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; 16S Mittwoch den 20 Juli 1887.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Sareaur Schulstraße 7.

Amtlicher Hheit.

Nr. 26 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 15. d. M-, enthält:

(Nr. 1736.) Gesetz, betreffend die Abänderung des Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältniffe der deutschen Schutzgebiete, vom 17. April 1886 «chr-Sesetzbl. S. 75). Vom 7. Juli 1887. _

(Nr- 1737.) Gesetz, die Besteuerung des Zuckers betreffend. Vom 9. Jull 1887.

Gießen, den 19. Juli 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________________Dr. Boekmann.____________________________________________________

Das Großhcrzogliche Steuer-Commiffariat Gießm

LIN die Großherzoglichen Bürgermeistereien Alten-Buseck, Daubringen, Garbenteich, Klein-Linden, Lang-Güus, Lollar, Ruttershausen, Treis a. d. Lda. und Watzenborn-Steinberg.

Wir ersuchen Sie um baldigste Einsendung des im Ausschreiben vom 6. l. M. (Anzeiger Nr. 153) gewünschten Verzeichniffes, eventuell um Regativ- Anzeige.

Gießen, am 18. Juli 1887. Suffert. _____________________________________________________

Politische Aeberskeht.

Gießen, 19. Juli.

Die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit Kaifer Franz Doses in Gastein soll in der ersten Augustwoche erfolgen; Prinz Wilhelm von Breu&en wird hierbei auch diesmal zugegen sein, um seinem kaiserlichen Groß' Miet einen Theil der Repräsentations-Pflichten abzunehmen. Dagegen findet he Gerücht, Fürst Bismarck werde bei der Begegnung beider Kaiser ebenfalls anwesend sein, in Berliner politischen Kreisen keinen Glauben.

Der Reichskanzler hat seinem Sommer-Aufenthalt in Friedrichsruhe mnmehr eine sommerliche Siesta in Varzin folgen lassen und wahrscheinlich wird er bis in die letzte Juliwoche in seinem lauenburgijchen Tusculum weilen. Bekanntlich war Fürst Bismarck vor seiner Abreise nach Varzin mehrere Tage im Berlin anwesend und wenn er nach verhältnißmäßig nur kurzem Aufenthalte in der Reichrhauptstadt sich schon wieder in den Schatten der Buchen von Varzin MüLgezogen hat, so gestattet dies wohl den Schluß, daß eine unmittelbare Be­drohung des europäischen Friedens nicht vorliegt. Diese Annahme wird noch dadurch verstärkt, daß auch Graf Herbert Bismarck Berlin verlassen hat, um Kine Kur in dem Taunusbade Königstein zu gebrauchen und der Staatssecretär ' Les auswärtigen Amtes würde dem Mittelpunkte der politischen Geschäfte schwer­lich den Rücken gewendet haben, falls die europäische Situation zu ernsten Be- C Horgniffen Anlaß gäbe. Inwiefern der vorübergehende Besuch des leitenden Staatsmannes in der Reichshauplstadt der Erledigung innerpolitischen Angele- Mnheiten und speciell der aufgetauchten Frage der Neubesetzung des preußischen chaadels-Ministeriums gegolten hat, läßt sich zur Zeit noch nicht ermessen.

- Die Reichstags-Nachwahl im Wahlkreise Merseburg-Quer- ! !Iurt hat bereits im ersten Dahlgänge den Sieg des freisinnigen Candidaten, ^Gutsbesitzers Panse, ergeben. Die Merseburger Wahl bildete bei den letzten .allgemeinen Wahlen insofern ein Curiosum, als sich bei der nothwendig gewor- 1 'denen Stichwahl zwischen dem Candidaten der Freisinnigen, Panse, und dem- jjenigen der Cartellparteien, Neubarth, Stimmengleichheit ergab; das Loos r 'entschied dann zu Gunsten Neubarth's. Die Wahl desselben ward jedoch von r lügnerischer Seite angesochten und die Wahlprüsungs Commission des Reichstages erklärte jene schließlich auch für ungiltig.

? Der Preßfeldzug der Berliner Officiösen gegen die russischen Werthpapiere hat bis jetzt den Erfolg gehabt, daß an den Börsen ein allge- ? Einer Coursrückgang dieser Papiere eingetreten ist. Falls bie osficiöse Preß- _ pvtemik eine derartige Wirkung beabsichtigte, so entspricht das Ergebniß voll- i Sänbig dieser Absicht; jedenfalls ist Rußland für die Handels-Chikanen u. s. w., die es fortgesetzt Deutschland gegenüber ausübt, eine wohlverdiente Lection zu Theil geworden. Aber die Medaille hat auch ihre böse Kehrseite; als man in Berlin die Warnungen vor der Capitalsanlage in russischen Werthen erließ, da dachte man wohl nicht gleich daran, daß viele Millionen deutschen Geldes in j Eschen Papieren stecken und daß vorzugsweise die kleinen Capttalisten hierbei ldethstligt sind. Jetzt wird denselben nun aus einmal gerathen:Verkauft ja 'chleunigft EureRussen", denn es steht unsicher mit ihnen", und wenn ein 9 Wer Rath von den der Regierung nahestehenden Organen ertheilt wird, so

> 'M es aus der Hand, daß man ihy zu befolgen sucht. Aber das Bestreben,

der russischen Werthe Hals über Kopf zu entledigen, ist für die kleine

9 Mche Capitalistenwelt mit Verlusten von Millionen verbunden, das kann man

1 'P schon sagen und die Verantwortung hierfür muß denen überlassen bleiben, Ne jetzt so unvermittelt das deutsche Publikum in Angst und Schrecken setzen.

" Warnungen mögen bei dem Zustande der russischen Finanzen und der v* unsicheren allgemeinen Lage eine gewisse Berechtigung haben, sie hätten jedoch ) W früher kommen müssen; freilich mochte sich dies mit der angeblichenthurm- Mn Freundschaft" zwischen Deutschland und Rußland nicht vertragen, aber in , wn leitenden Berliner Kreisen kennt man die eigentliche Stimmung in Peters- jmrg gegen Deutschland wohl nicht erst seit heute und gestern und eine frühere ^urnung vor der Capitals-Anlage in russischen Werthen wäre gewiß am Platze Niesen. Jetzt kommt man hiermit nachgehinkt das ist sehr erbaulich!

Alfred Krupp, der weltbekannteKanonenkönig", ist in Essen im Alter von 75 Jahren verschieden. Mit ihm hat die deutsche Großindustrie ihren her-

! vorragendsten Vertreter verloren, der durch seine Leistungen aus dem Gebiete der Gußstahl-Fabrikation und speciell der Geschütz-Fabrikatton nicht nur der deutschen Industrie, sondern auch der deutschen Armee und überhaupt der mili­tärisch - technischen Entwickelung unseres Vaterlandes wesentliche Dienste geleistet hat. Wie Alfred Krupp aus industriellem Gebiete hervorragte, so war er auch als Mensch ausgezeichnet und durch seine weitgehende Fürsorge für die Tausende von Arbeitern, welche er beschäftigte und die mustergtltige Organisation seines RieseN'Etabliffements ist Krupp auch auf socialpolittschem Felde von nicht zu unterschätzender Bedeutung geworden. Die deutsche Nation wird das Andenken des Verstorbenen immerdar in Ehren halten.

Die Angelegenheit der englisch-türkischen Convention wegen Egyptens gestaltet sich vollständig zum polüischen Sommer-Mythus. Sir Drum­mond Wolff, der außerordentliche Bevollmächtigte Englands in Konstantinopel, spielt dort jedenfalls eine ziemlich zweifelhafte Rolle, denn immer wieder schiebt ec seine Abreise auf, um die Ratification des Vertrages durch den Sultan zu tilangen und er müßte doch allmälig wissen, daß dies nur ein frommer Wunsch bleiben roir\ Die Abreise Wolff's sollte nununwiderruflich" am letzten Freitag oder Samstag erfolgen und ist wohl auch geschehen, da man in London plötzlich zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß der egyptischen Convention keine allzugroße Wichtigkeit beizumeffen sei.Wir haben unsere Pflicht zu erfüllen" ver­sicherte der Unterstaatssecretär Ferguffon im Unterhausemag die Convention ratistcirt werden oder nicht, die Räumung Egyptens wird dadurch weder be­schleunigt noch verlängert." Wozu denn dann der ganze Lärm?

Die irische Strafrechtsbtll ist nunmehr unter Dach und Fach ge­bracht worden, indem das Oberhaus in seiner Freitagssttzung die Bill bei der Etnzelberathuna in der Fassung des Unterhauses erledigte.

Das russische Kaiserpaar ist in voriger Woche von dem Ausfluge nach den finnischen Scheeren wieder in der Sommer-Residenz Peterhos etnge- troffen. Darüber, ob die russischen Majestäten auch in diesem Sommer nach Kopenhagen zum Besuche des dänischen Hofes reisen werden, ist noch nichts Näheres bekannt.

Aus Moskau wird von einer Verschlimmerung im Befinden Katkow's berichtet und sollen seine Kräfte fichtlich verfallen.

Die russische Paßsteuer für solche Auslandspässe, welche aus 6 Mo­nate lauten, ist von 5 aus 10 Credit-Rubel erhöht worden.

Darmstadt, 18. Juli. Das Großh. Regierungsblatt (Bellage Nr. 20) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Ergebnisse der Verwaltung der Wittwen- und Waisen-Kaffe der Volksschul­lehrer vom Jahre 1885/86 betreffend.

2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Mainz, die für das Etatsjahr vom 1. April 1887 bis Ende März 1888 zur Bestreitung der Communal-Be- dürfniffe der Stadt Mainz zu erhebenden Umlagen betreffend.

3. Ordensverleihungen.

4. Namensveränderungen.

5. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1300 Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bessungen yrit einem Gehalt von 1200 JL Eine die (2.) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Laubach mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 900 bis 1200 Mit der Stelle ist Organisiendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Solms-Lau^ach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem kathol..Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Radheim mit einem Gehalt von 900 Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. An der VolkSichu.e zu Offenbach zwei Lehrerinnenstellen, von denen die eine mit einer evang. und die andere mit einer kath. Lehrerin zu besetzen ist, mit einem Anfangsgehalt von je 1200 X Dem Herrn Fürsten zu Ysenburg-Birstein steht das PräsentattcnS-