Tragödie dritter Theil, ergießt er seinen ätzenden Spott über ihm mißliebige Zustände unserer Zeit. Es war Vischer vom Schicksal noch vergönnt, in voller Geistes- und Körperfrische seinen 70. Geburtstaa zu begehen und aus dem von Nah und Fern in überraschender Fülle Herbetströmenden Ehren- und Liebesbezeugungen die hohe Genug- thuung zu schöpfen, daß sein Leben und Wirken nicht umsonst gewesen, daß seine Lehren in weite Schichten der Bevölkerung gedrungen und daß dieselben, so lange Schönheit und Wahrheit in der Kunst als oberstes Gesetz gelten, die Richtschnur aller nach ihren Principien schaffenden Künstler bleiben werden. Voll und ganz seine Pflicht tm bürgerlichen wie im öffentlichen Leben erfüllend, blieb er stets seinen Gesinnungen trotz aller Anfechtungen treu und gab hierdurch seinen zahlreichen Schülern ein leuchtendes Beispiel der Charakterfestigkeit und Manneswürde. (Friedrich Theodor Vischer wurde am 30. Juni 1807 zu Ludwigsburg geboren; seit 1830 Pfarrvikar in Horrheim bei Waichingen, habilitirte er sich in Tübingen und wurde 1837 außerordentlicher, 1844 ordentlicher Professor der Aesthetik und deutschen Literaturgeschichte, wegen seiner freimüthigen Antrittsrede jedoch auf.2 Jahre suspendirt; 1848 trat er in die deutsche Nationalversammlung, wo er sich der Linken anschlotz. 1855 wurde er Professor am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Im Jahre 1866 kehrte er als Professor der Aesthetik und der deutschen Literatur am Polytechnikum nach Stuttgart zurück, von welcher Stellung er 1877 unter Erhebung in den Adelsstand pensionirt wurde.)
Gmunden, 17. September. Die Begräbnißfeicr Vischer's fand heute unter größter Theilnahme statt und nahm einen sehr würdigen Verlauf. Von der württem- bergischen Regierung war ein Beileidschreiben eingegangen. Außer zahlreichen, der Feier beiwohnenden Deputationen waren besonders viele Protestanten aus dem Salzkammergut am Grabe anwesend. Hier sprachen der eoangel. Pfarrer Koch (Gmunden), dann Baurath Flattich im Namen der Familie, Schriftsteller Franzos Namens der Wiener „Concordia", Professor Hänel Namens des Comitö's für die Stuttgarter Vischer-Feier, Professor Bach Namens des Stuttgarter Polytechnikums, Professor Zimak Namens der nächsten Freunde Vischer's, Oberbaurath Lenz Namens der ehemaligen und gegenwärtigen Schüler des Verstorbenen. Der Bürgermeister legte im Auftrage der Stadtoertretung Tübingens einen Kranz am Grabe nieder. Mit einem Chorgesang des hiesigen Gesangvereins schloß die Feier.
December
am
Am 1. December
1885 wurden im preußischen
und
männliche Personen
standen
Personen
vollendete Altersjahre Männer
2
weibliche
1.
1.
1.
1.
1871
1875
1880
1885
104
105
106
107
108
109
110
111
112
115
117
118
120
1
1
27
9
3
33
712
395
283 .
190
123
141
65
31
41
28
19
7
7
8
4
4
13
2
3
1
90 bis 95 Jahren
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
männl. 147
141
128
72
männl. 1878
1791
1505
1703
Junggesellen Ehemänner Wittwer Geschiedene männliche Personen Jungfrauen Ehefrauen Wittwen Geschiedene
männl. 433 543 320 306
weibl. 287 240 231 160
weibl.
733
913
527
641
Staat 5648
weibl. 2971
2787
2803
2766
über 105 Jahren
4
7
16
Frauen
3
12
7
10
2
4
5
1
2
1
1
über
100 Jahren
Unter den 232 (72 männlichen und 160 weiblichen) über 100 nu™ Personen befanden sich 14 (4 männliche und 10 weibliche), welche im Jahre 1775 oder früher geboren, mithin am Zählungstage 110 Jahre und'darüber att warenLnt r ein 1765 geborener Wittwer, zwet noch in der Ehe lebende Männer aus den 1767 und 1774 und ein 1774 geborener Junggeselle, sowie eine 1768 geborme Wtttw"
im Staat 17Ö3 306 72 2766 641 16Ö
„In den vorstehenden Zahlen tritt ausnahmslos die größere Langlebigkeit der werblichen Personen hervor.
~ man die Angehörigen der höchsten Altersstufen weiter nach Alter und
Familienstand, so ergibt sich, daß von ihnen am 1. December 1885 ' '
1207
570
454
350
185
281
136
82
82
60
51
25 I
18
18 1
Personen im Alter von 90 Jahren und darüber in Preußen.
Durch die Volkszählungen wird bekanntlich auch das Alter der ortsanwesenden Bevölkerung ermittelt. Das bei der letzten derartigen Zählung gesammelte Urmaterial ist vor dem Beginn der Aufbereitung im Königlichen Statistischen Bureau noch einer besonders genauen Durchsicht, namentlich auch in Betreff der Altersangaben, unterzogen worden und hat in Folge der mit vielen Rückfragen verbundenen Prüfung und Berichtigung der Zählpapiere wesentlich an Zuverlässigkeit gewonnen. Allerdings hat dies aber zugleich auch zu einer scheinbaren ziffermäßigen Verminderung der dem höchsten Lebensalter angehörigen Personen geführt. Nach der Altersstatistik der Bevölkerung des preußischen Staats, von welcher wir heute den Abschnitt über die Personen der höchsten Altersstufen kurz berühren wollen, waren im jeweiligen Gebiet der Monarchie vorhanden
Personen im Alter von
95 bis 100 Jahren
weibliche Personen 641 115 45
d-r im Jahre 1885 über 90 Jahre alt befundenen n i. N. folgendermaßen auf die einzelnen Allersjahre. Es zählten:
____ ---------(2081 männliche
3o67 weibliche) Personen gezählt, welche das Alter von 90 Jahren erreicht bezw. überschritten hatten. Wenn auch inzwischen einige Veränderungen im Stande dieser hochbetagten Personen eingetreten sind, so wird dadurch doch schwerlich die Zahl der gegenwärtig vorhandenen Personen dieser Altersgruppe erheblich vergrößert. Es wurden 1885 gezählt:
vollendete Altersjahre Männer Frauen
in Ostpreußen
im Alter von
im Alter von
90 bis 95 Jahren 136
95 bis 100 Jahren 33
über 100 Jahren 10
90 bis 95 Jahren 271
95 bis 100 Jahren 76
über 100 Jahren 17
Westpreußen
137
47
15
281
90
38
Berlin
26
3
_
73
9
Brandenburg
132
17
1
254
28
5
Pommern
116
17
2
194
37
3
Posen
164
55
25
386
153
54
Schlesien
255
51
8
371
99
30
Sachsen
98
10
—
128
18
Schleswig-Holstein
128
18
2
217
26
2
Hannover
165
18
2
171
28
2
Westfalen
106
11
2
98
19
3
Hessen-Nassau
45
5
2
64
10
1
Rheinland
190
21
3
256
46
5
Hohenzollern
5
—
—
2
2
in einem
Alter von
90-95
95-100
100—105
Jahren
Jahren
Jahren
77
20
4
349
74
10
1273
210
31
4
2
—
1703
306
45
178
48
11
100
34
6
2483
558
98
5
1
zwei Jungfrauen aus den Jahren 1770 und 1774, zwei Wittwen aus bem w und fünf Wittwen aus dem Jahre 1775. Unter den in der Prlwime 1772: zählten über hundertjährigen Personen befinbet sich ein lediges Schwesternvaa/°^
Soweit Berufsangaben der über 100 Jahre alten Personen übethnun?01, wiegt bei beiden Geschlechtern die Zahl der Altsitzer, Ausgedinger und die der Ortsarmen, Almosenempfänger und Hospttaliten vor. Daneben beiderseits in kleineren Zahlen Pensionäre, Emeriten und Rentner, ferner IJÄ Männern einige Tagelöhner, Hirten, Kaufleute und Hausbesitzer, sowie ielpL; Förster, Uhrmacher und Oeconom, unter den weiblichen Personen einiae ? löhnerinnen, Mägde und Einliegerinnen, sowie je 1 Hausbesitzerin Q0v
Hebamme. Bei 14 männlichen und 66 weiblichen über 100 Jahre alten Vertun-» r die Berufsangabe. Diese Personen lebten wahrscheinlich im Haushalt von oder sonstigen Verwandten. V 9 öon Emdern
Vermischtes.
X Darmstadt, 18. September. Am heutigen Tage begannen s. Vorsitz des Geh. Medicinalraths Dr. Vix-Darmstadt die Verhandlungen k 2. Verbandstag der Vereine für Reform des Bestattungswesens und facultativer k Om bestaltung, nachdem am Abend vorher im Bahnhofhotel die Begrüßung her zahlreich erschienenen Vertreter aus allen Theilen Deutschlands und Oesterreichs » gefunden hatte.
Die Verhandlungen selbst, welche leider unter Ausschluß der stattfanden, befaßten sich meiftentheils mit inneren und Organisationsstaaen lnk ? e im Allgemeinen fein besonderes Interesse. 1 0m boten
Bezüglich der Errichtung einer Verbandskasse wird beschlossen, die einer solchen im Princip gutzuheißen und die einleitenden Schritte zu veranlntt dagegen von einer Suboentionirung des Verbandsorgans „Neue Flamme" abiuf/b^
Bezüglich der Schritte zur Gründung eines internationalen Verbandes die Versammlung einstimmig die folgende Resolution: icyltetzt
Der Verband begrüßt mit Sympathie die Wünsche zur Gründung ein-s. internationalen Verbandes, sieht jedoch vorerst von einer weiteren Anreonn hierzu ab, indem ihm der geeignete Zeitpunkt noch nicht vorzulteaen
Als Ort für den nächstjährigen Verbandstag wird mit Acclamation Wien
Prof. Dr. Louis Büchner-Darmstadt stellt hierzu den Antrag: Der Verbands^ möge beschließen, daß die Verhandlungen für die Folge öffentlich sein fallen bamit auch weitere Kreise für die Feuerbestattung interessirt würden, was bet dem eben beliebten Modus der nicht öffentlichen Sitzungen keineswegs der Fall sei. Ferner sollen am Verbandstag öffentliche unentgeltliche Vorträge über Zweck und Nützlichkeit der Feuerbestattung gehalten werden und beschließt die Versammlung einfttmmiae 9h.- nahme dieses Antrages. B
Nachdem die Vertreter noch die wirklich musterhaft arrangirte AuLftelluna von auf das Bestattungswesen Bezug habenden Gegenständen, als Aschen Urnen, Aschen- Refte, Zeichnungen zu (Krematorien rc. besichtigt hatten, wobei der Jnspector des GrM Museums Prof. Dr. Adamy einen Vortrag hielt, wurde der Verbandstag geschlossen.'
Nachmittags fand ein Festmahl und Ausflug nach Jugenheim statt.
Am Montag findet auf Einladung des Frankfurter Vereins für Feuerbestattung Besichtigung der Sehenswürdigkeiten und gesellige Vereinigung in der neuen Börse daselbst statt.
△ Mainz, 18. September. Das in Folge des Kirchenconflicts im Jahre 1876 geschlossene^ bischöfliche Priesterseminar wird, wie nunmehr bestimmt ist, am 25. October wieder eröffnet werden. Das Professoren-Collegium ist gebildet: Domdechant Dr. Heinrich für Dogmatik, Domcapitular Dr. Moufang für Moral, Pastoral und Homiletik, Domcapitular Dr. Holzhammer und Dr. Hundhausen für Exegese und Einleitungswissenschaften, Domcapitular Dr. Ohler für Pädagogik und Katechetik, l)r. Brück für Kirchengeschichte und Dompräbendat Dr. Schneider für Liturgik und Kunstgeschichte. Die philosophischen Collegien wird an Stelle des Bischofs Haffner ein Neffe des Domdechanten Heinrich, der seitherige Rector Dr. Heinrich in St. Gallen, die kirchenrechtlichen an Stelle des verstorbenen Domcapitulars Dr. Hirschel Professor Dr. Brück übernehmen.
Berlin, 17. September. In der Spandauer Bockbrauerei ist Abends Feuer ausgebrochen; von dem hiesigen Feuerwehrhauptdepot wurden um 7«^ Uhr die Spritzen- mannschaften und gegen 9*/, Uhr Verstärkung hingesandt. Es verlautet, daß die Mälzerei brennt.
B erlin, 18. September. Der gestern Abend auf der Spandauer Bockbrauerei ausgebrochene Brand blieb auf die Mälzerei beschränkt. Gegen Mitternacht konnte die Feuerwehr wieder abrücken und die weiteren Löscharbeiten der Spandauer Feuer- wehr überlassen. Dem Vernehmen nach erleidet der Brauereibetrieb durch den Brand keine Storung.
Eingesandt.
Sietzen, 19. September.
ki gestrige Sonntagsnummer enthält den Hinweis des Kirchenvorstandes, daß die Rechnung pro 1886—87 zu Jedermanns Einsicht im Pfarrhause aufliege.
, . Ob dies der geeignete Weg ist, sie zur Kenntniß der Gemeindemitglieder zubringen, ist sehr zu bezweifeln. Die Wenigsten von Denen, welche ein Interesse an der Sache nehmen, denen darum ein Einblick in die Rechnung erwünscht sein muß^ werden zu diesem Zwecke ^das Pfarrhaus aufsuchen, da man dieses nicht in derselben zwanglosen Weise betritt, wie ein öffentliches Bureau.
Warum wählt man nicht, wie es bei der Rechnungsablage der städtischen Verwaltung geschieht, die Preffe und veröffentlicht nicht ebenfalls die Kirchenrechnung — wenn auch nicht in all' ihren unwesentlichen Einzelheiten - durch das hiesige AmiS- und Anzetgeblatt?
(Kin gef. Aeußerung hierüber ist erwünscht. ' A
Literarische-.
-»V » Universum. Das 2. und 3. Heft des soeben begonnenen neuen Jahr-- ganges des „Universum" (Dresden und Leipzig, Verlag des Universum, Red. Jesks *aSCr) schienen. Was diese schnell beliebt gewordene Zeitschrift iir ftcigenber Progression Vortreffliches leistet, muß die Beachtung der gelammten literarischen und gebildeten Welt auf sich ziehen. Die Ausstattung der Hefte ist wieder eine wahrhaft glanzende. Außer den prächtigen Kunstbeilagen: „Beim Frühschoppen van A. Luden. „Das Vcsrerdrad" von L. Knaus (vollende, schönen Lichtdrucken), wie den in kunst^rischem Holzschnitt wiedcrgegedenen sehr anmuthigen Blättern „Hand in
W. Amberg „Gute Freunde" von O. G-bler, „Lagunendors" von Dill^ „Sonntag von I. F. Engel, geben auch die vielen in den Text gedruckten Originals- Illustrationen , wie „Liebeswerbung" von K. Kögler, „Der schwere Schaden" vom Garnpenrieder, „Noblesse oblige“ von A. Mandlick, „Schloß der Königin Anna n v*m C. Wuttke, „Kampfbereit" von I. Ehrentraut und „Das Lustreweibchen von Herterich und Halbreiter 2c. einen ungemein reizvollen Schmuckk Sy ; der beiden Hefte ist wieder 7 Bogen stark und der Preis für ein Heft, nun 50 H, ein geradezu beispiellos billiger.
Schiff-Nachrichten.
B^ern kn, ^6. Septbr. sPer transatlantischen TelegraphJ Der Postdampfe« 7 ap tanWilligerod, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am (. öeptor. von Bremen und am 8. Sevtbr. von Southampton abgegangen war, ifii heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
m . Bremen, iß Septbr. sPer transatlantischen TelegraphJ Der PostdampfeN 410,' Kapitän H. Bodeker, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am ™ n üi°n J^^e.men abgegangen war, ist am 14. September 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.


