hierbei in Rechnung zu stellende AusbeuteverhLltniß trifft der Bundesrath Bestimmung.
Nachdem sich Bundescommifsar Krause und Aba. Gamp (Rchsp.) gegen den Antrag ausgesprochen, wird derselbe gegen die Stimmen der Freisinnigen und National- liberalen abgelehnt.
Hieraus wird die Weiterberathung auf morgen vertagt. Außerdem stehen auf der Tagesoidnung: Handelsvertrag mit Oesterreich, Etat.
Telegraphische Depeschen»
Wolffs telegr. 6
Leipzig, 14. December. Proceß Eabannes. Die Beweisaufnahme wird fortgesetzt. Es gelangen zur Verlesung die Gutachien des preußischen Kriegsministeriums und des Ministeriums zu Straßburg über die vom Angeklagten an die französische Regierung gelieferten Derwaltungsberichte; ebenso werden hierüber vernommen als Sachverständige Oberst v. Goßler, Major List und Geheimrath Harff. Danach gewähren die Berichte ein authentisches Bild über den Stand der Ernte, den Stand von Handel und Industrie, über Gesundheitsoerbältnisse, Militäroerhältnisse, Rekruten- aushebung, Hochbauten, Wasserbauten, Siraßenbauten, Herstellung und Befestigung von Brücken, Canalbauten, Anlegung neuer Eisenbahnen und Straßenbahnen, Vermehrung der Geleise und öffentliche Stimmung der Bevölkerung. Ste verschafften der französischen Regierung werlhvolles Material für zukünftige Kriegsoorbereitungen, indem sie dadurch ein vorzügliches Orientirunasmittel über die gelammten in Elsaß- Lothringen vorhandenen Hilfsmittel erhielt. Die Berichte mußten deßhalb zum Wohle des deutschen Reiches geheim gehalten werden; auch ein Laie konnte darüber nicht in Zweifel sein. Der Sachverständige Hcnff betonte namentlich die absolute objektive Zuverlässigkeit der Berichte, die ihnen besonderen Werth verleihen. Der Angeklagte bemerkt, er habe auf die Berichte keinen Werth gelegt.
— In der Nachmittags-Sitzung werden weitere Schriftstücke, die Angeklagter aus der Canzlei des Straßburger Bezirkspräsidiums entwendet und nach Frankreich gesandt hat, verlesen und darauf die Beweisaufnahme für geschlossen erklärt. In der nächsten Sitzung am Donnerstag finden die Schlußoorträge statt. Die Verkündigung des Urth-ils ist nicht vor Samstag zu erwarten.
Wien, 14. December. Das „Fremdenblatt" führt aus, die optimistische Auffassung in der inländischen und auswärtigen Presse über das Verhältniß Oesterreich- Ungarns zu Rußland scheine auf einer vollständigen Verwechselung der militärischen und politischen S.tuation zu beruhen. Die diplomatischen Beziehungen zu Rußland seien andauernd durchaus freundlicher Natur. Was die militäriiche Situation anlange, so habe sich nichts geändert oder gebessert. Wenn auch in letzter Zeit nichts Erschwerendes hinzugekommen, so sei doch zweifellos, daß eine militärische Machtverschiebung an der Grenze im Zuge sei, welche schon jetzt die ernsteste Wachsamkeit herausfordere und, wenn fortgesetzt, eine allmälige Erhöhung der österreichisch-ungarischen Streitmacht zur Erhaltung des militärischen Gleichgewichts erheischen würde. Die Tendenzen der österreichischen Politik seien andauernd friedliebend. Die von französischer Seite verbreitete Nachricht, als ob die deutsche Negierung und die deutsche Presse durch den Kriegslärm die Militärvorlagen durchdringen wollten, sei eine ganz alberne Fabel. Am Schluffe beißt es: „Wir glauben, die Regierung handelt den Jntereffen der Monarchie am meisten entsprechend, wenn sie Alles aufbietet, um ein günstiges politisches Verhältniß zu Rußland zu erhalten, und Alles vermeidet, was eine friedliche und freundliche Auseinandersetzung hindern könnte, bauet jedoch stets sorgsamst darüber wacht, daß im Falle eines Scheiterns dieser Bemühungen die militärische Situation der Monarchie nicht von vornherein eine ungünstigere geworden. Die Aenßerunyen der Vertretungskörper berechtigen zu der Zuversicht, daß die gesammte Bevölkerung bei aller Friedensliebe und allem Friedensbedürfniß jederzeit bereit sei, für die Sicherheit des Reiches mit ganzer und voller Kraft einzuireten.
Lokale-.
Gießen, 15. December. ^Schwurgericht.) Die gestrige Verhandlung gegen Johannes Zöckler IV. von Köddingen, welcher beschuldigt war, am 23. September ds. Js. vor dem Schöffengericht zu Ulrichstein einen falschen Eid geleistet zu haben, währte bis zum Abend, konnte jedoch nicht zum Abschluß gebracht werden, da die Verbringung des Angeklagten in eine Irrenanstalt jur Beobachtung seines Geisteszustandes für erforderlich erachtet und ausgesprochen wurde.
— sTheater.j Der große Erfolg, welchen die neueste Gesangsposse „Der Stabstrompeter" am vorigen Sonntag errungen, bat die Direction veranlaßt, das lustige Stück heute nochmals zur Aufführung zu bringen.
Vermischte-.
A Aus Rheinhessen, 14. December. Die Handelskammer in Bingen bat in ihrei letzten Sitzung beschlossen, die hessische Regierung um Veranstaltung einer Enquete zu ersuchen, ob und inwieweit die allgemein laut gewordenen Beschwerden über die häufig mißbräuchliche Führung und wucherischen Betriebe der sogenannten Abzahlungsgeschäfte unter Vorbehalt des Eigenthumsrechts auch innerhalb der Grenzen des Großherzoathums zu Tage getreten seien. Zugleich soll der Antrag gestellt werden, im Falle der Begründung zur Beseitigung und Verhütung der Ausschreitungen und Mißstände die geeigneten Maßregeln, wie Stellung dieser Anstalten unter behördliche Controle rc., zu treffen.
A Mainz, 14. December. In dem jüngst erwähnten Strafproceß gegen die beiden untreuen Beamten der Firma Dörr u. Reinhard in Worms wurde heute von dem Landgericht das Urtheil publicirt. Buchhalter Hamm erhält 1 Jahr 9 Monate und Commis Balz 9 Monate Gesängniß. Ersterem wird 1 Monat und Letzterem 3 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht.
— In dem Rhein hier wurde gestern ein eigenthümlicher Fund gemacht. Von Uferarbeitern wurde nämlich der Unterkörper eines etwa 8 Jahre alten Knaben gelanbet. Die Beine trugen eine sehr gute Bekleidung, während der Körper selbst schon ganz in Fäulniß übergegangen war. Ob hier ein Verbrechen vorliegt oder ob die Verstümmelung des Körpers eine Folge der vorgeschrittenen Verwesung ist, wird sich schwer feststellen lassen.
— Nächsten Sonntag findet im Museum hier mit einer entsprechenden Feia die Enthüllung einer Büste von dem unsterblichen Meister, Maler Philipp Veit, statt. Die Festrede wird Hofrath Dr. Schäfer von Darmstadt halten.
— Während noch vor einigen Tagen von allen Seilen Klagen über den niederen Wasserstand des Rheines laut wurden, steigt der Strom eben derart, daß schon wieder Befürchtungen einer Ueberschwemmung auftauchen. In den letzten 24 Stunden ist das Wasser über einen halben Meter gestiegen.
A Aus Rh ein Hessen, 14. December. Die Stationshalle der Secundärbahn in Wies-Oppenheim wurde vorverflossene Nacht von dem Winde zusammengerissen und deren Beslandtbeile in alle Winde vertheilt. — In Finthen wurde heute Morgen ein wohlhabender Mann aus genannter Gemarkung an einem Lattenzaun erhängt gefunden.
Literarische-.
Universum. Wir kommen mit jedem neu erscheinenden Heft dieser vortrefflichen Zeitschrift mehr zu der Ueberzeugung, daß das „Universum" als das entschieden, vollkommenste von allen ifluftrirten Journalen, welche überhaupt bleibenden Werth beanspruchen, bezeichnet werden muß Das „Universum" ist kein Blatt, welches auf die Lüsternheit und Frivolität des Publikums spekullrl; alles Sensationelle ist ihm fremd, dafür ist es aber ein echt deutsches FamiUenblaN ersten Ranges, an welchem unsere Frauen und Töchter einen reichen Schatz des Genusses finden werden.
Aus dem auserlesenen und mannigfachen Inhalt des eben erschienenen 9. Hefte- seien nur hervorgehoben: Der spannende Fortgang des packenden Romans „Nero- von Ernst Eckstein, die interessanten Aussätze „Am Latzfonser Kreuz" von H. E. o. Berlepsch, „Ein Besuch bei Dr. Holub und seiner Gattin", „Kamerun - Vorti äge" von Dr. Max Buchner, der Anfang der fein geschriebenen preisgekrönten Novelle „Mein Stern" von (5. Lauckner und die reizend illustrirte und unser Gesellschaftslaben mit treffendem Witz streifende Plauderei „Zur Eröffnung unserer Salons". Glicht minder wird das Interesse gefesselt duich den reichen Inhalt der „Allgemeinen Rundschau" dieses Hestes, welche unter Anderem auch eine von der Künstlerhand H. Nestel'- nach der Natur gezeichnete Abbildung der Villa des deutschen Kronprinzen in San Remo bringt.
Die Kunstoeilagen: „Adrian Brouwer und seine Modelle" von G. Papperitz ( u vhotozr. Druck), „Menuet" von R. Reinecke und „Was die Moorsrau braut" von E. Unger (m Holzschnitt, letzteres sogar zwcifarb g gedruckt) und in harmonischer Verbindung mit demselben auch die Textillustrationen zeichnen sich wieder durch die Eleganz und den Geichmack der Auswahl und Ausführung wie durch ihren hervorragenden künstlerischen Werth ganz besonders aus.
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— Ein treffliches Unterrichtsmittel und für Viele zugleich eine sehr willkommene Festgabe ist die soeben im Verlage von I. I. Weber in Leipzig erschienene BolkS- Zeicherr-Echrrle. Em Großfoliohefr von 40 Tafeln, auf starkes, sestes Papier gedruckt, zunl Preise von nur 2 Jt.
Handel und Verke hr.
— sBei Postsendungen zu brachten.) Richtigkeit, Deutlichkeit unt> Vollständigkeit der Aufschrift bei Postsendungen sind unerläßliche Vorbedingungen für die ordnungsmäßige Beförderung und Bestellung dec Postsendungen. Zur Vollständigkeit der Aufschrift gehört bei Briesen rc. nach Städten die Angabe von Straße und Hausnummer. Das Fehlen dieser Angaben beeinträchtigt die ordnungsmäßige Abwickelung des Bestelldienstes zum Nachtheile der Briefempfänger, sowie der Absender sehr oft in empfindlicher Weise, denn es wird das Bestellungsgeschäft verlangsamt, weil die Vervollständigung der Adressen sehr viel Zeit und Mühe erfordert, die Erledigung von Aufträgen kann mehrfach nicht rechtzeitig erfolgen, in vielen Fällen werden die Sendungen unbestellbar. Eine gründliche Besserung würde nur bann eintreten, wenn bei dem gelammten Postverkehr bei der Angabe des Wohnorts sowohl im kaufmännischen wie im rein privaten Verkehr und ohne Rücksicht darauf, um welche Arten von Postsendungen es sich handelt, auch die Wohnung selbst (Straße und Hausnummer) angegeben würde. Namentlich empfiehlt es sich, in der Unterschrift ober im Vordruck am Kopfe der Geschäftsbriefe, Wechsel, Rechnungen, Ankündigungen, auf der Außenseite der Briese, auf den Abschnitten der Postpacketadressen und Postanweisungen u. s. w. der Firmabezeichnung eine Angabe über die Lage der Wohnung bezw. der Geschäftsräume des Absenders nach Straße und Hausnummer hinzuzusugen. Mit Rücksicht auf den in der bevorstehenden Welhnachts- und Neujahrszeit wesentlich gesteigerten Packet- und Briefverkehr wirb auf die Anwendung richtiger, deutlicher und vollständiger Aufschriften bei Postsendungen besonders aufmerksam gemacht. *
Frankfurt, 14. December. Aus dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Malter JL 5.00—5.50, das Gescheit» 12—15 Eier das Hundert JL 0.00—0.00, bad St- 6-8 Butter im Großen ./M 00.00—0000, im Detail das Pfund vtt 1.10 bis 1.30, Weißkraut per Stück 15-20 Rothkraut per Stück 25—30 Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 35—60 A, Kalbfleisch 40—50 H, Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 45—60 1 Haha
vM 0.70—1.50, 1 Huhn JL 100—2 20, 1 Ente JL 1.50—3.00, Gans Pfund 55—65 A, 1 Taube 40-50 4, Welsche J6 12 00-00 00.
Limburg, 14. December. Rother Weizen pro Malter X 1465, weißer Welze« 14.50, Korn v4L 1020, Gerste JL 9.45, Hafer 5.70, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00. •
Kirchliche Anzeigen der toangd. Gemeinde.
Donnerstag, 15. Decbr, Abends 8 Uhr, Adventsandacht in der Siadtkirche, Pfarrer Dingeldey
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.
Freitag Abend 3« UJr, Samstag Vormittag 8» Uhr, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Cahn aus Fulda 930 Uhr, Samstag Nachmittag 3* Uhr. Samstag Abend 4" Uhr
Allgemeiner Anzeiger
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