Ausgabe 
20.1.1887 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Donnerstag den 20. Januar

Nr. 16. wpm« ^vmiciviug oen &m. Januar ISST

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vrrreau r S ch u l st r a ß e 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

Amtlicher HheiL

reis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlobn. urch Lre Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Betreffend: Die Verwendung von Angehörigen der Forstwarte bei Arbeiten in Domanial- und CommunalwaLungew^^ 1887' Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Groß Herz »glichen Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, deren Gemeinden Wald besitzen, erhalten demnächst ein Exemplar eines Ausschreibens Grosth. Mniiieriums dar Abteilung für Forst- und Cameralverwaltuvg vom 17. Mai 1886, bezüglich der Verwendung von Angehörigen der Forstwarte be, Arbeiten in Commun^ Waldungen zur Nachachtung. uuuuu»

____________________________________ Dr. Boekmann.

Betreffend: Die Feuervisitationen.

Gießen, den 13. Januar 1887.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzh-rzoglich-n Bürgermeistereien des Kreises.

Im Interesse thunlichster Kostenersparniß hat Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz unter dem 22 December irr« S«.6 der Visitation der Feuerstätten nur ein Expert- zuzuziehen ist und daß die Besichtigungsbezirk- verkleinert werden. Wir haben deshM dle Besichtlgungsbezlrke neu emgetherlt und die Besichtigung der Feuerstätten m den einzelnen Gemeinden des Kreises den nachverzeichneten Verionen mi» Wirkung vom 25. o. M. an übertragen: w ^",vnen mu

1. dem Zimmermeister Andreas Otto in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in der Stadt Gießen-

2. dem Bezirksbauaufseher Rohrer in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Mendorf a. d. Lahn, Garbenteich Groken. Linden, Grunmgen, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg-

3. dem Bezirksbauaufseher S en ß selb er in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Lollar, Ruttershausen u Stausenbera- 4. dem früheren Bezirksbauaufseher Hahn in Gießen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Mendorf a. d- Lda. Alien-Bus^ Annerod, Bersrod Beuern, Daubringen, Großen-Buseck Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck und Winnerod! dem Bezirksbauaufseher Maring er in Grünberg die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach' Gellshausen, Göbelnrod, Grimberg Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, ReinhardshZ' Ruddmgshausen, Saajen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain; 9

6. dem Fürstl. Bauinspector Schön in Lich die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Albach, Burkhardsfelden, Dorf-Gill Eberüadt Ober-Horgern, Oppenrod und Sternbach; * 1 ' '

^essng/n' Besichtigung der^Feuerstätten in den Gemeinden Ettingshausen, Hattenrod, Lich, Münster, Nieder*

8. dem Bezirksbauaufseher H ein eck in Hungen die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinde« Bellersheim, Bettenhausen, Birklar Lunaen Inheiden, Langsdorf, Muschenheim, Ronnenroth, Obbornhofen, Röthges, Trais-Horloff, Utphe und Villingen- 9 ' ö3en'

9. dem Maurermeister Dietrich in Langd die Besichtigung der Feuerstätten in den Gemeinden Langd, Rabertshausen, Rodheim u. Steinheim ___________________ 1>r. Boekmann..

Politische Ueberstcht.

Gießen, 19. Januar.

Die Vorbereitungen zu den Wahlen des 21. Februar neh­men bereits ihren Anfang, indem von Seiten der Behörden an zahlreichen Orten schon die Wählerlisten ausgestellt worden sind. Freilich, Zeit ist auch wahrlich nicht mehr zu verlieren trennen uns doch vom Tage des Wahl­actes selbst nur wenig mehr als 4 Wochen und in diesen knappen Zeitraum muß diesmal Alles zusammengedrängt werden, was sich bei anderen Wahlfeld- zügen sonst aus Monate vertheilen ließ. Jedenfalls wird es nun bald von Wahlaufrufen, Wahlreden und Wahlartikeln wimmeln.

In diese beginnende Zeit der Wahlausregung hinein fällt nun der erste Sessions-Abschnitt des am vorigen Samstag zusammengetretenen preußischen Landtages und daß die Vorbereitungen zu den Reichstags­wahlen die Thätigkeit des Landtages in nachtheiliger Weise beeinflussen werden, ist klar. Ebenso erklärlich ist es aber auch, daß die durch die Reichstags- Auflösung gegebene politische Situation auf die Landtags-Verhandlungen nach­wirken wird und gilt dies zunächst vom preußischen Herrenhause. Hier stand am Montag der Antrag des Freiherrn v. Solemacher-Antweiler, eines der katholischen Mitglieder der vorjährigen kirchenpolilischen Commission, eine Adresse an den Kaiser zu erlassen, mit auf der Tagesordnung. Die Drucklegung des Antrages sollte erfolgen, wurde aber plötzlich verhindert, wahrscheinlich, weil die Fraktionen am Sonntag über denselben beriechen. Soviel bekannt ist, soll der Antrag ein Verbiet über das Verhalten des Reichstages in der Militärfrage enthalten und wäre ein derartiges Vorgehen eines Mitgliedes der Centrums­partei in der That höchst beachtenswerth. Auch im Abgeordnetenhause werden bei der Generaldebatte über den Etat die letzten großen Debatten des Reichs­tages allem Vermuthen nach ihr Echo finden und die Reden der Vertreter der regierungsfreundlichen wie der oppositionellen Parteien dürften da zum Theil schon den Charakter von Wahlreden tragen. Im Uebrigen erwarten jedoch auch den Landtag diesmal keine besonders wichtigen Aufgaben; am wenigsten erscheint da noch die Ankündigung einer neuen kirchenpolitischen Novelle, sowie der Vor­lage über die Kreis- und Provinzial-Ordnung für das Rheinland, womit die Verwaltungs-Reform ihren erfreulichen Fortgang nimmt. An und für sich bieten aber weder diese, noch die übrigen in der Thronrede angekündigten Vor­lagen einen Anlaß zu besonders aufregenden Debatten dar und der Landtag wird seine Geschäfte ruhig abwickeln können, wenn eben nicht aus der Mitte des Hauses selbst heraus aufregende Momente in die Verhandlungen hineinge- izogen werden.

Vor Kurzem fand in Berlin abermals eine jener Versammlungen von Eisenbahn-Technikern statt, welche seit einer Reihe von Jahren vom Minister der öffentlichen Arbeiten alljährlich berufen zu werden pflegen- um die zu weiterer Erhöhung der Sicherheit im Eisenbahnbetrieb in Vorschlag gebrachten technischen Maßnahmen zu erörtern und inzwischen gemachte Erfah­rungen auszutauschen. Aus dem vom Centralblatt der Bauverwaltung ver­öffentlichten Verhandlungs-Bericht heben wir die Mittheilung hervor, welche der Vorsitzende, Ministerial-Director Schneider, über die im letzten Herbst vorge­kommene Häufung von Ersenbahn-Unfällen machte. Demzufolge find nach den Ergebnissen der angestellten Untersuchungen die vorgekommenen Unfälle weder auf unzureichende Betriebseinrichtungen oder fehlerhaftes Material, noch auf unzweckmäßige oder nicht ausführbare Dienstanweisungen oder Ueberbürdung des Dienstpersonals, sondern lediglich auf Unaufmerksamkeit und Fahrlässigkeit einzelner Beamten, sowie auf Nichtbeachtung bestehender klarer Vorschriften zu­rückzuführen. Es gehe daraus, fügte der Vorsitzende hinzu, von Neuem hervor, daß die unbedingte Zuverlässigkeit der zahlreichen, im äußern Dienst beschäftigten Beamten stets dis erste Vorbedingung für die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes bilde. Deshalb müsse von den Verwaltungen mit größter Sorgfalt daraus ge­halten werden, daß in allen einzelnen Zweigen des Betriebsdienstes nur zuver­lässige, pflichttreue und mit ihren Obliegenheiten durchaus vertraute Beamte zur Verwendung kommen.

Der bayerische Minister des Auswärtigen, v. Crails­heim, ist am Montag Vormittag in Berlin eingetroffen und steht seine An­wesenheit in der Reickshauptstadt augenscheinlich mit den Fragen, welche durch die Auflösung des Reichstages hervorgerufen worden sind, in Verbindung.

Der österreichische Reichsrath ist laut kaiserlichem Erlaß auf den 28. Januar einberufen worden. Eine der ersten Fragen, die den Reichsrath gleich bei seinem Zusammentritte beschäftigen werden, dürfte diejenige des Aus­trittes der deutschen Abgeordneten sein, da verlautet, daß diese Angelegenheit von liberaler Seite zur Sprache gebracht werden soll. Wie bekannt, sind die ausgetretenen Abgeordneten mittelst Rescripts des Oberst-Landmarsckalls von Böhmen vom 9. d. Mts. aufgefordert worden, binnen 14 Tagen eine Erklärung an ihn gelangen zu lassen, ob sie ihre Sitze wieder einzunehmen gedenken, widri­genfalls sie ihrer Mandate für verlustig erklärt werden würren. Es ist kaum zweifelhaft, baß die deutsch-böhmischen Abgeordneten entschlossen sind, auch diese lktzte Confiquem ihres parlamentarischen Strik.s zu tragen. Im ungarischen Unterlaufe erklärte am Samstag Ministerpräsident Tisza bei der Budgetdebatte, er würde sich durch die Angriffe der Opposition nicht irre machen lassen und