Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Bnrean.
m , 14. Juni. Der Kaiser befindet fich wohl und hat in der
Nacht gut geschlafen.
... — Die Besserung im Befinden des Kaisers macht bemerkenswerthe Korb «ft A? ^l,er DerliE6 dar Bett und brachte den Nachmittag im Arveus-Ladlnet zu. ö
— Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Das telegraphisch fianalifirte Programm des neuen serbischen CabinetS, welches Ausrechterhaltunq der besten Begehungen mit allen fremden Staaten und Sparsamkeit in allen wirthschastlichen Angelegenhe ten als Richtschnur ausstellt, könne allseitig nur beifälliger Ausnahme verfichert fein, da dasselbe durchweg Punkte aufführe, welche in t)7n
Orientstaaren weitere Bürgschaften zu gewähren verspreche.
Leipzig, 14. Juni. Hochverrathsproceß. In der heutigen Berbandluna erfolgte zunächst die Lpecialvernehmung der Angeklagten Köchlin und Blech. Der erstere räumt em, em Abonnent der Zeitung „Le Drapeau" gewesen zu sein weil er ein Interesse daran habe, zu erfahren, was im Turn- und Schützen- wesen m Frankreich vorgehe. Er gesteht ferner ein, Mitglied der WotSa geworden zu sem und seit 1883 Beiträge an dieselbe gezahlt zu haben er ist
im Besitze der Medaille der Liga und der Statuten derselben bes nd 5 worden; doch beharrt er dabei nicht gewußt ,u haben, daß der Zw ck d r Palr otenliga gewesen sei, d.e M-dereroberung Elsaß Lothringens durch Waffew gemalt Herbeisuhren zu Helsen; er habe den Zweck der Liga nur dH. faßt den Patriotismus in Frankreich zu erwecken und zu erhöhen und die fran. zösische Jugend zum Verthetdigungrkrieg tüchtig zu machen/ Der Angel agte Blech antwortet vielfach ausweichend. Auch er will den Zweck der Liaa nick in dem Sinne aufgefaßt haben, wie die Anklage behauptet und meint, die Liga
Vermischte».
Bersrod, 12. Juni. Am Gestrigen wurde dahier ein seltenes Fest gesciert euie golden- Hochzeit. Der Landwirth Philipp Böhmer und dessen Ehlfrau Anna ®?rin0, ®f*rcn glückliche Jubelpaar, das nach SVjähriger, mit Frieden ge^segncter Ehe den Gedächtnihtag seiner Trauung feierlich sf? ^em k°rc,e.1rSiU0'i.^eJ untey Glockengeläute zur Kirche bewegte gingen die Enkelinnen und Enkel und oer Ortsgeistliche voran, dann kam das Jubelpaar gefolgt von den Kindern, Schwi-g-rkindern und sonstigen Angehörigen und Freundm VA re? rt^e ,®^de zuerst von der zahlreich versammelten Gemeinde ein den cbrift- Men Ehe- und Hausstand betreffendes Lied (Nr. 409 des neuen Gesangbuchs) gesuna m dann hielt der Pfarrer die Festrede über das Psalmwort: „Danket dem Herrn d°m er ist sreundlich und feine Gute währet ewiglich"; er zeigte wie reird sS $a“r ’.n i.einec *al*8en ®')e gewesen, dankte mit demselbtgen und dessen Angehörtam sur die übrige Lebenszeit ein. - Beide Eheleute-
Mann ift 76 unb bie ^rou 70 2iabre alt — erfreuen fid) noch DÖHtapr nnh Kraft bes Leibes unb ber Seele; sie waren gesegnet mit 4 Kinbern unb ^7 Enkeln hnfc &£»«” 3 ^r>nber un^ 1? ba§ Fest mitfeiern konnten. Gott verleiht
erleben möge!ft ß btamantene $oc^eit in Rieben unb Freuden
ceP <mr: 5janffurta.^.,13.^1 fStenograpbentag.1 Der 8. Stenogravbentao bes Mam-Rheingaues fanb gestern im Zoologischen Garten Hierselbst statt unb vcr- eintgte bieJunger ®abelöberger§ aus Aschaffenburg, Bensheim, Bockenheirn Dornstadt ®ie§en, Hanau, Höchst, Mainz, Mannheim und Offenbach in stattlicher Anzahl mit ben hiesigen Kunstgenossen. Wahrenb bie auswärtigen Gäste mit ihren Damen den Zoologischen Garten besichtigten, traten die Vertreter zur Erlebigung ihre? Ä» Angelegenheiten zusammen. Die Hauptversammlung begann unter Leitung b?r Her? n vr. Gantter (tfran furt) und Reallehrer Keßler (Offenbach) mit einem Preiswett" Spß 6£n&lIhtP Abheilungen, außerdem hielt ber Erstere einen Vortrag, worin er nach-
ba^. ©tenograpbie eine Forberung ber Gegenwart fei bereu Erlernung fid)
alle Berufsarten, welche viel zu schreiben haben, empfehle. 'Dem von F. Herbst ^F^ankfurt) erstatteten Jahresberichte entnehmen wir, daß sich bie Stenoaravbie Gabelsbergers wie allenthalben in Deutschland und Oesterreich, fo auch im »WdS g-bi-t- immer mehr ausbreitet. Der Verboud zählt jetzt 12 Gab lsberger Sttnoaravb-n- neretne unb 695 Mitglieder (gegen 10 SBeteine unfa 533 ORitgliäre imSoÄ) lZAe886/87U427 $er mr,n19 »'Zündet. In diesen V°?ein würden Shrmd des. Wahres 4^7 Personen neu m die Kunst der Schnellschrist einaeführt ^um F^lAurter Verein wieder gewählt. Der Nachmittag war der KuÄwerbe^e^ unb bie Sammlungen des Mitteldeutschen
^evereins waren den Festgasten tn zuvorkommendster Weise geöffnet unb nacb ber Besichtigung berselben langte man gerabe noch rechtzeitig im Zoologischen fiühMeaZm »K1!tiuä mit |einem gewaltigen Ballon Ü> di-
f.LÄT.'&b ™ «5SS. *"* ""»d r..„
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®orlefunflcn über Pathologie kam Herr Professor Virchow bei Erörterung gewisser im äbnlick si^d mck Änb" Processe, welche äußerlich denen der Käsebtldung rmÄmEä b/eu?r sprechen. Er bezeichnete bieselbe als ein burchaus zweckmäßiges Nahrungsmittel, weil sie in ber Form, in ber wir sie gewöhnlich ge- unb vegetabilische Nährstoffe in einer für den menschlichen
Organismus sehr geeigneten Verbindung enthalten. Also nur tüchtig Dickmilch
Lokals-.
Gießen, 15. Juni. Am 10. d. Mts. feierte Herr Kreisassistenzarzt t N ?? Sch m l d t dahier sein 50jähriges Doctorjubiläum. Die hiesige Universität q^nfp^r^n16^!!b tar b"rch den derzeitigen Decan der medicinischen Faeultät, Henn Professor Dr. B o fi r o in, das erneuerte Doctordiplom. Ferner empfing derselbe burrh w7tnGphIe Ier überbracht, ein Glückwunschschreiben dn
Mitglieder Großh. Ministeriums des Innern, Abtheilung für öffentliche Gesundbeits- »»ä ssa.*!Ä.“.,ÄS her in unserer Stadt im Privatbesitz befindlichen Gemälde zu eröffnen. In der Hoffnung, daß die Besitzer von Gemälden bereit sein weiden, dieselben auf die Dauer von hpc? pUr Aufstellung IN dem alten Schlosse zu überlassen, wird der Conservator des Vereins, Herr Vergolder Leib, in den nächsten Tagen die Gemälde abholen unv werhen aüe diejenigen, welche im Besitze von Gemälden sind gebeten Herrn Geheimerath v. Ritgen hiervon in Keuntniß zu setzen. '
^bater.f In der W. Ferber'schen Universitäts-Buch- SWÄ?“ eaHeIer Hof schauspieler ausgestellt. Das Gastspiel der Künstler findet bestimmt am 2. Juli statt. '
Gießen, 15. Juni. Als Zeichen, wie üppig die Saaten gegenwärtig stehen wurde uns heute ein bei der Gail'schen Villa in ber Wilhelmstratze gewachsener Korn- mefftn)"ha?te^^' W^X btC ftatthcbe ^bt)e ÜDn genau 2V3 Meter (ohne Wurzel gc-
Der Antrag Wedell wirb angenommen unb bomit ber ganze S 38; ber Antrag Eckarbtstein abgelehnt.
S 39 (Zuschlag zur Verbrauchsabgabe) sowie SS 37 (Einführungsbestimmung) unb 40 (Eontrolebestimmung) werben bebattelos angenommen.
S 41 ber Commissionsvorlage setzt ben Zoll für vom Auslanbe in Fässern ein- gehenben Arrac, Cognac unb Rum vom Tage bes Inkrafttretens bes Gesetzes ab auf 125 Mk., für allen übrigen Branntwein auf 180 Mk. für 100 Kilogr. fest.
Abg. Dr. Bromel (frs.) beantragt, bie Zollsätze auf 100 bezw. 150 Mk. festzusetzen.
Der Antrag ber Commission wirb angenommen; ebenso S 42 (Uebergangs- abgabe).
Abg. Struck mann (natl.) beantragt bie Aufnahme eines S 42», wonach ben Gemeinben bic Besteuerung bes in ihren Bezirken verbrauchten Weins ober Branntweins allgemein lanbesgesetzlich gestattet werben kann.
Finanzminister v. Scholz spricht sich gegen ben Antrag aus, ber nur einen platonischen Character gegenüber ben Gemeinben habe. Der Antrag sei für bie verbündeten Regierunaen unannehmbar, weil das jetzige Gesetz nicht wie das Branntweinmonopol erschöpfend und für alle Zeiten die Ansprüche des Reichs an den Branntwein als Steuerobject befriedige.
Abg. o. Huene (Centr.): Er denke nicht daran, den Branntwein noch anderweit zu besteuern.
Abg. Meyer-Breslau (frs.) ist verwundert, daß dieser „Bürgermeister"-Antrag, nachdem er in der Commission gefallen, hier wieder eingebracht werde. Derselbe habe mit dieser Vorlage nichts zu thun.
Abg. Dr. Miquel (natl.) erklärt Namens seiner politischen Freunde, daß sie die Branntwein-Besteuerung mit dieser Vorlage für abgeschlossen erachteten.
Abg. Richter: Aus der Aeußerung des Finanzministeis gehe hervor, daß die Branntweinindustrie auch nach Annahme dieser Vorlage nicht zur Ruhe kommen werde.
Finanzminister v. Scholz bestreitet, daß er eine dcmnächstige Erhöhung der Branntweinsteuer in Aussicht gestellt.
Abg. Dr. Windthorst: Er habe sich von vornherein für niedrigere Steuersätze ausgesprochen, weil er annahm, daß die Regierung doch früher oder später wiederkommen würde. Hoffentlich würden die Parteien künftig fest fein.
Abg. o. Kardorff (Reichsp.) erklärt Namens seiner Freunde, daß sie mit ber Vorlage bie Branntweinstcrierreform befinitiv für abgeschlossen halten. Eine Erklärung, daß niemals an eine Erhöhung ber Branntweinsteuer werde gedacht werden, könne bie Regierung unmöglich abgeben.
Abg. Richter (frs.): Er habe eine solche Erklärung des Finanzministers nicht provocirt, dieser habe sie aus freien Stücken abgegeben. Die Nationalliberalen würden trotz ihrer Erklärungen auch für weitere Steuererhohungen stimmen müssen, wenn sie nicht wieder in der Versenkung verschwinden wollten, aus der sie erst durch die Gnade des Reichskanzlers erhoben worden. Wenn sich eine Mehrheit nicht finde, so werde eben aufgelöst und durch Erregung von Kriegsbefürchtungen eine gefügige Mehrheit beschafft.
Abg. v. Bennigsen (natl.) spricht die Erwartung aus, daß der Reichstag in 1 dieser Session mit weiteren Steuerbewilligungen nicht belästigt werde. Herr Richter
greife hier und in seiner Presse die nationalliberale Partei in einer Weise an, wie sie nur bei den früheren Führern ber socialbemokralischen Partei üblich war, inbem er sich schmachvoller Wendungen, wie die von ber Versenkung bebiene. Was soll das heißen, daß „Kriegserregung künstlich heroorgerufen" worden sei, um bie Wahlen zu beeinflussen? Wenn sonst Jemanb von einem großen Unglück getroffen werbe, so gehe er in sich unb frage fich, ob er vielleicht einige Schuld daran trage. Herr Richter, der Führer einer großen Partei, verfahre nicht so. Die Fortschrittspartei habe seit zwanzig Jahren an keiner positiven Thäligkeit theilgenommen; auf diese Bahn könne ihr die nationalliberale Partei freilich nicht folgen. So lange die freisinnige Partei unter der Jetzigen Führung stehe, werbe sie von den übrigen Parteien nicht gefürchtet werden <Beifall.)
Abg. Richter (frs.): Die freisinnnige Partei habe seit zwanzig Jahren gegen die Beschränkung ber persönlichen Freiheit unb alle reactionären Maßregeln gekämpst. Das werbe auch Herr v. Bennigsen anerkennen müssen. Er werde in der national- \
liberalen Presse, die von der Reptilienpresse gar nicht mehr zu unterscheiden fei, täglich \ in ärgster Weise angegriffen. Die Wahlen seien gekünstelt worden, man habe die Bedeutung des Septennats entstellt und eine acute Kriegsgefahr hergestellt. Wenn man den Freisinnigen vorwerfe, daß sie nur eine kleine Partei seien, so erinnere er die Nationalliberalen daran, daß es ihnen vor wenigen Jahren ebenso ging. Damals sei Herr v. Bennigsen freilich so lange zurückgetreten, bis die Sonne des Kanzlers wieder feine Partei beleuchtete. Er glaube, daß es richtiger ist, gerade in solchen Momenten fest und mannhaft einzustehen für seine Principten. Die Fortschrittspartei sei schon einmal sehr klein gewesen, als man bie Bevölkerung anläßlich ber Attentate täuschte- i sie werbe auch diesmal wieder anwachsen. 1
Abg. Struckmann zieht seinen Antrag zurück.
§ 42 wirb angenommen, bie Berathung über S 43 (Uebergangsbestimmungen, Nachsteuer) ausgesetzt.
Zu § 44 (Bedingungen für den Anschluß ber sübdeutschen Staaten an bie Branntweinsteuergemeinschaft) beantragt Abg. v. Gag ern (Centr.), daß auch die Sätze der Consumsteuer gegenüber einem der in bie Branntweinsteuergemeinschaft neu ein- tretenben Staaten nur mit besten Zustimmung abgeänbert werben können. •
Abg. Dr. Windthorst befürwortet diesen Antrag, während sich die Bundes- bevollmachtigten v. Scholz (Preußen), Frhr. v. Lerchenfeld (Bayern), v. Schmid (Württemberg) und Scherer (Baden) entschieden dagegen aussprechen.
Der Antrag Gagern wird abgelehnt, die Paragraphen 44 und 45 unverändert angenommen.
Morgen: Rest der heutigen Tagesordnung, Unfallversicherung der Seeleute.
bedeute n der Hauptsache -ine Propaganda der Patriotismus und e, sei reit wohl möglich, daß Elsaß,Lothringen aus friedlichem Wege durch einen Vertrau für Frankr-tch wiedergewonnen werden könne. Blech räumt ein, 30,000 Frc- zur „Röpubl francaife" und 10,000 Frcr. zur „Petit- Röpubl. sran^ise "beii gesteuert, sowie Sammlungen sur ein Denkmal der Elsaß.Lothringer in Paris
für Gambetla veranstaltet zu haben. Er gesteht endlich ein, Mitglied dec Patnoienllga geworden zu sein und mehrmals Beiträge an dieselbe geleistet zu haben, glaubt aber trotzdem, daß er den, dem deutschen Kaiser m der Eigenschaft als Mitglied der ober-elsässtschen Bezirkstages steten Eid der Treue nicht verletzt habe. 9'
D° während der Pause im Verkehr der Angeklagten mit ihren zahlreich anwesenden Familienangehörigen und Bekannten große Unzuträglichketten voru-. kommen sind, hat der Präsident angeordnet, daß die Angeklagten in den Pausen in das Gesängntß zurückgesührt werden und jede Unterredung mit Familien, angehörigen seiner besonderen Erlaubniß bedürse. u
i „ Paris, 14. Juni. Der verloren geglaubte Tranrport.Damvfer Lin. dostan passirte heute Singapore. p
. London, 14 Juni. Nach dem officiellen Programm finden am Taae der Jubiläumsfeier drei Austahrten zur Westminsterabtei statt. In den -m-i ersten befinden sich die königlichen und fürstlichen Gäste. Der Austua der Königin und der königlichen Familie besteht aus elf Galawagen im elften ftfcen die Königin, die Kronprinzessin Victoria und die Prinzessin von Wales Der Kronprinz, der Prinz von Wales, die Herzöge von Connaught und von Edinburg, Prinz Christian und der Großherzog von Heffen reiten vor dem Wagen der Komgm, die übrigen englischen Prinzen, sowie Großfürst Seraius die Prinzen Wilhelm und Heinrich von Preußen, der Erbprinz von Sachsen' Meiningen und der Erbgroßherzog von Hessen hinter demselben.
. Petersburg, 14. Juni. Nach einem heute veröffentlichten Gesetz wird der Einfuhrzoll auf Näh. und Strickzwirn aus 6 Goldrubel pro Pud brutto festgesttzt. r v


