nachverzeichneten Geländer auf Grund des Art. 69 der allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881

Flur I, Nr. 376°/,g Hofraithe in der Stadt Gießen an der Stadtpforte,

375a8/10 Hoftaithe daselbst,

375a4/,o Hofraum daselbst, H-antraat hat, so wird der Plan nebst Eingabe der Stadt Gießen

M in der Zeit vom 1. August bis 15. August 1887

uuf dem Bureau der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen zu Jedermanns Einsicht offengelegt und wird Tagfahrt vor der Local-Commisfion auf

Montag den 29. August I. I., Vormittag» 11 Ubr,

auf das Bürgermeisterei-Bureau zu Gießen zur Verhandlung über den Plan und die zu leistende Entschädigung hierdurch anberaumt.

Der Eigenthümer des obenverzeichneten Geländes und etwaige Nebenberechtigte werden hierdurch ausgefordert,

a) Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausschlusses und Annahme der Einwilligung in die beanspruchte Abtretung oder Beschränkung, b) Erklärung auf die angebotene Entschädigungssumme bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebotes,

c) Anträge aus Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausschluffes mit solchen,

d) Anträge aus Aufrechterhaltung bestehender Lasten (Art. 19) bei Meidung des Ausschluffes mit solchen,

e) Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen im Sinne des Art. 14,

f) etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstück, im Termin vorzubringen. , , ,, , ,rr.

Sofern sich die Beteiligten vor der Tagfahrt über Bestellung der Sachverständigen einigen und dieselben der Commission vor dem Termme bezeichnen, iikh Einwendungen gegen Zweck und Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden Anträge in der Tagsahrt nicht vorgebracht werden sollten, dann wird in !(tm genannten Termin Montag den 29. August l. I. zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mit ihr zusammmenhängenden Fragen mhandelt werden. Andernfalls werden die Sachverständigen in dem Termin von der Local-Commission ernannt werden.

Gießen, den 16. Juli 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen-

Dr. Boekmann..

Gießen, am 18. Juli 1887.

Betreffend: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, werden an Erledigung der Verfügung vom 5. Juli l. I. Anzeiger Nr. 156 mit Frist WN 8 Tagen erinnert.

Dr. Boekmann. _______________________

Betreffend: Die Regulirung der Gewerbsteuer. Gießen, am 18. Juli 1887.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, werden an Erledigung unserer Verfügung vom 1. Juli l. I. Anzeiger Nr. 152 mit Wst von 3 Tagen erinnert.

Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 20. Mai.

Der Kaiser verließ am Montig Vormittag die Insel Mainau nach 'berzlicher Verabschiedung von den Großh. Badischen Herrschaften und setzte die Weiterreise zunächst bis Bregenz, der Hauptstadt Vorarlbergs, fort. Hier ^urde der erlauchte Reisende vom Prinz-Regemen Luitpold von Bayern begrüßt, welcher sich zu diesem Behufe mittelst Extradampsers von Lindau nach Bregenz gegeben halte. Alsdann fuhr der Kaiser mittelst Extrazuges von Arlberg nach Innsbruck, woselbst Nachtquartier genommen wurde; am Dienstag Nachmittag loSrsts die Ankunst in Gastein erfolgt sein. Das Befinden des greisen Monarchen w erfreulicher Weise fortgesetzt das befriedigendste. Von Mainau wird noch ^lchträglich berichtet, daß der Kaiser daselbst den Besuch des Königs von Württem- empfing.

r. Die Entwickelung der bulgarischen Frage erscheint in tiefe Finsterniß z Wllt. Nach den ausweichenden Erklärungen, welche Prinz Ferdinand von Murg in Schloß Ebenthal der bulgarischen Deputation gegenüber ertheilt hat in Anbetracht der ablehnenden Stellung Rußlands zu der bulgarischen ^Hron-Candidatur desKoburgers" ist es wieder sehr fraglich geworden, ob ^linz Ferdinand noch nach Sofia geht. Allerdings liegt die bekannte Wiener Meldung vor, daß Prinz Ferdinand sich nach Petersburg zu begeben gedenkt, ;

persönlich seine Sache beim Czaren zu betreiben, aber daß diese Reise eine ; vergebliche sein wird, kann man mit Sicherheit voraussagen; übrigens soll in | Petersburger maßgebenden Kreisen von dieser angekündigten Reise noch ; Rts bekannt sein. Ob aber der koburgische Prinz den Muth haben wird, i ' gegen den Willen des Czaren den bulgarischen Thron zu besteigen, ist stark | ^ bezweifeln, denn der neueste Erwählte des Bulgarenvolkes scheint es mit dem ^len Ritter Falstaff zu halten, dem ja die Vor ficht das beffere Theil der ^apserkeit ist. In Sofia selbst will man angesichts der schwankenden Sachlage «'qenbar nichts überstürzen, wofür die einstweilige Vertagung der Sobranje und

die für diesen Mittwoch angekündigte Rückkehr der Minister und der Regent­schafts-Mitglieder von Tirnowa nach Sofia spricht.

Heftige Erderschütterungen haben am Sonntag sowohl einen Theil des griechischen Insel-Archipels, als auch Italiens betroffen. Dieselben reichten sogar bis an die kleinasiatische Küste hinüber, denn auch aus Smyrna werden Erdstöße gemeldet. Auch aus den Inseln Chios, Rhodus und Kreta wurden Erderschütterungen beobachtet und was Italien anbelangt, so meldet man solche aus den Städten Catania, Lecce, Livorno und Parma, sowie von der Insel Ischia, welche bereits einmal der Schauplatz eines furchtbaren Erdbebens war. Aus dem Aetna steigen dichte Rauchwolken auf, was daraus hindeutet, daß die sich so weithin erstreckenden Erderschütterungen in directem Zusammenhänge mit der vermehrten Thätigkeit des Aetna stehen.

Deutschland.

Darmstadt, 19. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 5. Juli den Profeffor Dr. Kittler für die Zeit vom 1. September 1887 bis dahin 1888 zum Direktor der technischen Hochschule, auf Vorschlag des Lehrer-Collegiums, zu ernennen. . r

Darmstadt, 19. Juli. Dem Vernehmen nach werden e>e. Kömgl. Hoheit der Großherzog zu Anfang der nächsten Woche aus England hierher zurückkehren. . - c

Berlin, 18. Juli. Die Frage, ob die freien Mfskaffen auf Grund des Krankenversicherungs-Gesetzes vom 15. Juni 1883 verpflichtet feien. oer Aufsichtsbehörde Mitglieder« Verzeichniffe einzureichen, ist von den ^nnern oia Handels und des Innern, welchen von dem Reichsamte des Innern ie -ö» fügung übertragen worden war, einer eingehenden Prüfung unterworfeni mv dahin entschieden worden, daß die örtlichen Verwaltungsstellen elngeschrieben r Hülfskaffen nicht verpflichtet find, der Aussichtsbehörde Mitglieder-Verzeichniffe