Ausgabe 
17.8.1887
 
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Mr. 18S

Mittwoch den 17. August

Dirreairr Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Kreis vierteljährlich 2Mark 20 Pf. mit Bringerlolm.

..................................... ... Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Es wird HKrdmch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz unterm 9. d. Mts. dem Vorstand der Kolonie für EpileptischeBethel bei Bielefeld (Pastor von Bodelschwingh) die Erlaubniß ertheilt hat, während der Monate September Oktober und November l. I. eine Hauscollecte zum Besten der genannten Anstalt innerhalb des Großherzogthums zu veranstalten.

Gießen, am 16. August 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_____________________________________________________ Dr. Boekmann.

Betreffend: Die Sonntagsfeier. ~ Gießen, am 6. August 1887.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzogliche« Bürgermeistereien des Kreises.

Der Großherzogliche Ober-Amtsrichler Muhl zu Groß-Gerau hat unter dem Titeldie Störung des Gottesdienstes und die Störung der Feier der Sonn- und Fest-Tage nach Reichs- und Großh. Heff. Partikular-Recht" eine Zusammenstellung der Vorschriften über die Sonntagsfeier ausgearbeitet Da Lie genaue Kenntniß dieser Vorschriften sowohl für Sie als auch für das Polizei-Aufsichtsperfonal von Wichtigkeit ist, so empfehlen wir Ihnen das erwäbnte Schriftchen für Ihre Bibliothek anzuschaffen. *

_______________________________Dr. Boekmann.

Bekanntm achung.

Wegen Vornahme von Arbeiten an der Wafferleitung für den Kliniksneubau ist von Dienstag den 16. l. Mts. an der Verkehr für Wagen und Steller auf dem Wege von der Schiffenbergerstraße bis zu dem Uebergange der Oberhessischen Eisenbahn (Linie Gießen-Gelnhausen) nächst dem Bahnwärter- Ms Nr. 1 am Riegelpfad, bis auf Weiteres gesperrt.

Gießen, am 15. August 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

___ Fresenius.

Politische Uebersicht.

Gießen, 16. August.

Der Jahrestag des letzten gewaltigen Kampfe» in der Reihe jener DcbeutunggtMÜen Schlachten um Metz, welche die Einschließung der französischen Rheinarmee in diese Festung zur Folge hatten, der Tag von St. Privat un-d ©melotte, steht mit dem 18. August wiederum vor der Thür. Die Feier ldieser Ruhmestages für die deutsche Armee, an welcher man besonders in den urretsen der alten Krieger sesthält, wird diesmal durch die Weihe von 70 (?) "euer, Armeesahnen ein speciell hervorragendes Moment erhalten. Rur ßcheint die Zahl 70 zu hoch gegriffen zu sein, denn da es heißt, daß die neuen Zahnen, welche gegenwärtig in Berlin angesertigt werden, lediglich für die am ?: d- 3s. neu errichteten Truppentheile bestimmt seien, so würde hierzu

M Hälfte der genannten Zahl von Fahnen genügen. Es kämen demnach in «ettacht die vier neuen preußischen Infanterie-Regimenter Nr. 135, 136, 137, EM zusammen 12 Bataillonen und demnach 12 Fahnen, das neuformkte sächsische Infanterie - Regiment Nr. 139, mit .3 Bataillonen und demgemäß ^Fahnen, die zwölf vierten Bataillone preußischer und die drei vierten Bataillone badischer Regimenter mit zusammen 15 Fahnen und endlich die beiden a^cne Eisenbahn-Regiments mit 2 Fahnen. Es würde dies also k a?&e.r 70 Fahnen ergeben; der Train führt bekanntlich keine Fahnen »no Der Artillerie werden seit einigen Jahren keine mehr verliehen. Jedenfalls wird man nunmehr etwas Bestimmtes in dieser Angelegenheit erfahren. Zu rwaynen ist übrigens, daß die Wiederkehr des Jahrestages von Gravelotte rc. esmal ca. 1800 Kämpfer von 1870 in Metz vereinigen wird, die sich in zwei

L der eine von Hamburg, der andere von Reichenbach i. V. abgc- uii.n, nach den Reichslanden begeben haben.

iDtrniJl.» Ergebnisse der diesjährigen FuldaerBischofs-Conferenz vern mmt man zunächst nur das Eine, daß eine Adresse des preußischen Epis- k 'Papst festgestellt und eine Verständigung über die anzustrebende Regelung der Präsentationsfrage erzielt worden ist.

Sh-nfci; Schloße des Ministeriums für Elfaß-Lothringen sind, rger Privatberichten zufolge, Zwistigkeiten zwischen den Unterstaats.

iöeihrJJnmL89ebro*en- ist einerseits davon die Rede, daß zur Verhütung unb r ^bwungen die Stelle des Staatssecretärs wiederum besetzt werden solle, filmt, QTI bem dieselbe provisorisch versehenden Unterstaatssecretär v. Putt- «uA ki r,eit4 ^ibt es, der Unterstaatssecretär Lack, welcher interimistisch

? ?,^elle des Bürgermeister» von Straßburg versieht, werde letzteren SJL P endgiltig übernehmen und daher wieder aus dem Ministerium scheiden. ran^s x ^bldeten Vorgängen erhellt zum Mindesten das Eine, daß die Per- irvm , gerungen in den obersten Verwaltungs-Posien der Reichslande noch ©rnprimoHH rum Abschluß gelangt sind und daß demnach das bedenkliche -Nübebk in der Regierungs-Methode Elsaß-Lothringens immer von Neuem aetinMf i« kiäre wirklich dringend zu wünschen, daß einmal Ruhe und pEsche Verwaltung des Landes käme, denn wie kann sich ;«-ihltch meitetentmiSn ,$erfona['®etänbetunBen in ben maßgebenden Stellen

Waldbrand im Hertogenwald, an der deutsch- W ' sicher für Belgien schon zu einer Landes-Calamität zu wer-

vroyte, ist noch immer nicht ganz gelöscht- Indessen hat sich das Feuer

wenigstens nicht weiter ausgedehnt und namentlich scheint die Gefahr für den stark bedrohten bekannten Badeort Spaa geschwunden zu sein. Bis zum völligen Erlöschen des Brandes werden, wenn nicht Regengüsse eintreten, noch immer einige Tage vergehen, da jetzt die Torfmoore den Hauptseuerheerd bilden. D'r angerichtete Schaden beläuft sich aus Millionen von Francs und läßt sich zur Zett noch gar nicht näher taxiren.

Am Hofe zu Kopenhagen werden demnächst die Tage fürstlichen Familienlebens wieder beginnen. Bereits seit einiger Zeit ist daselbst die griechische Königsfamtlie vollständig versammelt und in allernächster Zett steht man in Kopenhagen auch dem Eintreffen des russischen Kaiserpaares und des Groß- sürsteN' Thronfolgers entgegen. Ob auch, wie in den beiden letzten Jahren, wiederum Mitglieder des englischen Königshauses auf dem fürstlichen Familien- tage von Kopenhagen erscheinen werden, ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Wenn man nach dem äußeren Scheine urthellen wollte, so stellte sich jetzt die allgemeine Lage in recht günstigem Lichte dar. Die bekannte Frie­de n s - B a n k e t r e d e S a l i s b u r y's, wie das freundliche Echo, welches dieselbe an der Newa gefunden hat, würden auf eine Platz greifende friedlichere Con- stellation hindeuten; indessen, dasJournal de St. Pötersbourg" will nur gerne hoffen", daß die Friedens-Verstcherungen vollkommen durch die Ereignisse gerechtfertigt werden mögen und das klingt noch refervirt genug. Eher könnte man aus der Antwort des Petersburger Blattes auf die Auslassungen des englischen Premiers auf eine sich markirende Annäherung zwischen England und Rußland schließen, als deren Ausgangspunkt man den Vergleich in dem afgha­nischen Grenzhandel betrachten könnte. Von dieser Annäherung ist schon seit dem Abschlüsse des afghanischen Grenzvertrages die Rede und würde sie, wenn sie wirklich greifbare Gestalt annähme, dem europäischen Schachbrett abermals einen veränderten Anblick geben; sür's Erste scheint indessen die englisch-russische Freundschaft noch in den Windeln zu liegen.

Deutschland.

Mainz, 13. August. Das bischöfliche Klerikal - Seminar wird am 25. October l. Js. in den bisher hierzu verwendeten Räumen des ehemaligen Augusttnerklosters aufs Neue eröffnet werden. Als Regen» desselben ist wieder­holt Herr Domkapitular Dr. Mousang in Aussicht genommen. Auch die früheren Professoren, Herr Domkapitular Dr. Holzamer, sowie die Herren Dr. Brück und Hundhausen, werden wieder thätig werden, der von dem tnmittelst zum Bischof consecrirten Herrn Dr. Haffner inne gehabte Lehrstuhl der Philosophie dagegen wird neu zu besetzen fein. Angemeldet sind bis daher über 40 Alumnen, davon etwa 20 der Dtöcese Mainz, die übrigen Süddeutschland und der Schweiz ange­hören. Zur Zeit des Bischofs v. Ketteler betrug die Durchschnittszahl der vier Jahre den Studien und praktischen Ausbildung in der Seelsorge im Seminar obliegenden Zöglinge zwischen 70 und 80, und man glaubt, daß nach Wieder­eröffnung de» Alumnats die Zahl der Zuhörer bald die gleiche sein werde, um so gewisser, al» die Bibliothek des Seminars inmittelst vielleicht die reichhaltigste ähnlicher Anstalten in Deutschland geworden ist. Durch verschiedene größere und höchst werthvolle Schenkungen und Vermächtnisse, unter welchen da» Ver- mächtniß des zu Heidelberg verstorbenen Prioatgelehrten Johann Friedr. Heinr. Schlosser 70,000 Bände aufweist, darunter die werthvollsten Polyglotten, Inku­nabeln rc., beziffert sich nämlich der derzeitige Bestand der Bibliothek auf